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26. April 2018
Thomas Vorwerk
für satt.org


Cinemania-Logo 185:
Point of View



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  Avengers: Infinity War (Anthony & Joe Russo)

Avengers:
Infinity War
(Anthony & Joe Russo)

USA 2018, Buch: Christopher Markus, Stephen McFeely, Figuren / Comic-Vorlage: u.a. Stan Lee, Jack Kirby, Jim Starlin, George Pérez, Ron Lim, Steve Ditko, Kamera: Trent Opaloch, Schnitt: Jeffrey Ford, Matthew Schmidt, Musik: Alan Silvestri, Kostüme: Judianna Makovsky, Production Design: Charles Wood, Supervising Art Director: Ray Chan, Set Decoration: Leslie Pope, mit Josh Brolin (Thanos), Zoe Zaldana (Gamora), Robert Downey jr. (Tony Stark / Iron Man), Chris Hemsworth (Thor), Mark Ruffalo (Bruce Banner / Hulk), Chris Evans (Steve Rogers / Captain America), Benedict Cumberbatch (Sr. Stephen Strange), Chris Pratt (Peter Quill / Star-Lord), Elizabeth Olsen (Wanda Maximoff / Scarlet Witch), Tom Holland (Peter Parker / Spider-Man), Tom Vaughan-Lawlor (Ebony Maw), Paul Bettany (Vision), Dave Bautista (Drax), Tom Hiddleston (Loki), Sean Gunn / Bradley Cooper (Rocket Raccoon), Scarlett Johansson (Natasha »Nat« Romanoff / Black Widow), Pom Klementieff (Mantis), Benedict Wong (Wong), Peter Dinklage (??? »Riesenzwerg mit missgestalteten Händen«), Danai Gurira (Okoye), Letitia Wright (Shuri), Karen Gillan (Nebula), Chadwick Boseman (T'Challa / Black Panther), Idris Elba (Heimdall), Carrie Coon (Proxima Midnight), Gwyneth Paltrow (Pepper Potts), Terry Notary / Vin Diesel (Groot), Winston Duke (M'Baku), Don Cheadle (James Rhodes / War Machine), Anthony Mackie (Sam Wilson / Falcon), Benicio Del Toro (The Collector), Sebastian Stan (Bucky Barnes / White Wolf), Samuel L. Jackson (Nick Fury), William Hurt (Hologram of Secretary Ross), Cobey Smulders (Agent Maria Hill), Jacob Batalon (Ned Leeds), Michael James Shaw (Corvus Glaive), Stan Lee (Bus Driver), 149 Min., Kinostart: 26. April 2018 [auf imdb werden noch als Darsteller aufgeführt, die meines Erachtens nicht (in ihren typischen Rollen) im Film auftauchen: Jeremy Renner, Paul Rudd, Michael Douglas, Jon Favreau, Angela Bassett und Linda Cardellini. Bei Tiffany Espenson (Cindy, Klassenkameradin von Peter Parker) und einigen »Dora Milaje«-Darstellerinnen bin ich mir nicht sicher.]

Vor zwei Tagen habe ich Howard Subers als revolutionär verschrienes Sachbuch The Power of Film begonnen (bin erst auf Seite 60 oder so), und schon konnte ich einige der erlangten Kenntnisse anwenden.

In den frühen Kapiteln mit Titeln wie »Action« oder »Acts« erklärt er, dass Theaterstücke früher damit begannen, in einem gemäßigten Tempo etwas über die Figuren nahezubringen. Unter anderem durch den Einfluss des Fernsehen ist es heute so, dass Filme eher mit einer spektakulären Szene, einem »hook« beginnen. Wenn man statt eines langatmigen Vorspanns gleich mit einer Verfolgungs- oder Actionszene loslegt, zappen nicht so viele Zuschauer zu einem anderen Problem. Und die Charakterisierung wird dann später nachgeholt. Ich weiß nicht mehr genau, wo, aber Suber betont auch die Möglichkeit, »action« und »character« zu verbinden (bei der berühmten Verfolgungsjagd in French Connection erfährt man etwa auch viel über Popeye Doyle).

Kommen wir zu den Avengers und behalten dabei die Suber-Ansätze im Hinterkopf, als Orientierung, was in Filmen funktionieren kann, wenn man es richtig macht - oder in die Hose geht, wenn nicht! In diesem Film tauchen etwa dreißig Marvelfiguren auf, die man allesamt schon aus Filmen des »Marvel Cinematic Universe« kennen kann (allein schon 24 kann man auf dem superbunten Hauptplakat zählen). Ich habe die Filme alle gesehen, bis auf Iron Man 3 (Synchro-PV-Boykott) jeweils, als sie erstmals rauskamen, und schon durch die prominenten Darsteller (Paradebeispiele: Benicio del Toro oder William Hurt) kann man der Story einigermaßen gut folgen. Über die Figuren erfährt man in dem zweieinhalbstündigen Film aber nahezu gar nichts, man baut nur auf das im günstigsten Fall bereits angesammelte Wissen an und erwähnt allenfalls öfters mal die Namen, selbst wenn in dem stark episodischen Film viele Figuren, die in der ersten Szene auftauchen (z.B. Thor, Loki, Heimdall), erst lange Zeit später wieder auftauchen - oder die Szene gleich mal gar nicht überleben. Auch eine Art von hook, Hitchcock und Wes Craven lassen grüßen.

