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Die Box




19. Januar 2009
Christina Mohr
für satt.org


Wohnzimmerclub
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Wohnzimmerclub
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  Brazilution 5.6. - The Winter Edition
Brazilution 5.6. - The Winter Edition
Doppel-CD, Stereo Deluxe
» stereodeluxe.com


Brazilution 5.6. - The Winter Edition

In einem kalten Winter wie diesem ertappt man sich häufig bei Tagträumen, die einen leicht bekleidet in wärmeren Gefilden, bevorzugt an tropischen Stränden wie der Copacabana zeigen – doch die hiesige Realität sieht anders aus, statt Bikini braucht man Eiskratzer und Papiertaschentücher in der Familienpackung. Gut ist es dann, wenn man einen Sampler wie „Brazilution 5.6. - The Winter Edition“ sein eigen nennt: 25-mal Bossa Nova in allen nur erdenklichen Spielarten wärmt von innen und animiert zum lässigen Hüftschwung. Kompilator Arndt Kielstropp, der seit vielen Jahren für die „Brazilution“-Reihe verantwortlich zeichnet, hat tief in den Archiven gewühlt, aber auch ganz neue Tracks ausgewählt: zum Beispiel „Together“, eine Zusammenarbeit der amerikanischen Spoken Word-Künstlerin Jen mit dem Würzburger Elektro-Duo Kieser.Velten oder die knackige funklastige Kooperation zwischen Nickodemus, Quantic, Tempo & The Candela Allstars („Mi Swing Es Tropical“). Eröffnet wird der Bossa-Reigen von einem Klassiker aus dem Jahr 1970: „Zum-Zum“ von Edu Lobo hört man immer wieder gern; die Jazz-Großväter The Ipanemas, deren letztes Album „Call of the Gods“ erst kürzlich erschien, heben den Altersdurchschnitt der Compilation zwar beträchtlich, ihrem samba-beeinflussten „Um Novo Amor Chegou“ hört man das Alter der beiden Musiker (gemeinsam sind sie 140 Jahre alt) aber kein bisschen an. Dass R'n'B und Bossa Nova wunderbar zusammen passen, beweist die charmante und leichtfüßige Kooperation „Timeless“ von Altmeister Sergio Mendes und der amerikanischen Soulsängerin India.Arie. Zum Chillen laden entspannte Tracks wie „Samba Paixao“ von Jenice Andrade oder „Across Waters“ von Channel Two und so ist allen gedient: denjenigen, die sich warmtanzen wollen und solchen, die sich in Musik hüllen wollen wie in eine kuschlige Decke.

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  Compost Dreihundert. Freshly Composted Vol. 3
Compost Dreihundert.
Freshly Composted Vol. 3

Compost Records
» compost-rec.com


Compost Dreihundert. Freshly Composted Vol. 3

Auf die Leib und Seele erwärmende Wirkung von House und Soul setzt die dreihundertste Veröffentlichung auf Michael Reinboths Compost-Label: dreizehn zum Teil unveröffentlichte Tracks wurden für „Freshly Composted Vol. 3“ ausgesucht, darunter bewährte Acts wie Ben Mono, Karma, Beanfield, Sepalot und Marbert Rocel. Robert Owens samtige Stimme ist gleich zweimal zu hören, beim von Charles Webster produzierten „Never Give Up“ und Sharokhs Sound Of K.'s „Perfect Stranger“. Überhaupt, Vocalhouse: Alif Trees „Mai“ featuret eine besonders prägnante Frauenstimme, Innocent Sorcerer remixt „Inspirations“ der polnischen (!) Soulband Sistars, schwebende Chöre entführen Hörer/Tänzer beim Discohouse-Monster „Solid Ground“ von Eddy Meets Yannah in höhere Sphären, und Ladi6, die bei Sepalots souligem Mambo „Go Get It“ zu hören ist, braucht Vergleiche mit Aretha Franklin nicht zu scheuen. „Freshly Composted Vol. 3“ läßt eher an ein satt blühendes Blumenbeet denken als an einen Komposthaufen, aber man soll ja vom Namen nicht auf den Inhalt schließen!

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  Mr. Scruff: Ninja Tuna
Mr. Scruff: Ninja Tuna
Ninja Tunes
» ninjatune.net
» ninjatune.com
» mrscruff.com


