Anzeige:
Die Box




Oktober 2006
Thomas Vorwerk
für satt.org

Der Teufel trägt Prada
USA 2006

Der Teufel trägt Prada, Plakat

Der Teufel trägt Prada

Originaltitel: The Devil Wears Prada; Regie: David Frankel; Buch: Aline Brosh McKenna; Lit. Vorlage: Lauren Weisberger; Kamera: Florian Ballhaus; Schnitt: Mark Livolsi; Musik: Theodore Shapiro; Production Design: Jess Gonchor; Art Direction: Anne Seibel, Tom Warren; Kostüme: Patricia Field; Darsteller: Anne Hathaway (Andy Sachs), Meryl Streep (Miranda Priestly), Emily Blunt (Emily), Stanley Tucci (Nigel), Adrian Grenier (Nate), Tracie Thoms (Lilly), Rich Sommer (Doug), Simon Baker (Christian Thompson), Daniel Sunjata (James Holt), Jimena Hoyos (Lucia), Rebecca Mader (Jocelyn), Tibor Feldman (Irv Ravitz), Giselle Bündchen (Serena), Heidi Klum, Valentino Garavani; 109 Min.; Kinostart: 12. Oktober 2006

Der diesem Film zugrundeliegende Roman attackierte wohl kaum kaschiert, so wurde mir gesagt, eine Chefredakteurin der Modezeitschrift Vogue, eines jener Magazine, von denen ich mir bisher noch weniger Exemplare zugelegt habe als von Bussi Bär, Men's Health oder FHM (und die konnte man auch alle getrost vergessen).

Filmszene
Filmszene
Bilder © 2006 Twentieth Century Fox
Filmszene
Filmszene
Filmszene

Anne Hathaway, vor Brokeback Mountain höchstens in den Princess Diaries aufgefallen, spielt auch hier das vermeintlich hässliche Entlein, das im Verlauf des Films in einen modebewussten Schwan verwandelt werden soll, bevor sie dann die wahren Werte einer Persönlichkeit (wieder)erkennt. Eine Rolle, wie sie vor 50 Jahren standardmäßig mit Audrey Hepburn besetzt worden wäre, und bei diesem Vergleich kann Frau Hathaway natürlich nur durchfallen. Schon in einer anfänglichen Parallelmontage während des Vorspanns sieht man offenbar diverse Jobanwärterinnen, die sich für ein Vorstellungsgespräch zurecht machen. Obwohl Frau Hathaway von allen diesen jungen Frauen klar am ehesten als "plain" zu bezeichnen wäre, wäre dies kein Hollywood-Film, wenn sie nicht sogar noch beim Zähneputzen "zum Küssen" aussehen würde. Nur reicht ein hübsches Gesicht nicht, um den Film zu tragen, und somit kommen wir zu den wirklichen Stars des Films.

Meryl Streep, die in letzter Zeit ein Faible für Komödien und komödiantisch angehauchte Rollen entwickelt zu scheinen hat (Couchgeflüster, The Manchurian Candidate) füllt die titelgebende "Teufelin" Miranda Priestly mit Bravour aus. Jede minutiöse Nuance ihren Mienenspiels beweist, warum wir es hier mit der von allen momentan aktiven Schauspielerinnen am häufigsten mit Oscarstatuetten und -Nominierungen überschütteten Aktrice zu tun haben. Nach diesem Film würde man gerne wieder den Spruch "Your Oscar's in the mail, Miss Streep!" vernehmen.

Zu ihrer rechten Hand agiert Stanley Tucci in bewährt "tuc(c/k)iger” Weise und lässt selbst meinen persönlichen Liebling Andy Serkis in 13 going on 30 (eine recht ähnliche Rolle) ziemlich alt aussehen.

Ferner gibt es noch Emily Blunt (My Summer of Love) als die Assistentin Emily, die unserer Heldin bereits früh erste Einblicke in das gibt, was sie von ihrer neuen Chefin zu erwarten hat. So warnt Emily: “Andrea, Runway is fashion magazine, an interest in fashion is crucial.”, woraufhin Andy nur kleinlaut erwidert: “What makes you think I'm not interested in fashion?” Später wird dieser Dialog von der beastly Ms Priestly nur noch verfeinert:

Miranda: “You have no sense of fashion …”
Andy: “I think that depends on …”
Miranda: “No, no, that wasn't a question.”

So oder so ähnlich gestaltet sich der gesamte Job, für den zwar eine Million junger Frauen töten würden, den aber keine Frau mit einem Rest von Selbstrespekt überleben kann. Anhand von Andys zu Beginn sehr gut funktionierender Beziehung zu Nate (Adrian Grenier, eine Art jüngerer, etwas verwahrloster Mark Ruffalo) kann man sehr schön miterleben, wie sie sich langsam verändert, spätestens, wenn sie dann mit einem ziemlich gelackten Top-Journalisten, der während ihrer College-Zeit ihr großes Vorbild war, ins Bett hüpft, droht die Figur die Sympathien des Zuschauers zu verlieren, doch der durch Sex and the City-Episoden geschulte Regisseur David Frankel vollbringt es (zusammen mit Ms Hathaway), die Balance zu halten. Ebenso, wie Ms Streep es schafft, ihre Figur trotz aller Boshaftigkeit (“Please bore someone else with your questions.” --- “The details of your incompetance do not interest me.” --- “That’s all.”) dennoch real erscheinen zu lassen.

Einen Kritikpunkt, den ich bei www.imdb.com fand, kann ich aber dennoch gut nachvollziehen, eben weil ich nicht zu den Modefanatikern gehöre: “More devil, less Prada” ist ein den Film betreffender Wunsch, den ich auch unterstützen würde …