Was man selbst als einigermaßen informierter Zuschauer aber nicht weiß - und auch lange Zeit nicht wahrhaben will, ist der unglaubliche Umstand, dass dies eigentlich kein Avengers-Film ist (es gibt nur wenige Szenen, in den überhaupt mal drei Avengers gleichzeitig in eine Szene involviert sind, wenn man nicht jeden Aushilfs-Reserve-Superhelden mitzählt), sondern die Hauptfigur definitiv und superdeutlich Thanos (Josh Brolin) ist (im Nachspann steht später auch an prominenter Stelle »Thanos will return«).

Dieser Möchtegern-Gott mit dem Plan, dem Universum einfach mal mit einem Kahlschlag behilflich zu sein, der die Hälfte der Bevölkerung auslöscht (zumindest auf globalem Level wäre das tatsächlich eine Art Rettung, wenn dabei auch alle ethischen und moralischen Signalglocken läuten), taucht gleich in der ersten Szene auf (irgendwer muss sich ja um den body count kümmern) und bringt alles - wirklich alles! - in diesem Film in Gang. Unter anderem nehmen Helden, die seit längerem nicht miteinander sprachen, wieder Kontakt auf - um die Welt vor Thanos zu retten!

Und Thanos, der für seine ultimative Machtfantasie die infinity gems braucht, mächtige Edelsteine, die überall im Universum verstreut sind, die man aber schon verschiedentlich in früheren Marvel-Filmen auftauchen sah, sucht diese in gefühlt wenigen Tagen zusammen. Und die fröhliche Heldenschar widersetzt sich ihm immer wieder, in unterschiedlichen Besetzungen, aber meist mit wenigem Erfolg. Thanos, der nach und nach der Meister über solche Attribute wie »Zeit« oder »Realität« wird, war schon zu Beginn des Films kein Federgewicht (selbst der Hulk war kurz vorm Heulen), wird aber immer gottgleicher, während Peter P. und Peter Q. kaum Zeit haben, sich über die filmgeschichtliche Bedeutung von Footloose zu unterhalten, denn man muss ja die Welt retten und dafür sorgen, dass Thanos nicht in den Besitz des halben Dutzend von Steinen kommt, die alle ganz hübsch an seinen Handschuh passen.

Thanos ist die einzige Figur, über die man hier viel erfährt. Er ist neben seiner Ziehtochter Gamora (Zoe Saldana) der einzige, dem ein Flashback gestattet wird, damit man mehr über die seltsame Vater-Tochter-Beziehung erfährt. Auch die andere Quasi-Tochter Nebula (Karen Gillan) kommt irgendwann ins Spiel, und das ultimative Thema des Films, »Du musst töten, was Du liebst - für die große Sache!«, wird gleich in drei Variationen durchgespielt. Leider funktioniert der emotionale Input dieser Szenen ausgerechnet bei der Szene zwischen Gamora und dem bereits erwähnten Peter Quill am besten. Und dass, obwohl Darsteller Chris Pratt jetzt nicht der naheliegendste und geeigneteste für solch eine Szene ist.

Und auch hier nutzt man an dieser Stelle den emotionalen Aufbau (da, wo er mal auftaucht) nur für einen Sparwitz. Und, um die Macht von Thanos zu unterstreichen. Nein, ich übertreibe nicht. Schaut euch den Film an, und vielleicht habt ihr die Fähigkeit, emotional bei diesem gerne mal ein paar Tränen herausdrückenden CGI-Riesen anzudocken (man unterhält sich generell gern im Film über verstorbene Familienmitglieder und vergleicht, wer wohl am meisten leiden musste). Oder es reicht euch, sich an den mehrfach durchaus gelungenen Scherzen zu laben.

Ein guter Film ist Avengers: Infinity War definitiv nicht. Es ist zwar eine zu lobende Fertigkeit, wie die Drehbuchautoren mit so vielen Figuren jonglieren, um eine eigentlich komplett überflüssige und in ihrer Konsequenzlosigkeit kaum zu überbietende Geschichte zu erzählen, der reine shock value ist auch bemerkenswert (ich könnte es ja spoilern, aber ohne es mit eigenen Augen zu sehen, wird es mir niemand glauben), aber kein früherer MCU-Film war weniger in sich (ab)geschlossen als dieser (erst der in ziemlich genau einem Jahr startende »Untitled Avengers Movie« wird vielleicht das kaum mehr halbvolle Glas füllen).

Mein üblicher, fast schon obligatorischer Kritikpunkt bei solchen Streifen, trifft hier auch mit Vehemenz zu: Der Showdown läuft zwar gleichzeitig an drei oder vier Punkten ab, aber der »Hauptshowdown«, der erneut an eine Narnia-Schlacht erinnert, hat mit irgendwelchen Aushilfsaliens und einer Art gigantischem Mähdrescher die uninteressantesten Gegenspieler seit langem.

