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15. Februar 2009






italo.log
Die wöchentliche
Gedichtanthologie
aus Italien.

Herausgegeben
von Roberto Galaverni
und Theresia Prammer.
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110: Paolo Bertolani
109: Andrea Temporelli
108: Ermanno Krumm
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106: Vivian Lamarque
105: Giancarlo Majorino
104: Toti Scialoja
103: Emilio Rentocchini
102: Eugenio Montale (4)
101: Maria Luisa Spaziani
100: Ignazio Buttita
099: Simone Cattaneo
098: Nanni Balestrini
097: Nino Pedretti
096: Marco Giovenale
095: Valentino Zeichen
094: Elio Pagliarani
093: Bartolo Cattafi
092: Luciano Cecchinel
091: Eugenio de Signoribus
090: Guido Ceronetti
089: Andrea Zanzotto (4)
088: Matteo Marchesini
087: Nicola Gardini
086: Attilio Bertolucci (2)
085: Flavio Santi
084: Gesualdo Bufalino
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078: Eugenio Montale (3)
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075: Nelo Risi
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036: Pier Paolo Pasolini (2)
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033: Raffaello Baldini
032: Maurizio Cucchi
031: Piero Bigongiari
030: Andrea Zanzotto (2)
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028: Remo Pagnanelli
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026: Fabio Pusterla
025: Michele Sovente
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023: Gian Mario Villalta
022: Edoardo Sanguineti
021: Roberto Roversi
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010: Amelia Rosselli
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002: Franco Loi
001: Eugenio Montale




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52:
Biagio Marin


[Erdrückt von der Notwendigkeit]


Erdrückt von der Notwendigkeit
des Tuns, das sich nach Bleiben sehnt,
hast du mich angehört, und wußtest stets:
ich war nur ein träumendes Herz.

Du hast mich angeblickt, in einer Schwebe
zwischen dem Lächeln und dem Weinen;
aus den geöffneten Fensterläden
drang der Geruch des Weines.

Die Reben und mein Leben
sie hatten den gleichen Duft;
du nahmst ihn wahr, mit leisem Beben
noch vor dem Nachtigallenruf.

(übertragen von Theresia Prammer)


[Sepolta soto la bisogna]


Sepolta soto la bisogna
del fâ che vol la casa,
tu m’ha scoltào persuasa
che fossi cuor che sogna.

Tu m’ha vardào, ma inserta
se piânze o se surîde;
da la finestra verta
vigniva odor de vide.

Le vide e la gno vita
’veva un profumo solo;
tu l’ha sintìo, fremendo sita,
prima che cantessa el rusignolo.

(Aus: El vento de l’eterno se fa teso, 1973)


Biagio Marin
Foto © Giovanni Giovannetti/effigie

Biagio Marin wurde 1891 auf der Insel Grado geboren und studierte u. a. an der Universität Wien. Nach Abschluß seines Studiums in Rom unterrichtete er in Gorizia; in späteren Jahren war er als Angestellter in Grado sowie als Bibliothekar in Triest tätig, wo er auch einen kulturellen Zirkel leitete. 1969 kehrte er nach Grado zurück, wo er, in den letzten Jahren seines Lebens beinahe zur Gänze erblindet, 1985 starb. Marin verfaßte ein umfangreiches Werk, das sich über den Zeitraum von mehr als sechzig Jahren erstreckt. Die erste Buchveröffentlichung, Fiuri de tapo, erscheint 1912, die letzte, La vose de la sera, 1985. Ein Großteil seines Schaffens ist in die zwei Ausgaben von I canti de l’isola eingegangen: die erste, 1951 in Udine erschienen, enthält die vor dem Krieg entstandene poetische Produktion, die zweite, 1970 in Triest publiziert, zahlreiche Gedichtzyklen aus den fünfziger und sechziger Jahren (z.B. Solitàe, 1961; Tra sera e note, 1968; El picolo nìo, 1969). 1981 folgte noch ein weiterer Band, in den die Gedichte aus dem letzten Lebensjahrzehnt Eingang finden (z. B. El vento de l’eterno se fa teso, 1973; Stele cagiùe, 1977). Sowohl Pier Paolo Pasolini als auch Carlo Bo und Claudio Magris haben, seit den frühen sechziger Jahren, Anthologien aus dem Werk Marins zusammengestellt (z.B. Solitàe, Mailand, 1961, hrsg. von Pier Paolo Pasolini).


Vincenzo Viola über Biagio Marin:

Die Welt Marins setzt sich aus einigen wenigen, immer wiederaufgenommenen Bausteinen zusammen: den Möwen, dem Sand, dem Meer, dem Wind, dem Regen, den Fischerbooten. Sie ist wie eine Insel, die der Dichter vor dem Vergehen der Zeit zu bewahren sucht (...), indem er sie fortwährend in der eigenen Erinnerung neu zusammenfügt, um sie in ein vollständiges, absolutes Universum zu verwandeln (...). Diese Themen und Motive sind von einer originellen sprachlichen Instrumentierung getragen: Marin geht vom gradesischen Dialekt aus, einem altertümlichen Venetisch, das ein sehr beschränktes Lexikon aufweist und über keinerlei literarische Tradition verfügt und formt es neu bis zu dem Punkt, wo man es, wie Montale feststellte, „beinahe für seine Erfindung halten könnte“. In dieser seiner Sprache kommen die Hinwendung des Dichters zur Authentizität seines „kleinen Lidos“ und eine raffinierte Beschäftigung mit italienischen, deutschen und spanischen, klassischen und zeitgenössischen Philosophen und Dichtern auf glückliche Weise zusammen. So wird hier ein Werk hervorgebracht, das, auf einer klaren und zarten Metrik beruhend (jenseits von experimentellen Strömungen aller Art), die ganze Musikalität der venetischen Tradition zur Geltung bringt und Worte zu finden vermag für das „Märchen“ des Lebens und des Todes: „der Tag währt einen Augenblick / jedoch der Zauber ewig“ / „dura un atimo el dì / ma xe eterno l’incanto“. (In: Poesia italiana del Novecento, a cura di Ermanno Krumm e Tiziano Rossi, 1997, Einleitung zu Biagio Marin, Übersetzung: T. P.)