Hier keine Kunst. Roman von Marc Degens.

satt.orgLiteraturComicFilmMusikKunstGesellschaftFreizeitSuKuLTuR
LiteraturComicMusikFilmKunstGesellschaftFreizeitSuKuLTuR
 neue Beiträge | RSS-Feed RSS | satt.tv | Partner | Rundbrief | Impressum    |   Suchen     



18. Mai 2008






italo.log
Die wöchentliche
Gedichtanthologie
aus Italien.

Herausgegeben
von Roberto Galaverni
und Theresia Prammer.
     » Kontakt


     » Zum Geleit ...
26: Fabio Pusterla
25: Michele Sovente
24: Anna Maria Carpi
23: Gian Mario Villalta
22: Edoardo Sanguineti
21: Roberto Roversi
20: Patrizia Cavalli
19: Giuseppe Conte
18: Giovanni Giudici
17: Valerio Magrelli
16: Giorgio Caproni
15: Andrea Zanzotto
14: Attilio Bertolucci
13: Emilio Villa
12: Giampiero Neri
11: Giovanni Raboni
10: Amelia Rosselli
09: Sandro Penna
08: Antonella Anedda
07: Pier Paolo Pasolini
06: Fernando Bandini
05: Milo de Angelis
04: Vittorio Sereni
03: Franco Fortini
02: Franco Loi
01: Eugenio Montale




satt.org-Links:
Latin.Log
Gedichte aus
Lateinamerika
(2005-2008).
Herausgegeben
von Timo Berger
und Rike Bolte.
Lyrik.Log
Die Gedichtanthologie
(2003-2005).
Herausgegeben
von Ron Winkler.

Italo.Log-Logo

13:
Emilio Villa


Geolatrica

Tja, nun kann ich’s dir sagen, tibi, sabula, dicam.
Ich habe die große Zehe und den dazugehörigen Nagel
in die Fülle des Lehms gebohrt
auf der Suche nach den Körnchen
für die unterschiedlichen Fälle,
die aufsteigen aus den versiegelten Himmeln
durch die diversen Klassen von Seelen

ihr Wachsen, ihr
Anschwellen ist dem geschuldet,
was einfach nur strömt
schlicht strömt
zwischen Daumen in der Luft und Zehe
in der Erde
wir haben uns niemals zusammengetan
ich Körper, du Erde
es sei denn auf verschiedene Weisen
in verschiedenen, zweitrangigen Zweigen
nicht zu besänftigenden Zwanges
nach Erkenntnis, philogenetischer Bedrängnis

der Tod im Grunde
des Lehms
ist also nichts weiter
als eine schwache
Genugtuung
konzentrische Auszehrung
ätherischer Aase
ausgebluteter Übereinkünfte
fassungsloser Verdauungen

alles verbleibt im
Un-entsetzlichen
und in seinen Rosen, erodiert
von Luftzügen, Psychologemen
verqueren
logoi des Geschlechtlichen: ein-
gebildeten Illusionen, die
rufen aus dem Ultraunendlichen,
verendet in seinen erkalteten
Spalten, in gesättigter Blindheit aus
Gängen und Höhlen.

(1982)

(übertragen von Theresia Prammer)


Geolatrica

Beh, mo’ te dico, tibi, sabula, dicam.
Ho inserito l’alluce e l’unghia relativa
nel pieno dell’argilla
per cercarne i grani
per i differenti casi
che si sollevano dai cieli serrati
per le varie categorie di anime

la sua crescita, il suo
ingrossamento, è dovuta
a ciò che soltanto spira
semplicemente spira
tra pollice in aria e alluce
in terra
non ci siamo mai consociati
io corpo, tu terra
se non in maniere diverse
in rami diversi e secondari
di implacabile necessità
di conoscenza, di urgenza filogenetica

la morte in fondo
all’argilla
non sarà allora
che un tenue
compiacimento
concentrica consunzione
di eteree carogne
di esangui consensi
di digestioni esterrefatte

tutto rimane nel
non-tremendo
e nelle sue rose corrose
di ventilazioni, di psicologemi
di contorti
logos sessuati: di
miraggi presunti che
chiamano dall’ultrainfinito
finito nelle sue fredde
faglie, in sazia cecità di
percorsi e tane.