Ach ja, bevor ich es vergesse: Genosse Thanos hat auch noch ein paar Schergen, die sogenannte Black Order, und an deren Mitgliedern wird noch mal bewiesen, dass sich dieser Film auch nicht wirklich für die Figuren (außer Thanos und wenigen Ausnahmen) interessiert, denn ich hätte diese mächtigen Gegner der Marvel-Rächer gerne besser kennengelernt, aber ohne aktive Wikipedia-Nutzung hätte ich nicht einmal ihre Namen unterscheiden können.

Die Regie führenden Russo-Brüder haben mich schon mit ihren Captain America-Filmen (insbesondere The Winter Soldier) nicht überzeugt, und diese ganz amüsante Nummernrevue hat für mich einfach nicht das Prädikat »Film« verdient. Wie die ersten zwei Folgen in einem TV-Vierteiler oder ein Giant-Size-Comic-Special, das nur den Weg bahnt für den Nachfolgeband.

Und für Uneingeweihte nahezu komplett unverständlich. Selbst die Helden selbst steigen ja nicht mal ansatzweise durch! »You mean there's an Ant-Man and a Spider-Man?«, »What is happening?«, »Where did he go?«.

Warum sollte man sich da als vernunftbegabter Mensch die Mühe geben, den ganzen Krampf am Schluss auseinanderzuklamüsern, wenn man womöglich nicht auf Anhieb weiß, was ein bestimmter achtzackiger Stern zu bedeuten hat, der - wie üblich - bereits die nächsten zwei bis drei Marvel-Filme, die ja inzwischen wie am Fließband rausgehauen werden, antriggert.

Mich würde tatsächlich noch am ehesten interessieren, inwiefern man nebenan bei Sony im nächsten Spider-Man-Film gewisse Sachen erklären wird. In Comics heißt es dann meistens »Diese Geschichte spielt zwischen Hero-Bear #5 und Schwamm-Kopftuch #13, bevor Rüdiger erfährt, dass seine Stief-Eltern Geschwister sind«. In Filmen gab es einen entsprechenden Film meines Wissens nicht - und evtl. ist man auch etwas sauer bei Sony über die stiefmütterliche Behandlung.

BTW: Ich will den ultimativen Disney-Buddy-Film, der durch Dialogarmut tatsächlich innovativ ausfallen könnte: Dr. Stranges Umhang und der fliegende Teppich aus Aladdin sollen ein gemeinsames Abenteuer erleben (Arbeitstitel: It Hangs on a Thread: The Silent Sidekicks)! Immer noch prickelnder als The Fast and the Furious als Animationsserie ...


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  Nach einer wahren Geschichte (Roman Polanski)

Nach einer
wahren Geschichte
(Roman Polanski)

Originaltitel: D'après une histoire vraie, Buch: Olivier Assayas, Roman Polanski, Lit. Vorlage: Delphine de Vigan, Kamera: Pawel Edelman, Schnitt: Margot Meynier, Musik: Alexandre Desplat, Kostüme: Karen Muller-Serreau, Produktionsdesign: Jean Rabasse, mit Emanuelle Seigner (Delphine), Eva Green (Elle), Vincent Perez (François), Josée Dayan (Karina), Camille Chamoux (Presseagentin), Brigitte Roüan (Dokumentaristin), Dominique Pinon (Nachbar), Noémie Lvovsky (Ausstellungsleiterin), Elisabeth Quin (Journalistin), 100 Min., Kinostart: 17. Mai 2018

Eigentlich ist es widersinnig, weil es die Filme nicht wirklich auszeichnet, aber ich freue mich stets, wenn ich auf Anhieb das Gefühl habe, die Mechanismen eines Films verstanden zu haben, die kleinen Rädchen hinter den Kulissen. Ein besonderes Faible habe ich hierbei bei der Farbdramaturgie entwickelt (siehe auch die Kritiken zu Filmen wie Walking on Sunshine oder The Fault in Our Stars). Ich betrete das Kino nie mit dem Vorsatz »Jetzt achte ich mal auf die Farbdramaturgie!«, aber wenn mir am Anfang diesbezüglich etwas auffällt, kann es schon mal passieren, dass ich im weiteren Verlauf des Films Thesen dazu aufstelle und dann detailliert beobachte, ob diese sich als korrekt erweisen. (Oder, ob ich neue Thesen entwickeln muss...)

So oder so, wenn ich erst mal eine Farbdramaturgie auf der Spur bin, passiert es selten bis nie, dass ich sie wieder aus den Augen verliere.

D'après une histoire vraie ist in Sachen Farbdramaturgie ein Paradestück. Das bedeutet nicht automatisch, dass mir der Film besonders gefallen hat. Aber in diesem Film wurde ein vermeintlicher Thriller für mich eigentlich nur durch die Farbdramaturgie als Spannungsmoment halbwegs erträglich, was ich im weiteren ausführen werde.

