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Die Box




16. Mai 2012
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Lachsfischen im Jemen (Lasse Hallström)
Lachsfischen im Jemen (Lasse Hallström)
Lachsfischen im Jemen (Lasse Hallström)
Bildmaterial © 2012 Concorde Filmverleih GmbH
Lachsfischen im Jemen (Lasse Hallström)
Lachsfischen im Jemen (Lasse Hallström)
Lachsfischen im Jemen (Lasse Hallström)
Critics in Love


Lachsfischen im Jemen
(Lasse Hallström)

Originaltitel: Salmon Fishing in the Yemen, UK 2011, Buch: Simon Beaufoy, Lit. Vorlage: Paul Torday, Kamera: Terry Stacey, Schnitt: Lisa Gunning, Musik: Dario Marianelli, mit Ewan McGregor (Dr. Alfred Jones), Emily Blunt (Harriet), Amr Waked (Sheikh Muhammed), Kristin Scott Thomas (Patricia Maxwell), Tom Mison (Capt. Robert Mayers), Rachael Stirling (Mary Jones), Catherine Steadman (Ashley), Tom Beard (Peter Maxwell), Jill Baker (Betty), Conleth Hill (Bernard Sugden), Alex Taylor-McDowall (Edward Maxwell), Matilda White (Abby Maxwell), Otto Farrant (Joshua Maxwell), Hamish Gray (Malcolm), Clive Wood (Tom Price-Williams), Nayef Rashed (Rebel Leader), 107 Min., Kinostart: 17. Mai 2012

Und noch ein Film über einen superreichen bärtigen Herrn aus dem mittleren Osten, der seltsame Hobbys hat. Scheich Muhammed (Amr Waked) hat in England das Fliegenfischen gelernt und will nun auch in seiner Heimat, dem Yemen, dieser Freizeitbeschäftigung nachkommen, wozu aber erst einmal in der Wüste ein Lachsbestand etabliert werden müsste. Also beauftragt er eine Agentur, die einen Experten (Ewan McGregor) ausfindig macht, der aufgrund aktueller politischer Strömungen tatsächlich die Unterstützung der britischen Regierung für dieses wahnwitzige Projekt erhält.

Noch erwähnt werden muss, dass die »Liaison« der Agentur, Harriet Chetwode-Talbot, von Emily Blunt gespielt wird, und kein Zuschauer trotz fester Beziehungen der beiden dargestellten Figuren daran zweifeln würde, dass Blunt und McGregor ein durchaus sympathisches Paar abgeben würden.

Lasse Hallström ist nicht unbedingt ein Knutschi-und-Schmusi-Experte, aber er hat eine gewisse Affinität zu Liebes- und Beziehungsfilmen. In letzter Zeit hatte er aber nicht das glücklichste Händchen bei der Auswahl seiner Projekte. Jennifer Lopez in An Unfinished Life und Heath Ledger als Casanova konnten nur die wenigsten überzeugen, dann zwei Filme mit dem etwas ausgebrannten Richard Gere, wovon einer es nicht in die deutschen Kinos schaffte, das Hunde-Drama Hachiko hingegen leider doch. Zwischendurch noch eine Nicholas-Sparks-Verfilmung mit Möchtegern-Superstar Amanda Seyfried …

Von seinem Hattrick um die Jahrtausendwende (The Cider House Rules, Chocolat, The Shipping News), als ihm sowohl Publikum als auch die Kritik sehr wohlgesonnen waren, ist mittlerweile jeder Bonus abgeackert. Salmon Fishing in the Yemen ist aber ein grundsolider, sehr unterhaltsamer (vor allem Kristin Scott Thomas bekommt vom Drehbuch die besten Gags und Dialoge zugeschoben), ziemlich britischer und vor allem sympathischer Film, der sowohl als leichtfüßige Politsatire als auch als Liebeskomödie überzeugt. »Überzeugen« soll in diesem Fall bedeuten, dass der Film seine gesteckten Ziele alle erreicht. Weit darüber hinaus schießt er hingegen nicht.

Mir persönlich hat eine unterschwellige Strömung des Films, die viele Zuschauer ohne Hinweis wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen hätten, sehr amüsiert. Ewan McGregor als Dr. Alfred Jones teilt nicht nur den Nachnamen mit Indiana Jones, ich hatte das Gefühl, dass der Film (und vielleicht auch schon die Romanvorlage) recht häufig Anspielungen auf »Indy« fallen ließ. Da wird nicht nur jemand als Nazi bezeichnet, die Bundeslade erwähnt und der nette Dialog »I am shy and quiet.« – »Like Hitler.« eingebaut, »Fred« trägt teilweise auch einen recht ähnlichen Hut und beweist, dass ein Angler keine Peitsche benötigt, wenn er sich bösartigen Schergen gegenüber zur Wehr setzen muss.

Besser als in jedem Indiana-Jones-Film ist aber die Frau an der Seite von Dr. Jones: Emily Blunt, die nach einem eher langsamen Aufstieg in Hollywoods Star-Riege (My Summer of Love, The Devil Wears Prada, The Jane Austen Book Club, Sunshine Cleaning) nun seit The Young Victoria ziemlich durchstartet: In The Wolfman und Gulliver's Travels war sie noch schmückendes Beiwerk, doch an der Seite von Matt Damon (The Adjustment Bureau) ist noch jeder Darsteller aufgefallen, und nach einem Kurzauftritt bei den Muppets darf sie bald zusammen mit Jason Segel The Five-Year-Engagement stemmen und im neuen Film von Rian »Brick« Johnson mitspielen (der Titel ist Looper, sieht vielversprechend aus) – und mit ein bisschen Glück (oder einfach Gerechtigkeit) bekommt vielleicht auch Your Sister's Sister, den sie gemeinsam mit Salmon Fishing letztes Jahr im September beim Toronto Film Festival vorstellte, einen deutschen Kinostart. Außerdem ist noch ein Film mit Colin Firth in der Post-Production. Mit womöglich sechs Emily-Blunt-Filmen könnte 2012 ein bezauberndes Filmjahr werden …