21. September 2008
italo.log
Die wöchentliche Gedichtanthologie aus Italien.
Herausgegeben von Roberto Galaverni
und Theresia Prammer. » Kontakt
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36: Pier Paolo Pasolini (2)
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02: Franco Loi
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satt.org-Links:
Latin.Log
Gedichte aus
Lateinamerika (2005-2008). Herausgegeben von Timo Berger
und Rike Bolte.
Lyrik.Log
Die Gedichtanthologie (2003-2005). Herausgegeben von Ron Winkler.
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31:
Piero Bigongiari
Zwischen lex und Legende
Ich mag es, Dinge zu verlieren, nicht so sehr, um sie zu finden als,
um eine Spur zu hinterlassen, dem, der nach mir kommt,
vermutlich mag ich es, wenn man mich einholt an der Stelle,
wo ich nicht mehr bin, das Meer betrachtend,
wie es zwischen seine Reste das Geschrei
der Möwe schmuggelt, und ein Nest dazu, im Rost
verloren treibt es zwischen Splittern,
wider den Strom des große Irreführers;
denn ich weiß, es ist nicht leicht zu folgen
dem, der sich des eignen Ziels nicht sicher ist,
doch der vielleicht gerade darum in das Ziel hineinplatzt,
sich verlierend hinter einem Antlitz, sich versteckend
hinter dem Finger, der sich auf die Wellen richtet,
die das Heimatufer trocknen und erneut
benetzen, und das Driften
dieses Lichts, das flüssig in die Ufer
einbricht und sie auffrischt in Gedanken.
Ich mag es, das Rumoren eines Holzwurms
mit einem Mozart’schen Andante zu verwechseln..., und den Schritt
des Wanderers, der deinen Weg kreuzt
mit den Schritten dessen, der im Halbkreis
die Treppen seiner Sehnsucht hochläuft.
Ich mag es, über jenem deiner Haut
den Duft des Zitruskrautes zu vergessen. Von allem
das zu erinnern, was das Unvordenklichste,
den Samen einer Frucht, der in der harten Hülle
die eigne Bitternis so eifersüchtig hütet.
Doch wenn ich lüge, so belüge ich nur mich allein,
um dir die Wahrheit zu verraten, die im Irrtum selbst
beschlossen liegt, behütet, ausgesetzt
dem eigenen Gedeihn, dem eigenen
elementaren Widerstreit – und dann erst
wird jede Zwei zu einem werden, schon
im Samen abgetrieben.
Ich mag es auch, dich anzublicken, wenn du
eine Sanftheit offenbarst, die der
der Fee gleicht, die in ihrem Baumversteck
mit wachem Auge um sich späht, daß keiner
ihr auch folgen kann, wenn sie in ihre Kammer
heimkehrt, eingerichtet wie ein Schloß; wenn Du
ein Ahnen davon mit den Augen ausmißt,
verrückter Splitter, unter andrem Firlefanz
des Schicksals, von den Menschen Sein genannt.
Wenig Dingen bin ich hinterher, wohl den
am wenigsten benötigten, den flatterhaftesten,
den viel vertretenen. Vielleicht liegt er in ihren Händen
der Schlüssel, um die Botschaft zu entziffern,
die das Gesetz auf deinem Tisch zurückgelassen hat,
halbaufgelöst, halb wieder ausgelöscht,
in Schwebe zwischen Schrecklichkeit und Süße.
Doch wenn ich mich zugleich, mit beiden Händen
auf zwei Webstühlen betätige, so weil ich gerne auf dem zweiten
das Webstück weiterwirke, das Penelope
gerade auftrennt: und allein mit diesem Faden
– einen andren hab ich nicht: die Spule fortgerissen –
web ich auf dem anderen von neuem die Legende.
Du, der du sie liest, heb auf die Binde ihrer Zeichen,
derjenigen, die sie bestätigen, derjenigen, die sie
bezweifeln, denn hier, sieh her, darunter blutet es.
