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25. April 2010






italo.log
Die wöchentliche
Gedichtanthologie
aus Italien.

Herausgegeben
von Roberto Galaverni
und Theresia Prammer.
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111: Andrea Ponso
110: Paolo Bertolani
109: Andrea Temporelli
108: Ermanno Krumm
107: Patrizia Cavalli (3)
106: Vivian Lamarque
105: Giancarlo Majorino
104: Toti Scialoja
103: Emilio Rentocchini
102: Eugenio Montale (4)
101: Maria Luisa Spaziani
100: Ignazio Buttita
099: Simone Cattaneo
098: Nanni Balestrini
097: Nino Pedretti
096: Marco Giovenale
095: Valentino Zeichen
094: Elio Pagliarani
093: Bartolo Cattafi
092: Luciano Cecchinel
091: Eugenio de Signoribus
090: Guido Ceronetti
089: Andrea Zanzotto (4)
088: Matteo Marchesini
087: Nicola Gardini
086: Attilio Bertolucci (2)
085: Flavio Santi
084: Gesualdo Bufalino
083: Gherardo Bortolotti
082: Giuliano Mesa
081: Albino Pierro
080: Beppe Salvia
079: Ottiero Ottieri
078: Eugenio Montale (3)
077: Antonio Riccardi
076: Amelia Rosselli (2)
075: Nelo Risi
074: David Maria Turoldo
073: Pier Paolo Pasolini (3)
072: Franco Scataglini
071: Patrizia Vicinelli
070: Milo de Angelis (2)
069: Umberto Piersanti
068: Giorgio Orelli
067: Elisa Biagini
066: Remo Pagnanelli (2)
065: Carlo Bettocchi
064: Vittorio Sereni (2)
063: Giorgio Bassani
062: Federico Italiano
061: Gabriele Frasca
060: Andrea Zanzotto (3)
059: Patrizia Cavalli (2)
058: Antonio Porta
057: Vincenzo Frungillo
056: Gianni D'Elia
055: Gregorio Scalise
054: Giorgio Caproni (2)
053: Stefano Dal Bianco
052: Biagio Marin
051: Elsa Morante
050: Franco Buffoni
049: Franco Loi (2)
048: Ferruccio Benzoni
047: Eugenio Montale (2)
046: Adriano Spatola
045: Dario Bellezza
044: Tonino Guerra
043: Luciano Erba
042: Jolanda Insana
041: Mario Luzi
040: Primo Levi
039: Valerio Magrelli (2)
038: Paolo Volponi
037: Alda Merini
036: Pier Paolo Pasolini (2)
035: Patrizia Valduga
034: Aldo Nove
033: Raffaello Baldini
032: Maurizio Cucchi
031: Piero Bigongiari
030: Andrea Zanzotto (2)
029: Gerhard Kofler
028: Remo Pagnanelli
027: Andrea Gibellini
026: Fabio Pusterla
025: Michele Sovente
024: Anna Maria Carpi
023: Gian Mario Villalta
022: Edoardo Sanguineti
021: Roberto Roversi
020: Patrizia Cavalli
019: Giuseppe Conte
018: Giovanni Giudici
017: Valerio Magrelli
016: Giorgio Caproni
015: Andrea Zanzotto
014: Attilio Bertolucci
013: Emilio Villa
012: Giampiero Neri
011: Giovanni Raboni
010: Amelia Rosselli
009: Sandro Penna
008: Antonella Anedda
007: Pier Paolo Pasolini
006: Fernando Bandini
005: Milo de Angelis
004: Vittorio Sereni
003: Franco Fortini
002: Franco Loi
001: Eugenio Montale




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Gedichte aus
Lateinamerika
(2005-2008).
Herausgegeben
von Timo Berger
und Rike Bolte.
Lyrik.Log
Die Gedichtanthologie
(2003-2005).
Herausgegeben
von Ron Winkler.

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bis

Basisgedichte der ersten Jahrhunderthälfte
Ein Einblick zum Abschluß

(Übertragen von Theresia Prammer)



Giovanni Pascoli
(San Mauro di Romagna 1855 – Bologna 1912)


Warten in Barga

In meinem Winkel, wo nichts zu mir dringt
als das Rascheln der Grannen des Korns,
dringt das Schlagen der Stunden hinein mit dem Wind
aus dem hinter Bergen verborgenen Dorf:
ein Ton, der sich gleich bleibt, der sachte versinkt,
wie eine schmeichelnde Stimme.

Du sagst: es ist Zeit; du sagst: es ist spät,
Stimme, die sachte hinabsinkt vom Himmel,
Doch ein wenig laß mich noch stehen und sehen
den Baum und die Biene, den Stiel und die Spinne,
Dinge, die Jahre, Jahrhunderte, Stunden alt sind
und Wolken, die ziehen, fort mit dem Wind.

Laß mich hier reglos noch ein wenig warten
unter so viel Auf und Ab von Flügeln und von Zweigen;
dem Hahn zuhören, der aus einem fernen Garten
kräht, ein andrer andernorts beschließt den Reigen.
Und wenn die Seele anderswo verweilt,
kräht eine Tannenmeise laut im Streit.

Und immer noch schlägt diese Stunde, schickt
zuerst einen spitzen Verwunderungsschrei,
um dann, mit der nämlichen Stimme an mich
das Wort zu richten, mich zu unterweisen,
Stimme, die schwerschwer ans Herz mir greift:
mir sagt: es ist spät; mir sagt: es ist Zeit.

So willst du also, daß ich mich zum Gehen wende?
Stimme, die sachte hinabsinkt vom Himmel?
Aber so schön ist dieses letzte Tages-Ende,
das wie durch einen Schleier zu mir schimmert!
Ich weiß: es ist Zeit, ich weiß: es ist spät;
doch ein wenig laß mich noch stehen und sehen.

Laß mich schauen, in mein Herz hinein,
laß mich zehren von meiner Vergangenheit;
wird da auf dem Baumstumpf noch diese Blume sein?
Gibt es noch einen Kuß, der an niemand verteilt ist?
In meinem Winkel, heimlich, im Schatten
laß mich das Leben beweinen, das ich nicht hatte!

Und immer noch schlägt da die Stunde, und schrill
zwei Mal ein Schrei, der beinah Unheil bringt,
und schließlich, jetzt wieder sachte und still,
beschleicht mich die Stimme in meinem Winkel.
Es ist spät! Es ist Zeit! Oh laß’ uns zurück dorthin,
wo die sind, die mich lieben, die ich lieben will.


L'ora di Barga

Al mio cantuccio, donde non sento
se non le reste brusir del grano,
il suon dell'ore viene col vento
dal non veduto borgo montano:
suono che uguale, che blando cade,
come una voce che persuade.

