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Die Box




21. April 2010
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Chloe (R: Atom Egoyan)
Chloe (R: Atom Egoyan)
Fotos: Kinowelt Filmverleih
Chloe (R: Atom Egoyan)
Chloe (R: Atom Egoyan)
Chloe (R: Atom Egoyan)


Chloe
(R: Atom Egoyan)

USA / Kanada / Frankreich 2009, Buch: Erin Cressida Wilson, Vorlage: Anne Fontaine, Kamera: Paul Sarossy, Schnitt: Susan Shipton, Musik: Mychael Danna, Production Design: Phillip Barker, Set Decoration: Jim Lambie, Kostüme: Debra Hanson, mit Julianne Moore (Catherine Stewart), Liam Neeson (David Stewart), Amanda Seyfried (Chloe), Max Thieriot (Michael Stewart), R.H. Thomson (Frank), Nina Dobrev (Anna), 96 Min., Kinostart: 22. April 2010

Mit manchen Dingen rechnet man nicht. Zum Beispiel damit, dass der kanadische "Auteur" Atom Egoyan ein Remake drehen könnte. Oder einen Film, zu dem er nicht auch das Drehbuch geschrieben hat. Chloe ist beides, und noch dazu Egoyans erster ernsthafter Versuch, sich bei einem breiteren Publikum "anzubiedern" (das ist jetzt gar nicht mal unbedingt negativ gemeint). Halbherzig hat er das mal bei Where the Truth Lies probiert, doch dadurch, dass Amanda Seyfried seit Mamma Mia! auch so etwas wie ein kommender Superstar wurde, könnte allein die Besetzung schon einige Zuschauer locken - Und der Film ist nicht so Egoyan-typisch (vertrackte Drehbücher, durchweg ramponierte Figuren), dass er das neugewonnene Publikum zwangsläufig verprellen muss und zur negativen Mundpropaganda bei "normalen" Kinozuschauern führt.

Anne Fontaines Nathalie (Inhaltsangabe bitte dort nachlesen) kam übrigens im selben Monat (August 2004) in die deutschen Kinos wie Amanda Seyfrieds erster größerer Kinoauftritt in Mean Girls. Was ich damals an Nathalie kritisierte (ein etwas misslungener "Twist"), löst Egoyan eleganter - und die große Überraschung des Films ist, dass das Drehbuch von Erin Cressida Wilson (bekannt durch Secretary) jederzeit als von Egoyan selbst verfasst durchgehen könnte, nur eben etwas weniger fatalistisch. Mehr als nur eine Prise Erotik, Einbeziehung moderner Kommunikationsmittel, narrativ interessante Parallelmontagen.

Der Film Chloe macht einfach Spaß, die Geschichte entwickelt sich einerseits wie ein typischer französischer Erotik-Thriller, aber es ist jederzeit möglich, dass hinter der nächsten Kurve etwas in Richtung Fatal Attraction lauert. Und (u. a.) dadurch ist das Remake sogar besser als das Original - und wann konnte man das zuletzt bei einem amerikanischen Remake eines französischen Films behaupten? Spontan fallen einem dabei die Verunglimpfichungen von Cluozots Les diaboliques, Truffauts L'homme qui aimait les femmes oder Serreaus Trois hommes et un couffin ein, und selbst in den Fällen, wo das Remake durchaus für sich stehen kann wie bei Jim McBrides Breathless oder Terry Gilliams Twelve Monkeys ist das Original dann doch schon noch einige Klassen besser. Da musste also erst Egoyan (mit einem natürlich sehr kanadisch angehauchten Film) kommen, um ein überzeugendes Gegenbeispiel zu liefern.

Und da die letzten zwei Langspielfilm Egoyans jeweils eher kleine Enttäuschungen waren, und er laut eigenen Angaben bemerkt, dass bei der Popularität seiner Filme eine Art Sattelpunkt erreicht ist, ist es jetzt an der Zeit, ins Kino zu gehen (natürlich zu Chloe), denn selbst, wenn Egoyan komplett in Richtung Mainstream abdriften sollte, ist er einfach ein Regisseur, dem man es von Herzen wünscht, dass er zu jedem Zeitpunkt Ideen für Filme hat und Geldgeber, mit deren Hilfe er diese Filme realisieren kann.