Die Begeisterungs-Show 9 – 5.12.08




31. August 2008






italo.log
Die wöchentliche
Gedichtanthologie
aus Italien.

Herausgegeben
von Roberto Galaverni
und Theresia Prammer.
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Gedichte aus
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(2003-2005).
Herausgegeben
von Ron Winkler.

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28:
Remo Pagnanelli


wiederaufzutauchen unter Göttern
setzt die Vorstellung voraus, daß diese
sich oben befinden. Besser also,
der Analytiker-Vater stellt sich ein
auf die Hypothese, mich auszusetzen
am Kiesbett des Flusses.
Es sei denn sein Honorar
sieht einen Aufpreis vor
für die Verwandlung von
Mensch zu Schmetterling.

(Wie auch immer, der Mund weitet sich
in der Nähe des Wassers
und die Augen trinken das Grün
des Parks).

(übertragen von Theresia Prammer)


riemergere fra gli dei
prevede l’idea che questi stiano
in alto. È meglio allora che
l’analista padre si adatti
all’ipotesi di lasciarmi abbandonato
sul greto del fiume,
sempre che il suo onorario
non pretenda un sovraprezzo
per la trasformazione da
umano a farfalla.

(Comunque sia, la bocca si allarga
in prossimità dell’acqua
e gli occhi bevono il verde
del parco).

(Aus: Atelier d’inverno, 1985)


Remo Pagnanelli

Remo Pagnanelli wurde 1955 in Macerata geboren, wo er 1987 starb. Zu Lebzeiten publizierte er die Gedichtsammlungen Dopo (Forlì, 1981) und Atelier d’inverno (Treviso, 1985); letztere schließt auch die bereits 1984 erschienene Auswahl Musica da viaggio (Macerata, 1984) mit ein. Posthum erschienen die Gedichtbände Preparativi per la villeggiatura (Montebelluna, 1988), sowie eine Sammlung mit Jugendgedichten, Epigrammi dell’inconsistenza (herausgegeben von Eugenio De Signoribus, Grottammare, 1992). Die gesamte Gedichtproduktion Remo Pagnanellis wurde im von Daniela Marceschi herausgegebenen Band Le poesie geschlossen herausgebracht (Ancona, 2000). Auch als Kritiker überaus aktiv, war Pagnanelli zusammen mit dem Dichter Guido Garufi Begründer der Zeitschrift für Poesie und Kritik «Verso» und Herausgeber der Anthologie Poeti delle Marche, die Dichter aus den Marken, Remo Pagnanellis Heimatregion, vorstellt (Forlì, 1981). Weitere (poesie-)kritische Arbeiten: La ripetizione dell’esistere. Lettura dell’opera poetica di Vittorio Sereni (Milano, 1980), Figure della metamorfosi in Fabio Doplicher (Rom, 1985), Fortini (Ancona, 1988), Studi critici. Poesia e poeti italiani del secondo Novecento (herausgegeben von Daniela Marcheschi, Mailand, 1991) sowie Scritti sull’Arte (herausgegeben von Amedeo Anelli (Piacenza, 2007). Als Remo Pagnanelli sich am 22. November 1987 im Alter von 32 Jahren das Leben nimmt, hinterläßt er den Band Preparativi per la villeggiatura – „Vorbereitungen für einen Sommeraufenthalt“.



Roberto Galaverni über Remo Pagnanelli:

Remo Pagnanelli war ein radikal leopardianischer Dichter (...). Und Leopardi das meint für Pagnanelli vor allem das Thema der Natur (die bei Pagnanelli immer mit freudschen Elementen zusammenfällt, also verstanden als Beziehung zum Mutterleib, als Anziehungskraft des Ursprungs und Sehnsucht nach Einheit), doch es meint auch, und unumgänglicherweise, die Schönheit, die Liebe und den canto. (...) Darüber hinaus ist die poetische Linie des 20. Jahrhunderts, die Pagnanelli als die seine anerkennt und auf der seine dichterische Arbeit beruht (...) auf der Achse Montale-Sereni zu suchen, zu der Pagnanelli auch in seinen kritischen Arbeiten wiederholt zurückkehrt und die nicht zufällig jene spekulative und rationale Komponente zur Prämisse hat, die vielleicht die revolutionärste Hinterlassenschaft des poetischen Wirkens Giacomo Leopardis darstellt. Nicht, daß Pagnanelli den Wert anderer poetischer Möglichkeiten nicht anerkennen könnte – wie z.B. das Verständnis und die Aufnahmebereitschaft in Bezug auf Penna, Caproni und vor allem Bertolucci zeigt, oder in noch stärkerem Maße die ebenfalls sehr starken Affinitäten zum Schaffen von Persönlichkeiten, die zugleich als Kritiker und als Dichter aktiv waren wie z.B. Fortini oder Pasolini. (...) Doch was, wie gesagt, für Pagnanelli am meisten zählt, ist die Linie Montales und Serenis (der man noch die Vorreiterfigur des 20. Jahrhunderts, Guido Gozzano an die Seite stellen könnte): wobei allerdings klar sein sollte, daß Sereni nicht das „direkte Erbe“ Montales antritt, sondern höchstens für seine Überwindung mittels einer Wiederaufnahme und einer neuen Aufmerksamkeit für die „Weisungen“ der Geschichte steht, wobei eben bei Montale dieser Dialog zunehmend vom „Mißtrauen“ und der „Auslöschung“ der Geschichte selbst bedroht scheint. („Per un’immagine di Remo Pagnanelli“, in: Dopo la poesia, 2002. Übersetzung: T. P.)




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