Hier keine Kunst. Roman von Marc Degens.

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4. Mai 2008






italo.log
Die wöchentliche
Gedichtanthologie
aus Italien.

Herausgegeben
von Roberto Galaverni
und Theresia Prammer.
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12: Giampiero Neri
11: Giovanni Raboni
10: Amelia Rosselli
09: Sandro Penna
08: Antonella Anedda
07: Pier Paolo Pasolini
06: Fernando Bandini
05: Milo de Angelis
04: Vittorio Sereni
03: Franco Fortini
02: Franco Loi
01: Eugenio Montale




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Latin.Log
Gedichte aus
Lateinamerika
(2005-2008).
Herausgegeben
von Timo Berger
und Rike Bolte.
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Die Gedichtanthologie
(2003-2005).
Herausgegeben
von Ron Winkler.

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11:
Giovanni Raboni


Versehrter Schatten, Seele, die du strauchelnd
zu mir kommst, aus deinem kümmerlichen Haus
dich fortstiehlst, um in Träumen dieses kleine Etwas
aufzuspüren, für dich aufgespart, im Auf und Ab

von Albtraum und Erwachen, im obszönen
Schreiten der Scharaden, derart nichtig
daß manchmal, wenn du kommst, die Lichter
schon erloschen sind, die Läden ausgerissen, dröhnend

vor mißliebigen Eindringlingen, fiesen Replikanten
das Bett, die Schulbank, diese Unermeßlichkeit
der Küche, gib mir Zeit, schleich dich nicht

weiter, bleib, um diese schändlich vielen, angestammten
Rechnungen mit alldem doch noch zu begleichen
eh ich mich niederlege, endlich, dir zur Seite.

(übertragen von Theresia Prammer)


Ombra ferita, anima che vieni
zoppicando, strisciando dal tuo fioco
asilo a cercare nei sogni il poco
che rosicchio per te all’andirivieni

dei risvegli e degli incubi, agli osceni
cortei delle sciarade, così poco
che qualche volta quando arrivi il fuoco
è già spento, divelte le imposte, pieni

di insulsi intrusi o infidi replicanti
l’immensità della cucina, il banco
di scuola, il letto, dammi tempo, non

svanire, il tempo di chiudere i tanti
conti vergognosi in sospeso con
loro prima di stendermi al tuo fianco.

(Aus: Ogni terzo pensiero, 1993)


Giovanni Raboni
© Giovanni Giovannetti/effigie

Giovanni Raboni wurde 1932 in Mailand geboren, wo er auch lebte. Nach seinem Jura-Studium war er als Rechtsberater sowie im Verlagswesen tätig. Langjähriger Mitarbeiter zahlreicher Zeitschriften (“aut aut”, “Paragone” etc.). Zwischen 1976 und 1982 gab er die Reihe “Quaderni della Fenice” bei Guanda heraus, in späterer Folge noch zwei weitere Poesiereihen bei den Verlagen Marsilio und Scheiwiller. Intensive journalistische Tätigkeit, zunächst als Filmkritiker, schließlich als Literatur- und Theaterkritiker z. B. für den Mailänder “Corriere della Sera”. Debüt 1961 mit Il catalogo è questo. Weitere wichtige Lyrikbände (Auswahl): Cadenza d’inganno (1975), A tanto caro sangue (1988), Ogni terzo pensiero (1993), Quare Tristis (1998), Barlumi di storia (2002). Daneben Autor von Übersetzungen, vor allem aus dem Französischen: Neben Werken von Flaubert, Racine und Baudelaire (I fiori del male) übertrug Raboni die gesamte Recherche ins Italienische. Giovanni Raboni starb 2004 in Fontanellato (Provinz Parma).


Giovanni Giudici über Giovanni Raboni:

Die letzten Bücher von Giovanni Raboni, Dichter in dem Intelligenz und Erbe bürgerlicher Neigungen und Leidenschaften sowie ein Erfahrungs-Schatz als Schreibender, der seinesgleichen sucht, auf glückliche Weise zusammenkommen, erscheinen als überzeugende Aufforderung zum Sicheinlassen auf jene Ordnung dichterischen Ausdrucks, die unter der Bezeichnung „geschlossene Form“ firmiert und diesem Autor gestattet, die starken Themen seines früheren Wirkens zu einer neuen und noch deutlicher artikulierten Einheit zu verknüpfen: die privaten „Agonien”, das öffentliche Engagement, die Gnade der Körper, die Kultur der Gefühle. Als „mailändischer“ (ja „ambrosianischer“ mehr als „lombardischer“) Dichter, mit dem ganzen Inventar von Vorteilen, den diese Etikettierungen mit sich bringen, trägt Raboni das Erbe einiger seiner großen Modelle sehr fest auf den Schultern: des geliebten Manzoni, Parinis und, uns heute noch näher, des großen Tessa. [...] Im ersten Teil von Ogni terzo pensiero wechseln prosodische Versmaße wie Achtsilbler, Siebensilbler und sogar Sechssilbler einander ab, streng ins Schema des Sonetts eingebunden, das, im dritten und „engagiertesten“ Teil, waghalsig elfsilbig wird. Und der ironische Gebrauch gewisser Formvorgaben sollte einem dabei keineswegs entgehen: Raboni entzieht sich der „poetischen Falle“, und zwar nicht mittels einer Pseudoprosa, sondern auf dem Weg eines ganz offensichtlichen, beinahe ausgestellten „Hyperpoetischen”. Mit dem, übrigens ausschlaggebenden, Resultat, dadurch einer ständigen syntaktischen „Drehung” Vorschub zu leisten: nicht selten pour la rhyme, doch noch öfter, um im Inneren des Texts all jene Anlässe zu „Kampf” (Tynjanov), „Widerstreit”, Spannung-Entfremdung zu vermehren sowie zu einer Rede, die „rich and strange“ ist, Anlässe, die angetan sind, einer poetischen Sprache Identität, Dauer und Daseinsgrund zu verleihen, in der Hellsichtigkeit eines auch politischen “Raisonnierens” über die traurige Unmittelbarkeit unserer Zeit. (Rezension zu Ogni terzo pensiero, 1993)




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