Anzeige:
Die Box




9. April 2015
Thomas Vorwerk
für satt.org


  The F-Word – Von wegen nur gute Freunde! (Michael Dowse)
The F-Word – Von wegen nur gute Freunde! (Michael Dowse)
The F-Word – Von wegen nur gute Freunde! (Michael Dowse)
Bildmaterial © Senator Film Verleih
The F-Word – Von wegen nur gute Freunde! (Michael Dowse)
The F-Word – Von wegen nur gute Freunde! (Michael Dowse)
The F-Word – Von wegen nur gute Freunde! (Michael Dowse)


The F-Word – Von wegen nur gute Freunde!
(Michael Dowse)

Irland / Kanada 2013, Originaltitel: What if, Buch: Elan Mastai, Lit. Vorlage: T.J. Dawe, Michael Rinaldi, Kamera: Roger Stoffers, Schnitt: Yvann Thibaudeau, Musik: A.C. Newman, mit Daniel Radcliffe (Wallace), Zoe Kazan (Chantry), Megan Park (Dalia), Adam Driver (Allan), Mackenzie Davis (Nicole), Rafe Spall (Ben), Lucius Hoyos (Felix), Jemima Rooper (Ellie), Tommie-Amber Pirie (Gretchen), Sarah Gadon (Megan), Meghan Heffern (Tabby), Jonathan Cherry (Josh), Rebecca Northan (Holly), Oona Chaplin (Julianne), Jordan Hayes (Becky), 98 Min., Kinostart: 9. April 2015

Zoe Kazan ist sowohl die Enkelin von Hollywood-Legende Elia Kazan (A Streetcar named Desire, On the Waterfront, Baby Doll, The Last Tycoon) als auch die Tochter von Regisseurin Robin Swicord (The Jane Austen Book Club). Auch wenn Zoe nicht dem Typ der herkömmlichen Hollywood-Schönchen entspricht, dürfte sie dem aufmerksamen Kinogänger schon mehrfach aufgefallen sein, etwa in Kelly Reichardts Meek's Cutoff (zusammen mit Shirley Henderson und Michelle Williams), in It's Complicated, Pippa Lee oder Revolutionary Road (wo sie Leonardo DiCaprio vom rechten Pfad ablenkt). Neben diversen Nebenrollen konnte sie sich auch schon im Independent-Drama The Exploding Girl als Hauptdarstellerin beweisen. Oder als Ruby Sparks, wozu sie selbst das Drehbuch schrieb, was beim Ergattern einer Rolle oft hilfreich ist. Wenn man ihre Filmographie mal Revue passieren lässt, wirkt es ganz so, als hätten insbesondere Independent-Regisseure sie ins Herz geschlossen, aber selbst etablierte Größen wie Sam Mendes oder Paul Haggis, die auch größere Budgets anvertraut bekommen, wissen, dass man sich auf sie verlassen kann. Nur für eine echte Hollywood-Karriere reicht das noch nicht ganz. Umso erfreulicher, dass sie nun die Hauptrolle in einer lupenreinen RomCom bekam, die ungeachtet des kanadischen Independent-Looks schon durch den Darsteller an ihrer Seite, Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe, einiges an Aufmerksamkeit zuteil werden wird.

What if ist so eine hippe kleine Komödie von dem Typ, wofür Zach Braff, meines Erachtens maßlos überschätzt (zumindest als Regisseur) seinen linken Arm hergeben würde. Im Bereich RomCom etwas wirklich Neues zustande zu bringen, ist ja fast ein herkulianischer Akt, und man kommt auch nicht um die Feststellung herum, dass es schon vor What if Rob Reiners When Harry met Sally gab, von dessen Grundkonstellation man sich einen großen Teil angeeignet hat, aber Regisseur Michael Dowse (Fubar) verneigt sich nicht nur vor seinem Vorbild (es gibt mal eine hübsche Kinoszene, bei der The Princess Bride läuft), sondern probiert auch neue Dinge.

