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28. Dezember 2008 italo.log Die wöchentliche Gedichtanthologie aus Italien. Herausgegeben von Roberto Galaverni und Theresia Prammer. » Kontakt » Zum Geleit ... » bis 111: Andrea Ponso 110: Paolo Bertolani 109: Andrea Temporelli 108: Ermanno Krumm 107: Patrizia Cavalli (3) 106: Vivian Lamarque 105: Giancarlo Majorino 104: Toti Scialoja 103: Emilio Rentocchini 102: Eugenio Montale (4) 101: Maria Luisa Spaziani 100: Ignazio Buttita 099: Simone Cattaneo 098: Nanni Balestrini 097: Nino Pedretti 096: Marco Giovenale 095: Valentino Zeichen 094: Elio Pagliarani 093: Bartolo Cattafi 092: Luciano Cecchinel 091: Eugenio de Signoribus 090: Guido Ceronetti 089: Andrea Zanzotto (4) 088: Matteo Marchesini 087: Nicola Gardini 086: Attilio Bertolucci (2) 085: Flavio Santi 084: Gesualdo Bufalino 083: Gherardo Bortolotti 082: Giuliano Mesa 081: Albino Pierro 080: Beppe Salvia 079: Ottiero Ottieri 078: Eugenio Montale (3) 077: Antonio Riccardi 076: Amelia Rosselli (2) 075: Nelo Risi 074: David Maria Turoldo 073: Pier Paolo Pasolini (3) 072: Franco Scataglini 071: Patrizia Vicinelli 070: Milo de Angelis (2) 069: Umberto Piersanti 068: Giorgio Orelli 067: Elisa Biagini 066: Remo Pagnanelli (2) 065: Carlo Bettocchi 064: Vittorio Sereni (2) 063: Giorgio Bassani 062: Federico Italiano 061: Gabriele Frasca 060: Andrea Zanzotto (3) 059: Patrizia Cavalli (2) 058: Antonio Porta 057: Vincenzo Frungillo 056: Gianni D'Elia 055: Gregorio Scalise 054: Giorgio Caproni (2) 053: Stefano Dal Bianco 052: Biagio Marin 051: Elsa Morante 050: Franco Buffoni 049: Franco Loi (2) 048: Ferruccio Benzoni 047: Eugenio Montale (2) 046: Adriano Spatola 045: Dario Bellezza 044: Tonino Guerra 043: Luciano Erba 042: Jolanda Insana 041: Mario Luzi 040: Primo Levi 039: Valerio Magrelli (2) 038: Paolo Volponi 037: Alda Merini 036: Pier Paolo Pasolini (2) 035: Patrizia Valduga 034: Aldo Nove 033: Raffaello Baldini 032: Maurizio Cucchi 031: Piero Bigongiari 030: Andrea Zanzotto (2) 029: Gerhard Kofler 028: Remo Pagnanelli 027: Andrea Gibellini 026: Fabio Pusterla 025: Michele Sovente 024: Anna Maria Carpi 023: Gian Mario Villalta 022: Edoardo Sanguineti 021: Roberto Roversi 020: Patrizia Cavalli 019: Giuseppe Conte 018: Giovanni Giudici 017: Valerio Magrelli 016: Giorgio Caproni 015: Andrea Zanzotto 014: Attilio Bertolucci 013: Emilio Villa 012: Giampiero Neri 011: Giovanni Raboni 010: Amelia Rosselli 009: Sandro Penna 008: Antonella Anedda 007: Pier Paolo Pasolini 006: Fernando Bandini 005: Milo de Angelis 004: Vittorio Sereni 003: Franco Fortini 002: Franco Loi 001: Eugenio Montale satt.org-Links: Latin.Log Gedichte aus Lateinamerika (2005-2008). Herausgegeben von Timo Berger und Rike Bolte. Lyrik.Log Die Gedichtanthologie (2003-2005). Herausgegeben von Ron Winkler. |
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Dario Bellezza (Rom, 1944-1996) gehört zu den meistgewürdigten italienischen Dichtern der Generation nach '68. Sein erstes Buch, Invettive e licenze (Mailand, 1971), erschien mit einem enthusiastischen Begleittext von Pier Paolo Pasolini, der für die spätere Resonanz die Richtung vorgab. In der Folge publizierte Bellezza die Gedichtbände: Morte segreta (Mailand, 1976), Libro d'amore (Mailand, 1982), Serpenta (Mailand, 1987), Libro di poesia (Mailand, 1990), L'avversario (Mailand, 1994) und Proclama sul fascino (Mailand, 1996). Der Band Poesie 1971-1996, 2002 in Mailand erschienen, umfaßt Bellezzas gesamte dichterische Produktion. Dario Bellezza war auch als Romanautor tätig (z.B. Lettere da Sodoma, Mailand, 1972; Turbamento, Mailand, 1984) und ist Verfasser des biographischen Essays Morte di Pasolini (Mailand, 1981). |
Pier Paolo Pasolini über Dario Bellezza:
