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Ekkehard Knörer
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Mai 2002
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- daily knörer -


11. Tag: Junker-Jörg-Straße (Karlshorst)
Besichtigung: Samstag, 11.5., 16 Uhr 40 bis 17 Uhr 20


Verfall

Karlshorst ist nicht weit draußen. Noch nie im Leben war ich an einer Trabrennbahn, da wäre eine. Vor ein paar Jahren stand neben der S-Bahn-Haltestelle ein altes, ausgedientes, in sich zusammengesunkenes Kino aus DDR-Zeiten, da ist jetzt nur noch Gras. Gegenüber ein schnieker neuer Netto-Markt. Das erste Haus der Dönhoff-Straße zum Multikonsum freigegeben, neu und so hässlich wie nur die Sparkasse baut. Sparkassenarchitektur ist die Pest, Stein gewordenes Desinteresse an der näheren Umgebung, in den Städten und erst recht in den Dörfern (neulich, Storkow, schauderhaft): das große Kleinsparer-Geld hebt mal eben an den Marktplätzen der Republik das Bein.

Ex-Copyshop

Ansonsten gilt es das abrupte Nebeneinander von Verfall und frischer Farbe auszuhalten, das macht hier, scheint's, keine Probleme. Beim Italiener gibt's heut frischen Fisch, daneben blättert der Putz vom unbewohnten Haus. Die Junker-Jörg-Straße ist noch nach alter Art gepflastert, holter und polter. HochschulgeländeSie ist grün und friedlich, man kann da schon wohnen. Es regnet. Die Hönower Straße, ein Stückchen ländlicher Allee, macht ein Ende mit Junker Jörg, ich schlage mich geradeaus weiter ins Grüne, ein Schild mahnt: Hochschulgelände und verbittet sich den Zutritt durch Unbefugte. Keiner da, ich weiter. Gottverlassen und hohläugig ein Gebäude im lange nicht gepflegten Gesträuch, das vielleicht mal ein Studentenwohnheim war. Hinterm Grün der Aristotelessteig, der ehemalige Copyshop in einer Baracke, die auch als Billigmotel durchginge.

Ein paar Schritte entfernt der Campus, Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, ein Pförtner sitzt an der Pforte, hier existiert noch was. Vorne, an der Treskowallee, der Bus, der eine Schleife fährt, an einem, wie es aussieht, und gut sieht es nicht aus, erst vor kurzem aus dem Boden gestampften Center am Tierpark vorbei. Samstagabend, das ganze wirkt toter als die DDR. Beim Blick nach links schleichen durch bräunliche Felsinstallation ein brauner und ein weißer Bärenhintern aus dem Bild. Noch immer regnet es.

 
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