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Die Box







9. März 2011






SuKuLTuR
» Bestellschein (PDF)

»Victor Otto Stomps (1897-1970), Schriftsteller, Herausgeber. In seinen Verlagen Rabenpresse, Eremitenpresse, Neue Rabenpresse wurden Bücher, Zeitschriften und Privatdrucke in limitierter Auflage, handgesetzt und gebunden, auf Gebrauchspapiersorten unterschiedlichen Formats gedruckt. Er verwendete für Text und Illustration eine Fülle zum Teil neuer Techniken und bewies Einfallsreichtum durch stets wechselnden Satz. Er war Förderer der Nachwuchsautoren, ohne diese auf Dauer an sich zu binden, und ‚grub’ vergessene Autoren aus.« Damit belebte er unter Hinnahme persönlicher Opfer mit Mut und Gespür für sich entwickelnde Kräfte die literarische Szene.

Präambel der Richtlinien für die Verleihung des Victor Otto Stomps-Preises der Landeshauptstadt Mainz für eine kleinverlegerische Leistung - Verlag, Graphik, Literatur (V.O. Stomps-Preis)



SuKuLTuR – der Verlag für das Wesentliche!


 


Eigenbewerbung für den Victor Otto Stomps-Preis 2011 der Stadt Mainz für eine kleinverlegerische Leistung

Eine Eigenbewerbung ist immer eine zweifelhafte Angelegenheit – doch wir haben uns dafür entschieden, weil zu befürchten steht, dass uns kein anderer vorschlägt. Natürlich hätten wir auch einen Strohmann vorschicken können – doch wir spielen mit offenen Karten, das ist einer unserer Grundsätze.

Der SuKuLTuR Verlag wurde 1996 von Torsten Franz und Marc Degens gegründet, im Jahre 2000 stieß Frank Maleu hinzu und vollendete das Dreieck. Ein Produktionsleiter, ein Programmleiter, ein Geschäftsführer ... Was braucht es mehr, um im stürmischen Kleinverlegergeschäft zu überdauern? Endlich verfügte der Verlag über einen Führerschein der Klasse B – das erhöhte die Annehmlichkeiten einer Reise zur Mainzer Minipressen-Messe ungemein.

Nicht Geldgier, sondern missionarischer Eifer hat uns ins Verlagsgeschäft getrieben: Die Menschheit sollte lesen, was wir gerne lasen. Hermetische Lyrik, punkige Prosa und abgehobene Science-Fiction ... Unsere Mittel waren begrenzt, wir hatten keine Ländereien geerbt, die wir zu Geld machen konnten – jeder Pfennig und später jeder Cent, der investiert wurde, musste zunächst hart erarbeitet werden.

Veröffentlicht wurde das, was uns begeisterte! In Form billig produzierter und günstig verkaufter Hefte. Der finanzielle Einsatz war gering, Verluste verschmerzbar – das gab uns Freiheiten. Pop- und Hochkultur, U und E, wir wollten und konnten uns über Grenzen und Genres hinwegsetzen, mussten uns nicht auf ein Programm festlegen ... Das wurde im Laufe der Jahre zu unserem Markenzeichen.

Ein Aufsatzband über Comics, eine Studie über Adelsvorstellungen in der völkischen Bewegung, Festivalkataloge zur lateinamerikanischen Lyrik, Audio-CDs mit Progressivschlagern, ein 24-Stunden-Comic ... Wir hoben das Bühnenfeuilleton »Die Begeisterungs-Show« aus der Taufe, luden Schriftsteller zu Lesungen und Werkstattgesprächen ein und scheuen auch nicht modernste Informationstechnologien: So geben wir seit 2000 das Internetkulturmagazin satt.org heraus – und rechnen uns trotzdem nicht zur digitalen Bohème.

Der Hauptpfeiler unseres Verlags sind die Leseheftreihen »Schöner Lesen« und »Aufklärung und Kritik«. 1996 erschien das erste »Schöner-Lesen«-Heft, zur Mainzer Minipressenmesse 2011 veröffentlichen wir die Nummern 102 und 103. Die Lesehefte umfassen in der Regel 16 bis 24 DIN A6-Seiten und beinhalten Texte (Prosa, Lyrik, Essay, Kurzdramatik) von Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, aber auch fremdsprachige Werke in Übersetzungen. Wir wollen unbekannte Autoren fördern, anerkannte Autoren nicht ausschließen, geben dem Nachwuchs eine Chance, veröffentlichen gleichzeitig auch Dichter, deren Konterfei auf den Geldscheinen ferner Länder abgebildet ist.

Alle Lesehefte werden mit Herz und Liebe zum Detail gestaltet und kosten trotzdem nur einen Euro. Das System beruht auf Selbstausbeutung – in dieser Hinsicht kennen wir keine Gnade! Aber was man sich selber antut, darf man nicht anderen antun: So vergeben wir grundsätzlich keine Praktika oder Volontariate.

Die »Schöner Lesen«-Hefte werden im Buchhandel vertrieben, seit Dezember 2003 auch in Süßwarenautomaten auf S-Bahnhöfen. Auf diese Weise konnten bis zum Sommer 2010 allein in Berlin über 50.000 Lesehefte an die Leser gebracht werden. Der Automatenvertrieb hat uns viele Schlagzeilen eingebracht, für noch mehr Aufsehen aber sorgte der erste und einzige Roman, den wir bislang veröffentlicht haben: »Strobo« von Airen.

Im Frühjahr 2010 wurde bekannt, dass die 17jährige Autorin Helene Hegemann ihren Bestsellererfolg »Axolotl Roadkill« zu großen Teilen aus dem von der Literaturkritik übersehenen, in unserem Verlag erschienenen Roman »Strobo« abgeschrieben hat. Während in der deutschen und internationalen Presse wochenlang über die Plagiatsaffäre gestritten wurde, hatten wir alle Hände voll zu tun, die sprunghaft angestiegene Nachfrage nach »Strobo« zu befriedigen ... Amazon-Verkaufsrang 28! Inzwischen ist »Strobo« der anerkannte literarische Klassiker über die Berliner Techno-Club-Kultur und aus zigtausend deutschen Bücherschränken nicht mehr wegzudenken. Zu Recht!

Statt in den Urlaub zu fahren und uns auf die faule Haut zu legen, erfüllten wir uns im Herbst 2010 einen lang gehegten Traum und veröffentlichten »Die Box«: Eine auf 222 Exemplare limitierte und nummerierte Schmuckkassette mit den ersten 100 »Schöner Lesen«-Heften ... Unsere Leistungsschau!

In diesem Jahr nun feiert der SuKuLTuR Verlag sein 15jähriges Bestehen – aus langhaarigen Studenten und Taugenichtsen wurden kurzatmige Ehemänner und Familienväter. Trotzdem denken wir nichts an’s Aufhören – der missionarischer Eifer ist immer noch nicht gestillt, und es gibt neue Ziele: eBooks, Webshop, ein neuer Roman ... Und als nächstes: Der Victor Otto Stomps-Preis der Stadt Mainz für eine kleinverlegerische Leistung!

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(Marc Degens, Programmleiter
Torsten Franz, Produktionsleiter
Frank Maleu, Geschäftsführer)

Bonn und Berlin, den 2. März 2011



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