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Die Box




9. Dezember 2009
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Zombieland (Ruben Fleischer)
Zombieland (Ruben Fleischer)
Zombieland (Ruben Fleischer)
Bilder © 2009 Sony Pictures Releasing GmbH
Zombieland (Ruben Fleischer)
Zombieland (Ruben Fleischer)
Zombieland (Ruben Fleischer)


Zombieland
(R: Ruben Fleischer)

USA 2009, Buch: Rhett Reese, Paul Wernick, Kamera: Michael Bonvillain, Schnitt: Alan Baumgarten, Musik: David Sardy, Kostüme: Magali Guidasci, Production Design: Maher Ahmad, Art Direction: Austin Gorg, mit Jesse Eisenberg (Columbus), Woody Harrelson (Tallahassee), Emma Stone (Wichita), Abigail Breslin (Little Rock), Amber Heard (406), B. M. (Himself), Mike White (Bathroom Victim), Derek Graf (Clown Zombie), 88 Min., Kinostart: 10. Dezember 2009

Das Genre boomt zwar nicht ganz so stark wie der Vampirfilm, aber aufgrund vergleichbar bekannter Regeln und überschaubarer Kosten bieten halbwegs gelungene Zombiefilme geradezu eine Garantie des Einspiels der Produktionskosten, und nicht nur George A. Romero bekommt immer wieder Geld für neue Zombiefilme. Spätestens seit Shaun of the Dead wurde auch das Humorpotential entdeckt, denn stärker als beispielsweise beim Teenage-Slasher, Serienmörder oder den bereits erwähnten Vampiren (wohlgemerkt in der Horror-Version und nicht als Kuschelrock für 12jährige) bietet dieses Horror-Subgenre Monstren, die bereits irgendwie lachhaft wirken (auch wenn Zombies heutzutage um einiges schneller sind als ihre old school-Vorfahren), und Make-Up-Effekte, die kaum übertrieben genug sein können.

Einzig Zack Snyders Dawn of the Dead (oder die Videospielverfilmung Resident Evil) könnte Zombieland den Rang ablaufen, wenn es darum geht, wer historisch der erste Zombiefilm für ein echtes Mainstream-Publikum war. Sogar Hans-Ulrich Pönack mag diesen Film!

Jetzt mal abgesehen von der Grundprämisse (insbesondere bei jenen Zombiefilmen, wo sich die begrabenen wieder aus den Gräbern freibuddeln) ist der Zombiefilm per se eine Gattung, die in Sachen Wahrscheinlichkeit zumeist sehr vernünftig vonstatten geht. Man mag ja sowas wie die Schweinegrippe halbwegs unter Kontrolle halten, aber angenommen, alle Infizierten sind Todgeweihte (wobei durch die Untoten-Regelung die Statistik stark beeinflusst wird), und die Infizierten sind vielleicht nicht direkt darauf aus, jeden anderen zu infizieren (lieber auffressen als darauf warten, bis sich die Symptome durchsetzen), aber zumindest sind sie aktiv daran interessiert, die Zahl der Nichtinfizierten zu verringern ... da braucht man kein Matheprofessor sein, um zu erkennen, dass die Chancen für die Nichtinfizierten recht gering sind. Und die allermeisten Zombiefilme hüten sich auch vor einem Happy End. Bei der Untergattung der Zombiekomödien ist man hingegen etwas glimpflicher, wie man schon bei Shaun of the Dead sehen konnte. Und in dieser Hinsicht verdient sich Zombieland sein “Güte-Siegel” Mainstream schon ziemlich gründlich. Und dabei geht die Wahrscheinlichkeit ziemlich den Bach runter. Die Anzahl der angreifenden Zombies in diesem Film ist in den meisten Szenen überschaubar (auch wenn dies nie auch nur im Kern erklärt wird), und auch das übliche Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip kommt hier nur selten zur Anwendung. An negativen Details ist ferner eine saublöde CGI-Passage zu erwähnen, die den Begriff “Zombieland” als Neubeschreibung der Vereinigten Staaten in Form eines größtenteils verwüsteten Planeten darstellt. Wenn diese Szene nicht so als Money Shot präsentiert werden würde, hätte man sie sogar als feinen Kritikpunkt interpretieren können, doch das funktioniert meines Erachtens so nicht.

