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5. Oktober 2008 italo.log Die wöchentliche Gedichtanthologie aus Italien. Herausgegeben von Roberto Galaverni und Theresia Prammer. » Kontakt » Zum Geleit ... 39: Valerio Magrelli (2) 38: Paolo Volponi 37: Alda Merini 36: Pier Paolo Pasolini (2) 35: Patrizia Valduga 34: Aldo Nove 33: Raffaello Baldini 32: Maurizio Cucchi 31: Piero Bigongiari 30: Andrea Zanzotto (2) 29: Gerhard Kofler 28: Remo Pagnanelli 27: Andrea Gibellini 26: Fabio Pusterla 25: Michele Sovente 24: Anna Maria Carpi 23: Gian Mario Villalta 22: Edoardo Sanguineti 21: Roberto Roversi 20: Patrizia Cavalli 19: Giuseppe Conte 18: Giovanni Giudici 17: Valerio Magrelli 16: Giorgio Caproni 15: Andrea Zanzotto 14: Attilio Bertolucci 13: Emilio Villa 12: Giampiero Neri 11: Giovanni Raboni 10: Amelia Rosselli 09: Sandro Penna 08: Antonella Anedda 07: Pier Paolo Pasolini 06: Fernando Bandini 05: Milo de Angelis 04: Vittorio Sereni 03: Franco Fortini 02: Franco Loi 01: Eugenio Montale satt.org-Links: Latin.Log Gedichte aus Lateinamerika (2005-2008). Herausgegeben von Timo Berger und Rike Bolte. Lyrik.Log Die Gedichtanthologie (2003-2005). Herausgegeben von Ron Winkler. |
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Raffaello Baldini, 1924 in Santarcangelo (Romagna) geboren, lebte von 1955 an in Mailand, wo er 2005 starb. Zum Zeitpunkt seines Debüts bereits über fünfzigjährig, dichtete Baldini fast ausschließlich im Dialekt seines Heimatortes Santarcangelo. Von den späten siebziger Jahren bis ins erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends, entstanden so seine unverwechselbaren und von Anfang an auf nationaler Ebene rezipierten Gedichtbände: E’solitèri (Imola, 1976), La nàiva (Turin, 1982), Furistìr (Turin, 1988), Ad nòta (Mailand, 1995), La nàiva, Furistìr, Ciàcri (Turin, 2000), Intercity (Turin, 2003). Daneben ist Baldini auch Autor eines Bands mit satirischer Prosa – Autotem (Mailand, 1967) – sowie vereinzelter Arbeiten für das Theater: Zitti tutti! (Mailand, 1993) und Canta canta, Zitti tutti!, In fondo a destra (Turin, 1998). |
Daniele Piccini über Intercity:
Die Tragweite von Intercity (2003), einem der wichtigsten Bücher der letzten Jahrzehnte, unabhängig von der Unterscheidung Hochsprache oder Dialekt, liegt eben in der Fähigkeit, mithilfe von klar umrissenen oder peripheren Figuren einen allgemeinen Sinn (oder Nicht-Sinn) in den Blick zu bekommen. [...] Nunmehr haben die Sprecher Baldinis die philosophische Absolutheit angenommen, die dem irrenden Schäfer Leopardis eigen sein könnte oder, uns heute näher, dem zeremoniösen Reisenden von Giorgio Caproni*. Das ändert nichts daran, daß sie nicht aufhören, ihre Erörterungen aus dem Inneren einer klein angelegten und dabei ganz konkreten Wirklichkeit auszusenden, jener des Dorfs und seiner städtischen Ausläufer (Cesena, Rimini), doch alles scheint dem äußersten Grad von Bedeutsamkeit zugeführt. Eben als schlichte, demütige, ein wenig naive Figuren gelingt es diesen Sprechern umso mehr, das Gefühl der Enteignung, der allgemeinmenschlichen (modernen) Unruhe einzufangen. Das Buch enthält einige der Meisterwerke des Dichters, Texte, in denen das ganze Knäuel der menschlichen Handlungen zwischen Leben und Tod wie mit einer Faust zusammengehalten wird. Die wahnwitzige Mutmaßung über das Nichts, das den Menschen nach dem Leben erwartet, wird in Un sussórr zu einer Qual, und zwar mit einer erfahrungsgesättigten Körperlichkeit, die nichts mehr mit trocken philosophischer Dichtung oder Gedankenlyrik zu tun hat. Niemals sind Santarcangelo und Recanati (die Geburtsorte Baldinis und Leopardis, Anm.) so nahe beinandergewesen: wobei Baldini sich erst einen ganzen ärmlichen Dorfschauplatz und eine anekdotische Jargonhaftigkeit aufbauen mußte, um dem nackten Bewußtsein des modernen Menschen angesichts des Grauens vor dem Schicksal (in der ganzen Vielfalt und Heiterkeit der darin lebendigen Erscheinungen) zum Ausdruck zu verhelfen. („Raffaello Baldini“, in der von Piccini herausgegebenen Anthologie: La poesia italiana dal 1960 a oggi, 2005, Übersetzung T.P.)
* Giacomo Leopardis „Canto notturno di un pastore errante dell'Asia“, zwischen 1829 und 1830 entstanden, und Giorgio Capronis „Il congedo del viaggiatore ceremonioso” (1965).
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