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11. Mai 2008 italo.log Die wöchentliche Gedichtanthologie aus Italien. Herausgegeben von Roberto Galaverni und Theresia Prammer. » Kontakt » Zum Geleit ... 20: Patrizia Cavalli 19: Giuseppe Conte 18: Giovanni Giudici 17: Valerio Magrelli 16: Giorgio Caproni 15: Andrea Zanzotto 14: Attilio Bertolucci 13: Emilio Villa 12: Giampiero Neri 11: Giovanni Raboni 10: Amelia Rosselli 09: Sandro Penna 08: Antonella Anedda 07: Pier Paolo Pasolini 06: Fernando Bandini 05: Milo de Angelis 04: Vittorio Sereni 03: Franco Fortini 02: Franco Loi 01: Eugenio Montale satt.org-Links: Latin.Log Gedichte aus Lateinamerika (2005-2008). Herausgegeben von Timo Berger und Rike Bolte. Lyrik.Log Die Gedichtanthologie (2003-2005). Herausgegeben von Ron Winkler. |
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Giampiero Neri (Pseudonym für Giampiero Pontiggia). Neri wurde 1927 in Erba (Provinz Como) geboren und lebt seit 1950 in Mailand. Nach dem Besuch des naturwissenschaftlichen Gymnasiums arbeitete er als Bankangestellter. Seine ersten Gedichte erschienen in der von Giancarlo Majorino herausgegebenen Zeitschrift „Il Corpo“ sowie im „Almanacco dello Specchio“. Neris erster Gedichtband, L’aspetto occidentale del vestito, kam 1976 heraus; es folgen Liceo (Palermo, 1986) und die Sammlung Dallo stesso luogo, die auch die vorhergehenden Zyklen umfaßt (Mailand, 1992). Jüngeren Datums der Band Armi e mestieri (Mailand, 2004). Im Jahr 2007 erscheinen die Poesie 1960-2005 und 2008 der Band Prose. |
Roberto Galaverni über Giampiero Neri:
Remo Pagnanelli hatte in Bezug auf Liceo, das zweite Buch von Giampiero Neri, sehr treffend von Geometrien gesprochen. Ich denke, daß Pagnanelli die radikal „leopardianische Seele“, die sich in jenen poetischen Figuren mitteilt, verstanden und als ihm nahe empfunden hat. Pagnanelli, aus den Marken stammend, ist bis heute einer der letzten Söhne Giacomo Leopardis in unserer lyrischen Tradition; der andere, Giampiero Neri, städtischer, dem Anschein nach gesetzt und regulär-bürgerlich, Vertreter einer früheren und anderen Generation. Dieser zuvorkommende und scheue Herr, der sein leises Dasein mit Anstand hinzunehmen schien, halbuntergetaucht in der Großstadt, war ebenfalls einer Rippe Leopardis entsprungen: eines wilderen und ungezähmteren Leopardi. Mit diesem – mit jenem Leopardi – teilt Neri das Gefühl für die sogenannte „Natur“; eine Gleichzeitigkeit von Zuwendung und Abscheu, Ehrfurcht und Widerstand in Hinblick auf etwas Entgrenztes und Entgrenzendes (der Ort des Anderen oder des Anderswo, in der Definition Pagnanellis), die direkt mit dem abhanden gekommenen Ursprung und dem Danach zusammenhängt: nämlich ausgehend von deren Unwahrscheinlichkeit. Und Pagnanelli, besessen vom Heiligen, war im Grunde seinerseits Teilhaber und Protagonist dieses atheistischen Humanismus, problematisch und ungelöst, mit einem außerordentlich umstürzlerischen und zerstörerischen Potential begabt, ganz darauf fixiert, mit der Präsenz oder der Absenz – ihrem Lockruf, meine ich – dieser schrecklichen Mutter oder Stiefmutter abzurechnen. So hatte er gespürt, daß die ausgewogenen Muster, die Rationalitäts-Segmente Neris auch (und vielleicht vor allem) den Stellenwert von Exorzismen haben. [...] Denn in der Tat stimmt es, daß der aufklärerische und rationale Diskurs, die referentielle claritas, die Ordnungs- und Konstruktionsbestrebungen, kurz der esprit de géométrie eben direkt proportional zur Intensität ihrer denotativen Anspannung gekippt und annulliert werden. [...] Das ist die Janusköpfigkeit der Dichtung Neris, die einem Mehr an ausstellender Präzision, an Kontrolle der Aussage, sofort mit einem Mehr an Nicht-Gesagtem begegnet, der Fähigkeit, auf jenes Ungesagte, Abwesende zu verweisen [...]. Der Furor der Exaktheit wird so verkehrt in die Erweiterung der „negativen“, also anspielungshaften und indirekten Potentialitäten des poetischen Wortes, die Verringerung der semantischen Schwankungen in die Steigerung einer Art radikaler evokativer Notwendigkeit. Nur angesichts dieser doppelten Natur läßt sich, glaube ich, der Stil dieser Dichtung angemessen bewerten. Und solcherart muß mit dem Hinweis auf die Kohärenz, mit der die Strategie des Textes einheitlich auf eine Objektivität des beschreibenden oder erinnernden Befundes zuläuft, implizit auch diese Überschreitung oder der unheimliche Nimbus aufgerufen werden, den dieselben stilistischen Vorrichtungen, eben aufgrund der Strenge ihres Ausschließungsverfahrens, auf paradoxe Weise zu verstärken angetan sind. („Giampiero Neri: come attraversare il deserto”, in: Dopo la poesia, 2002, Übersetzung T.P.)
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