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Die Box





28.03.2004

Lyrik.Log
Die wöchentliche
Gedichtanthologie
(2003-2005).
Herausgegeben
von Ron Winkler.

99: Oswald Egger
98: Arne Rautenberg
97: Achim Wagner
96: Uljana Wolf
95: José F.A. Oliver
94: Maik Lippert
93: Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki
92: Kurt Drawert
91: Holger Benkel
90: Brigitte Fuchs
89: Uwe Tellkamp
88: Tobias Grüterich
87: Uwe Kolbe
86: Clemens Kuhnert
85: Gerhard Falkner
84: Franzobel
83: Wojciech Izaak Strugala
82: Lutz Rathenow
81: Iain Galbraith*
80: Nicolai Kobus
79: Jürgen Theobaldy
78: Rainer Stolz
77: Wilhelm Bartsch
76: Nico Bleutge
75: Mikael Vogel
74: Raphael Urweider
73: Eberhard Häfner
72: Andrej Glusgold
71: Joachim Sartorius
70: Björn Kuhligk
69: Christopher Edgar*
68: Crauss
67: Denise Duhamel
66: Richard Pietraß
65: Norbert Hummelt
64: Nikola Richter
63: Richard Dove
62: Volker Sielaff
61: Günter Kunert
60: Hendrik Rost
59: Lydia Daher
58: Thomas Böhme
57: Florian Voß
56: Franz Hodjak
55: Adrian Kasnitz
54: Marcel Beyer
53: Steffen Brenner*
52: Rotraud Sarker
51: Sabina Naef*
50: Morten Klintø*
49: Renatus Deckert
48: Roza Domascyna
47: Jan Wagner
46: Emma Lew
45: Gintaras Grajauskas
44: Matthias Göritz
43: Paulus Böhmer*
42: Birte Wolmeyer
41: Christian Lehnert
40: Daniela Danz
39: Hauke Hückstädt
38: Ilma Rakusa
37: Gerald Fiebig
36: Anna Hoffmann
35: René Hamann
34: Oskar Pastior*
33: Tom Schulz
32: Monika Rinck*
31: Mirko Bonné
30: Said
29: Daniela Seel
28: Olga Martynova
    » Internodium
27: Helwig Brunner*
26: Lutz Seiler
25: Ulf Stolterfoht
24: Nick Riemer
23: Elke Erb
22: William Stone
21: Daniel Falb
20: Raoul Schrott*
19: Ulrike Draesner*
18: Stan Lafleur
17: Silke Scheuermann
16: Jörg Schieke
15: Jan Volker Röhnert
14: Marion Poschmann*
13: Anne Beresford*
12: Lars-Arvid Brischke
11: Bert Papenfuß
10: Volker Braun
09: Cornelia Schmerle
08: Guy Helminger
07: Michael Hamburger*
06: Hartwig Mauritz
05: Jürgen Nendza
04: Maren Ruben
03: Frans Budé
02: Friederike Mayröcker*
01: Andreas Altmann*


* mit Anmerkungen

Die Rechte an den Texten liegen, soweit nicht anders gekennzeichnet, bei den jeweiligen Autoren. (Betrifft den Zeitpunkt der Veröffentlichung)







Lyrik.Log 59



Lydia Daher

negativfilm

ich bin gerade erst aufgestanden,
und hab dann ziemlich bald verstanden,
dass der tag nichts bringen wird.

nur das übliche ringen um ein bisschen außergewöhnlichkeit,
das ringen mit der langeweile, das ringen mit den alltagsdingen,
nein, der tag wird wieder mal nichts bringen.

er steht so unklar vor mir …
er steht so verdammt unklar vor mir wie ein bild der jungen sonntagsmaler,
und noch fahler als der strahler meines alten hollanddamenrads.

was mache ich nur mit diesem tag?

mir kommt da ne idee:
ich bereite mir ein frühstück nach charles bukowski.
fress zwei weich gekochte eier und kauf schlechten whisky,
den ich eigentlich nie mochte, und sauf den dazu.
dann wähle ich alle nummern ohne namen die ich finden kann,
          und leg schnell auf.
ich zähle die lustlöcher in meinem raum, die ich selbst konstruierte,
ich denke nach über meinen letzten wirren traum,
den ich inszenierte wie nen david lynch film.

ich bin heiss, nur leider eben nicht am stiel.
nicht, dass ich mich für was besonderes hielt,
aber ich weiß nun mal,
mein liebesspiel verzaubert mehr
als ein trick von copperfield.

stattdessen sitz ich hier.
ich höre hip hop sound und schüttel den kopf,
ich schüttel den kopf über diese welt,
ich schüttel den kopf und frag mich, wo mein held geblieben ist,
ich frag mich, wo mein geld geblieben ist.
ich schüttel den kopf über den ganzen mist im privat tv.

Ich glaub ich schütt mich zu, ich glaub ich mach mich blau,
ich glaub ich schütt mich zu, ich glaub ich mach mich blau,
ich glaub ich schütt mich zu …, zu …, zu …
 …rück ins leben. back to life.

ich trau mich kaum zu fragen:
hey, wann krieg ich endlich meine payback karte,
mit einem bonus für die zeit, die ich nun darauf warte,
dass ich mit einem text in den dichterhimmel starte?
es verging zu viel zeit, die ich im stillstand verharrte,
weil ich mich mit miesen musen paarte.

ja klar, ich seh meinen faden film zu negativ und mecker,
ich bring ihn echt mal zum entwickeln, um die ecke, dort zum schlecker.
und wenn ich schon mal da bin, hol ich mir gleich auch salbei-lecker,
für meine laschen lungenflügel.
und ganz nebenbei:
vielleicht treff ich bei der rennerei ja meinen healer,
den buchstabendealer aus der sesamstraße.
ich sag dann: "hi, hör zu, ich würd gern ein 'a' haben, ich zahl mit nem 'u'!"

und schon hab ich die lungenflügel in einen langen flügel eingetauscht,
und dann fly, fly, fly, ich und bin frei,
und endlich raus aus diesem zimmer,, all den altbekannten städten.
nicht, dass die mir nie was geboten hätten,
aber jetzt ist so langsam ausverkauf, das fühl ich,
denn steck ich meine hände in den wühltisch des lebens
zieh ich nur noch ramsch und mief rauf.
mann, bin ich heut mies drauf.

ich glaub, ich bring meinen faden film mal zum entwickeln
und kreuz dann glänzend, nicht matt an.
ich mach aus negativ ganz positiv.
aus negativ ganz glänzend positiv.


Lydia Daher
geboren 1980, lebt in Augsburg. Von ihr erschien der Gedichtband beirut blues (UBooks, Augsburg 2003).