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Die Box




31. August 2016
Thomas Vorwerk
für satt.org



Extreme contra Middle of the Road



  Mike and Dave need Wedding Dates (Jake Szymanski)


Mike and Dave need Wedding Dates
(Jake Szymanski)

USA 2016, Buch: Andrew Jay Cohen, Brendan O'Brien, Kamera: Matthew Clark, Schnitt: Lee Haxall, Musik: Jeff Cardoni, mit Zac Efron (Dave Stangle), Adam Devine (Mike Stangle), Anna Kendrick (Alice), Aubrey Plaza (Tatiana), Stephen Root (Burt), Stephanie Faracy (Rosie), Sugar Lyn Beard (Jeanie Stangle), Sam Richardson (Eric), Alice Wetterlund (Cousin Terry), Lavell Crawford (Keith), Mary Holland (Becky), Kumail Nanjiani (Keanu), Jake Johnson (Ronnie), Erik Griffin (Driver), Jake Szymanski (Stable Guy), Wendy Williams (Wendy Williams), Sally Jackson (Grandma Stangle), 98 Min., Kinostart: 1. September 2016


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Inhalt

Mike und Dave Stangle (Adam Devine & Zac Efron) erinnern in nicht geringem Maße an die Hauptfiguren aus The Wedding Crashers (Owen Wilson & Vince Vaughn): sie treiben sich gerne auf Hochzeiten herum und lassen dort nichts anbrennen, was sie nicht selbst abfackeln können. Größter Unterschied: sie sind Brüder. Als die Hochzeit der gemeinsamen Schwester (Sugar Lyn Beard) ansteht, konfrontiert sie die Familie mit ihren Schandtaten, die sie nie selbst so wahrgenommen haben. Nur unter einer Bedingung dürfen sie teilnehmen: wenn sie weibliche Begleitungen mitbringen, die so beispielhaft ausfallen, dass man davon ausgehen kann, dass sich die unzähmbaren Knaben mal ausnahmsweise benehmen.

Das viral gehende Begleitgesuch basiert auf einer echten Anzeige der echten Stangle-Brüder, die aus ihren Erlebnissen ein Buch fertigten, mit dem sie einen Hollywood-Deal landeten. Inwiefern die eigentliche Handlung auf realen Erlebnissen basiert, da darf man indes skeptisch sein (»Based on a true story ... sort of«). Der clevere Twist des Films besteht darin, dass die Brüder an zwei Dates geraten, die es noch viel faustdicker hinter den Ohren haben: Anna Kendrick und Aubrey Plaza!


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The Good

Aubrey Plaza! Im Gegensatz zu ihrer ebenfalls spielfreudigen Partnerin Anna Kendrick, die quasi für die erste größere Rolle (Up in the Air) gleich eine Oscar-Nominierung erhielt, dann im Twilight-Franchise eine Menge junge Fans fand, die ihr scheinbar geschlossen zu den Pitch-Perfect-Filmen folgten (aus denen auch der nicht jedermann bekannte Adam Devine den Weg zu diesem Projekt fand), ist Aubrey Plaza eine Darstellerin, die sich im Kino bisher eher rar gemacht hat, bzw. nur in winzigen Nebenrollen aufgetaucht ist. Ich mag zwar Sitcoms, wenn sie gut gemacht sind, aber Parks and Recreations ist bisher komplett an mir vorbeigegangen. Dennoch ist mir Aubrey durch ihre gegen den Strich gebürstete natürliche Widerborstigkeit schon mehrfach aufgefallen, etwa in Scott Pilgrim vs. the World (bei dem übrigens Anna Kendrick mal wieder die größere Rolle ergatterte) oder Damsels in Distress. Nach sechs Staffeln Fernsehkarriere blicke ich ein paar größeren Rollen auf der Kinoleinwand optimistisch entgegen. Als wedding date hat sie zwar »offiziell« die kleinere Rolle als Kollegin Kendrick, aber die interessantere. Was ich nicht ausführlich beschreiben mag, sondern einfach mal als den besten Grund für den Kinobesuch festsetzen möchte.

