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12. Oktober 2008






italo.log
Die wöchentliche
Gedichtanthologie
aus Italien.

Herausgegeben
von Roberto Galaverni
und Theresia Prammer.
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106: Vivian Lamarque
105: Giancarlo Majorino
104: Toti Scialoja
103: Emilio Rentocchini
102: Eugenio Montale (4)
101: Maria Luisa Spaziani
100: Ignazio Buttita
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098: Nanni Balestrini
097: Nino Pedretti
096: Marco Giovenale
095: Valentino Zeichen
094: Elio Pagliarani
093: Bartolo Cattafi
092: Luciano Cecchinel
091: Eugenio de Signoribus
090: Guido Ceronetti
089: Andrea Zanzotto (4)
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087: Nicola Gardini
086: Attilio Bertolucci (2)
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002: Franco Loi
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34:
Aldo Nove


Über mich selbst

Ich habe, vor nun gut zehn Jahren
ein Studio aus Konsonanten und Vokalen etabliert;
ich habe alle Zeit und alles Kapital
in diese lähmende Bemühung investiert.

Das Ganze auch noch ohne Autorisation
(auf meinem Sektor zählt das kaum):
ein wenig Krankheit, dazu Improvisation
sollten schon reichen. Dann, im Traum

von ewiglichem Ruhm, doch nicht vergessen
den Laden dichtzumachen, bis zuguterletzt
der Dunst von Leichen, von Katharsis dessen,

der endgültig von der Weidefläche läßt,
sich einschleicht in die Sammelwerke. Im Jenseits
kann man sich dann in Pose werfen, hämischen Gelächters.

(übertragen von Theresia Prammer)


Su me stesso

Ho aperto una palestra di vocali
e consonanti dieci anni fa;
ho investito tempo e capitali
in questa avvilente attività.

Non ho neppure l’autorizzazione
(nel mio settore non ce n’è bisogno):
un po’ di malattia, d’ispirazione
dovrebbero bastare. Poi, con sogno

d’imperitura fama ricordarsi
di chiudere il negozio, fino a quando
l’odore di cadavere, catarsi

finale di chi sta transumando
trapasserà alle altologie. Spararsi
nell’aldilà le pose, sogghignando.

(Aus: Fuoco su Babilonia, 2003)


Aldo Nove
Foto © Giovanni Giovannetti/effigie

Aldo Nove (Pseudonym für Antonio Centanin), Mitbegründer und Mitglied der Popliteraturgruppe „I cannibali“, wurde 1967 in Varese geboren und lebt in Mailand. Dort absolvierte er sein Philosophiestudium, war in den 90er Jahren erst als Redakteur der Zeitschrift für literarische Übersetzung „Testo a fronte”, später als Redakteur der Zeitschrift „Poesia“ tätig. Zusammen mit Elisabetta Sgarbi betreute er eine Lyrikreihe des Verlags Bompiani. Unter dem Namen Antonello Satta Centanin erschienen drei Gedichtsammlungen: Tornando nel tuo sangue (Spinea, 1989), Musica per streghe (Mailand, 1991) und, zum Teil mit Wiederaufnahmen, La luna vista da Viggiù (Mailand, 1994). 2003 kam der Sammelband Fuoco su Babilonia! heraus; 2007 erschien das Langgedicht Maria (Turin, 2007). Unter seinem nunmehr gefestigten Künstlernamen publizierte Nove mehrere erzählerische Texte (z.B. Woobinda e altre storie senza lieto fine, Rom, 1996; Amore mio infinito, Turin, 2000). Daneben umfaßt sein buntes Werk auch schräge Genres wie den alternativen Reiseführer Milano non è Milano (Rom-Bari, 2004), das Libretto zu einem „Soap Opera Musical“, eine Neuschrift berühmter Chansontexte von Fabrizio De André oder das zusammen mit Tiziano Scarpa und Raul Montanari verwirklichte Projekt Nelle galassie oggi come oggi (Turin, 2001): mit Gedichten als Cover-Versionen berühmter Songs.



Robert Fajen über Aldo Nove und die „cannibali“:

Für Autoren wie Niccolò Ammaniti, Aldo Nove oder Tiziano Scarpa, die in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts geboren wurden, scheint der Graben, der die Elitekultur von der alltäglichen Massenkultur trennt, kein Hindernis mehr zu sein: In ihren häufig schockierenden Texten scheuen sie auch vor dem schlechten Geschmack des italienischen Fernsehens nicht zurück. Doch wäre es ein Mißverständnis, darin eine Kapitulation der Literatur vor der übermächtigen neuen Medienwelt zu sehen. Denn die beiden entgegengesetzten Pole des ,Hohen’ und des ,Niedrigen’ hören nicht auf zu existieren, nur weil sie zueinander in Beziehung gesetzt werden: Wenn etwa der Venezianer Tiziano Scarpa gleich zu Beginn seines ersten Romans Occhi sulla craticola (1996) eine derbe skatologische Erzählsequenz mit einem gelehrten kulturanalytischen Pastiche verknüpft, dann entsteht aus dieser Kombination ein komischer Effekt, der gerade darauf gründet, daß der Leser das elitäre und das populäre Paradigma nach wie vor zu unterscheiden weiß. Die pulp-Autoren kennen keine ethischen oder ästhetischen Tabus; ihre Texte können tatsächlich alles – jedes Motiv, jeden Stil, jeden Diskurs der Vergangenheit und der Gegenwart – verschlingen. Wie Marino Sinibaldi bereits 1997 erkannt hat, sollte der grelle Name gioventù callibale (Kannibalenjugend) daher weniger auf den Blutdurst mancher zeitgenössischer Autoren bezogen werden als – in einem metaphorischen Sinne – ,auf ihre Gefräßigkeit, die darauf abzielt, sämtliche literarische und nicht-literarische Sprachen unser Zeit in sich aufzunehmen’. [...] Diese Heterogenität kann man als irritierend empfinden, in ihr liegt aber auch die große Stärke des poetischen Experiments der drei scrittori cannibali. Vielleicht sind nicht die ,poeti laureati’, sondern sie die eigentlichen Traditionalisten im Feld der italienischen Lyrik. Denn anders als manche Dichter und Literaturkritiker glauben sie auch im Zeitalter des Pop noch an eine Lyrik, die keine Grenzen kennt: an eine Poesie, die allgegenwärtig ist, „heutzutage / quer durch die Galaxien”. („Poesie der Allgegenwart. Zur Lyrik der scrittori cannibali”. In : Postmoderne Lyrik – Lyrik in der Postmoderne, hrsg. von Gerhard Penzkofer, 2007.)