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Ekkehard Knörer
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Mai 2002
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- daily knörer -


18. Tag: Quitzowstraße (Moabit)
Besichtigung: Samstag 18.5., 18 Uhr bis 18 Uhr 30

Trabi

Die Quitzowstraße ist eine Art Wasserscheide: auf der einen Seite nicht sehr noble Wohnhäuser, urbanes Leben, zwei Spielplätze, auf der anderen nichts als Gewerbe, meist aus dem engeren Umkreis des Automobils. Ein Gebrauchtwagenhändler, der vielleicht nicht mehr existiert (vieles hier sieht aus wie am Rande der Geschäftsaufgabe oder bereits darüber hinaus), hat einen Trabi als Werbeobjekt aufs Dach einer kleinen Hütte gehievt. Hinter dem Gewerbe folgen S-Bahn-Gleise und erste Industriebauten, eine Müllverbrennungsanlage, es ragen Schornsteine in die Luft.

SpielplatzUnter der Autobahn.

Zwischen U-Bahnhof Birkenstraße und Quitzowstraße stelzt die Autobahn, mit verwitterten Steinfiguren als verschämtem Auftakt, nach oben, lässt das, was unter ihr folgt, als unerheblich zurück. Die Leute, die hier leben, haben ersichtlich nicht viel Geld, die Tischtennisplatte auf einer kleinen Grünfläche ist wegen der Bierdosen und -flaschen darauf unbespielbar. Zum KohlensackDie Eckkneipe "Der Kohlensack" weist mutmaßlich auf wenig komfortable Heizmethoden hin. Die Straßen Richtung Innenstadt scheinen grün und freundlich, die Quitzowstraße schützt, malträtiert vom Verkehr, mit dem Blick auf unattraktive Gewerbehöfe das innere Moabit.

Recht unvermittelt hinterm Quitzowplatz gerät man in die Lehrter Straße: die Ärztetafeln sind zweisprachig, türkisch oben, deutsch unten, ein Laden nach dem anderen nur für (türkische) Männer. Das wird abgelöst vom Frauengefängnis in rotem Backstein; quer über die Straße, hinter Bäumen, war einst auch eines der in diesem Bezirk so zahlreichen Zuchthäuser. Direkt davor der frühere Gefängnisfriedhof: da befinden sich jetzt Schrebergärten, deren Besitzern man rät, das Wasser lieber nicht aus dem eigenen Brunnen zu pumpen.

 
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