SuKuLTuR-Leseheft-Paket




10. August 2008






italo.log
Die wöchentliche
Gedichtanthologie
aus Italien.

Herausgegeben
von Roberto Galaverni
und Theresia Prammer.
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(2005-2008).
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(2003-2005).
Herausgegeben
von Ron Winkler.

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25:
Michele Sovente


Die Vögel

Sie teilen sich die Luft
die Vögel, unter sich, im Winter,
und frühlings tragen sie auf ihren Flügeln
Sehnsüchte und Lichter.
Was sie sehen, was sie leiden
im Aufruhr der Winde,
– mit langgezogenem Kreischen, noch mehr
als die schlammigen Türen an der Schwelle
der Nacht –, das erzählen die Vögel
den Vögeln, voll Liebreiz und gewissenhaft.

(übertragen von Theresia Prammer)


Gli uccelli

Si dividono l’aria
gli uccelli tra loro, d’inverno
e a primavera luci e brame
sulle ali portando.
Ciò che vedono e soffrono
nel tumulto dei venti,
più delle porte fangose
a lungo stridendo, agli uccelli
sulla soglia della notte gli uccelli
soavi e precisi raccontano.


Aves

Cum avibus aves
aethera dividunt, luces
cupidinesque per alas
hieme et vere ferentes.
Suas poenas, sua itinera
In ventorum nequitia,
diutius quam ianuae limosae
stridentes, avibus
aves sub noctem suaves
enarrant subtiliter.

(Aus: Cumae, 1998)


Michele Sovente wurde 1948 in Cappella (Neapel) geboren, wo er auch lebt und als Schriftsteller und bildender Künstler tätig ist. Sovente unterrichtet an der Kunsthochschule („Accademia di Belle Arti“) von Neapel. Sein erster Gedichtband, L’uomo al naturale, erschien 1978 in Florenz. Es folgen u.a. Contropar(ab)ola, Per specula aenigmatis (Mailand, 1990), Cumae (Venedig, 1998) – ausgezeichnet mit dem ,premio Viareggio’ –, Carbones (Mailand, 2002), der Bild-Text-Band Carta e formiche (Neapel, 2005) und zuletzt Bradisismo (Garzanti, 2008). Neben den Gedichtsammlungen zahlreiche, in unterschiedlichen Zeitungen und Zeitschriften („Poesia“, „Paragone“, „Corriere della Sera“ etc.) verstreute kritische Aufsätze und Artikel. Michele Sovente schreibt auf Italienisch, Lateinisch, im Dialekt seiner Heimatregion sowie in Mischformen aus mehreren Komponenten.



Enrico Testa über Michele Sovente:

Formale Eigentümlichkeit der Dichtung Michele Soventes ist die Gleichzeitigkeit dreier verschiedener Sprachen in seinen Büchern: des Italienischen, des Lateinischen sowie des Dialekts der Phlegräischen Felder, der sich in Hinblick auf Phonetik und Lexikon beträchtlich von den Formen der jahrhundertealten neapoletanischen Lyriktradition unterscheidet. Die Beziehung zwischen diesen Sprachen verwirklicht sich in Gedichten mit zwei oder sogar drei Niederschriften, denen kein lineares Schema von Original und Übersetzung voransteht, sondern die einem Modell von Wiederaufnahme, Variation und Vertiefung der nämlichen Motive in unterschiedlichen Idiomen gehorchen. Alle Zutaten für literarische Raffinessen oder kunstvolle Kostproben eines nunmehr als untergegangen eingestuften Wortguts werden in diesen Gedichten eingesetzt. Wenn es dennoch nicht mit diesen Resultaten sein Bewenden hat, so ist das einerseits der metaphorischen Schubkraft dieses Schreibens zu verdanken, andererseits der außergewöhnlichen Vitalität der darin zum Tragen kommenden sprachlichen Mittel. Im Gegensatz zu vielen anderen Dichtungen in der Vernakularsprache ist der Rückgriff auf den Dialekt hier nicht von der Intention bestimmt – in Widerspruch oder als Alternative zum Italienischen – ein verlorenes Erbe wiederherzustellen, sondern vielmehr von einem Verhältnis der Zeitgenossenschaft mit der Nationalsprache angetrieben: so wie es in der Tat aufgrund konkreter soziolinguistischer Gegebenheiten der Fall ist in diesem Ausschnitt der Welt, auf dem der Autor sich bewegt. Für ihn „bestätigt sich das Lateinische als Sprache der Vorfahren, als Sprache einer fernen kollektiven Vergangenheit, dem Dialekt mehr denn je verwandt und verschwistert“ (De Blasi). Latein, Dialekt und Italienisch werden somit – wenn auch auf unterschiedlichen Zeitstufen – als lebendige und bis auf den Grund empfundene Wirklichkeiten vorgeführt [...].“ (In der Anthologie: Dopo la lirica, 2005, Kapitel zu Michele Sovente, Übersetzung: T. P.)




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