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Januar 2002
Marc Degens
für satt.org

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von Marc Degens:
2004 | 2003 | 2002

Meine zehn liebsten literarischen Buchveröffentlichungen aus dem Jahre 2001 und eine besondere Empfehlung (natürlich konnte ich nicht alles lesen):



  1. Christoph Peters: Kommen und gehen, manchmal bleiben.
    Frankfurt [Frankfurter Verlagsanstalt] 2001.
    192 Seiten, EUR 17,38
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    Auszug:
    "Die Welt der Ameisen ist wunderbar kalt. Es gibt keine Empfindungen, nur Programme. Dabei sind sie zu vollkommener Opferbereitschaft fähig.
    Allerdings ohne die verrückte Hoffnung auf Heldentod oder Märtyrerkrone.
    Bei den Arbeiterinnen einer bestimmten Campononus-Art ist der ganze Körper ein einziger chemischer Sprengsatz. Wenn die Gefechtslage kritisch wird, bringen sie sich durch einen heftigen Ruck der Bauchmuskulatur selbst zur Explosion. Eine große Menge Gift geht dann über dem Schlachtfeld nieder und tötet zahlreiche Feinde."

  2. Henri Murger: Boheme. Szenen aus dem Pariser Leben.
    Aus dem Französischen von Inge Linden.
    Göttingen [Steidl] 2001.
    236 Seiten, EUR 14,32
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    Auszug:
    "Und wenn's vom höchsten Turme dort
    Dreiviertel zwölfe klirrt'
    Zahl' ich die Miete - Ehrenwort! -
    Herrn Bernard, meinem Wirt.
    'Teufel', sagte Schaunard und las sein Kunstwerk nochmals, 'auch gerade keine Reime, die Millionäre sind, aber ich habe keine Zeit, sie reich zu machen.'"

  3. Ernst Jandl: Letzte Gedichte.
    München [Luchterhand] 2001.
    128 Seiten, EUR 9,46
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    Auszug:
    "ich beginne den mißglückten tag./
    mit der bitte um geistige umnachtung./
    suche unsterbliche seele; zahle höchstpreis."

  4. Thomas Kapielski: Sozialmanierismus.
    Berlin [Merve] 2001.
    432 Seiten, EUR 19,95
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    Auszug:
    "Dann Abendbankett mit Fressen, Saufen, Rumstehn und Presse und wichtigem Fernsehn und nun hing man da so rum, alle mit Bierchen oder Weinchen in der Flosse, bla, bla, bla, Kaltes Buffet, und plötzlich - aber hallo! - zuckte alles im Fotoblitzgelichter jäh zusammen! Und die Fluter gossen Licht in einen hinteren Winkel. Denn da war er!
    Wie aus dem Nichts auf uns gekommen, bestrahlt und strahlend erstanden:
    Haider!
    Hauptmann aller Kärntner! Umgeben vom Cordon der Wichtigen! Hier zur Rechten Ingeborg Goethes!"

  5. Arno Holz: Des Schäfers Dafnis.
    FRESS-, SAUF- & VENUS-LIEDER.
    Zürich [Haffmans] 2001.
    288 Seiten, EUR 18,42
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    Auszug:
    "Lustig-seyn und nicht studiren/
    durch die Gassen kreutz und krumm
    nach den Mägdgens scharmutziren/
    lustig-seyn und nicht studiren/
    dihses ist mein Bropprium!"

  6. Lars Brandt: H. C. Artmann. Ein Gespräch.
    Salzburg/Wien/Frankfurt am Main [Residenz] 2001.
    176 Seiten (+ CD.), EUR 25,50
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    Auszug:
    "HCA: Ja, super! Was man jetzt hört, der ganze Techno-Dreck, das sagt mir nichts. Das ist noch nicht mal für die Jungen was. So ein Herumgewackel. Jeder macht eine Bewegung oder schwitzt sich ab und hascht sich ein oder extasiert sich ein. Wir haben ein Bier getrunken.
    LB: Bier getrunken und Twist getanzt.
    HCA: Ja, in Berlin.
    Ich habe einmal einen zweiten Preis gemacht. Wir waren auch nur zwei Paare. Der andere war der Günter Grass. Der hat den ersten Preis gemacht. Das ist wirklich wahr.
    LB: Wo denn?
    HCA: In der Eden Bar.
    Rolf Eden. Gibt's den noch? Der muß ja jünger sein als ich."

  7. Raymond Carver: Kathedrale.
    Mit einem Vorwort von Judith Hermann.
    Aus dem Amerikanischen von Helmut Frielinghaus.
    Berlin [Berlin Verlag] 2001.
    272 Seiten, EUR 20,35
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    Auszug:
    "Ich hatte eine Arbeit, und Patti hatte keine. Ich arbeitete jede Nacht ein paar Stunden im Krankenhaus. Es war ein Nulljob. Ich machte ein paar Sachen, trug auf der Karte acht Stunden ein, ging mit den Krankenschwestern einen trinken. Nach einer Weile wollte Patti eine Arbeit haben. Sie sagte, sie brauchte Arbeit um ihre Selbstachtung willen. So kam's, dass sie angefangen hat, Multivitamine an der Haustür zu verkaufen."