Tu dici, E` l'ora; tu dici, E` tardi,
voce che cadi blanda dal cielo.
Ma un poco ancora lascia che guardi
l'albero, il ragno, l'ape, lo stelo,
cose ch'han molti secoli o un anno
o un'ora, e quelle nubi che vanno.

Lasciami immoto qui rimanere
fra tanto moto d'ale e di fronde;
e udire il gallo che da un podere
chiama, e da un altro l'altro risponde,
e, quando altrove l'anima è fissa,
gli strilli d'una cincia che rissa.

E suona ancora l'ora, e mi manda
prima un suo grido di meraviglia
tinnulo, e quindi con la sua blanda
voce di prima parla e consiglia,
e grave grave grave m'incuora:
mi dice, E` tardi; mi dice, E` l'ora.

Tu vuoi che pensi dunque al ritorno,
voce che cadi blanda dal cielo!
Ma bello è questo poco di giorno
che mi traluce come da un velo!
Lo so ch'è l'ora, lo so ch'è tardi;
ma un poco ancora lascia che guardi.

Lascia che guardi dentro il mio cuore,
lascia ch'io viva del mio passato;
se c'è sul bronco sempre quel fiore,
s'io trovi un bacio che non ho dato!
Nel mio cantuccio d'ombra romita
lascia ch'io pianga su la mia vita!

E suona ancora l'ora, e mi squilla
due volte un grido quasi di cruccio,
e poi, tornata blanda e tranquilla,
mi persuade nel mio cantuccio:
è tardi! è l'ora! Sì, ritorniamo
dove son quelli ch'amano ed amo.

(Aus: Canti di Castelvecchio, 1903)




Gabriele D’Annunzio
(Pescara 1863 – Gardone Riviera 1938)


Regen im Pinienwald

Du schweigst. Und auf der Schwelle
des Waldes höre ich
dich keine Menschen-
Worte sagen, doch hör ich
neue Worte, die von
Tropfen handeln, fernen Blättern.
Horch! Es regnet
von den versprengten Wolken.
Regnet auf die Tamarisken
salzig, angeätzt,
regnet auf die Pinien
die stacheligen, abgeschälten,
regnet nieder auf die Myrten
göttlich,
auf den Ginster, widerstrahlend
von dichtgescharten Blüten,
auf die Wacholderhecken, schwer
von duftenden Beeren.
Es regnet auf unsere Wald-
Gesichter,
es regnet auf unsere bloßen
Hände,
auf unsere leichten
Gewänder,
auf die frischen Gedanken,
die der gereinigten Seele
entweichen,
auf das schöne Märchen,
gestern dich
und heute mich betörend
ach! Hermione.

Hörst du? Der Regen fällt
auf einsame
Gewächse
mit stetem Prasseln, wechselnd
je nach Blattwerk, in den Lüften
dichter, oder lichter.
Horch! Und Antwort gib
dem Weinen, und dem Singen
der Zikaden,
denen nicht bang ist vor
den Sternentränen, nicht bang
vor dem aschenen Himmel.
Und die Pinie
hat ihren Klang, die Myrte
einen andern, und der Ginster
wieder einen andern, verschiedene
Instrumente
unter unzähligen Fingern.
Und wir, so eingegangen
in den Geist
des Waldes,
unsre Leben baumgeworden,
und dein trunkenes Gesicht
vom Regen aufgeweicht,
dem Blatt gleich,
und dein Haar so wie
der helle Ginster duftend,
ach, Erdenwesen
mit Namen
Hermione.

Horch, so horch doch! Den Akkord
der luftigen Zikaden
wie er nach und nach
ein wenig tauber wird
dann aus der Tiefe ein Gewein,
das anwächst;
doch ein Lied mischt sich hinein
viel rauher noch
als es von unten aufsteigt,
aus dem feuchten, fernen Schwarz.
Immer tauber dann und schwach
entrückt es, und erlischt.
Nur eine Note noch
die bebt, vergeht
und wieder aufersteht, und bebend
dann verklingt.
(Das Meer hüllt sich in Schweigen.)
Dann hören wie der Silberregen
übers Laub
hinwegrauscht
wie er es reinwäscht,
sein Rascheln, wechselnd
je nach Laubes-
Dichte, oder Lichte.
Horch!
Die Tochter der Lüfte
ist stumm, doch die Tochter
des Schlamms, die ferne
Fröschin,
singt auf aus tieferem Schwarz:
wer weiß woher, wer weiß woher!
Und Regen sinkt auf deine Wimpern,
Hermione.

Regen sinkt auf deine schwarzen Wimpern
daß du beinah zu weinen scheinst, jedoch
aus Freude, und entsteigst
nicht weiß, doch wiedergrün,
der Rinde selbst.
Und so viel Leben ist in uns, so frisch
und duftend,
und das Herz ruht wie ein Pfirsich
geborgen in der Brust,
zwischen den Lidern stehen Augen
wie Wasseradern zwischen Gräsern,
die Zähne stecken in den Höhlen
wie Mandeln, unreif noch.
Und so streifen wir, von Busch zu Busch,
bald engumschlungen, bald für uns alleine
(und das rohe Grün-Gestrüpp
verstrickt sich um die Knöchel
verwickelt uns die Knie)
wer weiß wohin, wer weiß wohin!
Und es regnet auf unsere Wald-
Gesichter,
es regnet auf unsere bloßen
Hände,
auf unsere leichten
Gewänder,
auf die frischen Gedanken,
die der gereinigten Seele
entweichen,
auf das schöne Märchen,
gestern dich
und heute mich betörend
ach! Hermione.


La pioggia nel pineto

Taci. Su le soglie
del bosco non odo
parole che dici
umane; ma odo
parole più nuove
che parlano gocciole e foglie
lontane.
Ascolta. Piove
dalle nuvole sparse.
Piove su le tamerici
salmastre ed arse,
piove sui pini
scagliosi ed irti,
piove su i mirti
divini,
su le ginestre fulgenti
di fiori accolti,
su i ginepri folti
di coccole aulenti,
piove su i nostri volti
silvani,
piove su le nostre mani
ignude,
su i nostri vestimenti
leggeri,
su i freschi pensieri
che l'anima schiude
novella,
su la favola bella
che ieri
t'illuse, che oggi m'illude,
o Ermione.

Odi? La pioggia cade
su la solitaria
verdura
con un crepitio che dura
e varia nell'aria secondo le fronde
più rade, men rade.
Ascolta. Risponde
al pianto il canto
delle cicale
che il pianto australe
non impaura,
né il ciel cinerino.
E il pino
ha un suono, e il mirto
altro suono, e il ginepro
altro ancora, stromenti
diversi
sotto innumerevoli dita.
E immensi
noi siam nello spirito
silvestre,
d'arborea vita viventi;
e il tuo volto ebro
è molle di pioggia
come una foglia,
e le tue chiome
auliscono come
le chiare ginestre,
o creatura terrestre
che hai nome
Ermione.

