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Ekkehard Knörer
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- daily knörer -


22. Tag: Schlangenbader Strasse (Wilmersdorf)

Am Rande des Rüdesheimer Platzes liegt eine Leiche herum: Bolle (Wilmersdorf)Bolle, einst das Synonym für Berliner Supermarkt, seit Jahren tot (und 'extra 'riecht auch schon ein bisschen), hier aber, trauriger Rest aus unvergänglichem rohen Fleisch, mit dem die Fenster beklebt sind, das alte Logo, außen Bolle, innen ausgeräumt. Willkommen im Berliner Westen, vorbei, ich wollte es ja nur gesagt haben, an Schrebergärten, dann die Schlangenbader Straße, an der erst einmal nichts weiter auffällt.

Man muss aber durch einen der nicht sehr ungewöhnlich scheinenden Torbögen hindurch, zwischen dem Prometheus-Griechen und dem leeren gold glänzenden Friseursalon zum Beispiel, dann tritt man ein in eine Welt für sich. Terrassierter Beton, schätzungsweise siebziger Jahre, mit blauer und gelber Farbe leicht geschminkt, aber doch, bei Licht besehen, eine Architektur, deren Prinzipien einem heute nichts als ein Kopfschütteln entlocken können. Einen Innenhof gibt's zwischen den himmelwärts sich ziehenden Balkonterrassen, mit Grün, mit Spielplatz, dazu Infrastruktur, Hollys, ein American Diner mit Waschmaschinen im Hintergrund.

Betonterassen (Wilmersdorf)Schranke (Wilmersdorf)

Und Läden. Und eine Schranke, die den Unbefugten Autofahrer draußenhält: ein Innenraum, eine Zone, milderes Klima, nichts zu sehen von der Autobahn, die hier ein paar Meter weiter vorbeirauscht. Mieterbeirat (Wilmersdorf)Alphaville als Dorf, soeben ist ein neuer Mieterbeirat gewählt worden, man vermutet gemeinsame Grillfeste im Innenhof der "Schlange", so der informelle Name für die Anlage (entnehme ich diversen Aushängen im Treppenhaus, das sich hier und da und überall, hinter jeder der Türen, durch die man ins Betonheim eintreten kann, gleicht). Die Schlangenbader Straße selbst läuft, schmaler werdend, aus in Richtung Heidelberger Platz, schmiegt sich an eine Autobahnauffahrt, daneben ein McDrive: die Wohnmaschine trifft auf die Essensmaschine trifft auf die Verkehrsmaschine. So hat man sich, einst, die Großstadt gedacht.

 
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