  8. Klaus Siblewski: Telefongespräche mit Ernst Jandl.
    Ein Porträt.
    Luchterhand [München] 2001.
    192 Seiten, EUR 9,46
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    Auszug:
    "Es sei ihm unangenehm, aber er rufe an, um mich zu fragen, ob eine Postkarte von ihm bei mir eingetroffen sei. Er könne nämlich nicht mehr sicher sagen, ob er eine Postkarte an mich geschickt habe, und er wisse auch nicht mehr genau, was er mir geschrieben habe. Er nehme an, es sei um eine Lesung gegangen, aber er wisse einfach nicht mehr, ob er die Karte abgeschickt oder ob er mir etwas anderes geschrieben habe. Er müsse mich also bitten, ihm die Postkarte vorzulesen, sobald sie bei mir eingetroffen sei, und für den Fall, daß ich keine Postkarte von ihm erhielte, mir auch das zu sagen. Ich solle es bitte nicht vergessen."

  9. Michael Rutschky: Berlin. Die Stadt als Roman.
    Berlin [Ullstein] 2001.
    208 Seiten, EUR 24,00
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    Auszug:
    "Während Katzen als Bewohner der Stadt die süßesten Gefühle hervorrufen (und unsichtbar bleiben), sind Hunde gründlich umstritten.
    So gründlich, daß, während die eine Fraktion der menschlichen Bewohner sie für idealere Gefährten als Menschen halten möchte, die andere Fraktion diese Tiere aus der Stadt zu vertreiben wünscht; lieber gestern als heute.
    Einer der Krieg, die in der Imagination der Stadt toben (die Wirklichkeit bleibt harmlos).
    Die Feinde könnte man allenfalls davon überzeugen, daß die Liebe zu den Hunden eine der vielen Perversionen darstellt, die in der großen Stadt nun einmal blühen, eine sexuelle Abirrung. Wie Fußfetischismus oder die Verzückung durch Pelze.
    Und solchen Neigungen gegenüber Toleranz zu üben, rechnet zum Ehrenkodex des Städtebewohners."

  10. Jean Jacques Schuhl: Ingrid Caven.
    Aus dem Französischen von Uli Aumüller.
    Frankfurt am Main [Eichborn Verlag] 2001.
    312 Seiten, EUR 24,54
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    Auszug:
    "Die Mädchen, die Mazar umschwirrten, nicht die Schauspielerinnen, sondern die Dealerinnen und Gelegenheitsprostituierten, endeten meistens im Bett von Gro-Bébé oder von Colonel Armand in der Suite des Plaza. Gros-Bébé begleitete Mazar überallhin, er hatte immer einen kleinen Raketen verschießenden Füller, eine Metallsäge für Sondereinsätze und Klebstoff bei sich. Hin und wieder war Mazar nämlich mit dem Hotel, in dem er abgestiegen war, unzufrieden: dann sägten sie die Füße der Möbel an und klebten sie wieder ein bißchen fest, so daß sie beim nächsten Hotelgast zusammenbrachen."

    Jorge Luis Borges: Die Bibliothek von Babel.
    Nach der Übersetzung von Karl August Horst bearbeitet von Gisbert Haefs. Mit einem Nachwort von Theresa Georgen. In der Gestaltung von Klaus Detjen.
    Göttingen [Steidl/Büchergilde Gutenberg] 2001.
    98 Seiten, EUR 29,65
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    Auszug:
    "Die Bibliothek ist unbegrenz und zyklisch. Wenn ein ewiger Wanderer sie in irgendeiner beliebigen Richtung durchmäße, so würde er nach Jahrhunderten feststellen, daß dieselben Bände in derselben Unordnung wiederkehren (die, wiederholt, eine Ordnung wäre: Die Ordnung). Meine Einsamkeit erfreut sich dieser eleganten Hoffnung."

Besondere Empfehlung:
Thomas Vorwerk: TRAUMTAGEBUCH
Berlin [Selbstverlag] 2001.
40 Seiten, 3,- DM.
» kontakt
Auszug:
"Doch auch, wenn ich mich in meine eigene Welt zurückziehe, gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß vielleicht eine andere Person mich dort aufsuchen wird, daß ich durch Klirr Di Birr etc. Freunde und vielleicht auch irgendwann jene ganz besondere Person in meinem Leben finde. Ob es mir dann gelingen wird, diese Person zu halten, und wie sehr ich mich dafür ändern muß, kann ich dann entscheiden, wenn es soweit ist."