Ascolta, Ascolta. L'accordo
delle aeree cicale
a poco a poco
più sordo
si fa sotto il pianto
che cresce;
ma un canto vi si mesce
più roco
che di laggiù sale,
dall'umida ombra remota.
Più sordo e più fioco
s'allenta, si spegne.
Sola una nota
ancor trema, si spegne,
risorge, trema, si spegne.
Non s'ode su tutta la fronda
crosciare
l'argentea pioggia
che monda,
il croscio che varia
secondo la fronda
più folta, men folta.
Ascolta.
La figlia dell'aria
è muta: ma la figlia
del limo lontana,
la rana,
canta nell'ombra più fonda,
chi sa dove, chi sa dove!
E piove su le tue ciglia,
Ermione.

Piove su le tue ciglia nere
sì che par tu pianga
ma di piacere; non bianca
ma quasi fatta virente,
par da scorza tu esca.
E tutta la vita è in noi fresca
aulente,
il cuor nel petto è come pesca
intatta,
tra le palpebre gli occhi
son come polle tra l'erbe,
i denti negli alveoli
son come mandorle acerbe.
E andiam di fratta in fratta,
or congiunti or disciolti
( e il verde vigor rude
ci allaccia i melleoli
c'intrica i ginocchi)
chi sa dove, chi sa dove!
E piove su i nostri volti
silvani,
piove su le nostre mani

ignude,
su i nostri vestimenti
leggeri,
su i freschi pensieri
che l'anima schiude
novella,
su la favola bella
che ieri
m'illuse, che oggi t'illude,
o Ermione.




Filippo Tommaso Marinetti
(Alessandria d’Egitto 1876 – Bellagio 1944)


Zeit und Raum, an die Leine gelegt

Ach Zeit! Ich schleudere mich dir entgegen,
und stutze dir die Flügel,
breche deine Asthma-Uhren-Stimme!
Bitte nur den Raum um Beistand
diesen alten, gichtkranken Geier
der hinter sich, wie einen Speichelstreifen
das weiße Band der Straßen herzieht und die großen Bögen
des Horizonts, zu gigantischen Schnecken
gerundet!...
Zeit! Raum! Einzige Gottheiten! Herrscher über das Welt-All!
Gegen euch begehre ich auf!

Raum! Wie ein Halsband legtest du
diesen wechselhaften Horizont mir um,
vor Bergen, Flächen, pelzbedeckten Städten strotzend!...
Du ließest mir, alleinige Freiheit,
den Abstand, der meine pochende Kehle
vom geschlossenen Kreis des Horizontes trennt...
Nun trage ich dir auf – kannst du verstehn? – ihn auszuweiten
weiter, immer immer, bis er ganz zerbirst!

Und du, elendigliche Zeit, wirst es ihm gleichtun!
Du mußt es lockern, tu mir den Gefallen,
das würgende und unheilschwere Halsband der Stunde...
der Stunde, welche jener, die wir leben, folgt
und sie einschnürt von jeder Seite,
um sie besser kleinzukriegen, um sie zu ersticken
meine Tat ertötend!

Zeit! Raum! Was würdet ihr wohl meinen
wenn ich jetzt, unvermittelt, binnen zehn Sekunden
den Zeitraum überquerte, der mich scheidet
von diesem runden Horizont, der
euren Berechnungen zufolge,
erst in einer Stunde meiner harrt?...
Haha! So lacht ihr gelb und fühlt sie wanken
unter euren Füßen, geometrisch, die Sockel
eurer tausendjährigen Herrschaft!

Das kommt - ich beicht es euch von Herzen -
davon, daß es mein Motor auf verblüffende Geschwindigkeiten bringt.
Im Übrigen, ihr wißt, nicht alle Kilometer
haben dieselbe Länge...
Manche zählen drei-, manche achthundert Meter! ...
Und da sind Stunden, die sich überschlagen
während andere in tiefen Schlaf verfallen...
All dem fehlt es an Ordnung und an Präzision!...
Und wisset, daß ein Geist, so wacker wie der meine
eine Stunde auf den Umfang einer Woche dehnen kann
oder sie pressen in der harten Faust,
wie eine Zitrone,
aus der nur der Saft
einer minuskülen Viertelstunde tropft!...

Vor lauter Wünschen und behutsamen Erwartungen,
lernte ich die geheimen Siegel der Kollare kennen,
rund um den Hals des Horizontes und der Stunde.
Und ja: jetzt schlage ich den Kopf
in die vier Ecken der vier Viertel-Stunden
die mich hier gefangen nehmen!
Doch drumherum, erklecklich größer, prangt ein Rahmen,
elastischer auch...
Es ist der Sonnentag.
Dann, weiter noch, die wechselhafte Jahreszeit,
fragil, und dehnbar ins Unendliche...
Seht her! Mein unbeugsamer Wille
und die Empfindsamkeit,
machen, zusammen mit der Antriebsschraube
aus dem Tempo eine absolute Kraft! ...

Raum, ich zwinge Dich, im Fliegen,
mir um den Hals herum, in voller Hast,
ohne zu rasten, ohne Unterlaß,
einen stets neuen Horizont zu legen!...
Immer neue Liebkosungen, immer düstere!...
Ist die Milchstraße,
die mich verschönt, in diesem Augenblick,
nicht eine glänzende Perlenkette,
die den Hals meiner Freundin
beinahe trunken macht?
Los, auf! Geschwind! In welchen Horizont
gedenkst du mich denn einzuschließen?!...

Zeit! Raum! Man wird euch zwingend überwinden!
Raum! Mit jedem Mal wirst du ein Stück verlieren,
von deiner Freundin, der Zeit...
Mein Zaumzeug ist zumindest hundertmal so weit
wie jenes, das den überholten Zug hier hält!
In einer Stunde wirst du meines lockern müssen
unendlich weit!...
Da wär’s doch besser, es gleich ganz zu lösen!...
Schwupp! Ist schon geschehn!
Zum Teufel mit der Zeit und mit dem Raum!


I collari del tempo e dello spazio

O Tempo! Mi scaglierò contro di te,
e ti spezzerò le ali,
e romperò la tua voce asmatica d’orologio!
Chiama pure alla riscossa lo spazio,
vecchio avoltoio podagroso
che lascia dietro di sè come striscia di bava
il bianco nastro delle strade e i grandi archi
dell’orizzonte, simili a immense lumache
arrotondate!...
Tempo! Spazio! Sole divinità padrone del mondo!
Io mi ribello contro di voi!

Spazio! Tu mi mettesti intorno al collo,
come una cavezza,
questo mutevole orizzonte
irto di monti, di piani e di città capellute!...
Tu mi lasciasti, sola libertà,
la distanza che separa la mia gola palpitante
dal cerchio chiuso dell’orizzonte....
Ora io t’impongo – comprendi? – d’allargarlo
di più, sempre di più, finchè si schianti!

