Hier keine Kunst. Roman von Marc Degens.

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30. März 2008






italo.log
Die wöchentliche
Gedichtanthologie
aus Italien.

Herausgegeben
von Roberto Galaverni
und Theresia Prammer.
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12: Giampiero Neri
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10: Amelia Rosselli
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08: Antonella Anedda
07: Pier Paolo Pasolini
06: Fernando Bandini
05: Milo de Angelis
04: Vittorio Sereni
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02: Franco Loi
01: Eugenio Montale




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Gedichte aus
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(2005-2008).
Herausgegeben
von Timo Berger
und Rike Bolte.
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Die Gedichtanthologie
(2003-2005).
Herausgegeben
von Ron Winkler.

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06:
Fernando Bandini


Die Rückkehr des Kometen
(Auszug)

1
Hier stehe ich, im schwindenden Schatten der Jahre
und lese in den Zeitungen, daß der Komet von Halley
wiederkommen soll.
Wenige sehen ihn zweimal, die meisten
werden geboren, nachdem er vorbeizog und sterben,
ehe er wiederkehrt.

Sein Horn weist in die Richtung
einer Zukunft, die sofort hinabstürzt
in Schwaden von Erinnerungen.
Er tauchte wieder ab in diese seine lange
vorübergehend abgelegte Finsternis
und schon verblich die Kindheit der Väter
in den schwachen Kontrasten eines Stummfilms.

Die Vögel und Zikaden
erinnern sich nicht weiter an die Sterne:
für Schnäbel oder Vorderflügel
ist die Zeit eine Flut aus verstrichenen Frühlingen.
Die unentzifferbare Flucht der Erdenjahreszeiten
verzeichnet in menschlichen Falten.

Als Junge folgte ich Gordon Pym
bis in den weißen Trichter, der ihn auffrißt.
Nun ist alles längst erkannt, alles
bereits geschrieben. Nur der Himmel bleibt verschlossen
mit seinen sieben Siegeln.

(übertragen von Theresia Prammer)


Il ritorno della cometa

1
Sono qui nell’ombra declinante degli anni
e leggo sui giornali che sta per arrivare
la cometa di Halley.
Pochi la vedono due volte, c’è
chi nasce dopo il suo passaggio e muore
prima del suo ritorno.

Il suo corno è puntato
verso un futuro che precipita subito
in sale di memorie.
Si rituffava in quella sua
intervallata lunga oscurità
e già l’infanzia dei padri sbiadiva
nei deboli contrasti di una pellicola muta.

Gli uccelli e le cicale
non ricordano niente delle stelle:
per becchi per èlitre
il tempo è una borra di primavere morte.
La fuga indecifrabile delle stagioni terrestri
si fissa in rughe umane.

Da ragazzo ho seguito Gordon Pym
fino all’imbuto bianco che lo inghiotte.
Adesso è tutto conosciuto, tutto
già scritto. Solo il cielo resta chiuso
nei suoi sette sigilli.

(Aus: Santi di Dicembre, 1994)


Fernando Bandini
© Giovanni Giovannetti/effigie

Fernando Bandini wurde 1931 in Vicenza (Veneto) geboren, wo er auch lebt. Bandini ist Autor zahlreicher Gedichtbände auf Italienisch, Lateinisch sowie im Dialekt seiner Heimatstadt Vicenza, u.a.: In modo lampante (1963), Per partito preso (1965), Memoria del futuro (1969), La mantide e la città (1979), Il ritorno della cometa (1985), Santi di Dicembre (1994), Meridiano di Greenwich (1998), Dietro i cancelli e altrove (2007). Fernando Bandini arbeitet als Dozent für Metrik und Stilistik an der Universität Padova und als Gastprofessor an der Universität Genf. Für seine neulateinischen Gedichte erhielt er mehrere Auszeichungen (Certamen Hoefftianum, Amsterdam sowie Certamen Vaticanum der „Fondazione Latinitas“). Als Verfasser essayistischer und kritischer Arbeiten ist Bandini, neben Texten zur Poesie des 20. Jahrhunderts (Pier Paolo Pasolini, Andrea Zanzotto...), mit Beiträgen zur Dialektproduktion des 16. Jahrhunderts hervorgetreten sowie mit einem vielbeachteten Kommentar zu Giacomo Leopardis Canti.


Andrea Zanzotto über Fernando Bandini:

Neben Bandinis Arbeiten in einem relativ gleichmäßigen und stabilen Italienisch, scheinen seine rauhen und dunkelfunkelnden dialektalen Formen an etwas Gespenstisches, ja sogar Vampirisches zu gemahnen, bevölkern die Nächte mit kindlichen Gestalten, die Blutspuren hinterlassen in gefährlichen Spinnennetzen aus Schnee (...). Auch verwunschene Kinderreime bahnen sich ihren Weg in diese Stücke: Echos entfernter exorzistischer Kräfte, die jedoch nicht über die düstere Ahnung vom Untergang des Dialekts hinwegtäuschen können.
So gelangt man schließlich zum Mark, ebenso lebendig wie tot, sprich zum Lateinischen, das von Bandini auf so originelle Weise wiederaufgenommen wurde – was ihm nicht wenige Preise eintrug, beim „Hoefft“-Wettbewerb in Amsterdam zum Beispiel, oder auch die Auszeichnung des Certamen Vaticanum. (...) Bandini ist einer der wenigen lebenden Dichter, die ein wirklich umfassendes Bewußtsein für das haben, was sie tun (auch wenn er sich heute, in unserer Zeit, des Lateinischen bedient, welches das Siegel des Todes trägt und dennoch Indiz für ein neues Morgengrauen ist; kommt ihm doch, wie der Autor selbst feststellt, für uns Italiener den Stellenwert einer Grundierung des sprachlichen Unbewußten zu.) Und so hat die Freude, der Montale Ausdruck verlieh, als Bandini sein Gedicht La bufera aus dem gleichnamigen Band ins Lateinische übersetzte, ihre volle Berechtigung: jetzt fühle er sich sicher, sagte er, auch in zweitausend Jahren noch gelesen zu werden: was das Italienische, sein schwächerer Stammhalter, ihm nicht garantieren konnte. („Fernando Bandini“, in: Scritti sulla letteratura, 2001, Übersetzung: T. P.)




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