Die Intro von Daniel Radcliffe als Wallace besteht etwa daraus, dass dieser erstmal ein gutes Jahr braucht, bis er die letzte Nachricht seiner Exfreundin (Sarah Gadon in einem Kurzauftritt) auf seinem Handy löscht. Ums (nicht immer passende) Timing geht es hier nämlich verstärkt. Und um die Probleme bei der Paarbildung. Laut Wallaces Freund Allan (Adam Driver aus Tracks und Inside Llewyn Davis) ist es ja ganz einfach, auf einer Party eine neue Freundin zu finden. Sagt's und bändelt sofort mit Nicole an, (Mackenzie Davis, die mir schon in dem größtenteils misslungenen That Awkward Moment positiv auffiel), mit der er dann auch bis zum Ende des Films liiert bleibt (ganz so wie bei When Harry met Sally Carrie Fisher und Bruno Kirby). Für Wallace indes ist vieles kompliziert. Immerhin trifft er bei der Party die ebenso adrette wie witzige Chantry (Zoe Kazan), und neben einigen eine Spur zu cleveren Dialogen kommunizieren sie vor allem über Kühlschrankmagneten. Aber den Zettel mit ihrer Nummer lässt Wallace dann von seinem Dach aus (wo er sich gerne herumtreibt) weg fliegen. Und weil Chantry eine aufstrebende Animationskünstlerin ist, setzt man diesen romantischen Moment (im Film schmeißt niemand einen Zettel zerknüllt in den Papierkorb, er muss immer wegfliegen oder verbrannt werden) mit einer hübschen Animation um, die somit die Verbindung zwischen den beiden Figuren zeigt – auch wenn sie noch lange darum kämpfen müssen.

Ein Moment des Films hat mich auch ganz persönlich angesprochen, denn Chantry erzählt Wallace zwar noch am Abend des zufälligen Partytreffens, dass sie einen Freund hat, aber Wallace nimmt das nicht so richtig ernst. Erinnerte mich stark an eine Szene aus meinem Leben, als ich eine junge Frau kennenlernte, die mindestens so entzückend wie Zoe Kazan war und mir so nebenbei erklärte »Eigentlich habe ich einen Freund.« Und als basisneurotischer Literaturwissenschaftler habe ich dann erstmal wochenlang alle möglichen Implikationen des Wortes »eigentlich« analysiert. Aber zurück zum Film …

RomComs funktionieren ja selbst in den gelungensten Variationen immer nach bestimmten Regeln. Es ist zum Beispiel so, dass es immer noch wie bei den alten Shakespeare-Merkmalen einer Komödie läuft: Wenn die beiden sich am Schluss kriegen, ist es eine Komödie (selbst The Tempest wurde jahrhundertelang in diese Schublade gequetscht), falls nicht, vermutlich eher eine Tragödie. Das kann zwar auch sehr romantisch sein (Romeo & Juliet), ist aber nichts zum Lachen.

Und was bei What if wirklich ziemlich super klappt, ist der Humor. Statt jetzt lang und breit die Komplikationen des Paares Chantry-Wallace zu beschrieben, hier eine meiner zwei Lieblingsszenen des Films (die andere ist das Zusammentreffen von Wallace, Chantry und ihrem Freund, bei der ich sehr sehr laut lachen musste):

Wallaces Schwester nutzt manchmal dessen Dienste als Babysitter seines Neffen Felix (ca. 10-11 Jahre). Ihre Schlussbemerkung bei einem dieser Abende, als sie Bruder und Sohn in der Wohnung zurücklässt: »No treats, no horror movies!« Als nächstes sieht man die beiden Jungs mit einer Menge Süßigkeiten vor der Glotze, wo John Carpenters The Thing läuft. Bei einer berühmt-berüchtigten Szene, die man übrigens im Film auch sieht, gibt Wallace immerhin an, wann Felix die Augen schließen soll und später wieder öffnen kann. Das war schon ziemlich gut, aber dann kommt die Mutter / Schwester unerwartet früh zurück, Wallace und Felix erweisen sich als eingespieltes Team (der eine macht den Player aus, der andere versteckt die Süßigkeiten unter dem Sofa), und mit einer tollen Nonchalance angelt die Rückkehrerin nach den Süßigkeiten (ich ärgere mich wirklich, dass ich bei der Sichtung nicht aufgeschrieben habe, ob es Popcorn oder Eis war – jetzt will ich nicht das Falsche niederschreiben) und der Fernbedienung und gesellt sich dazu zum Videoabend. Wer so ein liebevolles Familienleben ersinnen kann, dem vertraut man auch mit einer RomCom. Und einige der späteren »romantischen« Szenen sind wirklich auch beinahe Klassiker, wie man sie nur selten im Genre so gut umgesetzt erlebt.