Dabei werde ich mehrere Handlungsspoiler raushauen, die aus meiner Sicht aber dem Film keinen Schaden anhaben, weil sie sich darin ähneln, dass sie

  • überdeutlich entwickelt werden (Modell Ostfriesland: ein Landstrich, der so flach ist, dass man schon am Mittwoch sieht, wer am Sonntag zu Besuch kommen wird)
  • alle auf einem bekannten filmischen Vorbild basieren (die entsprechenden Filme werde ich dann jeweils benennen)
  • letztlich für die »Auflösung« des Films IMHO kaum von Bedeutung sind, weil sowohl unterschiedliche Interpretationen möglich bleiben und man sich im Endeffekt nicht wirklich mehr dafür interessiert, ob jetzt der Gärtner oder die Erbtante mit dem Kropf der Täter war.

Und ich bilde mir mal ganz unbescheiden ein, dass man mit meinen Hinweisen auf die Farbdramaturgie der vielleicht naheliegendsten Interpretationsmöglichkeit des Films (bin mir gerade gar nicht sicher, ob es dazu auch ein filmisches Vorbild gab - ich verbleibe hier mal eher vage) mit einer gewissen Befriedigung auf die Spur kommt. Und wenn man an der Stelle meines Textes tatsächlich noch interessiert ist an dem Film, kappt man halt den drittletzten Absatz und erlebt diese »Auflösung« dann ohne meine höchste (aber noch passable) Spoilerstufe.

Im Film geht es um die prominente Schriftstellerin Delphine (Emmanuelle Seigner), die man bei einer Signierstunde kennenlernt, wo ihr die Leser jeweils vorschwärmen, wie wichtig ihr letztes Buch für sie war. Das sieht man in einer langen Einstellung mit subjektiver Kamera (an dieser Stelle könnte man auch noch betonen, dass die Hauptfigur mit Vornamen Delphine heißt - genau wie die Autorin der Romanvorlage).

Delphine bricht ihren öffentlichen Auftritt schließlich ab, und als letzte taucht noch eine Verehrerin mit auffällig knallrotem Lippenstift auf (Eva Green), die aber ebenfalls vertröstet wird. Später wird diese Dame wieder auftauchen, und laut eigener Aussage hat sich Delphine auf der Party angeregt mit der Fremden unterhalten, die auf den Namen »Elle« (»comme Elisabeth«) hört.

Während der vermeintliche »Psycho-Thriller« ein wenig auf der Stelle tritt und man als Zuschauer noch erfährt, dass Delphines Freund ein Literaturkritiker mit eigener Fernsehsendung ist, der einen Großteil seiner Dialoge aus überzogenem name dropping bestückt (es beginnt mit Cormac McCarthy, Ian McEwan, Joan Didion und Bret Easton Ellis und entwickelt sich zum running gag), nimmt Elle in alarmierender Geschwindigkeit eine wichtige Rolle im Leben der Schriftstellerin ein und steht ihr mit Ratschlägen zur Seite, wobei es offensichtlich ist, dass sie Delphine beeinflussen will, in Richtung eines besonders »wichtigen« autobiographischen Buches - während Delphine nach Vorwürfen eines verkappt autobiographischen Buches, mit Unterstützung von Kritiker-Freund François definitiv etwas fiktives angehen will ... und noch unter einer Schreibblockade leidet.

Irgendwann in diesem eher langweiligen zähflüssigen Nichthandlungs-Strom fiel mir in einer Szene in einem Café auf, das das Bild bis auf den bereits erwähnten Lippenstift und einen roten Schal, bei dem ich mir nicht ganz sicher bin, ob er im Verlauf des Films seine Farbintensität verändert (da es zwei rote Schals gibt, müsste man sich diesem Ansatz mit DVD-Screenshots nähern), nahezu farblos wirkt. Es gibt zwar einen bräunlichen-mondänen Grundton wie bei Til-Schweiger-Filmen, aber es könnte sich bis auf winzige unauffällige Farbkleckse auch um eine Sepia-Version eines Schwarzweißfilmes handeln. Ich teilte meinen Eindruck meinem Sitznachbar mit und achtete fortan auf die Farbigkeit. Dabei fiel mir etwa auf, dass in Delphines Schreibzimmer zwar viele Bücher herumstehen, man die aber größtenteils in Stapeln sieht, mit einem Blick auf den Buchschnitt - oder anders gesagt, man sieht keine Buchrücken, für die ich mich in Filmen oft interessiere, weil sie etwas über die Figuren aussagen. Hier bleiben die Bücher aber quasi »blank«.

Der auffälligste Farbtupfer im Schreibzimmer ist neben einem Kaffeebecher mit der Aufschrift »Yummy Mummy« eine Schere mit einem orangenen Plastikgriff. Dann habe ich noch einen orangenen Flaschenhals entdeckt und wunderte mich bereits, ob sich die Farbe Orange zu Rot hinzugesellen wird, als eine offensichtliche Traumeinstellung folgt, die jetzt tatsächlich in Schwarzweiß beginnt, aber langsam farbiger wird. Und ausgerechnet die Schere ist auch hier wieder ein auffälliger und früher Farbtupfer!

