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31. August 2011
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Cairo Time (Ruba Nadda)
Cairo Time (Ruba Nadda)
Bildmaterial: Alamode Film
Cairo Time (Ruba Nadda)
Cairo Time (Ruba Nadda)
Cairo Time (Ruba Nadda)


Cairo Time
(Ruba Nadda)

Kanada / Irland / Ägypten 2009, Buch: Ruba Nadda, Kamera: Luc Montpellier, Schnitt: Teresa Hannigan, Musik: Niall Byrne, mit Patricia Clarkson (Juliette Grant), Alexander Siddig (Tareq Khalifa), Elena Anaya (Kathryn), Amina Annabi (Yasmeen), Tom McCamus (Mark), Mona Hala (Jameelah), Fadia Nadda (Hanan), Mohammed Abdel Fattah (Customs Officer), Hossam Abdulla (Porter), Nabil Shazli (Manager), Ahmed Ghareeb (Propositioning Man), 90 Min., Kinostart: 1. September 2011

Mit einiger Verspätung kommt dieser Film der in Kanada lebenden Regisseurin Ruba Nadda (Sabah) in die deutschen Kinos. Als Trekkie konnte ich es mir nicht entgehen lassen, Alexander Siddig (Julian Bashir in Deep Space Nine) endlich mal in einer Kinohauptrolle zu sehen, wo ihn doch sein Migrationshintergrund zumeist für kleinere Rollen stigmatisiert (The Nativity Story, Syriana, Kingdom of Heaven) - obwohl er seinen Namen vor langer Zeit amerikanisierte und sein Englisch dialektfreier ist als das einiger Superstars.

Die weibliche Hauptrolle spielt Patricia Clarkson, die für Freunde guten Independent-Kinos längst kein Geheimtip mehr ist, und die nicht erst im Videoclip zu Motherlover von The Lonely Island beweisen konnte, dass man auch jenseits der 40 und ohne Supermodel-Attribute noch eine sehr gute Figur abgeben kann.

Als quasi shakespearisch benannte Juliette reist sie ihrem Diplomatengatten nach Kairo hinterher und wartet darauf, dass dieser sich von seinem Job freimachen kann, um beispielsweise mit ihr zusammen die Pyramiden zu besichtigen (eine Aktivität, deren hoher Symbolgehalt sich während des Films erschließt). Während der Wartezeit wird sie mit der gerade westlichen und »aufreizend« gekleideten Frauen gegenüber recht eigentümlichen Kultur konfrontiert, einzig Tareq (Siddig), der frühere Assistent ihres Mannes, der nun ein Café leitet, eröffnet ihr Einblicke in normalerweise verschlossene Bereiche und klärt sie über Hintergründe auf (na gut, es gibt auch einen längeren Ausflug, bei dem Tareq nicht zugegen ist, und der ebenso faszinierende Facetten preisgibt, aber es ist halt die Natur dieses Films, nicht alles sortiert und in schwarz und weiß gegliedert zu präsentieren, aber in meiner Rezension will ich eher den Endeindruck wiedergeben als das langsame - und sehr positive - Erleben dieser Filmwelt, die sich größtenteils der Realität der Stadt Kairo unterordnet - welche übrigens die Regisseurin schon lange faszinierte).

Bei Cairo Time ist es noch stärker als beim verwandten Lost in Translation so, dass man den Film selbst erforschen sollte. Eine Zusammenfassung kann dem Film nur schwer gerecht werden, man entdeckt die Stadt und die Kultur gemeinsam mit Juliette, man mag an manchen Stellen vielleicht nicht konform gehen damit, wie gewisse Sachverhalte dargestellt werden, sollte aber nicht vergessen, dass die Regisseurin weiß, wovon sie erzählt. Wenn man zuviel vom Film weiß (ich wusste so gut wie gar nichts), offenbart sich vielleicht auch die exotische Unsicherheit, die dräuende Gefahr in einem ganz anderen Kontext.

Cairo Time entführt in eine fremde Welt, mit Ruba Nadda nimmt einen eine geschulte Führerin bei der Hand - das Ergebnis ist ganz anders als etwa das Touristen-Paris von Woody Allen oder das auf hippe Ironie gebürstete Tokio von Sofia Coppola. Ich bin jemand, der sich von malerischen Landschaften oder touristischen Attraktionen kaum beeindrucken lässt, aber in diesem Fall verzaubert der Film auf so viele Arten, dass ich mich auch vom exotischen Flair einfangen ließ wie zuletzt vielleicht bei Lord of the Rings oder Disneys Aladdin. Und diesmal wird kein Märchen erzählt.