Mr. Scruff: Ninja Tuna

Unklar ist, welcher Meeresbewohner Andy Carthy alias Mr. Scruff als Vorbild für den Comic-Zeichnung auf dem Cover diente: ein Wal? Ein Riesen-Tunfisch? Oder die Kugelfischdame Mrs. Puff, die seit Jahren erfolglos versucht, Spongebob Schwammkopf das Bootsfahren beizubringen? Der DJ, Elektromusiker und Bio-Tee-Hersteller (!) Carthy fühlt sich der Natur im Allgemeinen und Wassertieren im Besonderen sehr verbunden: schon auf früheren Alben wie „Trouser Jazz“ von 2002 brachte er Tracks über Fische, Quallen, Muscheln etc. unter, es ist also nur konsequent, dass das – ökologisch korrekte – Cover aus grauer Recyclingpappe von einem sanft lächelnden Fischgiganten geziert wird, der zudem in seinem Bauch dreizehn abwechslungsreiche Stücke versteckt hat. „Ninja Tuna“ bringt alle Lieblingsmusiken von Mr. Scruff unter einen Hut, die Bandbreite reicht von House über HipHop, Soul, Disco, Jazz und Blaxploitation-Funk. Carthy/Scruff ist ein hingebungsvoller Frickler, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt, ohne dabei in pure Albernheiten abzudriften: „Donkey Ride“ zum Beispiel kombiniert antiquierten Piano-Swing mit quirligen Percussions, bis vor dem inneren Auge Looney Toons-Figuren anfangen zu tanzen. Bei „Stockport Carnival“ ertönen schräge Latin-Grooves, „Whiplash“ mit seinem monströsen Bass und flirrenden Drums ist ein Hybrid zwischen Freejazz und Downbeat, „Hairy Bumpercress“ und „Kalimba“ verbinden Siebzigerjahre-Streetfunk mit repetitiven Synthieloops und passen auf die Straßen von San Francisco genauso wie in den Club. Die GastvokalistInnen Alice Russell, Roots Manuva, Andreya Triana und Pete Simpson veredeln die eher House- und Soul-lastigen Tracks, von denen die Single „Music Takes Me Up“ (mit Alice Russell) besonders hervorsticht. „Ninja Tuna“ beweist erneut, dass das britische Label Ninja Tunes die Adresse Nummer eins für freshe HipHop-, Soul- und Dancemusic ist – und dass beim Tanzen auch gelacht werden darf.

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   Armada Best of 5 Years
Armada Best of 5 Years
Armada Music
» armadamusic.com
» arminvanbuuren.com


Armada Best of 5 Years

Im Sommer 2003 gründete der niederländische Produzent und DJ Armin van Buuren mit seinen Weggenossen Maykel Piron und David Lewis das Label Armada, um darauf hauptsächlich Trance- und elektronische Clubsounds zu veröffentlichen. Armada feierte quasi aus dem Stand weltweite Erfolge und darf sich heute als das Trance-Label überhaupt bezeichnen. Inzwischen tummeln sich 21 Sublabel unter dem Armada-Dach, zum Beispiel Coldharbour Recordings, Tremolo und Timeless, um möglichst vielen verschiedenen Spielarten von Trance und Techno eine Heimstatt bieten zu können. Zum fünfjährigen Jubiläum von Armada hat der erklärte Jean-Michel Jarre-Fan und laut Poll des DJ Magazins „bester internationaler DJ“ van Buuren eine fette Doppel-Mix-CD mit 67 (!) Tracks zusammengestellt – nichts weniger als das Herz und die Essenz von Armada soll dieser Sampler sein: Acts wie DJ Shah, Stonebridge, Markus Schulz, Roland Klinkenberg, Max Graham, John O'Callaghan, José Amnesia und van Buuren selbst steuern ihren Teil dazu bei.

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  Ensemble du Verre: Sanctuary for Animals Remixed
Ensemble du Verre:
Sanctuary for Animals Remixed

Batterie
» batterie-records.com
» ensemble-du-verre.com
» myspace


Ensemble du Verre: Sanctuary for Animals Remixed

Nachdem wir „Sanctuary for Animals“, dritte (und großartige) Platte von Sönke Düwers Elektro-Jazz-Projekt Ensemble du Verre unverzeihlicherweise ignoriert haben, soll an dieser Stelle wenigstens das kürzlich erschienene Remix-Album gewürdigt werden: DJs wie Rogall, Michael Sauer und Robot Redford setzen Tracks wie „Orquestre Video“ und „Just Another Thursday Morning“ (featuring Ursula Rucker!) Glanzlichter auf, ohne den collagenhaften und experimentellen Charakter der ursprünglichen Kompositionen zu zerstören. „Sanctuary for Animals“ gelingt – im Remix und im Original – eine hinreißende Kombination aus ambitioniertem Jazz, tanzbaren Funk und Breakbeats.

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  T.Raumschmiere: I Tank U
T.Raumschmiere: I Tank U
shitkatapult
» shitkatapult.com


T.Raumschmiere: I Tank U

Bereits im September erschien Marco Haas' alias T.Raumschmieres Album „I Tank U“, das aber gerade jetzt gute Dienste leisten kann, zum Beispiel die Eisblumen vom Fenster einfach wegzupanzern. Nachdem Herr Raumschmiere auf seinem letzten Release „Random Noize Sessions Vol I“ in Ambient-Gewässern fischte, wird auf „I Tank U“ wieder mehr gerockt und geclasht, Titel wie „The Front Row is not for the Fragile“, „Nuclear Bedtime Story“ und „Pedal to the Metal“ sprechen für sich. Vokal-Gaststars wie Deichkind, Warren Suicide, Puppetmastaz, Gene Serene, Lilian Hak und Barbara Panther hauen tüchtig auf die von Moses Schneider gemixte Kacke, das großflächig angelegte Instrumental „E“ geht sogar als Ambient-House-Experiment durch.

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