Mike and Dave need Wedding Dates (Jake Szymanski)

Bildmaterial: © 2016 Twentieth Century Fox

Sowohl bei den Mädels wie auch bei den Jungs geht man hier nach der lang bewährten Praxis vor, die schon bei Dean Martin und Jerry Lewis hervorragen klappte: Es gibt den / die augenfällig attraktivere(n) (hier Zac Afron bzw. Anna Kendrick), der sich etwas vorbildlicher verhält - und den Sidekick / Gegenpart, der auch mal über die Stränge schlagen darf und Mut zur Hässlichkeit und peinlichen Situationen zeigen darf (hier Adam Devine und Aubrey Plaza). Das Prinzip wird aber noch eine Spur weiter getrieben, weil hier teilweise auch die Jungs die »Guten« und die Mädels die »Bösen« repräsentieren. Obwohl das Ganze durch den Prolog, bei dem man sieht, wie Mike und Dave in Feierlaune manche Hochzeitsparty in ein Kriegsgebiet verwandeln, ebenso im vermeintlichen Kontrast abgemindert wird, als natürlich auch die Mädels gegen Ende des Films irgendwann halbwegs »stubenrein« werden, auch wenn man versucht, das obligatorische Happy End durch ein paar zotige Einzelaktionen gegen Ende nicht ganz so konservativ erscheinen zu lassen. Dieses Auf und Ab verleiht dem Film aber auch eine gewisse Spannung, bei der jeder Zuschauer selbst entscheiden kann, ob die Waagschale jetzt eher in Richtung frech-innovativ oder feige-traditionell ausschlägt.

Mike and Dave need Wedding Dates (Jake Szymanski)

Bildmaterial: © 2016 Twentieth Century Fox

Durchweg positiv aufgefallen ist mir übrigens auch Sugar Lyn Bird als Schwester / Braut Jeanie Stangle, die lange so etwas wie der Prügelknabe ist, auf dem die Tollheiten der designierten »Wedding Crashers« (ob männlich oder weiblich) zunächst eine Menge Blessuren hinterlassen. Wie die Darstellerin es nicht nur mit etwas Würde schafft, dies durchzustehen, sondern man es auch irgendwie schafft, ihre Hochzeit noch zu retten (und zwar nicht nur als Faktum, sondern vor allem als etwas, was auch positive Erinnerungen beinhaltet), das ist ein durchaus bemerkenswerter Drahtseilakt.


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The Bad

siehe oben (nach Gusto auseinanderzudefinieren)


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The Ugly

Grenzüberschreitungen und Tabus gehören ja quasi zum Programm solcher Filme, doch diesmal echauffiere ich mich nicht über irgendwelche Momente des Bad Taste, die natürlich nicht gänzlich ausfallen, sondern eher über sexualpolitische Fragwürdigkeiten. Angesichts der weiblichen Hauptfiguren setzt man ja die Messlatte in Sachen (meist nur vage angedeuteter) Promiskuität, moralischer Urteile oder leichtfertigen Drogenkonsums mit einhergehendem Kontrollverlust reichlich tief an. Alice und Tatiana sind feierlustige Bitches und stolz darauf. Irgendwie sollen sie dabei aber die Zuschauer auch nicht »abstoßen« und irgendwie noch liebenswert erscheinen. Und offenbar fiel den Filmemachern zu dieser Problemstellung nichts besseres ein, als eine weitere Figur einzuführen, die einfach als noch extremer einzuordnen ist. Das dafür ausgerechnet eine lesbische Cousine namens Terry (Alice Wetterlund) ausgedengelt wurde, die unter anderem per Erpressung sexuelle Dienste einfordert, das geht über die oft ganz spaßige »politische Unkorrektheit« schon noch eine Spur hinaus. Wenn die einzige Vertreterin einer Minderheit ihre Besonderheit so darstellt, als sei sie noch viel »verkommener« als die schlimmsten Klischees und Vorurteile, dann verliert das recht schnell die beabsichtigte Komik.