E tu, esecrabile Tempo, farai altrettanto!
Tu devi, ti piaccia, allentare
la strangolante e sinistra cavezza dell’ora....
dell’ora che segue quella che viviamo
e che da ogni parte la stringe
per dominarla meglio e per soffocarla
uccidendo la mia azione!

Tempo! Spazio! Che direste
se bruscamente attraversassi, in dieci secondi,
l’intervallo che mi divide
da questo rotondo orizzonte
che, secondo i vostri calcoli,
m’aspetta soltanto fra un’ora?...
Ah! ah! ridete giallo, e sentite tremare
sotto i vostri piedi geometrici i piedestalli
della vostra potenza millenaria!

E’ perchè–cordialmente ve lo confesso–
il mio motore ha talvolta delle velocità stupefacenti.
Voi sapete, d’altronde, che tutti i chilometri
non sono lunghi ugualmente....
Alcuni sono di trecento, ed altri d’ottocento metri....
E vi sono delle ore che si slanciano
mentre altre s’addormentano....
Tutto ciò manca d’ordine e di precisione!...
Sappiate che uno spirito forte come il mio
può dare a un’ora l’ampiezza di una settimana,
o serrarla nel suo pugno duro,
come un limone
da cui colerà soltanto il sugo
d’un minuscolo quarto d’ora!...

A forza di desideri e d’attese guardinghe,
conobbi le segrete serrature
che chiudono i collari dell’orizzonte e dell’ora.
Ed ecco: adesso batto la testa
nei quattro cantoni di questi quattro quarti d’ora
che m’imprigionano!
Ma tutt’intorno c’è una cornice assai più grande,
e assai più elastica....
E’ la giornata solare.
Poi, più ampia, la mutevole stagione,
fragile, infinitamente allungabile....
guardate! La mia tenace volontà
e la mia sensibilità,
collaborando coll’elica
fanno della velocità una cosa assoluta!...

Spazio, io ti costringo, volando,
a mettermi intorno al collo, incessantemente,
senza riposo, ad ogni istante
un sempre nuovo orizzonte!...
Carezze sempre diverse e sempre più cupe!...
Non è la Via Lattea,
che m’abbellisce, in questo momento,
una fulgida collana di perle
che potrebbe inebbriare
il collo della mia amica?
Suvvia! Fa presto! In quale orizzonte
stai dunque per rinchiudermi!...

Tempo! Spazio! Sarete sorpassati per forza!
Spazio! tu perderai, ogni volta,
un po’ del tempo, tuo amico....
La mia cavezza è almeno cento volte più larga
di quella che lega quel treno sorpassato!
Fra un’ora tu dovrai allungare la mia
all’infinito!...
Meglio varrebbe abbandonarla subito!...
Ecco! E’ già fatto!
Al diavolo il Tempo e lo Spazio!

(Auszug aus: L’areoplano del papa, 1912 {franz. Ausgabe}/1914)




Guido Gozzano
(Torino 1883-1916)


Unterredungen

...Veteran der Liebe und des Todes
haben die beiden schönsten Dinge ihn betrogen..
.

I

Fünfundzwanzig Jahre!... Alt bin ich
alt! Die Jugend ist dahin, und eh sie schwand
vermachte sie mir die Verlassenheit als Pfand!

Ein Buch voll mit Vergangenheit, in das ich meine
Tränen presse, und ihrem blassen Schemen
folge, zwischen einen und dem nächsten Reim.

Fünfundzwanzig Jahre! In Betrachtung des biblischen
Wunders, seh ich die Sonne, die sich neigt
gemächlich, über meinem grauen Himmel.

Fünfundzwanzig Jahre! Schon sind die Dreißig
nicht mehr weit, beängstigend, getrübt von Siechtum
lebensmüde... und gleich darauf die Vierzig,

grauenhaft, das dumpfe Alter der Besiegten,
und dann das Greisentum mit seinen Possen
der eingefärbten Haare, und der künstlichen Gebisse.

O Jugend, nicht genug genossen,
dein wirkliches Gesicht seh ich erst jetzt
dein Lächeln, jenes der Geliebten, hingeflossen,

und erst im schnöden Trennungsaugenblick geschätzt!
Fünfundzwanzig!... Und je näher man
der andren Hälfte kommt, ach Jugend, desto mehr steht fest

wie schön du warst, so schön wie ein Roman!


II.

Doch ein Roman, den ich nicht selber leben kann,
den ich nur leben sah von einem andern, jenem,
der mir nachging, meinem schweigsamen Kumpan.

Ich weinte und ich lachte, um dieses andern wegen,
der weinte, lachte seinerseits, als mein perfektes
Gegenstück, so jung und so verwegen.

Bei jedem Schritt wend ich den Kopf zurück,
mit Neugier, und mit starrem Blick
seine Gedanken lesend, voller Gram und Glück.

Er dachte das, was ich dann wiederholte,
beschwichtigte die Schmerzen, die ich unterdrückt
lebte das Leben, das mir vorenthalten blieb.

Er liebte und er lebte, sein süßes Leben hin;
nicht ich, der nur in seinen Künstlerträumen,
die schöne Fabel zur Vollendung bringt.

Ich lebte nicht. Auf stummen Seiten stumm
zeichnete ich sein Porträt, oft mit Verwunderung.
Ich lebe nicht. Nur einsam, kalt, im Hintergrund,

seh ich mir lächelnd selbst beim Leben zu.


I colloqui

...reduce dall'Amore e dalla Morte
gli hanno mentito le due cose belle...

I.
Venticinqu'anni!... sono vecchio, sono
vecchio! Passò la giovinezza prima,
il dono mi lasciò dell'abbandono!

Un libro di passato, ov'io reprima
il mio singhiozzo e il pallido vestigio
riconosca di lei, tra rima e rima.

Venticinqu'anni! Medito il prodigio
biblico... guardo il sole che declina
già lentamente sul mio cielo grigio.

Venticinqu'anni... ed ecco la trentina
inquietante, torbida d'istinti
moribondi... ecco poi la quarantina

spaventosa, l'età cupa dei vinti,
poi la vecchiezza, l'orrida vecchiezza
dai denti finti e dai capelli tinti.

O non assai goduta giovinezza,
oggi ti vedo quale fosti, vedo
il tuo sorriso, amante che s'apprezza

solo nell'ora trista del congedo!
Venticinqu'anni!... Come più m'avanzo
all'altra meta, gioventù, m'avvedo

che fosti bella come un bel romanzo!

II.
Ma un bel romanzo che non fu vissuto
da me, ch'io vidi vivere da quello
che mi seguì, dal mio fratello muto.

Io piansi e risi per quel mio fratello
che pianse e rise, e fu come lo spetro
ideale di me, giovine e bello.

A ciascun passo mi rivolsi indietro,
curioso di lui, con occhi fissi
spiando il suo pensiero, or gaio or tetro.