An dieser Stelle muss ich kurz klarstellen, dass diese Schere (bis auf den Griff) wirklich unspektakulär wirkt und nicht etwa wie die tödlich eingesetzte Schere in Dial M for Murder oder ähnliches. Die drohende Gefahr geht für den Zuschauer klar von Elle aus, die nicht nur die Hauptverdächtige bei vielen kleinen Vorkommnissen wie Erpresserbirefen oder dem Verschwinden von Notizbüchern ist (Delphine scheint sich dessen nicht bewusst und ihr Umfeld bekommt Elle kaum zu Gesicht), sondern sich nebenbei (die Handlungs- und Farbchronologie sind in meinem Text nicht ganz aufeinander abgestimmt) immer stärker Delphine vom Aussehen her annähert (aus zwei roten Schals wird schnell Single White Female, und dann »vertritt« sie auch noch Delphine anderswo).

Mein Sitznachbar war zu diesem Zeitpunkt längst bei einer anderen Theorie, und den Übereinstimmungen zu The Sixth Sense oder Fight Club kann man sich auch nicht wirklich entziehen, die momentan spannendste Frage des Films scheint sich aber darin zu erschöpfen, was jetzt womöglich bedrohliches geschehen könnte oder welche der Arbeitstheorien sich als stimmig erweisen könnte.

Ein großes Problem des Films ist die unglaubliche Naivität Delphines, die Elle (ich hoffe, ich muss nach Verhoeven nicht noch die französische Bedeutung dieses »Namens« erläutern) ihren E-Mail-Verkehr übernehmen lässt und der vor Tagen noch Unbekannten etwa bereitwillig das Passwort für ihren Computer mitteilt. Mit so einer dämlichen Protagonistin fällt es schwer, die bereitwillig akzeptierte »Gefahr« ernst zu nehmen.

Zwischendurch mal wieder etwas Farbdramaturgie: zwischendurch gesellt sich Türkis zur Farbskala hinzu, und ich mag nicht drauf schwören, aber mein subjektiver Eindruck ist so, dass man im Schreibzimmer plötzlich auch die Regale mit Buchrücken zu sehen bekommt (müsste man mal nachprüfen, inwiefern man diese Raumbestandteile zuvor »umgangen« hat). Natürlich mit deutlicher Prominenz von orangenen und türkisen Büchern (ich kann es nicht einschätzen, inwiefern andere Zuschauer dies wahrnehmen, ohne darauf hingewiesen zu werden).

Eine Arbeitsthese zu diesem Zeitpunkt war, dass Elle »Farbe in Delphines Leben« bringt, dabei aber offenbar ein abgekartetes Spiel spielt. Auch das Wort »Übernahme« kam mir in den Sinn, wobei meine These der sich verändernden Farbintensität der Schals leider nicht zur erhofften Untermauerung führen wollte. Es ist aber auch einfach schwierig, sich nebenbei im Kinosessel am besten auch noch die exakten Farbtöne zu merken oder aufzuschreiben (auf dem ebenfalls zu Interpretationsansätzen anregenden Plakat ist der vorherrschende Rot-Ton beispielsweise 195/37/52, den Sättigungsgrad erspare ich dem geneigten Leser).

Hinweis: es folgt der drittletzte Absatz.
Der Film hat nicht nur in der Filmmusik einen gut erkennbaren ironischen Unterton, wenn man sich als Zuschauer etwa an den Kopf fässt, wenn Elle jetzt beginnt, die anonymen Erpresserbriefe zu »analysieren«. Aber diese Art Humor erschloss sich mir nicht wirklich, und weil mich die eigentliche Handlung trotz Anleihen bei Filmen wie Misery, Hitchcocks Suspicion (das ist der mit dem leuchtenden Milchglas und dem weitaus spannenderen Cary Grant) und dem über 50 Jahre zurückliegenden Repulsion (man beachte das Pop-Up-Buch mit den Kakerlaken und das Rattenproblem - und Catherine Deneuve wird sogar namentlich erwähnt!) immer weniger interessierte, fokussierte ich stärker auf die Farben und wurde gegen Ende dann auch reichlich belohnt, wenn Delphine in einem neuen Notizbuch Post-its benutzt und der Film schließlich mit einer Signierstunde endet, bei der man auch die nicht mit Elle konnotierten »Zusatzfarben« Türkis und Orange wiederfindet. Zu Ende denken muss das jetzt jeder für sich selbst, aber für mich ist die Post-its-Interpretation die am ehesten zu akzeptierende, die dem Film fast noch eine gewisse Relevanz attestieren könnte. Es scheint mir übrigens nicht unmöglich, dass die literarische Vorlage ganz okay oder sogar toll sein könnte - aber nach dem Film wäre die für mich irgendwie »versaut«. Momentan hänge ich ja auch in der Vorlage für den letzten (noch grässlicheren) Ozon auf Seite 28 oder so fest und lese lieber »schnell zwischendurch« vier bis fünf andere Bücher, die mich eher anfixen.

