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Die Box




30. November 2011
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Happy Feet 2 (George Miller)
Happy Feet 2 (George Miller)
Bildmaterial © 2011 Warner Bros. Inc.
Happy Feet 2 (George Miller)
Happy Feet 2 (George Miller)
Happy Feet 2 (George Miller)


Happy Feet 2
(George Miller)

Originaltitel: Happy Feet Two, Australien 2011, Co-Regie: David Peers, Gary Eck, Animationsregie: Rob Coleman, Buch: George Miller, Warren Coleman, Gary Eck, Paul Livingston, Kamera-Regie: David Peers, Kamera-Beleuchtung: David Dulac, Schnitt: Christian Gazal, Musik: John Powell, Choreographie: Savion Glover, Wade Robson, Dein Perry, Kate Wormald, Production Design, Art Direction: David Nelson, mit den Originalstimmen von Elijah Wood (Mumble), Alecia Moore (alias P!nk) (Gloria), Robin Williams (Ramon / Lovelace), Hank Azaria (The Mighty Sven), Ava Acres (Erik), Benjamin »Lil P-Nut« Flores, Jr. (Atticus), Meibh Campbell (Bo), Hugo Weaving (Noah the Elder), Sofia Vergara (Carmen), Brad Pitt (Will the Krill), Matt Damon (Bill the Krill), Common (Seymour), Richard Carter (Bryan the Beachmaster), Carlos Alazraqui (Nestor), Lombardo Boyar (Raul), Jeffrey Garcia (Rinaldo), Johnny Sanchez III (Lombardo), Magda Szubanski (Miss Viola), Lee Perry (Wayne the Cahllenger / Francesco / Ebbbert / Leopard Seal), Anthony LaPaglia (The Alpha Skua), Danny Mann (Brokebeak) und den Darstellern [Live Action, stumme Rollen] Septimus Caton (Guitarist) und Ivan Vunich (Beanie Man), 100 Min., Kinostart: 1. Dezember 2011

Ziemlich exakt vor fünf Jahren überraschte Mad-Max-Regisseur George Miller mit seinem ersten Animationsfilm (wenn man die Babe-Filme außen vor lässt), Happy Feet. Damals war ich einigermaßen aus dem Häuschen, dass ihm weitaus mehr gelang als ein putziger Film über Pinguine, mehr als einen Kinderfilm, sogar mehr als ein Musical. Ungeachtet der Oscar-Auszeichnung als bester Animationsfilm (Cars und Monster House waren damals die nominierte Konkurrenz) hätte ich nicht mit einem Sequel gerechnet, und schon gar nicht vom selben Regisseur, und schon so überhaupt ganz und gar nicht mit einem überraschend ähnlichen Anspruch.

Natürlich ist der Film in 3D (und macht sogar was daraus), und für Animationsfilmen mit tierischen Helden ist es auch keine riesige Überraschung, dass man nach der damaligen Geschichte von Mumble und Gloria (Alecia Moore alias P!nk ersetzte als Sprecherin - und vor allem Sängerin - die zwischenzeitig zu früh verstorbene Brittany Murphy) nun einfach eine Generation weiter ging. Damals war Mumble der einzige Pinguin, der nicht singen konnte, sich aber stattdessen durch Steptanz hervortat, mittlerweile singen und steppen die Frackträger, und Mumbles Sohn tut sich mit dem Tanzen schwer - und wer ein bisschen mitdenken kann, ahnt, mit welchem unerwarteten Talent er sich später durchsetzen wird. Wieder geht es um nicht weniger als den Niedergang der gesamten Kaiserpinguin-Kolonie, wieder tauchen die »Aliens« (Menschen) auf (sowie See-Elefanten, ein Seeleopard und diverse Raubmöwen), wieder brilliert Robin Williams in einer Doppelrolle (insofern ich das anhand der Synchronfassung beurteilen kann), und wieder gibt es jede Menge großartig intonierte und choreographierte Songs (insofern ich das anhand der Synchronfassung beurteilen kann), darunter diesmal sogar zwei Songs von Queen: Under Pressure (sehr schön in die Geschichte integriert) und We are the Champions (in mehreren Variationen).