Egli pensò le cose ch'io ridissi,
confortò la mia pena in sé romita,
e visse quella vita che non vissi.

Egli ama e vive la sua dolce vita;
non io che, solo nei miei sogni d'arte,
narrai la bella favola compita.

Non vissi. Muto sulle mute carte
ritrassi lui, meravigliando spesso.
Non vivo. Solo, gelido, in disparte,

sorrido e guardo vivere me stesso.

(Aus: I colloqui, 1911)




Umberto Saba
(Trieste 1883 – Gorizia 1957)


Triest

Ich habe die ganze Stadt durchstreift,
dann bin ich einen steilen Weg hinaufgestiegen,
anfangs belebt, dann menschenleer,
von einer kleinen Mauer eingefriedet:
ein Winkel, in dem ich nun alleine
sitze, und mir scheint, wo er endet
endet auch die Stadt.

Triest hat eine herbe
Anmut. Wenn es gefällt
gleicht es dem rauhen und hungrigen Jungen
mit blauen Augen, und Händen zu groß,
um eine Blume zu schenken;
gleicht einer Liebe
voll Eifersucht.
Von dieser Steigung seh' ich jede Kirche, jeden
Weg, ob er zum überfüllten Strand
oder zum Hügel führt, wo auf der felsigen
Kuppe ein letztes Häuschen sich festhält.

Ringsum
versprüht jedes Ding
eine seltsame Stimmung, eine Stimmung, die peinigt,
die Stimmung der Heimat.

Meine Stadt, an jedem Platz lebendig
hat Winkel, wie für mich gemacht, mein Leben
nachdenklich und scheu.


Trieste

Ho attraversata tutta la città.
Poi ho salita un'erta,
popolosa in principio, in là deserta,
chiusa da un muricciolo:
un cantuccio in cui solo
siedo; e mi pare che dove esso termina
termini la città.

Trieste ha una scontrosa
grazia. Se piace,
è come un ragazzaccio aspro e vorace,
con gli occhi azzurri e mani troppo grandi
per regalare un fiore;
come un amore
con gelosia.
Da quest'erta ogni chiesa, ogni sua via
scopro, se mena all'ingombrata spiaggia,
o alla collina cui, sulla sassosa
cima, una casa, l'ultima, s'aggrappa.

Intorno
circola ad ogni cosa
un'aria strana, un'aria tormentosa,
l'aria natia.

La mia città che in ogni parte è viva,
ha il cantuccio a me fatto, alla mia vita
pensosa e schiva.

(Aus: „Trieste è una donna“, in: Canzoniere, 1945)




Dino Campana
(Marradi 1885 – Scandicci 1932)


Die Chimäre

Ich weiß nicht, ob dein blasses Antlitz
Zwischen Felsen glänzte, ob du ein Lächeln
Warst, aus unbekannten
Weiten, leuchtend die geneigte
Stirn wie Elfenbein, oder die junge
Schwester der Gioconda:
Oder all die Frühlinge
Erloschen, für deine mythischen Blässen
O Königin, kindliche Königin:
Für dein ungekanntes Lied
Aus Wollust und aus Schmerz
Verblutete Mädchen-Musik,
Blutlinien zeichnen ihn
Den Kreis der geschwungenen Lippen,
Königin der Melodien:
Doch über das keusche, gesenkte
Haupt wachte ich, nächtlicher Dichter
Über strahlenden Sternen in den Himmelsuntiefen,
Ich: für dein zartes Geheimnis
Ich: für dein schweigsames Werden.
Ich weiß nicht, ob die fahle Flamme
Des Haars das lebendige Zeichen
Ihrer Blässe war, weiß nicht
Ob nicht vielleicht ein zarter Nebel,
Zart über meinen Schmerz sich legte,
Lächeln eines nächtlichen Gesichts:
Ich blicke auf die weißen Felsen, die stummen Quellen der Winde
Und auf die Unbeweglichkeit des Firmaments
Die geschwollenen Ströme, die weinend dahinziehen
Und Schatten menschlicher Mühsal, gekrümmt auf gefrorenen Höhn
Und wieder Schatten, ferne, helle, die über sanfte Himmel fliehen,
Und immer noch ruf ich dich, ruf dich Chimäre


La Chimera

Non so se tra roccie il tuo pallido
Viso m'apparve, o sorriso
Di lontananze ignote
Fosti, la china eburnea
Fronte fulgente o giovine
Suora de la Gioconda:
O delle primavere
Spente, per i tuoi mitici pallori
O Regina O Regina adolescente:
Ma per il tuo ignoto poema
Di voluttà e di dolore
Musica fanciulla esangue,
Segnato di linea di sangue
Nel cerchio delle labbra sinuose
Regina de la melodia:
Ma per il vergine capo
Reclino, io poeta notturno
Vegliai le stelle vivide nei pelaghi del cielo,
Io per il tuo dolce mistero
Io per il tuo divenir taciturno.
Non so se la fiamma pallida
Fu dei capelli il vivente
Segno del suo pallore,
Non so se fu un dolce vapore,
Dolce sul mio dolore,
Sorriso di un volto notturno:
Guardo le bianche rocce le mute fonti dei venti
E l'immobilità dei firmamenti
E i gonfii rivi che vanno piangenti
E l'ombre del lavoro umano curve là sui poggi algenti
E ancora per teneri cieli lontane chiare ombre correnti
E ancora ti chiamo ti chiamo Chimera




Virgilio Giotti
(Trieste 1885-1957)


Die Bigolere*


* Triestinisch für Pasta-Macherinnen

Auf der großen Welt, in einer
Stadt am großen Meer,
einer Stadt, die aus Städten besteht
darin Menschen und was sie bewegt;

hat sich, im Jahre neunzehnhundert-
vierzig nach Christi Geburt,
in einer Ecke der Peripherie
das folgende Bild abgespielt:

vier Mädchen (es ist
Samstag, früher Nachmittag),
Taglöhnerinnen der Teigwaren-
Handlung, sind nach Draußen gegangen,

um ein Tischlein herum,
zum Sirenenlaut,
den erhaltenen Taglohn
fest in den Taschen verstaut:

in den Schürzen des Kittels. Wie
junge Männer bestellen sie
einen Liter Weißwein, dazu
noch Zigaretten. Eine ist

schon aufgestanden, füllt
die Gläser, fiebrig, lustig,
die „Sport“ zwischen den rosa Lippen.
und die Nase in den Lüften.

Sie reden und sie plaudern miteinander,
vier Köpfe, zusammengesteckt,
und sie lachen und sie scherzen,
ein wenig wirr und überhitzt.

Und wie sie da sitzen und trinken
sind sie wie aufgeweckte Elstern,
die auf Hecken hinuntersegeln
mit weißen und schwarzen Flügeln.