Leider entwickelt der Film trotz des bravourösen (wenn auch etwas fetten) Einsatzes der Farbdramaturgie keine wirkliche Spannung und ich war nicht der einzige im Kino, dem es aufgrund der zunehmenden Langeweile beim Abhaken immer neuer Interpretationsansätze am Ende auch irgendwie komplett wurscht war, wer sich hier wen eingebildet hat (ein kleiner letzter Höhepunkt ist die Stelle, wo man sich fragen könnte, warum der Autofahrer Delphine offenbar gar nicht wahrgenommen hat, aber dieser Ansatz wird so gar nicht vertieft), wer wen umlegen will oder worum es eigentlich im Buch, das zu Beginn so einen Wirbel verursachte, konkret ging. Und auch der teilweise verschmitzt-subtile Humor, in dem ich Co-Autor Olivier Assayas wiederzuerkennen glaube, geht für mich nicht gerade Hand in Hand mit der darstellerischen Leistung von Eva Green, die von Anfang an ein Grinsen herumträgt wie Jack Nicholson gegen Ende von The Shining.

In meinen Augen ist D'après une histoire vraie ein schrecklich verkopfter Nicht-Thriller, der darauf baut, dass große Teile des Publikums nach dem Film verunsichert sind und ihr Nichtverstehen - gerade im Gespräch mit anderen - zu Gunsten des Films auslegen. Der Film ist aber nicht wirklich clever, sondern tut nur clever (der an Universitäten verbreitete Bluff), lässt sich aber alle interpretativen Hintertüren offen. Ich mag ja Filme wie 2001 - A Space Odyssey oder L'année dernièr à Marienbad - aber davon ist der Polanski Lichtjahre entfernt. Der Film nervt einfach nur! Insbesondere, wenn man sich nicht durch die Farbdramaturgie ablenken lassen und wach halten kann.


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  Early Man - Steinzeit bereit (Nick Park)

Early Man -
Steinzeit bereit
(Nick Park)

Originaltitel: Early Man, UK / USA / Frankreich 2018, Buch: Mark Burton, James Higginson, Kamera: Dave Alex Riddett, Schnitt: Sim Evan-Jones, Musik: Harry Greggson-Williams, Tom Howe, mit den Originalstimmen von Eddie Redmayne (Dug), Tom Hiddleston (Lord Nooth), Maisie Williams (Goona), Richard Ayoade (Treebor), Timothy Spall (Chief Bobnar), Mark Williams (Barry), Miriam Margolyes (Queen Oofeefa), Nick Park (Hobnob) u.v.a., 89 Min., Kinostart: 26. April 2018

Ich würde mich nicht als Aardman-Fan der »ersten Stunde« bezeichnen, aber spätestens seit dem Oscar für Creature Comforts und den Videoclips für Nina Simone, die Housemartins oder Peter Gabriel hatte ich die Knetgummi-Animateure auf dem Radar - und spätestens mit dem zweiten (und nach wie vor besten) Abenteuer von Wallace & Gromit, The Wrong Trousers, zählt Aardman Animations für mich zu den großen Qualitätsgaranten im Animationsbereich, fast auf einem Level mit Pixar und Ghibli.

Als man später zur Verwirklichung von Langfilmen strebte (Chicken Run) und Filme wie Flushed Away (mit Dreamworks- und CGI-Beteiligung) nicht mehr mit dem früheren Ideenreichtum und der schieren Britishness mithalten können, habe ich das wahrgenommen und akzeptiert.

Aber auf Early Man, einen immensen vor allem narrativen Absturz, war ich nicht vorbereitet, dieses Machwerk war für mich ein regelrechter Schock.

Die Steinzeitkomödie war nie ein Maßstab für ein besonderes ausgefeiltes Humorniveau. Unsere in Fell gekleideten Vorfahren mussten sich das »sapiens« hinterm Namen erst verdienen und der Humor spielt sich deshalb oft auf einem Level wie bei den Three Stooges ab. Ein echter Klassiker war beispielsweise immer wieder der Steinzeitkerl, der eine Frau mit einer Keule niederschlägt und sie dann an ihren Haaren in seine Höhle zerrt. Offenbar spricht das gewisse Publikumsschichten an, aber abendfüllend ist das eher nicht.

In Early Man hat man immerhin einen typisch britischen Themenkomplex, das Fußballspiel. Wenn der Prolog des Films im von vulkanischer Tätigkeit gekennzeichnetem Bereich nahe des späteren Manchesters angesiedelt ist und man als Zuschauer erfährt, dass das Spiel mit dem runden Leder offenbar früher als bisher angenommen entwickelt wurde, ist dies vielleicht ein leises Schmunzeln wert. Im Film baut man daraus (geringer, aber notwendiger Spoiler) und aus der Entdeckung der Teamarbeit (anstelle selbstverliebter Einzeltalente) den einen großen Gag des Films, ein Wortspiel, das zwar erheitert, aber als Fundament für einen Spielfilm reichlich dürftig ist: Im Kampf der Steinzeitmannschaft gegen die bornierten, französisch angehauchten Typen aus dem Bronzezeitalter bemerkt irgendwann ein Kommentator, dass man hier Zeuge eines Phänomens sei, das man als »Early Man United« umschrieben könnte.