Mike and Dave need Wedding Dates (Jake Szymanski)

Bildmaterial: © 2016 Twentieth Century Fox

Dabei zeigt der Film an einer anderen Stelle, dass er mit dieser Art von Humor auch gelungen umgehen kann. Ich habe ja schon eingangs beschrieben, dass Jeanie, die Braut und Schwester, einiges über sich ergehen lassen muss. An einer Stelle des Films lässt sich jemand zu folgender Umschreibung hinreißen: »You look like burn victim Barbie - and you're black Ken«. Hierzu sollte ich kurz erwähnen, dass der Bräutigam schwarz ist - was offenbar für niemanden ein Problem darstellt (Integration statt Ausgrenzung). Da man den Zustand der Braut in der beschriebenen Szene etwas herunterspielen oder »schönreden« möchte, ist naheliegend. Doch ihre Deformierungen sind nur schwer zu ignorieren, und so kommt es noch zu folgender Aussage: »She looks like Seal, for God's sake!« Jetzt mal abgesehen davon, dass das Seal gegenüber nicht wirklich nett ist, ist aber doch festzustellen, dass die schwarze Hautfarbe als Aussehensmerkmal quasi komplett ignoriert wird. Nicht der schwarze Bräutigam wird mit Seal verglichen, sondern die Braut wegen Details, die zwar auch die Haut betreffen, aber nicht die Hautfarbe. Verglichen damit fällt die Darstellung von Cousin Terry noch negativer auf.

Ich bin zwar niemand, der beim Auftauchen jedes Asiaten, jeder Rothaarigen oder was weiß ich immer sofort eine Strichliste führt, ob Minderheiten positiv, neutral oder negativ dargestellt werden, aber in diesem Fall schwingt hier, in einem Vertreter des traditionell heterosexuellsten aller Genres (ob nun RomCom oder Hochzeitskomödie), ein unschöner sexistischer Nachgeschmack mit. Den auch eine angedeutete Versöhnung am Schluss nicht verdrängen kann.


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  Bad Moms (Jon Lucas & Scott Moore)


Bad Moms
(Jon Lucas & Scott Moore)

USA 2016, Buch: Jon Lucas, Scott Moore, Kamera: Jim Denault, Schnitt: James Thomas, Emma E. Hickox, Musik: Christopher Lennertz, Kostüme: Julia Caston, Ausstattung: Marcia Hinds, mit Mila Kunis (Amy Michell), Kathryn Hahn (Carla Dunkler), Kristen Bell (Kiki), Christina Applegate (Gwendolyn James), Oona Laurence (Jane Mitchell), Jay Hernandez (Jessie Harkness), Jada Pinkett Smith (Stacy), Annie Mumolo (Vicky Latrobe), David Walton (Mike Mitchell), Emjay Antony (Dylan Mitchell), Lyle Brocato (Kent), Clark Duke (Dale), Wanda Sykes (Dr. Karl), Wendell Pierce (Principal Burr), JJ Watt (Coach Craig), 100 Min., Kinostart: 22. September 2016


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Inhalt

Das Leben von Amy (Mila Kunis) könnte perfekt sein, es entspricht jedenfalls allen Statistiken, mit denen man eine erfolgreiche Mittel- bis Oberschichtenfamilie umschreiben würde. Dabei entwickelt sich gerade das Wort »perfekt« zu einem roten Tuch für die junge Frau, die unter dem Druck der Erwartungen nicht etwa zusammenbricht, sondern plötzlich entdeckt, dass es auch etwas anderes geben muss. Ihr Gatte ist beispielsweise alles andere als perfekt, und deshalb überdenkt sie auch ihre Ambitionen, eine perfekte Frau und Mutter zu sein - und nebenbei auch noch im Job erfolgreich zu sein.

At least once a week I feel like the worst mom in the world. And I cry in my car.

Dabei findet sie zwei neue Freundinnen, ebenfalls Mütter, die links und rechts von ihr die Extreme abstecken. Kiki (Kristen Bell) ist ein verschüchtertes Jung-Hausmütterchen, das sich komplett dem (ebenfalls nicht perfekten) Alphamännchen unterordnet hat, das sie geheiratet hat. Carla (Kathryn Hahn) indes hat sich längst von ihrem Partner emanzipiert, widmet sich ganz dem Singledasein und gerät eher in Gefahr ihren Sohn zu vernachlässigen.