So möchten sie sich freuen
miteinander, aneinander
an ihren achtzehn Jahren
allem, was sie sind und haben.

Wie schön sie sind! Geschöpfe
des Lebens, das gestern war,
heute ist, morgen
beginnt. Wahrhaftige

liebe Geschöpfe der Welt,
bei deren Anblick man beinahe
weinen möchte. Und einer, grau
sitzt da und sieht sie an:

ein Dichter. Auch er ist
schön, jawohl, auch er
ist Wesen dieser Welt,

von jetzt und damals, ist: ich selbst!

Ich, der, an diesem Nachmittag
in dieser Stadt am Meer
groß in der großen weiten Welt,
vom Tisch eines Vorstadtcafés

diese vier jungen Mädchen sah,
die Teigmacherinnen: dabei
nicht eigentlich fröhlich war,

doch auch nicht weiter betrübt.


Le bigolere

Nel mondo grando, ’n una
zità sul grando mar,
che ga zità e zità
e là gente e dafar;

nel mile nove zento
quaranta dopo Cristo,
’sto qua, ’n un canton de
subùrbio, se ga visto:

Quatro fie (e xe sabo
dopopranzo bonora),
giornaliere del pasti-
fìcio, vignude fora

co’ la sirena; in ciapo
’torno de un tavolin,
coi soldi de la paga
ficai nel scarselin

del traverson; che le òrdina,
come d’i giovinoti,
un litruz de vin bianco
e spagnoleti. I goti

una impinissi, alzada
in pïe, morbinosa,
c’un naso par in su
e el sport tra i labri rosa.

E le se parla e conta,
quatro teste tacade,
e le ridi e le scherza
un poco imborezzade

par quel che le ga fato.
Cheche le par alegre,
calade su ’na gràia
co’ le ale bianche e negre.

E cussì le se godi
in fra de lore un fià
dei su’ disdoto ani,
che xe quel che le ga.

Oh sì, bele! crature
de la vita che ieri
xe stada, che xe ogi,
che sarà diman. Veri

cari èsseri del mondo,
che a vardarle le fa
piànzer. E un le varda,
un griso, là sentà:

un poeta. Anca lui
bel, sì, anca lui, sì,
cratura de la vita
che iera e sarà: mi

Mi, che in ’sto dopopranzo,
in ’sta zità sul mar
grando nel grando mondo;
de ’na tola de un bar

del subùrbio; vardado
quele quatro fie go,
le bigolere, alegro
no, tristo gnanca no.

(Aus: Colori, 1943)




Aldo Palazzeschi
(Firenze 1885 – Roma 1974)


Wer bin ich?

Bin vielleicht ein Dichter?
Sicher nicht.
Sie kritzelt nur ein Wort, die Feder,
meiner Seele, seltsam noch dazu:
folie.
So bin ich also Maler?
Ausgeschlossen.
Nur eine Farbe ist auf der
Palette meiner Seele:
Melancholie.
Nun, ein Musiker vielleicht?
Mitnichten.
Nur aus einer Note besteht
die Klaviatur meiner Seele:
Nostalgie.
Dann bin ich... was bin ich dann?
Ich halte eine Lupe
vor mein Herz,
damit es jeder sehen kann.
Wer bin ich?
Der Bänkelsänger meiner Seele.


Il saltimbanco

Chi sono?
Son forse un poeta?
No certo.
Non scrive che una parola, ben strana,
la penna dell' anima mia:
follìa.
Son dunque un pittore?
Neanche.
Non à che un colore
la tavolozza dell' anima mia:
malinconìa.
Un musico allora?
Nemmeno.
Non c'è che una nota
nella tastiera dell' anima mia:
nostalgìa.
Son dunque... che cosa?
Io metto una lente
dinanzi al mio core,
per farlo vedere alla gente.
Chi sono?
Il saltimbanco dell' anima mia.

(Aus: Poemi, 1909)




Clemente Rebora
(Milano 1885 – Stresa 1957)


XLIX

Ach Poesie, in deinen lichten Vers
Der die Sehnsucht nach dem Frühling preist
Den Sieg des Sommers anficht
Hoffnung entfacht auf dem Auge des Himmels
Lauten Jubel entflammt im Herzen der Erde,
Ach Poesie, in deinen dunklen Vers
Der schlammige Pfützen durchwatet im Herbst
Eiszapfen abknickt im Winter
Gift spritzt ins Auge des Himmels
Das Herz der Erde wundkratzt,
Ach Poesie, in deinen Vers, unantastbar
Faßt du Formen und Figuren, die beinah schon
Leblos sind, zerschunden
An der aus Schwachheit
Gemeinen Geste, an der atemlosen
Luft, der unbestimmten
Wüsten Überfahrt
Zerstreuten Traums,
An der lustlosen Orgie
Der trunkenen Fantasie.
Nun, da du zu schweigen anhebst
Zum Gebell der Lesenden und Schreibenden
Zur Arglist der Verfälscher und Verdiener
Zum tristen Los der Leidenden, Geblendeten,
Bist du selbst Gebell, bist Tücke und bist Traurigkeit,
Bist die Fanfare
Die zum Marsch den Takt angibt
Die Heiterkeit, die ihrem Nächsten
Neuen Mut einflößt,
Bist die Gewißheit
Eines großen Schicksals, ach
Poesie, aus Kot und aus Blumen,
Aus Lebensangst und Gottesgegenwart gemacht
Ach tote, wiederauferstandene
Weltenbürgerin in Ketten!


XLIX

O poesia, nel lucido verso
Che l'ansietà di primavera esalta
Che la vittoria dell'estate assalta
Che speranze nell'occhio del cielo divampa
Che tripudi sul cuor della terra conflagra,
O poesia, nel livido verso
Che sguazza fanghiglia d'autunno
Che spezza ghiaccioli d'inverno
Che schizza veleno nell'occhio del cielo
Che strizza ferite sul cuor della terra,
O poesia nel verso inviolabile
Tu stringi le forme che dentro
Malvive svanivan nel labile
Gesto vigliacco, nell'aria
Senza respiro, nel varco
Indefinito e deserto
Del sogno disperso,
Nell'orgia senza piacere
Dell'ebbra fantasia;
E mentre ti levi a tacere
Sulla cagnara di chi legge e scrive
Sulla malizia di chi lucra e svaria
Sulla tristezza di chi soffre e accieca,
Tu sei cagnara e malizia e tristezza,
Ma sei la fanfara
Che ritma il cammino,
Ma sei la letizia
Che incuora il vicino,
Ma sei la certezza
Del grande destino,
O poesia di sterco e di fiori,
Terror della vita, presenza di Dio,
O morta e rinata
Cittadina del mondo catenata!