Aber Miller recyclet nicht einfach den alten Film und stellt ein paar Stühle um, sondern fährt neben der für jedes Kind verständlichen Hauptgeschichte gleich mehrere Subtexte auf, die auch das erwachsene Publikum bei der Stange halten. So hat der farbenprächtige Lovelace (Robin Williams) diesmal nicht nur einen Quasi-Job als Tele-Evangelist, er macht auch noch gemeinsames Spiel mit einem Beinahe-Messias, dem etwas anders aussehenden und klingenden Sven, einem, der den »Leap of Faith« wortwörtlich nimmt, und das vermag, was Buzz Lightyear immer versagt blieb: er fliegt.

Na gut, dass daran irgendwas nicht koscher ist, bemerken wahrscheinlich auch ein Großteil der neunjährigen Besucher, aber das Thema (und seine Auflösung) nebst den ihren religiösen Hintergrund kaschierenden »Svengedanken« (Augen zu, konzentrieren und sich etwas wünschen - schon gefährlich nahe an einem Gebet) ist einfach so interessant (auch aus pädagogischer Sicht), dass schon Sven allein auch für Erwachsene den Kinoeintritt wert ist (und wenn ihn dann auch noch Hank Azaria im Original spricht, sowieso).

Dann gibt es noch eine Nebenhandlung um See-Elefanten, was neben der durchgehend mitschwingenden Gefahr einer Umweltkatastrophe auch noch als Metapher für Innen- und Außenpolitik (und dem Wunsch nach »Kindern an die Macht«) deutbar ist, und als komplette Neuerfindung gibt es diesmal die Abenteuer von zwei Krill (ich weiß nicht mal, ob es dazu einen Singular gibt), im Original von Brad Pitt und Matt Damon gesprochen, die quasi über Sozialismus (das Leben im Schwarm) contra Kapitalismus (»Ich will an die Spitze der Nahrungskette!«) philosophieren.

Schon in Happy Feet hatte Miller solche hehren Ansprüche, und scheiterte dabei zumindest etwas, doch diesmal fügen sich die vielen unterschiedlichen Ansätze aufs vorzüglichste zusammen. Okay, der eine oder andere Eisberg hält sich bei seinem Verhalten auffällig genau an die Absichten des Drehbuchs, und das »am Ende sind alle gute Freunde«-Mantra der Familien-Animationsfilme läuft vielleicht eine Spur zu glatt, aber selbst der (leider heutzutage unvermeidliche) Ausflug in den Fäkalhumor ist hier gelungen (und fast noch geschmackvoll) wie seit jenem anderen Pinguin-Film Surf’s Up nicht mehr.

Und den Kindern hat es auch gefallen. Meine zwei Begleitungen Franja (10) und deren Mutter (für beide war es der erste 3D-Film) urteilten unisono »großartig!« und allein beim Abspann des Films viele Kinder beim versuchten Anstupsen von Seifenblasen (Teil des Abspanns) zu beobachten, die aber immer kurz zuvor platzten, war abgesehen von einigen Begleiterscheinungen bei Contagion das Kinosaal-Erlebnis des Jahres.

Ach ja, beinahe vergessen: Nach den Roadrunner-Vorfilmen letztes Jahr gab es diesmal einen 3D-Kurzfilm mit Tweety und Sylvester. Obwohl die Synchro diesen musikalisch-infernalischen Genuss natürlich schredderte (im Original soll noch Mel Blanc singen), wäre das für einen Looney-Tunes-Fan wie mich schon fast ein Grund, ins Kino zu gehen. Es steht zu vermuten, dass bei anstehenden Warner-Filmen um einen Delphin bzw. Panda weitere Kleinode folgen werden …