Bad Moms (Jon Lucas & Scott Moore)

Bildmaterial: © TOBIS Film GmbH

Diese drei feierlustigen Furien machen jetzt gemeinsam die Bars unsicher - und treten zum ultimativen Machtkampf an: gegen die fast diktatorisch auftretende Präsidentin der PTA (parent-teacher-association), Gwendolyn (Christina Applegate), die übrigens ihrerseits zwei andere Mütter zur Seite stehen hat, wobei dieses Trio aber weniger dem Tatbestand einer Freundschaft entspricht, sondern jenen Triumviraten, wie sie auf High Schools (also ca. 20 Jahre jünger) oft »Queen Bees«, »Heathers« oder »Barbies« genannt werden: Vollblutzicken in Designerklamotten, die in ihren hochhackigen Schuhen über Leichen gehen und sich in fadenscheinigen Wohltätigkeitsveranstaltungen ergehen, wobei es aber mehr um die Machtausübung geht als um »das Wohl der Kinder« oder ähnliches.


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The Good

Das Spannendste am Film war für mich - und das werden nur wenige nachvollziehen können - die gerade mal 14jährige Oona Laurence in der (nicht besonders großen) Rolle der 12jährigen Mila-Kunis-Tochter Jane. Oona ist wohl schon vor einigen Jahren für ihre Rolle im Broadway-Musical Mathilda ausgezeichnet worden und fiel ferner in Southpaw als Tochter von Jake Gyllenhaal positiv auf. Ich kenne sie eigentlich nur aus Pete's Dragon, wo sich ihre Rolle eigentlich darin erschöpft, eine potentiell perfekte Schwester für den im Wald aufgefundenen Pete abzugeben: lieb, nett, aufgeweckt, ein typisch unrealistisches Filmkind halt. Umso mehr verblüffte es mich, als ich sie ca. zwei Wochen später wieder im Kino sah, und zwar in der Rolle der überdrehten und reichlich neurotischen Jane, die zunächst so wirkt wie ein echtes Überflieger-Kind (»This will look so good on my college application«), aber im Verlauf des Films erkennt man, wie sehr sie ihrer Mutter ähnelt und unter dem selben Druck leidet - bis die beiden dann irgendwann wieder zueinander finden und sich gegenseitig stärken, anstelle getrennt am Erwartungsdruck zu zerbrechen (ja, das hört sich reichlich konstruiert an, nimmt aber im Film wirklich nur wenige Momente ein).

Bad Moms (Jon Lucas & Scott Moore)

Das einzige offizielle Pressefoto mit Oona Laurence © TOBIS Film GmbH

Ich weiß ja, worum es im Schauspielberuf geht (um die Erstellung komplett eigenständiger Figur, die sich auch gern mal krass unterschieden dürfen zu früheren Rollen), aber wie Oona in so jungen Jahren zwei wirklich kaum über einen Kamm zu scherende Darstellungen meistert, obwohl sie hier wirklich nur so am Rande des Geschehens steht und »mitspielen« darf, das fand ich schon bemerkenswert. Gerade auch, wenn man es mit den anderen »großen« Darstellern vergleicht, die - mit Ausnahme von Kathryn Hahn und der aber nicht wirklich überzeugenden Christina Applegate - eigentlich nur ihr Standardprogramm abfahren.


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The Bad

Das Autorengespann der Hangover-Trilogie weiß natürlich, wie Komödien funktionieren, und mit weiblichen statt männlichen Hauptfiguren ändert sich an bewährten Strukturen doch eigentlich nicht viel, oder?

Bad Moms (Jon Lucas & Scott Moore)

Bildmaterial: © TOBIS Film GmbH

Leider doch, denn wenn Männer über die Stränge schlagen, wird das immer noch anders bewertet als bei Frauen. Wobei Filme wie Bridesmaids bewiesen haben sollten, dass man das Hangover-Prinzip auch mit Frauen durchspielen kann. Leider wird das hier aber gar nicht gemacht, denn man könnte den Inhalt des Films auch ganz anders zusammenfassen: Amy merkt, dass ihr Mann ein Arsch ist und serviert ihn ab. Dann gibt es eine Zwischenphase, in der sie sich zu einer vermeintlich starken Frau entwickelt, aber letztlich scheint das Eingehen einer neuen Beziehung mit einem potentiell geeigneteren Partner das eigentliche Happy End des Films darzustellen. Das Image der selbstständigen Frau wirkt im Rückblick nur wie eine Utopie, erst durch die neue Beziehung, für die sie eigentlich alles vergisst, was sie im Verlauf des Films gelernt hat, wird Amy zum (unglaublich rückständigen) Idealbild einer Frau.