(Aus: Frammenti lirici, 1913)




Vincenzo Cardarelli
(Corneto Tarquinia 1887 – Roma 1959)


Vergangenheit

Die Erinnerungen, diese allzu langen Schatten
unseres kurzen Körpers,
diese Todes-Schleppe,
die wir im Laufe eines Lebens nach uns ziehen,
die düsteren und dauernden Erinnerungen,
da sind sie schon:
stumm und melancholisch,
Gespenster, aufgestört von einem Trauerwind.
Und du bist nicht mehr als Erinnerung.
Übergegangen in mein Gedächtnis.
Nun, getrost, kann ich sagen,
daß du mir angehörst
und daß etwas zwischen uns unwiderruflich
geschehen ist.
Und alles war vorbei, so hingerafft!
So überstürzt und leicht
holte die Zeit uns ein.
Aus flüchtigen Momenten wirkte ich eine Geschichte,
traurig und rund.
Wir hätten wissen müssen, daß die Liebe
das Leben auffrißt und die Zeit verscheucht.


Passato

I ricordi, queste ombre troppo lunghe
del nostro breve corpo,
questo strascico di morte
che noi lasciamo vivendo
i lugubri e durevoli ricordi,
eccoli già apparire:
melanconici e muti
fantasmi agitati da un vento funebre.
E tu non sei più che un ricordo.
Sei trapassata nella mia memoria.
Ora sì, posso dire che
che m'appartieni
e qualche cosa fra di noi è accaduto
irrevocabilmente.
Tutto finì, così rapito!
Precipitoso e lieve
il tempo ci raggiunse.
Di fuggevoli istanti ordì una storia
ben chiusa e triste.
Dovevamo saperlo che l'amore
brucia la vita e fa volare il tempo.

(Aus: Poesie, 1936)




Camillo Sbarbaro
(Santa Margherita Ligure 1888 – Savona 1967)


Nun schweigst du, Seele, der Freuden
und des Leidens müde (dem einen wie
dem andern hingegeben).
Horch ich, so hör ich keine deiner Stimmen:
Nicht die der Klage um die jammervolle
Jugend, nicht die des Zorns oder der Hoffnung,
ja nicht einmal die des Überdrusses.
                                             Wie der Körper
liegst du ausgestreckt, verstummt, erfüllt
von einer Art verzweifelten Gefügigkeit.

                                              Es würde uns nicht wundern
nicht wahr, meine Seele, wenn das Herz
nun stehenbliebe, und der Atem
stockte...
                                              Aber im Gegenteil: wir gehen,
gehen, du und ich, wie zwei Mondsüchtige.
Und die Bäume sind weiterhin Bäume, die Häuser
Häuser, die Frauen,
die unsre Wege kreuzen, Frauen, und alles ist
was es ist, und das ist auch schon alles.

Das alte Lied von Fröhlichkeit und Schmerz
tangiert uns nicht. Der Sirene der Welt hat es längst
die Stimme verschlagen, und die Welt wird zur riesigen
Wüste.
In dieser Wüste
betrachte ich mit trocknem Aug mich selbst.


Taci, anima stanca di godere
e di soffrire (all'uno e all'altro vai
rassegnata).
Nessuna voce tua odo se ascolto:
non di rimpianto per la miserabile
giovinezza, non d'ira o di speranza,
e neppure di tedio.
                                   Giaci come
il corpo, ammutolita, tutta piena
d'una rassegnazione disperata.

                                   Non ci stupiremmo,
non è vero, mia anima, se il cuore
si fermasse, sospeso se ci fosse
il fiato...
                                   Invece camminiamo,
camminiamo io e te come sonnambuli.
E gli alberi son alberi, le case
sono case, le donne
che passano son donne, e tutto è quello
che è, soltanto quel che è.

La vicenda di gioia e di dolore
non ci tocca. Perduto ha la voce
la sirena del mondo, e il mondo è un grande
deserto.
Nel deserto
io guardo con asciutti occhi me stesso.

(Aus: Pianissimo, 1914)




Giuseppe Ungaretti
(Alessandria d’Egitto 1888 – Milano 1970)


Die Flüsse
Cotici, den 16. August 1916

Ich halte mich fest an diesem verstümmelten Baum
verlassen in dieser Doline
mit der Wehmut
eines Zirkus’
vor oder nach der Vorstellung
und betrachte
das stumme Vorbeziehen
der Wolken über dem Mond

Heute Morgen habe ich mich
in eine Urne aus Wasser gelegt
und wie eine Reliquie
bin ich so liegengeblieben

Der Isonzo glättete mich
mit seinem Fließen
wie einen seiner Kiesel

Ich habe meine
paar Knochen zusammengerafft
und bin davongegangen
auf dem Wasser
wie ein Akrobat

Ich habe mich neben
meine vom Krieg besudelten
Kleider gekauert
und wie ein Beduine
vorgebeugt, um die Sonne
entgegenzunehmen

Das ist der Isonzo
hier habe ich mich
am stärksten
als fügsame Faser
des Universums erfahren

Meine Folter ist
mich nicht
in Harmonie
zu wähnen

Doch diese heimlichen
Hände
die mich durchdringen
schenken mir
das seltene
Glück

Ich habe die Zeitalter
meines Lebens
an mir vorbeiziehen sehen

Das sind
meine Flüsse

Das ist der Serchio
aus dem vor vielleicht
zweitausend Jahren
die Menschen meines Dorfes schöpften
mein Vater und meine Mutter

Das ist der Nil
er hat mich zur Welt kommen
und wachsen sehen
und glühen vor Unbewußtheit
in den weiten Ebenen

Das ist die Seine
und mit dieser ihrer Trübnis
habe ich mich vermischt
erfahren, wer ich bin

Das sind meine Flüsse,
gezählt im Isonzo

Das ist mein Heimweh,
das mir aus jedem von ihnen
entgegenschlägt
jetzt, wo es Nacht wird
und mein Leben mir scheint
wie ein Kranz
aus Finsternissen


I fiumi
Cotici il 16 agosto 1916

Mi tengo a quest’albero mutilato
abbandonato in questa dolina
che ha il languore
di un circo
prima o dopo lo spettacolo
e guardo
il passaggio quieto
delle nuvole sulla luna

Stamani mi sono disteso
in un’urna d’acqua
e come una reliquia
ho riposato

L’Isonzo scorrendo
mi levigava
come un suo sasso

Ho tirato su
le mie quattro ossa
e me ne sono andato
come un acrobata

Sull’acqua
mi sono accoccolato
vicino ai miei panni
sudici di guerra
e come un beduino
mi sono chinato a ricevere
il sole

Questo è l’Isonzo
e qui meglio
mi sono riconosciuto
una docile fibra
dell’universo

Il mio supplizio
è quando
non mi credo
in armonia

Ma quelle occulte
mani
che m’intridono
mi regalano
la rara
felicità

Ho ripassato
le epoche
della mia vita

Questi sono
i miei fiumi

Questo è il Serchio
al quale hanno attinto
duemil’anni forse
di gente mia campagnola
e mio padre e mia madre.

