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Die Box




15. Mai 2013
Thomas Vorwerk
für satt.org


Now you don't.

Ob man durch den nachfolgenden Text tatsächlich etwas über einen in zwei Monaten auch in Deutschland startenden Film erfahren kann – oder man eher einer von einer Therapiecouch geäußerten Logorrhoe des eines dringenden Kreativauswurfs bedürftigen Filmredakteurs beiwohnt … seht selbst.

Es war mal wieder an der Zeit, einen etwas anderen Text abzufassen.

LiebeR LeserIN, bitte betrachten Sie folgenden Trailer:


Vielleicht liegt es ja nur an mir, aber für mich schreit dieser Trailer »Christopher Nolan«. Eine Art Mischung aus The Prestige und Inception, und unter den Stars findet man Nolan-Kumpels wie Michael Caine und Morgan Freeman. Angereichert mit Stars aus Zombieland und einer seltsamen Schnittmenge aus dem Umfeld von David Fincher (Freeman aus Seven, Eisenberg aus The Social Network und nicht vergessen, Mark Ruffalo spielte in Zodiac mit). Die Fincher-Tangente geht sogar so weit, dass ich mich an Dialogzeilen erinnert fühle: »The first rule of magic is ...« – wer muss da nicht an Fight Club denken?

The »first rule of movie marketing« könnte sein, dass man dem potentiellen Publikum (spätestens im Trailer!) suggerieren sollte, dass das neue Produkt sehr ähnlich ist wie bereits goutierte und für gut befundene frühere Streifen. Das hat man hier ziemlich konsequent durchgesetzt, denn der typische Nolan-Enthusiast wird sich wohl nicht übermäßig daran stören, dass hier statt Scarlett Johansson Isla Fisher die Assistentin des Zauberers spielt (ich bin mir sicher, dass ich ihre Rolle hier marginalisiere – man möge mir verzeihen). Und anstelle der Oscar-Gewinnerin Marion Cotillard gibt es in einer weiteren weiblichen Rolle »the next best new sensation« aus frankophilen Landen: Mélanie Laurent, die ja immerhin aus Inglourious Basterds ein Begriff ist.

In meinem Fall gibt es da leider das Problem, dass ich mit Chris Nolan nach Inception relativ abgeschlossen habe – und The Dark Knight Rises konnte nicht einmal meine immens geringen Erwartungen erfüllen. Und David Fincher ... naja, der hat seine besten Werke auch schon hinter sich. Doch erstaunlicherweise wird im Trailer gar nicht überdeutlich betont, wer regiemäßig dahinter steht. Kein »vom Regisseur von Amistad« oder ähnliches. Und so muss man sich aufraffen und bei imdb nachschauen ...

Louis Leterrier. Kein Name, den man kennen oder sich merken muss. Von ihm stammen die ersten beiden »Transporter«-Filme, das Remake von Clash of the Titans und jener Hulk-Film, der zwar mit Edward Norton den vielleicht besten Bruce Banner hatte (ohne jetzt Mark Ruffalo dissen zu wollen), der aber nur solange erträglich war, wie Edward Norton nicht vom Hulk abgelöst wurde (ein Problem, das Joss Whedon und Mark Ruffalo später bei The Avengers mit dem bewährten Gollum-Trick in den Griff bekamen).

Die Sache ist die: einerseits macht mich dieser Trailer immens neugierig, aber andererseits ist der Hype-Faktor unübersehbar. Die CGI-Effekte bei den »Zaubertricks« sehen schon in Sekundenbruchteilen eher billig aus (das muss man dem Nolan lassen: eine Stadt aufrollen wie einen Teppich – das kann er besser als die meisten), und warum Jesse Eisenberg plötzlich aussehen muss wie Ethan Hawke, das will sich mir auch nicht erschließen. Aber immerhin ist der deutsche Verleih Concorde und nicht Warner, was die Chancen auf eine Einladung zur Pressevorführung – und zwar in OV, bitteschön! – um einen Faktor von 4 multipliziert. Und somit stehen die Chancen gut, dass man an dieser Stelle bald genaueres über diesen Film erfährt.

Ein letzter Gedanke: das Schlimmste oder Seltsamste ist: Inzwischen schaue ich mir lieber einen Film von Louis Leterrier an als den neuen Chris Nolan. Nolan ist für mich so was wie eine Exfreundin, die man inzwischen abgrundtief hasst für die emotionalen Narben, die man sich womöglich ganz allein beigebracht hat. Und Louis Leterrier ist eher so eine Spätvierziger-Supermarktkassiererin, mit der man immerhin mal zwei Sätze wechseln kann ohne sich oder sie zu verachten. Wobei man mich nicht missverstehen soll, dass ich den Kinobesuch mit einem Date verwechsle, es ist nur so, dass ich bei einem Leterrier-Film etwa die Fallhöhe ansetze wie bei einem täglichen Einkauf (die schlimmste Enttäuschung wäre, wenn der Bierschinken schon wieder teurer geworden ist), während man bei Chris Nolan – obwohl man es besser wissen sollte – irgendwie doch die gute Hose anzieht und sich vorher rasiert ... nur um dann später vielleicht doch wieder in der Badewanne nach den Rasierklingen zu greifen (keine Angst, sooo eine Exfreundin gibt es bei mir nicht – aber mein Verhältnis zu Nolan ist tatsächlich ähnlich desaströs).