Bei Carla und der verbesserten Beziehung zu ihrem Sohn funktioniert der Film zumindest halbwegs (wenn sich das Ganze auch ausschließlich auf Nebenschauplätzen abspielt), aber fast noch befremdlicher ist die Beziehung zwischen Kiki und Kent, denn sie unterjocht ihren Partner am Schluss genauso, wie der es zuvor mit ihr hielt. Dass es zu keiner Scheidung kam, wird wie ein Sieg dargestellt, dass die Ehe abgesehen von den vertauschten Rollen genauso misslungen ist wie zu Beginn des Films, wird einfach unter den Teppich gefegt.


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The Ugly

Ich bin mir diesmal nicht sicher, ob ich die Kategorien »Bad« und »Ugly« nicht andersherum hätte verteilen können, aber heute bin ich mal so gestellt, dass ich inszenatorisch Verbrechen als noch schlimmer einordne als rein politische. Wobei noch dazu kommt, dass der locker-flockige Sexismus »just for fun« hier noch untergemischt wird.

Bad Moms ist weit entfernt davon, inszenatorisch zu begeistern. Die Story entspricht einfach zu sehr den hundertmal wiedergekäuten Strukturen ähnlicher Filme, wobei man nur so tut, als sei man »revolutionär«, im gleichen Atemzug aber vieles noch schlimmer macht und sich hinter einem wenig überzeugenden fröhlichen Ausgang versteckt.

Die Szenen für sich funktionieren aber, und auch der Humor wird clever eingesetzt. Bis auf einige Szenen, die ich als besonders ärgerlich empfand. Es gibt weniges, was mich mehr nervt als schlecht gespielte Lebensfreude. Ein aufgesetztes Lachen, wenn gar nichts witzig war, sich im Sonnenlicht umarmende Menschen, die das offenbar nur tun, weil es so im Drehbuch stand usw.

Bad Moms (Jon Lucas & Scott Moore)

Bildmaterial: © TOBIS Film GmbH

In Bad Moms gibt es von knalliger Musik unterlegte Montagesequenzen, in denen ähnliches passiert, wobei es hier aber vorrangig darum geht, das Publikum durch überzogene Szenen zu erheitern. Aus irgendwelchen Gründen denke ich dabei an die im Nachspann offenbarten Fotos in Hangover. Hier jagt man die reichlich angeschickerten drei Freundinnen durch einen Supermarkt, wo sie eine Riesensauerei anstellen, die man in Zeitlupe quasi zelebriert. Das ist zum einen nicht halb so witzig, wie es sein soll. Und zum anderen sabotiert es auch die Handlung, denn insbesondere diese Supermarkt-Passage hat keinerlei Konsequenzen. Die Spritdrosseln, die »ihre Freiheit« entdeckt haben, gehen gefühlt jeden Gang des Supermarkts ab, schmeißen hier was um, verlustieren sich dort durch sexuelle Übergriffe und gebärden sich so, als gehöre ihnen der gesamte Laden - und keiner scheint darauf auch nur zu reagieren. Es wird dann zwar noch eine Pointe nachgeliefert (»We may need to find a new supermarket«), aber die gesamte Szene ist einfach nur bescheuert. Es ist anzunehmen, dass Zuschauergruppen, die selbst etwas angeschickert sind, gerade diese Szene super finden und dabei mit ihren Nachos und den reingeschmuggelten Prosecco-Flaschen im Kino eine ähnliche Sauerei anrichten, aber ich habe mich zu keinem Zeitpunkt so von den Figuren und dem gesamten Film distanziert wie hier.

Ein schönes Beispiel für die verlogene Scheinheiligkeit des Films ist übrigens die Rückseite des Presseheftes, auf der die drei Hauptfiguren Stinkefinger zeigen - die aber verpixelt wurden. Wer in Todesmissachtung vom Zehn-Meter-Turm springt, sieht dabei mit Schwimmflügeln an dem Armen reichlich deppert aus.