[18-20 März 90]
(übertragen von Theresia Prammer)
Tra la legge e la leggenda
Amo perdere qualcosa, più che per ritrovarlo.
per lasciare una traccia a chi m' insegue,
forse perchè amo farmi là raggiungere
dove non sono, mentre guardo il mare
che insinua tra le sue macerie il grido
del gabbiano e un nido tra la ruggine
perduto che galleggia tra le schegge,
al contrario del gran depistatore,
perchè so che è difficile seguire
chi, indeciso sulla propria meta,
ma forse proprio in essa pesticciando,
si distrae dietro un viso, si nasconde
dietro il dito che indica le onde
che asciugano e bagnano la riva
del paese natale, la deriva
della luce che liquida ne assale
le sponde e nella mente le ravviva.
Amo confondere il cricchio del tarlo
a un andante di Mozart..., mescolare
il passo del viandante per la via
con quello di chi risale le scale
a semicerchio della nostalgia.
Amo dimenticare il profumo della cedrina
su quello della tua pelle. Del tutto
ricordare la parte più obliata,
del frutto il seme ch'entro sè difende
la sua amarezza in duro tegumento.
Ma se mento, non mento che a me stesso
per dirti la verità che nello stesso
errore è celata, difesa, abbandonata
a crescere in se stessa, nelle proprie
contraddizioni elementari - è lì
che ogni due si unifica, nei suoi
seminali aborti.
Amo guardarti
mentre riveli in te una dolcezza
che è quella della fata che nascosta
tra gli alberi occhieggia che nessuno
la segua andando verso il suo tugurio
arredato come una reggia se tu
ne percorri l'augurio coi tuoi occhi,
scheggia impazzita tra gli altri balocchi
del destino che l'uomo chiama vita.
Cammino dietro a poche cose, quelle
meno necessarie, le più volatili,
le meno rare. Forse in mano ad esse
è il codice per leggere il messaggio
che la legge ha lasciato sul tuo tavolo,
semiaperto, semicancellato,
fra terribilità e dolcezza.
Ma se tengo le mani ad un tempo
sui due telai, è che amo riprendere
dal secondo la tela che Penelope
sta sfacendo: è solo con quel filo
- altro non ne ho: l'aspo ne fu rapito -
che sull'altro ritesso la leggenda.
Tu che la leggi strappane la benda
dei segni che l'accertano o la mettono
in forse, perchè, vedi, sotto sanguina.
[18 - 20 marzo '90]
(Aus: La legge e la leggenda, 1992)

Foto © Giovanni Giovannetti/effigie |
Piero Bigongiari wurde 1914 in Navacchio (Toskana) geboren; in Italien gilt er als einer der Meister der hermetischen Dichtung des 20. Jahrhunderts. Sein Studium an der Universität Florenz schloß Bigongiari mit einer Arbeit über Giacomo Leopardi ab. Er war Professor für italienische Literatur in Florenz und schon früh in die dort etablierte hermetisch orientierte Dichterszene (um Mario Luzi, Oreste Macri u.a.) integriert. Bigongiari arbeitete für mehrere literarische Zeitschriften wie z.B. „Campo di Marte“ und „Letteratura“. Zu seinen Werken zählen, u.a.: La figlia di Babilonia (Florenz, 1942), Le mura di Pistoia 1955-1958 (Mailand, 1958), Tutte le poesie I 1933-63 (Florenz, 1994), Antimateria (Mailand, 1972), Moses (Mailand, 1979), Autoritratto poetico (Florenz, 1985), Col dito in terra (Mailand, 1986), La legge e la leggenda (Mailand, 1992), Dove finiscono le tracce (Florenz, 1996) sowie die Aufsatzbände Studi (Florenz, 1946), L'elaborazione della lirica leopardiana (Florenz, 1947), Leopardi (Florenz, 1962) und Il senso della lirica italiana e altri studi (Florenz, 1952). Zusammen mit G.B. Angioletti brachte er den Prosaband Testimone in Grecia heraus (Turin, 1954). Darüber hinaus zahlreiche kritische Studien zur italienischen Gegenwartsdichtung, zur französischen Literatur sowie kunstkritische Schriften. Piero Bigongiari starb 1997 in Florenz.
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