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8. August 2013
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Trance – Gefährliche Erinnerung (Danny Boyle)
Trance – Gefährliche Erinnerung (Danny Boyle)
Bildmaterial © 2013 Twentieth Century Fox
Trance – Gefährliche Erinnerung (Danny Boyle)
Trance – Gefährliche Erinnerung (Danny Boyle)
Trance – Gefährliche Erinnerung (Danny Boyle)


Trance
Gefährliche Erinnerung
(Danny Boyle)

UK 2013, Originaltitel: Trance, Buch: Joe Ahearne, John Hodge, Kamera: Anthony Dod Mantle, Schnitt: Jon Harris, Musik: Rick Smith, Production Design: Mark Tildesley, Supervising Art Directors: Denis Schnegg, Su Whitaker, mit James McAvoy (Simon), Vincent Cassel (Franck), Rosario Dawson (Elizabeth), Danny Sapani (Nate), Matt Cross (Dominic), Wahab Sheikh (Riz), Mark Poltimore (Francis Lemaitre), Tuppence Middleton (Young Woman in Blue Car), 101 Min., Kinostart: 8. August 2013

Thematisch und auch in Sachen Budget (jetzt mal von der Starbesetzung abgesehen) schließt Danny Boyle mit seinem neuesten Film an sein Regiedebüt Shallow Grave an, als wenn ihn der Oscarrummel um Slumdog Millionaire und 127 Hours gar nicht interessiert. Das wirkt natürlich sympathisch, und die Geschichte um einen Kunstraub, bei dem ausgerechnet der »Inside Man« (James McAvoy) aufgrund eines übertriebenen »Alibi-Schlags« einen Gedächtnisschwund erleidet und deshalb nicht mehr weiß, wo er das wertvolle Goya-Gemälde versteckt hat, hat einiges Potential. Da gibt es eine Hypnosetherapeutin (Rosario Dawson), die ihm helfen soll, und dann wird es schnell brenzlig für alle Beteiligten, weil sie selbst nicht ganz uninteressiert ist an der Beute und dann auch noch in eine von Lügen geprägten Dreiecksbeziehung zwischen ihrem Patienten und dem zur Brutalität neigenden Chef der Bande (Vincent Cassel) gerät. Ein Spiel auf einigen Ebenen, mit diversen Überraschungen und von weitem betrachten sehr ähnlich gestrickt wie Shallow Grave (Boyle hat für das Drehbuch auch erstmals seit The Beach wieder John Hodge engagiert).

Harte Typen, Plottwists, schwarzer Humor – auf dem Papier hätte daraus angesichts der inzwischen angesammelten Erfahrung Boyles ein Meisterwerk werden können, doch leider ist das Ergebnis abgesehen vom rasanten und schnörkellosen Einstieg noch enttäuschender als Sunshine, Boyles bisheriger Karriere-Tiefpunkt. Dass der Film mindestens fünf oder sechs 180°-Wendungen in seiner Handlung zu viel vollzieht, hätte man akzeptieren können, dass man irgendwann gar nicht mehr weiß, ob oder für welchen der drei man Sympathie empfinden soll (übrigens ähnlich wie bei Shallow Grave, nur dass der Effekt dort später einsetzt), ebenso. Doch dass Boyle hier mit ganz schlimmen rassistischen Klischees arbeitet und als Teil seiner zunehmend blöderen Zickzackverrenkungen auch noch auf stumpfe und unschöne Art sexistisch wird (notdürftig und wenig überzeugend verknüpft mit dem verzagt angekratzten Goya-Thema), das kann man nur schwer verzeihen. Rein inszenatorisch hat er zwar noch nicht alles verlernt, was er in Jahrzehnten über das Filmemachen herausbekommen hat (auch wenn er früher seine Mittel gezielter, sporadischer und pointierter einsetzte), aber Trance spielt eher in einer Liga mit dem homophoben Haudrauf-Elan eines Guy Ritchie als auch nur mit den eigenen Erzeugnissen aus Boyles ungeschliffener, aber experimentierfreudiger Frühzeit.

Sunshine war nur überflüssig und ein wenig dämlich (aber immer noch visuell interessant), Trance hingegen ist ein Ärgernis, ein Film, für den sich Boyle schämen muss. Und der Zuschauer fremdschämen. Das nächste hochglanzpolierte Hollywood-Produkt kann eigentlich fast nur erfreulicher ausfallen.