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7. September 2008






italo.log
Die wöchentliche
Gedichtanthologie
aus Italien.

Herausgegeben
von Roberto Galaverni
und Theresia Prammer.
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29:
Gerhard Kofler


VOM FINDEN ABER DENNOCH NICHT VERSTEHEN

es war das Spiel, das wir dann doch noch spielen wollten
so haben wir uns auf den Weg gemacht, am vorletzten Tag
um jenen Punkt auf der Karte nicht unentdeckt zu lassen
so haben wir uns vorgesagt „we are going to Arcadia“
und im Umkreis wußte man es war die Rede
von jenem Ort gleichen Namens in Northwest-Ohio
doch dieses „et – ego“ kam nicht leicht über die Lippen
mit einiger Mühe näherten wir uns ihm an
studierten lange die Landkarten, wenig detailgetreu
(und das allein erinnerte uns an Griechenland)
es war ein Stursinn und wir wollten schon verzichten
als ich endlich vor dem Schild zu halten kam
das den Anfang anzeigte von irgendetwas
das einem dieser Midwestler einmal eingefallen war
ARKADIEN zu sagen an jenem gottverlassenen Ort

(übertragen von Theresia Prammer)


QUANDO PUR TROVANDO NON SI CAPISCE

era un gioco che infine volevamo giocare
e così al penultimo giorno ci siamo andati
non lasciando sconoscituo quel punto sulla carta
abbiamo detto „we are going to Arcadia”
e nei dintorni si sapeva che si parlava
dell’omonimo luogo nel Northwest-Ohio
ma non era facile dire quel “et – ego”
ci siamo avvicinati con alcuni sforzi
leggendo le carte incerte nei dettagli
(e questo solamente ci ricordava la Grecia)
era testarda l’idea e già volevamo rinunciare
ma infine ci stavo davanti al cartello
che segnalava l’inizio di qualchecosa
venuta nella testa di qualche midwestiano
per dire ARCADIA in quel luogo che c’è parso così desolato

(Aus: „Fughe americane”, in: Poesie di mare, terra e cielo, 2003)


Gerhard Kofler
Foto: Sabine Gruber

Gerhard Kofler wurde am 11. Februar 1949 in Bozen geboren und starb am 2. November 2005 in Wien. Studium der Germanistik und Romanistik in Innsbruck und Salzburg, 1999 Ehrendoktorat für Literatur. Kofler lebte als Schriftsteller, Literaturkritiker und Generalsekretär der Grazer Autorenversammlung in Wien. Zahlreiche Auszeichnungen, Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Kofler schrieb auf Italienisch und Deutsch und veröffentlichte auch Gedichte in spanischer Sprache sowie im neapolitanischen Dialekt. Übersetzer von Gedichten Umberto Sabas, Friederike Mayröckers, Ernst Jandls u.a. Unter seinen Büchern: Südtiroler Extravaganzen (Wien, 1981); Neue Südtiroler Extravaganzen (Wien, 1984); Die Rückseite der Geographie (Wien-Bozen, 1988); Poesie da calendario / Am Rand der Tage (Innsbruck, 1996); Il posto esposto / Der ausgesetzte Platz (Innsbruck, 1997); L’orologica dei versi / Die Uhrwerkslogik der Verse (Innsbruck, 1999). Im Jahr 2000 bzw. 2003 erschienen die umfangreichen zweisprachigen Sammelbände Poesie di mare e terra / Poesie von Meer und Erde (Klagenfurt, 2000) und Poesie di mare, terra e cielo / Poesie von Meer, Erde und Himmel (Klagenfurt, 2003). 2005 kam das Soliloquio d’autunno / Selbstgespräch im Herbst (Innsbruck, 2005) heraus sowie der Band mit Kurzprosa Taccuino delle ninfee / Tagebuch der Wasserrosen (Klagenfurt, 2005); im Jahr nach Koflers Tod erschien die von Hannelore Kofler betreute Trilogia nuova antica / Trilogie neu antik (Klagenfurt, 2006). Leopold Federmair übersetzte, auf Gerhard Koflers expliziten Wunsch, das Notizbuch über New York aus der Entfernung / Taccuino su Nuova York a distanza (Klagenfurt, 2007).


Leopold Federmair über Gerhard Kofler:

Bewußtheit schafft im Fall Gerhard Koflers keine theoriebeladenen, in Selbstreflexion versponnenen Gebilde, sie setzt vielmehr die Sinnlichkeit frei, die der italienischen Sprache (und natürlich auch der deutschen) als unendliches Potential innewohnt. Das Bewußtsein des Selbst, das bereits seine Spaltung voraussetzt und durch jene Bikulturalität verschärft wird, dient der sinnlichen Wahrnehmung der Klänge und der plastischen Wahrnehmung der Bilder bzw. generell der Bedeutungen. Koflers Gedichte kristallisieren, sie schießen an, und dies setzt einen organischen Reifungsprozeß voraus, eine langsame Ausformung der sprachlichen Gebilde meist im Rahmen eines Zyklus. Die Bilder, die dabei abfallen wie Blätter – fogli als foglie –, sind nicht gesucht, sie sind vielmehr gewachsen und nach erfolgtem Wachstum geerntet. Diese Eigenschaft gibt den Gedichten einen gediegenen, in manchen Ohren vielleicht konservativen Zug. Sie gehört aber zu ihrem Wesen und bedingt ihre poetische Kraft, die ein visuelles, oft lange nachwirkendes Schimmern erzeugt, jene visuelle Entsprechung der Stille, welche die akustischen Gebilde umgibt: kein Mantel des Schweigens und kein Bildersturm, sondern ein zwar tastendes, aber entschlossenes Weitergehen der Poesie. („Die Wahlverwandtschaften der Wörter. Über die Dichtung Gerhard Koflers“, in: Der Hammer 8, 2005)