Questo è il Nilo
che mi ha visto
nascere e crescere
e ardere d’inconsapevolezza
nelle distese pianure

Questa è la Senna
e in quel suo torbido
mi sono rimescolato
e mi sono conosciuto

Questi sono i miei fiumi
contati nell’Isonzo

Questa è la mia nostalgia
che in ognuno
mi traspare
ora ch’è notte
che la mia vita mi pare
una corolla
di tenebre

(Aus: L’Allegria, 1931)




Eugenio Montale
(Genova 1896 – Milano 1981)


Die Zitronen

Horch, die lorbeerbekränzten Dichter,
sind nur zugange zwischen Pflanzen
mit ungewöhnlichen Namen: Buchsbaum, Liguster, Akanthus.
Ich, für mich, mag die Wege, die in gräserne
Gräben münden, wo in halbvertrockneten
Pfützen die Kinder ein paar schwindende
Aale zu fassen suchen: die Gäßchen, die den Abhang säumen,
hinunterführen zwischen Schilfrohrbüscheln
und in den Gärten enden, zwischen Zitronenbäumen.

Besser, die Schwänke der Vögel
verstummen, vom Blau des Himmels verschluckt:
viel klarer tönt dann das Gemurmel
der gewogenen Zweige, in fast schon regloser Luft
und der Sinn dieses Geruchs,
der sich nicht von der Erde zu lösen vermag
und eine unruhige Süße schneit in die Brust.
Hier schweigt wie durch ein Wunder
der Krieg der auseinanderstrebenden Passionen,
hier kommt auch uns Armen ein Anteil an Reichtum zu
und es ist der Geruch der Zitronen.

In dieser Stille, siehst du, wo die Dinge
sich gehen lassen und bereit erscheinen
ihr letztgehütetes Geheimnis preiszugeben,
erwartet man sich dann und wann
auf einen Irrtum der Natur zu stoßen,
den toten Punkt der Welt, den Ring, der nicht zusammenhält,
den Faden, der entwirrt sein will, um uns zuletzt
ins Zentrum einer Wahrheit zu verpflanzen.
Der Blick durchschweift die Gegend
der Geist forscht aus, stimmt ab, trennt auf
in diesem Duft, der um sich greift,
wenn der Tag sich verbraucht.
Es sind die Stillen, in denen man
in jedem menschlichen Schatten, der weiterzieht
eine aufgestörte Gottheit sieht.

Aber die Täuschung gebricht und die Zeit führt uns wieder
in die lärmenden Städte zurück, wo die Bläue des Himmels
nur stückweise aufblitzt, oben, zwischen den Simsen.
Und später, der Regen ermüdet die Erde; verdichtet
die Öde des Winters über den Häusern;
das Licht macht sich rar – die Seele karg.
Wenn einst, von einer schlecht verschlossnen Türe
zwischen den Bäumen irgendeines Hofs
die gelben Töne der Zitronen schimmern
und der Frost von den Herzen weicht
und unsere Brust durchbrausen
ihre Lieder
die goldnen Posaunen der Sonnigkeit.


I Limoni

Ascoltami, i poeti laureati
si muovono soltanto fra le piante
dai nomi poco usati: bossi ligustri o acanti.
lo, per me, amo le strade che riescono agli erbosi
fossi dove in pozzanghere
mezzo seccate agguantano i ragazzi
qualche sparuta anguilla:
le viuzze che seguono i ciglioni,
discendono tra i ciuffi delle canne
e mettono negli orti, tra gli alberi dei limoni.

Meglio se le gazzarre degli uccelli
si spengono inghiottite dall'azzurro:
più chiaro si ascolta il susurro
dei rami amici nell'aria che quasi non si muove,
e i sensi di quest'odore
che non sa staccarsi da terra
e piove in petto una dolcezza inquieta.
Qui delle divertite passioni
per miracolo tace la guerra,
qui tocca anche a noi poveri la nostra parte di ricchezza
ed è l'odore dei limoni.

Vedi, in questi silenzi in cui le cose
s'abbandonano e sembrano vicine
a tradire il loro ultimo segreto,
talora ci si aspetta
di scoprire uno sbaglio di Natura,
il punto morto del mondo, l'anello che non tiene,
il filo da disbrogliare che finalmente ci metta
nel mezzo di una verità.
Lo sguardo fruga d'intorno,
la mente indaga accorda disunisce
nel profumo che dilaga
quando il giorno piú languisce.
Sono i silenzi in cui si vede
in ogni ombra umana che si allontana
qualche disturbata Divinità.

Ma l'illusione manca e ci riporta il tempo
nelle città rurnorose dove l'azzurro si mostra
soltanto a pezzi, in alto, tra le cimase.
La pioggia stanca la terra, di poi; s'affolta
il tedio dell'inverno sulle case,
la luce si fa avara - amara l'anima.
Quando un giorno da un malchiuso portone
tra gli alberi di una corte
ci si mostrano i gialli dei limoni;
e il gelo dei cuore si sfa,
e in petto ci scrosciano
le loro canzoni
le trombe d'oro della solarità.

(Aus: Ossi di seppia, 1925)




Salvatore Quasimodo
(Modica 1901 – Napoli 1968)


Einsamkeiten

Eines Abends: bei Nebel und Wind,
glaubte ich mich einsam: ich und die Dunkelheit.
Auch keine Frauen; jene, die alleine
geben könnte, ohne dafür anderes
zu nehmen als die Stille
war bereits ohne ein Lachen
wie alles andere auch.
Fern von zuhause, jedem Zuhause
mit wachenden Lichtern
und Garnspulen, die gegen Morgen
auf die Steinböden grober Stuben schlagen.
Seit damals lausche ich
den Gesängen des letzten Mals.
Jemand ist wiedergekehrt, ist zerstreut aufgebrochen, zurück
ließ er nur fremde Kinderaugen,
tote Bäume an den Straßenrändern,
die mir zu lieben nicht gegeben war.
Auf dem Herzen der Erde steht jeder allein
durchbohrt von einem Sonnenstrahl:
und schon ist es Abend.


Solitudini

Una sera: nebbia,vento,
mi pensai solo: io e il buio.
Nè donne; e quella
che sola poteva donarmi
senza prendere altro che silenzio,
era già senza riso
come ogni cosa
ch'è morta
e non si può ricomporre.
Lontana la casa, ogni casa
che ha lumi di veglia
e spole che picchiano all'alba
quadrelli di rozzi tinelli.
Da allora
ascolto canzoni di ultima volta.
Qualcuno è tornato, è partito distratto
lasciandomi occhi di bimbi stranieri,
alberi morti su prode di strade
che non m'è dato amare.
Ognuno sta solo sul cuor della terra
trafitto da un raggio di sole:
ed è subito sera.

(Später in: Acque e terre, 1930)