Anzeige:
Die Box



Februar 2001
 
satt.org: paktinfo
Der pakt Performance-Report

Licht Echt
2. Performance-Abend
der Serie Typus
Licht Echt

09. Februar 2001

Projektraum
Rosa-Luxemburg-Str. 3
10178 Berlin


Teilnehmende Künstler:
Ulrich Lepka
Irina Thormann
& Roland P. Runge

Stefan Berchtold
Anja Ibsch
Steffi Wurster
Tafel 7
Ingolf Keiner
Licht ist die für das menschliche Auge sichtbare elektromagnetische Strahlung. Das Licht führt den Organismen die zur Erhaltung des Lebens notwendige Strahlung zu, die in Wärme oder chemische Energie umgewandelt wird. Licht gilt als Basis des Lebens, auf der symbolischen Ebene repräsentiert Licht in vielen Kulturen das Göttliche. Licht und Dunkelheit gehören zu den Ursymbolen der Menschheit. Ihre Polarität wird oft zu einem religiösen, metaphysischen oder ethischen Dualismus gesteigert.
Licht ist in der Architektur und in allen Bereichen unserer visuell orientierten Gesellschaft ein zentrales Gestaltungselement, Licht ist Träger von Informationen, es wird zu therapeutischen Zwecken eingesetzt und als alternative Energiequelle genutzt.
Schon immer haben sich Künstler intensiv mit dem Licht beschäftigt. Licht Echt bearbeitet aus der Sicht der Performance die Ergründung des Begriffs selbst.
Performance bietet durch ihre formale Struktur vielfältige Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten und soll die unterschiedlichsten Aspekte von Licht Echt bündeln und beleuchten.



Ulrich Lepka
Time Tunnel Scanning

3 Stunden


Ulrich Lepka: Time Tunnel Scanning






Irina Thormann & Roland P. Runge
Schattenwurf (Konzeption)


Aktion:

Eine schwangere Frau steht in einem dunklen Raum und hält eine körpergroße Glasscheibe zwischen ihren Händen. Sie ist komplett schwarz bekleidet, nur ihr schwangerer Bauch ist entblößt. Die Frau presst die Glasscheibe gegen ihren nackten schwangeren Bauch.
Auf der sich abdrückenden Körperfläche wird ein Video projeziert.



Video:

Winterliche Stimmung, teils Schnee, teils Raureif.
Eine schwangere Frau steht mit entblößtem Bauch auf einem Feld und auf einem Dach in einer Großstadt.
Die Kamera umkreist die Frau wieder und wieder.
Irina Thormann und Roland P. Runge: Schattenwurf (Konzeption)






Stefan Berchtold
ICH ECHT

20 Minuten


Stefan Berchtold: ICH ECHT ECHT ->
ICH ECHT ->
LICHT ECHT ->
NICHT ECHT.



Ein
Exkurs
zur
Maslow'schen
Bedürfnispyramide
begleitet
von
Erklärungen
=
zur
Kellerkiste
KUNST POTENTIELL
im
Versuch,
eine
Diskussion
mit
dem
sprechenden
Papagei
zu
führen:

WAS IST KUNST?






Anja Ibsch
32

20 Minuten





Werdet ihr in jeder Lampe Brennen


Fromm den Abglanz höheren Lichts erkennen


Soll euch nie ein Missgeschick verwehren


Gottes Thron am Morgen zu verehren


West-Östlicher Diwan


Goethe
Werdet ihr in jeder Lampe Brennen






Steffi Wurster
SCHEINHAFT

22 Minuten


Es stellt sich heraus, Widerstand ist zwecklos.
Den linken Ärmel schneide ich mir ab und koche ihn in rotem Wein. Einen schwarzen Styroporkopf lege ich auf einen Spiegel und schraube beide fest mit einer Zwinge zusammen. Der Spiegel zerspringt nicht. Das Licht geht aus.

Es stellt sich heraus, Widerstand ist zwecklos.

Ich zünde die vier Kerzen eines Adventskranzes an und setze ihn auf den Kopf. Mit einem Staubsauger beginne ich, die Fensterscheibe des Raumes zu saugen. Den Staubsaugerbeutel leere ich im Anschluß aus - Popcorn ins kochende Fett einer Pfanne.
Den aufgekochten Ärmel hänge ich zum Trocknen auf die Leine. Elektrische Lämpchen rund um die Hüfte lösen den Adventskranz ab. Nun entrolle ich ein H&M-Plakat mit Claudia Schiffer. Summend reisse ich ihr Gesicht aus, schaue durch die Öffnung ins Publikum und singe den Song Barbie Girl.
Nach Beendigung der Show lege ich alle Lichter ab. Den abgehangenen Ärmel ziehe ich wieder an.






Tafel 7
Ulla Rauh / Ruth Pieper
KUNST = HEILUNG


xxx Die interaktive Performance KUNST = HEILUNG setzt den Focus im ersten Teil auf den Sitz der Intuition und Weisheit. Auf der Stirnmitte, zwischen den Augenbrauen des Besuchers bringt Ulla Rauh einen roten Pigmentpunkt mit dem Daumen auf. RuthPieper folgt mit dem Satement: KUNST = HEILUNG.

Im zweiten Teil der Aktion ist das Publikum gebeten auf einem Hocker vor roter Wärmelampe Platz zu nehmen. Die Wärme ist in Kreuzbeinhöhe spürbar. Der Besucher wird von den Akteurinnen aufgefordert innerlich eine Verbindung zwischen der Wärme am Kreuzbein und dem roten Punkt auf seiner Stirn herzustellen. Es gibt Zeit diese Empfindung zu spüren. Das Ende ist von der Wahrnehmung der Akteurinnen abhängig. Mit der Erfahrung diesen Energieflusses, der Körpermitte mit Stirnmitte verbindet, also Körper und Geist vereint geht der Besucher seiner Wege. Das Werk wird bei jedem Einzelnen auf individuelle Weise weiterwirken.






Ingolf Keiner
Der Waagenmann

Diaprojektor, UV-Lampe, Zimbeln, Leuchtstoffröhre, zwei Wasserwaagen
15 Minuten


Es gibt drei Positionen im Raum.

Rechts ist eine Unterscheidung zwischen Vergänglichen und Unvergänglichen nötig. Das Unvergängliche zu erkennen ist mehr eine Sache des Nicht-Wollens und des Nicht-Festhaltens.

Links wird auf alles, was dem eigenen Fortschritt nicht unmittelbar förderlich ist, verzichtet. So wie sich der Körper als skulpturales Ergebnis einer geistigen Tätigkeit darstellt, liegt in ihm auch das gesamte Potential seiner zukünftigen Entwicklung verborgen.

Zwischen den Dingen ist eine besondere Spannung, ein besonderer Raum. Dort wird eine andere Konstellation der Sinne gefordert. Die Erweiterung gelernter Wahrnehmungsgewohnheiten ist deshalb so schwer, weil sich dann auch die Verhaltensgewohnheiten ändern müssen.

In der Mitte wird das Gleichgewicht verloren.
Ingolf Keiner: Der Waagenmann








II. Veranstaltung der Performance-Reihe Typus
Organisation: pakt. performance- und aktionskunst. berlin
I. Keiner, A. Ibsch, BBB J. Deimling
Fotos: © Peter Büermann, Nikolaus Atzl und die Künstler.