Was haben wir gelacht! (Wer sich mit Fußball noch weniger auskennt als ich, soll sich den Scherz erklären lassen...)

Ansonsten nährt sich der Humor größtenteils aus teilweise abstrusen Anachronismen und einer generellen Leugnung diverser wissenschaftlich belegter Erkenntnisse. Erst vor kurzem holte ich den Pixar-Film The Good Dinosaur (dt.: Arlo & Spot) nach (ein weiterer Fall von Synchro-PV-Boykott), in dem man ebenfalls gegebene Naturgesetze großzügig auslegte. Doch bei Early Man ist die Keule noch deutlich gröber.

Fast noch schlimmer finde ich aber, dass man sich keinerlei Mühe gibt, beispielsweise eine weibliche Figur mal mit einer anderen Herangehensweise umzusetzen. In Flushed Away oder The Pirates! gab es ja wenigstens Ansätze, weiblichen Figuren so etwas wie Anmut oder gar einen Sex Appeal angedeihen zu lassen. Der weibliche (und »kindgerecht« verharmloste) love interest des Protagonisten hier hat einen Überbiss und grässliche Wimpern, die auf frühere Aardman-Parodien von Frauen zurückgreift, man versetzt sich quasi auch im Frauenbild in die Steinzeit zurück (immerhin darf sie intelligent sein).

Steinzeitlicher (im negativen Sinn) geht es eigentlich kaum. Manche der Scherze hat man schon bei den Flintstones oder Bedknobs and Broomsticks (mit dem gern als Ausschnitt gezeigten »Fußballspiel der Tiere«) besser gesehen, und man hat das Gefühl, dass das Zielpublikum passend zum Film anhand eines niedrigen IQs angepeilt wurde (ich gehe jetzt mal davon aus, dass der IQ auch etwas damit zu tun ist, ob man noch im Kindergartenalter ist oder bevorzugt volltrunken ins Kino geht).

Im Kino habe ich noch so artig mitgeschrieben, aber ich habe einfach keine Lust, die ganzen Idiotien und fragwürdigen Botschaften des Films hier nachzuzeichnen. Der vielleicht zweitintelligenteste Moment des Films ist dann erreicht, wenn im Nachspann zwei Dinos aus dem Prolog wieder auftauchen und man erfährt, dass diese Ray und Harry heißen. Doch für den so geehrten Pionier der Stop-Animation reicht es auch nur zu einem Sparwitz (bei dem immerhin nicht gefurzt wird). Traurig, sehr traurig!


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  I feel pretty (Abby Kohn & Marc Silverstein)

I feel pretty
(Abby Kohn & Marc Silverstein)

USA 2018, Buch: Abby Kohn, Marc Silverstein, Kamera: Florian Ballhaus, Schnitt: Tia Nolan, Musik: Michael Andrews, Kostüme: Debra McGuire, mit Amy Schumer (Renee Bennett), Michael Williams (Avery LeClair), Rory Scovel (Ethan), Emily Ratajkowski (Mallory), Busy Phillips (Jane), Aidy Bryant (Vivian), Tom Hopper (Grant LeClair), Lauren Hutton (Lily LeClair), Naomi Campbell (Helen), 110 Min., Kinostart: 10. Mai 2018

Bisher habe ich bis auf Vollidiot erfolgreich ignoriert, was deutsche Comedians wie Mario Barth, Kaya Yanar, Ren√© Marek, Carolin Kebekus und Bülent Ceylan so auf die Kinoleinwände gebracht haben. Verglichen damit waren die Kinoauftritte ihrer US-amerikanischen Kollegin Amy Schumer vielleicht sogar ganz akzeptabel. Aber Schumer, deren Autobiographie The Girl with the Lower Back Tattoo ich sogar gelesen und für durchaus lesenswert befunden habe, hat ein ganz besonderes Problem: Mit jedem Film wird sie mehr auf den Typ der Streiterin für Emanzipation festgenagelt, die sich vor allem durch ein Potential für Peinlichkeit und einen leichten Bauchansatz auszeichnet.

Wenn sie daraus selbst ein Vehikel zimmert, ist das noch erträglich, wenn Hollywood-Auftragsschreiber versuchen, ihr etwas »auf den Leib« zu schreiben, wird es zunehmend grässlicher. Nach der Kidnapping-Geschichte Snatched (dt. Titel: Mädelstrip) mit Goldie Hawn als ihrer Mutter (eine Art Pineapple Express mit Frauen und ohne das Kiffer-Merkmal) tritt I feel pretty nun besonders schlimm auf der Stelle.

