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26. Oktober 2008






italo.log
Die wöchentliche
Gedichtanthologie
aus Italien.

Herausgegeben
von Roberto Galaverni
und Theresia Prammer.
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36:
Pier Paolo Pasolini (2)


Die zitternde Hand

Naturgemäß bin ich Teil des Getümmels
altersbedingt stehe ich außerhalb –
die Ambivalenz wird verstärkt durch die ambivalente Beziehung
zwischen Kontiguität und Similarität – danke, alter Jakobson!
nicht umsonst beruhst du, neben Poe, auch auf Valéry –
laßt uns ein wenig Dunkelheit hinzusetzen, so sagte er in der Tat –
es ist das, was ich mache, wenn ich lächle wie jemand, der nicht mitmischt,
UND UMGEKEHRT – und es ist auch das, was ich mache, wenn ich klare Dinge sage
und „Dunkles hinzusetze“, und, natürlich, UMGEKEHRT –
doch keiner vergißt, daß, wie die Märchen
auch die Strukturen zur Wiederholung tendieren, zur Nicht-Veränderung
und wenn eine literarische Strömung reaktionär gewesen ist
so war es wohl, trotz allem, der Symbolismus...
l’excitation prolongée entre le sens et le son...¹
wer nicht mitmischt, ist, das versteht sich, ein wenig reaktionär,
doch auch wer mitmischt ist das, ein wenig reaktionär; wer klar ist
mit all seinen Kommas, und wer den natürlichen Zwiespalt nährt,
indem er absichtlich Hindernisse schafft. Warum sollte man es nicht aussprechen?

¹ Von der „hésitation prolongée entre le son et le sens“ spricht Paul Valéry, von der „excitation” Pier Paolo Pasolini...

(übertragen von Theresia Prammer)


La man che trema

Per natura sono dentro la mischia
per età ne sono fuori –
l’ambigiutà è ribadita dal rapporto ambiguo
tra contiguità e similarità – grazie, vecchio Jakobson!
che non per nulla ti fondi oltre che su Poe, su Valéry –
mettiamoci un po’ di oscurità, egli infatti diceva –
è quello che faccio quando sorrido come chi è fuori dalla mischia,
E VICEVERSA – ed è quello che faccio quando dicendo cose chiare
“ci metto dell’oscurità”, e, naturalmente, VICEVERSA –
ma nessuno dimentica che come le fiabe
anche le strutture tendono a ripetersi, a non cambiare
e se una corrente letteraria è stata reazionaria
questa è stata il simbolismo, tuttavia...
l’excitation prolongée entre le sens et le son...
chi è fuori della mischia è, si capisce, un po’ reazionario,
ma anche chi è dentro lo è; un po’ reazionario è chi è chiaro,
con tutte le sue virgole, e chi aiuta la naturale ambiguità
creando apposta degli ostacoli. Perché non dirlo?

(Aus: Trasumar e Organizzar, 1971)


Pier Paolo Pasolini
© Giovanni Giovannetti/effigie

Pier Paolo Pasolini wurde 1922 in Bologna geboren. Seine Kindheit war geprägt von zahlreichen Umzügen innerhalb Norditaliens (Städte in den Regionen Emilia und Veneto). Literatur- und Kunstgeschichtestudium in Bologna (bei Roberto Longhi). Von 1943-1949 lebte er in Casarsa (Friuli), der Heimat der Mutter, wo er sich, während er sein Studium in Bologna abschloß, als Lehrer verdingte. Intensive literarische Produktion im Dialekt und in der Hochsprache; philologische Studien, Militanz in der „Academiuta de lenga friulana“. Lehramtsenthebung aufgrund des öffentlichen Bekanntwerdens seiner Homosexualität; Ausschluß aus der kommunistischen Partei. Gegen Kriegsende Nachricht vom Tod des Bruders, der bei Partisanenkämpfen ums Leben kam. 1949 Umzug nach Rom, wo er als Dichter, Kritiker und Herausgeber tätig ist. In dieser Zeit entstehen zwei Anthologien mit Dialektlyrik sowie die Aufsatzsammlung Passione e ideologia (1960). Arbeiten als Erzähler (der Roman Ragazzi di vita entstand 1955) sowie in zunehmendem Maße als Filmregisseur (Debütfilm Accattone, 1961). Mitherausgeber bzw. Mitarbeiter der Zeitschriften „Officina“, „Paragone“, „Nuovi Argomenti“ etc.; zahlreiche filmtheoretische und gesellschaftspolitische Schriften. Im Rahmen der Studentenunruhen um 1968 sorgt Pasolini mit eigenwilligen heretisch-kommunistischen Positionen und Polemiken für Aufsehen. Im November 1975 wird Pier Paolo Pasolini, unter bis heute nicht restlos geklärten Umständen, brutal ermordet. Lyrikbände, u.a.: Poesia a Casarsa (1942, im friulanischen Dialekt), La meglio gioventù (1954, friulanisch und venetisch), L’usignolo della Chiesa Cattolica (1958), Le ceneri di Gramsci (1975, dt. Gramscis Asche, 1980, übersetzt von Sabina und Toni Kienlechner), La religione del mio tempo (1961), Poesia in forma di rosa (1964), Trasumar e organizzar (1971).




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