(1982)

(Aus: Zodiaco, 2000)


Emilio Villa
© Giovanni Giovannetti/effigie

Emilio Villa, 1914 in Affiori (Mailand) geboren, starb 2003 in Rieti. Villa wirkte als Dichter, Altertums-Forscher, Philologe und Kunstkritiker und schuf, als herausragender Kenner der mesopotamischen, hebräischen, altgriechischen und lateinischen Sprache und Kultur, Übersetzungen sowohl der Bibel als auch von Homers Odyssee ins Italienische. Im Grenzbereich zwischen schablonensprengender Wortkunst und bildnerischer Tätigkeit realisierte er verbal-visuelle Werke, Plastiken, genreübergreifende und mehrsprachige Texte (z.B. Heurarium, 1961; Brunt H options, 1968; L’homme qui descend quelque: roman metamytique, 1974). Langjährige Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern wie Burri, Nuvolo, Parmiggiani u.a., Initiator von Kunstaktionen, Urheber von Collage-Büchern und Poesie-Objekten. Ein Großteil von Villas verstreuten und legendär unauffindbaren Schriften ist nach wie vor unpubliziert; der erste Band seiner Opere poetiche erschien 1989, herausgegeben vom Villa-Spezialisten und Weggefährten Aldo Tagliaferri, der auch eine Monographie zum Autor verfaßt hat (Il clandestino. Vita e opere di Emilio Villa, 2004). Aus dem Jahr 2000, herausgegeben von Aldo Tagliaferri und Cecilia Bello Minciacchi, datiert die Gedichtsammlung Zodiaco. Ebenfalls Cecilia Bello brachte mit Proverbi e cantico (Bibliopolis, 2004) eine erste, mit kundigem kritischem Kommentar versehene Auswahl aus Villas Bibelübertragungen heraus.


Aldo Tagliaferri schreibt über dieses Gedicht:

Auf das ausgeprägte Interesse des Autors für die älteren Mythen der Kultur des Mittelmeerraums verweisen Geolatrica, bereits zu einem früheren Zeitpunkt in einer Ausgabe von 41 Exemplaren 1998 erschienen, und die zwei unveröffentlichten Gedichte namens Geolatria, die auf eine Reihe von Themen Bezug nehmen, die sich um die Figur der Gea drehen, die ihrerseits in gewisser Hinsicht an die Figur der Sybille anschließt, zieht man die Beziehungen gegenseitiger Abhängigkeit in Betracht, die zwischen diesen mythischen Elementen bestehen: das Hauptattribut von Delphi, sybillinischer Ort par excellence, ist „Nabel der Erde“, und Gea, das heißt die Mutter-Erde, Matrix von Energien, die nachkommende männliche Gottheiten vergeblich zu unterjochen oder zu verdrängen versuchen, ist auf der einen Seite Nahrung und Wachstum, auf der anderen indes schauerliches Dunkel und Rückkehr in die Unbewußtheit. Die Verwandtschaft zwischen den in Frage stehenden Mythologemen wirft auch ein Licht auf die Gründe für die in Geolatrica zutage tretende Ambivalenz in Bezug auf die angesprochene Gottheit, und somit auch auf die Herangehensweise dieser einzigartigen Hommage an die originäre Mutter-Materie, welche in launigem Ton anhebt, wie eine Reflexion über den Tod entwickelt wird und mit einem Annehmen der Endlichkeit beschließt [...]. (In: Zodiaco, 2000, Antologia a cura di Aldo Tagliaferri e Cecilia Bello, Übersetzung: T. P.)




 neue Beiträge | RSS-Feed RSS | satt.tv | Partner | Rundbrief | Impressum    |   Suchen     
LiteraturComicMusikFilmKunstGesellschaftFreizeitSuKuLTuR
satt.orgLiteraturComicFilmMusikKunstGesellschaftFreizeitSuKuLTuR