SuKuLTuR-Leseheft-Paket




17. August 2008






italo.log
Die wöchentliche
Gedichtanthologie
aus Italien.

Herausgegeben
von Roberto Galaverni
und Theresia Prammer.
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Gedichte aus
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(2005-2008).
Herausgegeben
von Timo Berger
und Rike Bolte.
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Die Gedichtanthologie
(2003-2005).
Herausgegeben
von Ron Winkler.

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26:
Fabio Pusterla


Aufzeichnungen eines Sommers

Glühwürmchen? Glühwürmchen nein; nur das Aufglänzen
eines Grünschwänzchens, im Juni, zwischen den Büschen.
Man konnte es aufheben
reglos, im Hohl einer Hand,
und leuchten sehen. Und was sagen vom Gras,
wenn es aufkeimt? Was vom Bach?
Vom Wasser, unsichtbar, doch fließend?
Hohe Ebenen atmen
leise zwischen den Bergen, und sind Wiesen.
Namen von Tieren: der Marder, der Fuchs.
Und der Roggen, denk nur, wenn der Wind
ihn ein kleinwenig aufstört, ihn kräuselt, und ein nächtliches
Rauschen sich abhebt, vom Roggen, ein ferner Lockruf
hin zu den Häusern und dem Schlafen der Kinder.
Auch der Roggen, ja, auch das Wasser, und die vereinzelten Lichter.

(übertragen von Theresia Prammer)


Appunti di un’estate

Lucciole? Lucciole, no; però un culverde
a giugno, tra i cespugli, balenava.
Lo si poteva raccogliere
immobile dentro il cavo di una mano,
luminoso. E cosa dire dell’erba
quando nasce? Del ruscello?
Dell’acqua che non si vede, eppure scorre?
Alte pianura respirano
quiete tra le montagne, e sono prati.
Nomi di bestie: la volpe, la faìna.
E la segale, ricorda, quando il vento
la scuote appena, la increspa, e dalla segale
sale un fruscìo notturno, un richiamo lontano
verso le case e il sonno dei bambini.
Anche la segale, sì, anche l’acqua, e le poche luci.

(Aus: Pietra sangue, 1999)


Fabio Pusterla
Foto © laRegione Ticino

Fabio Pusterla wurde 1957 in Mendrisio geboren und lebt zwischen Albogasino und Lugano, wo er am Gymnasium unterrichtet. Er veröffentlichte bislang fünf Gedichtbände: Concessione all’inverno (Bellinzona, 1985), Bocksten (Milano, 1989), Le cose senza storia (Milano, 1994), Pietra sangue (Milano, 1999), Folla sommersa (Milano, 2004). Fabio Pusterla ist Übersetzer Philippe Jaccottets ins Italienische und Herausgeber einer italienischen Anthologie französischer Gegenwartspoesie (Nel pieno giorno dell’oscurità. Antologia della poesia francese contemporanea; Milano, 1999). Umgekehrt wurden auch seine Werke ins Französische übersetzt, insbesondere die anthologischen Sammlungen: Me voici là dans le noir (übersetzt von Mathilde Vischer, Lausanne, 2001) und Une voix pour le noir (übersetzt von M. V., Vorwort von Philippe Jaccottet; Lausanne 2001). Auf Deutsch erschien der von Hanno Helbling übersetzte Band Solange Zeit bleibt / Dum vacat, mit einem italienischen Nachwort von Massimo Raffaeli, Zürich, 2002). Pusterlas kritische Aufsätze wurden zuletzt in der Sammlung Il nervo di Arnold. Saggi e note sulla poesia contemporanea (Milano, 2007) zusammengefaßt.



Massimo Raffaeli über Pietra sangue:

In diesem Buch, übervoll mit Bildern und Gelegenheiten, kommt auf höchstem Niveau genau das zu seinem Recht, was dem Dichter zu Beginn seiner Laufbahn im Großen und Ganzen verschlossen war, nämlich das Zwiegespräch. Zum reinen Gegebensein der Dinge und Fakten zurückgekehrt, vertrauen sich die Wörter dem „du“ oder „ihr“ eines Chors an, dem solcherart auch der ethischen Pakt übertragen wird, der zwischen der Stille und der Kläglichkeit der Zeichen geschlossen worden war. Das bedeutet, daß der wiedergefundene Leser ganz und gar nicht jener der Konvention des 20. Jahrhunderts ist; wird er doch eher zum Hüter und Vollzugsorgan lebendiger Korpuskel, der Trägheit des raum- zeitlichen Fließens entrissen. Angehalten, das semiotische Dreieck zu vollenden, obliegt es dem Leser, sie aufzubewahren, und zwar nicht wie eine müßige Gabe (...), sondern wie ein Pfand, ein memento, einen Appell zu gegenseitiger Rettung. Man denke an ein Bild – so eindringlich, daß es beinahe an eine Legende gemahnt – wie jenes der hundertjährigen Großmutter, die auf dem Balkon vor sich hindeklamiert, ohne sich je um Swatch-Uhren oder das dritte Jahrtausend gekümmert zu haben (...), in einem Augenblick, da alles andere ausgelöscht scheint (dem Wind überantwortet, dem leeren Gefasel oder dem Nichts): die ganze gemütliche Barbarei der uns anvertrauten Existenz. („Allegoria e storia“, in: Solange Zeit bleibt / Dum vacat, Übersetzung: T. P.)




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