Doch kommen wir zu den positiven Aspekten. Da wäre vor allem der erfrischende Humor des Films zu nennen. Columbus (Jesse Eisenberg, bekannt aus The Squid and the Whale oder The Village) ist ein junger Mann, der in “Zombieland” bisher gut zurecht gekommen ist, weil er sich an einige Regeln hält, die innerhalb des Films mit dreidimensional eingeblendeten Schriftzügen allgegenwärtig sind. Einige Beispiele: Man sollte sich fit halten (#1: Cardio), immer eine Rückzugsmöglichkeit wissen (#22: When in doubt, know you’re way out), Fluchtfahrzeuge gut inspizieren (#31: Check the back seat) und sich generell nicht wie ein Idiot verhalten (#17: Don’t be a hero).

Man könnte jetzt bösartig sein und behaupten, dass Columbus vor allem ein Angsthase ist, aber lieber ein lebender Hase als ein toter Tyrannosaurus Rex. Das komplette Gegenstück zu Columbus stellt Tallahassee (Woody Harrelson) da, der immer auf der Suche nach innovativen Tötungsmethoden für Zombies ist (“What do you think? Zombie Kill of the Week?”) und neben seinem uneingeschränkten Selbstvertrauen nur eine große Schwäche hat: Er ist auf der Suche nach (mindestens) einem Twinkie, einem nicht gerade fettarmen US-Snack, der für ihn sowas wie einen heiligen Gral darstellt. Nur, dass der heilige Gral kein Mindesthaltbarkeitsdatum hat. Einer der schönsten Momente des Films ist es, wenn die beiden Jungs, erst seit kurzem Weggefährten, einen ganzen Lastwagen der Twinkie-Firma “Hostess” am Straßenrand finden. Was dann passiert, verbietet mir der Anstand, hier zu beschreiben.

Wie jedermann anhand des Plakats nachvollziehen kann, treffen die beiden dann noch auf Wichita (Emma Stone, bisher immer ein Lichtblick in ihren Filmen) und Little Rock (Abigail “Little Miss Sunshine” Breslin), zwei Schwestern, bei denen die dem Film zugrunde liegende Benennung der Figuren nach dem Ziel innerhalb der Staaten, das sie zu erreichen versuchen, irgendwie ins Taumeln gerät. Diese vier Figuren tricksen sich zunächst gegenseitig aus, wachsen dann aber als Ersatzfamilie zusammen, treffen gemeinsam eine echte Celebrity, was zu einem großartigen Kurzauftritt von B. M. führt (Sorry, da halte ich es wie die Überraschungseier, da wird außer den Initialen nichts verraten!), und versuchen zu überleben.

Neben dem Off-Kommentar von Columbus, der seine Regeln und die Konsequenzen bei Nichtbefolgung mehrfach vorführen kann, was zu (oft zeitlupenverlangsamten) Splatter-Einlagen führt, bei denen noch der schreckhafteste Zuschauer sich spätestens beim dritten Mal vor Lachen fast bepisst, lebt dieser Film vor allem vom Zusammenspiel zwischen den Figuren (auch, wenn vieles nach Mainstream-Strickmuster funktioniert), doch man nimmt sich auch mal Zeit für nahezu surreale Passagen wie der sinnfreien Zerstörung eines Ladens mit Indianer-Souvenir, die aber (außer vielleicht bei amerikanischen Ureinwohnern) eine außerordentliche Feelgood-Atmosphäre verbreiten.

“Thank God for rednecks!”

Einen kleinen Gag hat man in diesen Film leider vergessen einzubauen: Gleich zu Beginn sieht man die an die Freiheitsstatue erinnerte fackeltragende junge Frau im Intro von Columbia Pictures. Mit nur wenigen Veränderungen hätte man aus ihr einen wirklich schmissigen Zombie basteln können. Und wenn man schon dabei ist: Einfach mal den Firmennamen in “Cozombia” verwandeln ...