Da haben wir ihn, den besten Dichter der neuen Generation. (Mittlerweile ist es mir allerdings ziemlich gleichgültig, ob es eine neue Generation gibt; abgesehen davon, daß ich mich einer solchen Kategorie, die mir rhetorisch und zweitrangig erscheint, nie bedient habe.) Aber Dario Bellezza wird, und wohl zurecht, an seiner Jugend gelegen sein. Warum sie ihm also nicht zuerkennen? (...) Wo kommt Dario Bellezza her? Aus einer alten Welt, die er, geblendet von seinem Schmerz und von seinem Freiheitsmangel, nicht als eine alte anerkennen konnte oder wollte oder anzuerkennen wagte. (...) Dario Bellezza hat, zumindest im lexikalischen Sinn, ziemlich wenig von der Literatur übernommen: er hat sich bei den Zeitungen bedient, bei den Literaturzeitschriften des letzten Jahrzehnts, bei den Debatten, der Durchschnittssprache, den auf ein niedriges Niveau herabgestuften literarischen Abfällen oder bei den Sprachgewohnheiten der Privilegierten, beim professionell kleinbürgerlichen Wörterbuch. Auch die Länge seiner Gedichte unterliegt dem Zufall, sie sind wie Zeitungsartikel, ausgeschnitten mit einer Schere, die die Macht hat, sie zu isolieren und gegen die Leere einer grausamen Unendlichkeit zu halten. Mit dem italienischen Literaten alten (und neuen) Stils teilt Dario Bellezza allein den Kult der Strenge. Strenge, die auf die erbärmlichste und niederschmetterndste (so glaubt er) der verfluchten Klagen appliziert wird, doch zweifellos Strenge. Beinahe instinktiv und diabolisch hat Bellezza begriffen, daß, sollte er jemals von seinen nichtswürdigen Kollegen verstanden und geliebt werden, dies nur im Namen seiner Strenge vonstatten gehen könnte. So machte er sich daran, die Formen und die Gegenstände seiner Ängste zu beschreiben (die jeder rechtschaffene Kollege und einfache Leser nur abscheulich finden konnte), als handelte es sich dabei um Formen und Gegenstände des Absoluten; wie die Flaschen und Vasen Giorgio Morandis: Kein Kompromiß, keine Komplizenschaft, kein Strafnachlaß, kein Zugeständnis, kein Aufschub, nicht einmal die Linderung eines beschwichtigenden Untertitels, eines unbekleideten Zitats. In die Rolle eines Spießers schlüpfend, streng und beinahe kalvinistisch, antiquiert wie es sich gehört, bietet Dario Bellezza seine grausame Ware feil. Doch worin besteht diese Grausamkeit, diese Häßlichkeit, die ich selbst, in einer Art discours indirect libre, durch die mögliche Lesart eines durchschnittlichen Adressaten und professionellen Kritikers erlebe? Derlei Grausamkeit liegt im überhöhten Bewußtsein, die Freiheit erreicht zu haben und sie auch zu leben. Dieser herausgekehrte „Exzess“ an Bewußtsein entblößt in Bellezza zum einen das konformistische Grauen vor der eigenen angeblichen Schuld (weshalb er der erste Kleinbürger ist, der über sich selbst urteilt), zum anderen offenbart er in ihm eine Fähigkeit zur Selbsttäuschung, die einem das Herz zusammenschnürt. In Wirklichkeit ist er niemals frei, zu keinem Augenblick, für niemanden. Er ist eingeschlagen in sein Privatleben wie in ein schmutziges Kleidungsstück, verschlossen in seinen „Fall” wie in ein dunkles Zimmerloch mit abgestandener Luft. Der Leser wohnt seinem Gestikulieren bei (das die Bestimmtheit der wahren „antiken“ Dichtung hat), seinem Geschimpfe, seiner Neigung zu Urteilen in Bezug auf die eigene Person, die frei scheinen und doch in Wirklichkeit selbstverstümmelnden Charakter haben. (...) Dario Bellezza ist der Zaungast seines schlecht verwendeten Lebens, sich vortastend in eine Zukunft, wo nichts ihn erwartet außer die Wiederholung seines Zustands. Doch genau darin liegt die wahre „Laufbahn“ eines Dichters. In einer rassistischen Gesellschaft wird er notgedrungen die Freiheit leben müssen: doch er wird sie nicht suchen (weil er ahnt, daß die Freiheit vom Menschen nicht gewünscht wird, von keinem Menschen). So wird er, im Gegenteil, auch weiterhin nach seinem „Herrn“ Ausschau halten, „nach Gehorsamkeit streben“: und die Anerkennung seiner Dichtung, die von seiner Wirklichkeit abgekoppelt ist, zum Lohn dafür nehmen. (Pier Paolo Pasolini im Band Invettive e licenze, Übersetzung: T. P.)
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