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23. Januar 2011
Thomas Vorwerk
für satt.org


  72 Stunden - The Next Three Days (R: Paul Haggis)
72 Stunden - The Next Three Days (R: Paul Haggis)
72 Stunden - The Next Three Days (R: Paul Haggis)
Bildmaterial: Kinowelt
72 Stunden - The Next Three Days (R: Paul Haggis)
72 Stunden - The Next Three Days (R: Paul Haggis)
72 Stunden - The Next Three Days (R: Paul Haggis)


72 Stunden
The Next Three Days
(R: Paul Haggis)

USA / Frankreich 2010, Originaltitel: The Next Three Days, Buch: Paul Haggis, Vorlage: Fred Cavayé, Guillaume Lemans (Drehbuch Pour elle), Kamera: Stéphane Fontaine, Schnitt: Jo Francis, Musik: Danny Elfman, Alberto Iglesias, mit Russell Crowe (John Brennan), Elizabeth Banks (Lara Brennan), Brian Dennehy (George Brennan), Lennie James (Lieutenant Nabulsi), Olivia Wilde (Nicole), Ty Simpkins (Luke Brennan), Helen Carey (Grace Brennan), Liam Neeson (Damon Pennington), Daniel Stern (Meyer Fisk), Kevin Corrigan (Alex), Jason Beghe (Detective Quinn), Aisha Hinds (Detective Collero), Tyrone Giordano (Mike), Jonathan Tucker (David), Allan Steele (Sergeant Harris), RZA (Mouss), Moran Atias (Erit), Michael Buie (Mick Brennan), Lauren Haggis (Lyla), Alissa Haggis (Junkie), 122 Min., Kinostart: 20. Januar 2011

In der Musikbranche spricht man oft vom »difficult third album«, bei der dritten Regiearbeit des lange Zeit als Drehbuchautor aktiven Paul Haggis fällt vor allem auf, dass er diesmal keinen Originalstoff ersann, sondern ein Remake des französischen Films Pour elle drehte (wie es im letzten Jahr auch bei Chloe oder Dinner for Schmucks der Fall war). Für Haggis (und seinen Film) spricht aber, dass das französische Original relativ unbekannt ist, und so wird es auch zu größten Stärke von The Next Three Days, dass man als Zuschauer lange Zeit nicht weiß, in welche Richtung sich der Film entwickeln wird.

Zunächst erfährt man bei einem Essen zweier Paare, dass Lara Brennan (Elizabeth Banks) recht impulsiv ist und ihre Chefin nicht besonders mag. Dann wird sie wegen des Mordes an dieser Chefin völlig überraschend verhaftet und bei der Verhandlung gelingt es nicht, die Indizienbeweise zu entkräftigen, weshalb sie mit einer längeren Haftstrafe belegt wird. Der Film wird interessanter dadurch, dass die Frage nach Laras Schuld fast bis zum Schluss sehr ambivalent behandelt wird.

Die eigentliche Hauptfigur ist aber nicht lara, sondern ihr Ehemann John (Russell Crowe), der zunächst gegen die Mühlen der Justiz kämpft, dann aber zunehmend mitansehen muss, wie ihm seine Frau zu entgleiten scheint (angespanntes Verhältnis, Selbstmordversuch hinter Gittern), weshalb er sich ohne das geringste Vorwissen oder die üblichen Insiderinformationen eines Häftlings daran macht, einen Gefängnisausbruch vorzubereiten. Auch hierbei ist das Drehbuch erstaunlich clever, denn es beschreibt zunächst einmal die nicht unbedingt erfolgreichen ersten Versuche, überhaupt mit kriminellen Fachkräften wie Ausweisfälschern etc. in Kontakt zu treten, bevor dann immer mehr zum Thema wird, wie seine kriminellen Pläne John auch aktiv verändern. Hierbei muss auch noch erwähnt werden, dass John nebenbei zum alleinerziehenden Vater geworden ist (auf dem Kinderspielplatz lernt er auch eine von der momentan sehr angesagten Olivia Wilde gespielten entsprechende alleinerziehende Mutter kennen, die die Geschichte auch mitprägt), und er gemeinsam mit dem Ausbruch auch die Flucht aus Stadt und Land sowie die Kinderbetreuung und etwaige -abholung planen muss.

Der Titel des Films (ohne den ziemlich überflüssigen deutschen Zusatz) erklärt sich übrigens wie folgt: Im Verlauf des Films gibt es immer wieder Zwischentitel wie »The Last Three Years«, die etwa (in diesem Fall) die Vorgeschichte und Laras erste drei Haftjahre beschreiben, während John mit der Planung des Ausbruchs beschäftigt ist. Seine Pläne sind noch weit entfernt davon, perfekt zu wirken, als Lara in ein anderes Gefängnis verlegt werden soll - und es folgt entsprechend ein neuer Zwischentitel »The Last Three Days«.

Für Russell Crowe ist der Film ein dankbares Vehikel, in dem er ein überzeugendes Charakterporträt liefern kann, und auch Elizabeth Banks, oft in Winzrollen verschlissen (The 40 Year Old Virgin, alle drei Spider-Man-Filme), erhält mal wieder eine Hauptrolle, in der sie nicht nur hübsch in die Kamera lächelt, sondern ihr Schauspieltalent beweisen kann. Doch auch, wenn der Film einen zwei Stunden lang in den Sessel drückt und unterhält - irgendwie bleibt das Gefühl (insbesondere nach dem Film), dass es sich irgendwie um eine kleine Mogelpackung handelt (auch, weil man von Paul Haggis nach Crash und In the Valley of Elah etwas tiefergehenderes, politischeres erwartet hatte). Aber immerhin gelang Haggis, was (wie eingangs angerissen) in der Musikbranche oft ein Problem darstellt: Er hat sich nicht festnageln und in eine Schublade abschieben lassen. Man kann also gespannt bleiben auf ... the next three films.