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Die Box





9. September 2008
Felix Giesa
für satt.org


Comics am Stück
  1. Orang #7
  2. Plaque #2
  3. Spring #5
  4. Panik Elektro #6
  5. Ich/ I/ Je/ Io
  6. Ballroom Blitz
  7. MOME #11-12
  8. Strichnin #2
  9. Argh! #5
  10. Blutt #8
  11. PlusPlus #4
  12. Spring #6
  13. Orang #8
  14. Aua! Aua! Heiss! Heiss! #2
  15. Triebwerk #4
  16. Orang #9

Comics am Stück 2

  Plaque # 02. Magazin für Wort und Bild


Plaque # 02. Magazin für Wort und Bild
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Bereits das erste Bild von Anke Feuchtenbergers Bilderzählung „Die Überfahrt“ lässt düsteres für die Bootsfahrt des jungen Mädchens erwarten.


Plaque # 02
Magazin für Wort und Bild

Nicht mehr wirklich aktuell ist die zweite Ausgabe von „Plaque“, falls allerdings ein Erscheinungsturnus von viereinhalb Jahren beibehalten wird, dann hätte eine Besprechung im nächsten Jahr wohl auch noch gereicht. Und dass sich ein Blick hinein lohnt, daran sollte eigentlich kein Zweifel bestehen.

„Plaque“ setzt sich zusammen aus ausgewählten, im deutschen Sprachraum bisher unveröffentlichten, Comics und redaktionellen Beiträgen. Verfolgte man in der ersten Ausgabe mit italienischen Comics noch einen Länderschwerpunkt, so zeichnet sich diese Nummer nun durch ihre Internationalität aus. Wobei auffällt, dass in zwei Fällen Geschichten von Zeichnern, die regelmäßig zur „Kollektion Ignatz“ von Igort beitragen, abgedruckt wurden. Da sich die Weiterführung dieser wirklich rundum empfehlenswerten Serie für den avant-Verlag leider nicht gelohnt hat, ist es nunmehr umso erfreulicher, dass hier neue Geschichten von David B. (deutsch: „Babel“; Ignatz 1) und Matt Broersma (deutsch: „Insomnia“; Ignatz 4) zugänglich werden.

Immer wieder beeindruckend sind natürlich die Geschichten von David B. Setzt er sich bereits in seinen längeren Projekte, wie „Die heilige Krankheit“ oder mehr noch in „Babel“ mit seinen Träumen auseinander und gelingt ihm dadurch die Schaffung einer „spezifischen Ästhetik“, welche das Surreale des Traums graphisch zugänglich macht, so handeln „Die Ereignisse der Nacht“ (Originalveröffentlichung 1999), von denen die erste Geschichte hier erstmal auf Deutsch erscheint, nur noch von seinen Träumen. David B. verwebt seine Begeisterung für Literatur mit einer kriminalistischen Suche nach der Unsterblichkeit und stellt somit die Frage der Theodizee in einem interessanten Kontext. Überraschen mag den Leser der oben genannten Bände wohl auch der Zeichenstil: Weniger holzschnittartig und flächig in seiner Darstellung zeigt sich die Geschichte als eher fein gezeichnet und streckenweise grob schraffiert. Das solch graphische Unterschiede möglich sind, David B. veröffentlichte im selben Jahr in Frankreich den vierten Band von „L’Ascension du Haut Mal“, lässt erkennen, das er in der Tat ein Zeichner einer ganz eigenen Provenienz ist.

Matt Broesmas Geschichte um einen abgehalfterten hard boiled detective ist um eine kurze Besprechung von Paul Gravett ergänzt. Diese Vorgehensweise wäre für alle Comics wünschenswert, falls man den Untertitel „Magazin für Wort und Bild“ so verstehen will, das Wort durchaus auch als „Wort über die Bilder und was sie darstellen“ verstanden haben will. Ganz beeindruckend gelingt dies schließlich in einem umfangreichen Interview von Kai Pfeiffer, Jens Meinrenken und Johann Ulrich mit Anke Feuchtenberger. So informativ und umfangreich ist man Beiträge über Comicschaffende zum Beispiel eher aus dem amerikanischen „Comics Journal“ gewöhnt. Und wer sich vergewissern will, warum Anke Feuchtenberger in Erlangen zur „Besten deutschsprachigen Comickünstlerin“ ausgezeichnet wurde, kann sich hier noch einmal in Bild und Wort überzeugen lassen.

So gefällt „Plaque“ für ein Comicmagazin aus dem deutschsprachigen Raum beinahe ohne jegliche Abstriche. Lediglich warum ein quälend selbstgefälliger Essay von Horus über den Comic und seine Beschaffenheit an den Anfang des Bandes gestellt werden musste, ist vollkommen unverständlich. Erschwerend kommt noch hinzu, das die Type für das Essay winzig klein gewählt wurde, hingegen bei dem Interview in einer problemlos goutierbaren Größe gedruckt wurde. Aber solche Dinge sind Makulatur und für folgende Ausgaben sicherlich zu beheben, genauso, wie man dann eventuell genaue bibliographische Angaben zu den einzelnen Comics aufführen sollte. – Würde es weiterhin gelingen, eine häufigere Publikationsfrequenz zu erreichen und das Niveau der gedruckten Comics wie der redaktionellen Beiträge beizubehalten oder gar zu steigern, „Plaque“ hätte das Zeug dazu, für den deutschsprachigen Raum eines der führenden Comicmagazine zu werden!



Johann Ulrich und Kai Pfeiffer (Hrsg.):
Plaque # 02. Magazin für Wort und Bild
Avant-Verlag 2007, 160 S., € 16,95
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Abbildung aus Plaque # 2:

Plaque # 02. Magazin für Wort und Bild
Bereits das erste Bild von Anke Feuchtenbergers Bilderzählung „Die Überfahrt“
lässt düsteres für die Bootsfahrt des jungen Mädchens erwarten.