Schumer spielt mal wieder das Moppelchen, das eigentlich nur als vollwertiger Mensch akzeptiert werden will, dabei aber dummerweise ausgerechnet Lebensziele abgesteckt hat, wie man sie aus besonders seichten Romantic Comedies kennt. Statt der kompetenten, aber ihren Job in einem düsteren Kabuff ausübenden Online-Marketing-Experten für eine prominente Kosmetikfirma wäre sie lieber Rezeptionistin im Hauptquartier, eine Stelle, die bevorzugt an Magersüchtige mit eingeschränkter Aufmerksamkeitsspanne vergeben wird.

Mit einem besonders zäh ausgedehnten Handlungsbogen dreht, wendet und stülpt man nun die Prämisse von Shallow Hal (dt. Titel: Schwer verliebt, mit Jack Black und Gwyneth Paltrow im Fatsuit) um: in der Komödie der Farrelly-Brüder ging es um einen oberflächlichen Loser, der quasi »verflucht« wurde, besonders abschreckende Damen als absolute Top-Models wahrzunehmen, was natürlich zu einer Läuterung führt. In I feel pretty ist es nun so, dass Renee (Schumer) nach dem Aufschlagen mit ihrem Kopf (aufgebauscht mit einem Ausschnitt aus Penny Marshalls Big, einem Gewitter, einem Wunschbrunnen und einer Mondgöttin oder so was) glaubt, die schärfste Biene weit und breit zu sein. Mit dem Selbstbewusstsein kommt hier auch eine Selbstüberschätzung, die aber trotz wenig variierter Gags mit Co-Stars, die sich nicht trauen, ihr zu sagen, dass sie eher normal bis suboptimal aussieht, dazu führen, dass Renee in kürzester Zeit von mindestens zwei Männern umschwärmt wird und eine wichtige Berater-Funktion für eine normalere Kosmetik-Linie übernimmt.

Nachdem man dann uralte RomCom-Klischees bemüht hat, kommt der idiotischste Teil des Films: Renee, die sich schon zu einer oberflächlichen Zicke entwickelt hatte, bekommt einen erneuten Stoß an den Schädel - und plötzlich ist die vermeintliche »Magie« dahin und sie droht in ihren Selbstzweifeln unterzugehen, bis sie dann mit einer Standard-Rede à la Dead Poets Society für ihre Ideale eintritt, ausgiebig beklatscht wird und die Kosmetik-Linie zum Erfolg macht. Feminismus bitte nur verstrickt mit Kapitalismus!

Die Art und Weise, wie sich die von mittelprächtigen Gags transportierte Story bis zum Ende quält, ließ mich als Zuschauer reichlich mitleiden und ein Ende herbeisehnen. Erwähnenswert ist eine gruselige Rolle von Michelle Williams als eine Art Mischung aus Paris Hilton und Daniela Katzenberger, dabei bekommt sie aber nicht einmal eine gemeinsame Szene mit der lieblos verschlissenen Busy Philipps, die einst ihr Co-Star in den letzten Staffeln von Dawson's Creek war.

Zum Abschluss will ich noch den vielleicht besten Witz nacherzählen: Renee bringt die Geschichte in Gang, weil sie bei »Soulcycle«, einer glorifizierten Fitnesskette mit Trimmrädern, etwas für ihren Körper tun will, was jeweils wie eine Szene aus Final Destination endet. Immerhin lernt sie dabei eine Modelfreundin kennen, die zwar von den Kerlen umschwirrt wird wie die Glühbirne von den Motten, doch diese hat - Schock und Überraschung - die selben Probleme wie Renee. Als Renee zum zweiten Mal einen Unfall mit dem Trimmrad hat, sich gehörig den Kopf stößt und beinahe ihren Skalp verliert, weil ihr Haupthaar in die Speichen einer Nachbarin zu geraten droht, rappelt sie sich auf und verlässt das Etablissement. Just in diesem Moment erkundigt sich ein »besorgter« männlicher Fitnessheini bei der Model-Freundin, die in keinerlei Hinsicht in den Unfall einbezogen war, ob sie »okay« sei. Ein mehrfach zu beobachtender Zug von Möchtegern-Playboys, der in dieser Szene ausnahmsweise wirklich komisch wirkt, weil die Situation so überzogen ist. Leider wird die selbe Gag-Prämisse, auf Renee bezogen, im Film noch ca. ein Dutzend mal durchgekaut. Die je nach Make-up und Bekleidung unterschiedlich ihre Problemzonen betonende Renee wird ignoriert, »Sir« genannt oder bringt Kinder zum Weinen.

Nicht zum Weinen, aber mehrfach zum Aufstöhnen und meine Stirn mit der flachen Hand bearbeiten ließ mich dieser erstaunlich überflüssige Film, bei dem insbesondere das biedere Happy-End und die angeberische Innendekoration vorsintflutlich ausfallen.

Demnächst in Cinemania (Langzeitplanung, evtl. auf mehrere Ausgaben verteilt):
Startaktuelle Rezensionen zu Grenzenlos (Wim Wenders), Halalelujah - Iren sind menschlich! (Conor McDermottroe), Love, Simon (Greg Berlanti), Zentralflughafen THF (Karim Aïnouz) und anderen, noch zu sichtenden Filmen.