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Die Box



Februar 2001
 
satt.org: paktinfo
Der pakt Performance-Report

Salz Arm
3. Performance-Abend
der Serie Typus
Salz Arm
Performances

23. Februar 2001

Projektraum
Rosa-Luxemburg-Str. 3
10178 Berlin



Teilnehmende Künstler:
Ulrich Krauss
Hans Jörg Tauchert
Michael Walter
BBB Johannes Deimling
Stephan US
R. J. Kirsch
Andrzej Pawelczyk
Antoni Karwowski
Der Performance-Abend Salz Arm ist die 3. Veranstaltung der Reihe TYPUS, die sich mit Basiselementen des Lebens beschäftigt.
Das Thema Salz wurde deshalb ausgewählt, da der Stoff essentiell für den Menschen ist und für ihn schon immer ein kostbares Gut darstellte. Verschiedene Kulturen haben Salz in ihren Ritualen verwendet und es mit symbolischen Werten versehen. So diente Salz etwa als Methapher für das Leben, für Beständigkeit, Weisheit und Reinigung.
Da Kochsalz heutzutage häufig in zu großen Mengen konsumiert und als Auslöser von Krankheiten angesehen wird, hat sich die gesellschaftliche Sicht auf das Nahrungsmittel gewandelt. Als Form des zeitgenössischen Rituals bieten sich der Performance zahlreiche Möglichkeiten, dieses Element neu zu bewerten. Die Kombination traditioneller Symbole und neuester Erkenntnisse ergibt im Rahmen der künstlerischen Auseinandersetzung ein weites Spannungsfeld zum Thema Salz Arm.



Ulrich Krauss
Küchenstück I

Feuerstelle, Topf, Diaprojektor, Stuhl, Leinwand, Leber, Niere, Pansen, Kartoffeln, Salz, Wasser


Gasbrenner starten, Diaprojektor anstellen und in unregelmässigen Abständen Dias auf den Topf Projezieren. Der Performer sitzt auf einem Stuhl und beobachtet den Garungsvorgang. Im Topf befinden sich unten Kartoffeln, Wasser und Salz, oben in Leinwand eingewickelte Leber, Pansen und Niere vom Rind. Die Dias beschreiben die Schlachtung eines Rindes in einem senegalesischen Dorf, anlässlich einer Begräbnisfeier. Sie werden so lange auf den dampfenden Topf projeziert, bis das Wasser im Topf vollkommen verdunstet ist.Während dieser Zeit findet eine Transformation der einzelnen Bestandteile im Topf statt: die Kartoffeln werden gar und umhüllen sich mit Salz.Die Innereien ziehen im Wasserdampf gar. Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, den Brenner ausschalten, die Leinwand aus dem Topf heben und auf dem Boden ausbreiten (1,5 m mal 5 m), Leber Niere und Pansen in kleine Stücke schneiden und die Kartoffeln mit den Fingern auf die Leinwand werfen. Das Publikum auffordern zu essen.
Ulrich Krauss: Küchenstück I






Hans Jörg Tauchert
Glotzen bringt Geld

Plakat, Musik von Jelly Roll Morton (Ausschnitt), Fotoapparat, Speisesalzpäckchen verschiedener Hersteller
ca. 15 Minuten


Hans Jörg Tauchert: Glotzen bringt Geld Die Performance hat die Form eines Vortrages aber verläßt diese Form zwischendurch öfters

1. Teil
Produktion einer Ware, zum Beispiel Salz (Speisesalz) und die Funktion des Marktes

2. Teil
Verkauf der Ware Salz mit allen Mitteln z.B. Reklame.
Daraus entwickelt sich die eigene, kopierte Methode um an Geld zu kommen.

Zusammenfassung:
Performance über die wahnsinnigen Folgen, die sich aus dem Eigentum ergeben am Beispiel Salz






Michael Walter
in einer Performance von BBB Johannes Deimling
Versalzer
20 Minuten


Handlungsbeschreibung Ein Ei im Eierbecher. Eierlöffel, Messer und ein großer Salzstreuer. Ein Mann köpft das Ei, legt das Hütchen daneben, nimmt den Salzstreuer und salzt das Ei zu. Die Öffnungen des Salzstreuers sind so groß, das das Salz ohne schüttel Bewegungen herausrieselt. Von der ürsprünglichen Situation bleibt am Ende ein Salzhaufen übrig.






BBB Johannes Deimling
Salt Dancer
15 Minuten


Mit kurzer, schwarzer Turnhose und einem weißen Sportlaibchen bekleidet betrete ich barfüßig die Aktionsfläche. In meinen Händen halte ich zwei mit Salz gefüllte Salzstreuer. An der Wand steht ein Kassettenrecorder. Ich drücke den Startknopf. Mit Glocken ertönt das Deutschland Lied in einer Aufnahme von 1938 der St. Katharinen Kirche in Danzig. Währenddessen bleibe ich stramm stehen. Es folgen nun einige Aufnahmevariationen der Deutschen Nationalhymne im zeitlichen Verlauf: 1941, 1950, 1973, 1990. Zu dieser Musik tanze ich ausdrucksvoll und expressiv. Am Ende stelle ich die beiden, leeren Salzstreuer nebeneinander auf den Boden. Die Glocken ertönen und ich bleibe schwitzend und heftig atmend stramm stehen.
BBB Johannes Deimling: Salt Dancer






Stephan US
Im Schweiße meines Angesichts

Schnee, Topf, Kochplatte, Stromkabel, Doppelsteckdose, Strom, Ei, Stuhl, Löffel

Stephan US: Im Schweiße meines Angesichts
Im Raum steht eine Kochplatte angeschlossen an eine Doppelsteckdose. Ein Stromkabel ebenfalls an die Doppelsteckdose angeschlossen liegt neben der Kochplatte.

Ich gehe mit dem Topf nach draussen und füllen ihn mit Schnee, betrete den Raum und stelle ihn auf die Kochplatte, welche ich anstelle. Ich gehe zum Stuhl, setze mich und ziehe meine Schuhe und Strümpfe aus. Das Stromkabel in der rechten Hand haltend stehe ich einige Zeit neben der sich erhitzenden Kochplatte. Ich ziehe das Kabel aus der Steckdose und beginne mit dem Kabel Seil zu springen. Immer wieder peitscht das Kabel auf meine nackten Füße. Der Schnee schmilzt, das Wasser erwärmt sich. Ich springe Seil, beginne zu schwitzen, das Wasser kocht, der Schweiß tropft, das Salz brennt mir in die Augen. Ich halte inne, gehe zum Topf und lege das Ei in das kochende Wasser. Springe weiter ausser Atem Seil bis ich nicht mehr kann. Ich streiche mit dem Löffel den Schweiß aus meiner Stirn, nehme das Ei aus dem Topf, schlage es auf, pelle es und salze es mit dem Schweiß. Ich schlürfe das Ei aus und gehe.






R. J. Kirsch
Salzstrasse

10 Minuten

R. J. Kirsch: Salzstrasse

Kreisgang unter ständigem Ausstreuen von Salz, jeweils über dem aufsetzenden Fuß. Erzeugung einer Spur mit Aussparung in Form der Füsse. ca.7m Durchmesser






Andrzej Pawelczyk
I stand with your feed


Andrzej Pawelczyk: I stand with your feed






Antoni Karwowski
Now when I know


Antoni Karwowski: Now when I know







III. Veranstaltung der Performance-Reihe Typus
Organisation: pakt. performance- und aktionskunst. berlin
I. Keiner, A. Ibsch, BBB J. Deimling

Fotos: © Peter Büermann, Nikolaus Atzl und die Künstler.