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April 2007
Thomas Vorwerk
für satt.org


Spider-Man 3
(R: Sam Raimi)

Spider-Man 3 (R: Sam Raimi)Spider-Man 3 (R: Sam Raimi)
Spider-Man 3 (R: Sam Raimi)
Bilder © 2007 Sony Pictures Releasing GmbH
Spider-Man 3 (R: Sam Raimi)
Spider-Man 3 (R: Sam Raimi)
Spider-Man 3 (R: Sam Raimi)

USA 2007, Buch: Sam Raimi, Ivan Raimi, Alvin Sargent, Comic-Vorlage: Stan Lee & Steve Ditko, Kamera: Bill Pope, Schnitt: Bob Murawski, Musik: Christopher Young, Danny Elfman, Visual Effects Supervisor: Scott Stokdyk, Kostümdesign: James Acheson, Katina Le Kerr, mit Tobey Maguire (Peter Parker / Spider-Man), Kirsten Dunst (Mary Jane Watson), James Franco (Harry Osborn), Thomas Haden Church (Flint Marko / Sandman), Rosemary Harris (Aunt May), Topher Grace (Edward Brock, jr. / Venom), Bryce Dallas Howard (Gwen Stacy), J.K. Simmons (J. Jonah Jameson), James Cromwell (Captain Stacy), Elizabeth Banks (Miss Brant), Bill Nunn (Joseph 'Robbie' Robertson), Ted Raimi (Hoffman), Bruce Campbell (Maitre ‘d), Theresa Russell (Mrs. Marko), Dylan Baker (Dr. Curt Connors), Elya Baskin (Mr. Ditkovich), Mageina Toyah (Ursula), Emma Raimi (Girl with Camera), sowie ferner Willem Dafoe (Norman Osborn), Cliff Robertson (Ben Parker), Daniel Gillies (John Jameson), Tim De Zarn (Philip Watson), Michael Papajohn (Carjacker), Joe Manganiello (Flash Thompson), Stan Lee (‘nuff said!), 140 Min., Kinostart: 1. Mai 2007

Spider-Man 3 erfüllt alle Erwartungen, die Fans der ersten zwei Teile haben könnten. Man hat sich allerdings inzwischen auch auf ein eingespieltes Team stützen können, so ist neben dem Regisseur, Kameramann, Cutter und etwa 20 Schauspielern aus Teil 1 + 2 (bis auf Stan Lee und Bill Campbell alle in wiederkehrenden Rollen) beispielsweise auch Drehbuchaltmeister Alvin Sargent (Paper Moon, Ordinary People, Nuts) wieder dabei, und so knüpft man geschickt an die Vorläuferfilme an und bringt die Trilogie gekonnt zu Ende. Neben dem immer noch rachsüchtigen Harry Osborn, der diesmal sein Coming Out als Green Goblin hat und sich weitaus fähiger als sein Vater auf dem fast zu einem Hochgeschwindigkeits-Flug-Skateboard umfunktionierten Glider zeigt (und zu einigen der besten und actionreichsten Szenen des Films beiträgt), gibt es diesmal gleich zwei (bis drei) neue Feinde, darunter einen (comicmäßigen) Klassiker, nämlich den Sandman (Thomas Haden Church sieht genau aus wie die Comicfigur), der im Filmdrehbuch auch noch in das Drama um den Tod von Peters Onkel Ben verwickelt wird. Und für die (vergleichsweise) jüngeren Spider-Man-Leser gibt es mit dem in der frühen McFarlane-Phase sehr auflagenstarken Venom (bzw. dem schwarzen Spidey-Anzug) auch das bisher wohl dunkelste Kapitel in der Filmkarriere des Netzeschleuderers. Da man mit Eddie Brock (Topher Grace) sozusagen einen Gegenentwurf zum Zeitungsfotografen Parker hat, der in vielerlei Hinsicht mit ihm in Konkurrenz steht, war es nun wohl auch an der Zeit, endlich Gwen Stacy (Bryce Dallas Howard), in den Comics eigentlich schon vor Mary Jane die Frau in Peters Herzen, einzuführen, die vor einer riesigen Zuschauerschaft und diversen laufenden Kameras die Frechheit besitzt, den MTV-Award-prämierten Kuss aus dem ersten Film zu stiebitzen, was “MJ” nicht glücklicher macht.

Während das Franchise inzwischen soweit ausgebaut wurde, daß etwa vergleichsweise unwichtige regulars wie Elizabeth Banks (Miss Brant, die Vorzimmerdam beim Daily Bugle) oder Bruce Campbell (diesmal als Kellner) ein paar mehr Sätze und eine Namensnennung im Vorspann bekamen, und sogar die bereits im ersten Teil verstorbenen Figuren (und ihre Darsteller) erneut ein paar neue Sätze bekommen, so gibt es auch einige Standards, die der aufmerksame Fan vermissen wird. So rettet Spider-Man diesmal erstmals niemanden aus einem brennenden Haus (die für Spielort New York unverzichtbare Bezugnahme auf 911 - in Teil 1 spiegelte sich das ansonsten bereits komplett aus dem Film entfernte WTC ja noch in Spideys Augen - wird diesmal anders bewerkstelligt) und auch die obligatorische Wet-T-Shirt-Szene für Kirsten Dunst (mittlerweile sowas wie eine ernsthafte Schauspielerin) entfällt. Dafür bekam Frau Dunst diesmal nicht nur Szenen, in denen sie schreiend von irgendwelchen Superschurken weggeschleppt wird (Obwohl selbst dabei die Anzahl eher noch gestiegen ist), sondern neben einigen Gesangsauftritten (!) vor allem Möglichkeiten, die unverstandene Lebenspartnerin des zunächst allzu glücklichen Peter Parker darzustellen. Dies gehört allerdings auch zu den (gegen Ende immer auffälligeren) Schwächen im Drehbuch, die selbst bei ansonsten perfekter Unterhaltung (Parkers Wandlung wird wirkt wie ein Kommentar zu Maguires Rolle in The Good German, nur weitaus sehenswerter) und atemberaubenden Actionszenen den Spaß etwas trüben. Wie unaufmerksam Parker hinsichtlich seiner Freundin ist, entspricht ebenso wie die Auflösungen betreffs der drei Superschurken eher einer herkömmlichen, sehr konventionellen Drehbuchdramaturgie als nachvollziehbaren Entscheidungen der entsprechenden Figuren. Plötzlich melden sich Nebenfiguren, die nicht einmal im Abspann auftauchen, eine zuvor unverzichtbare Requisite wird einfach vergessen oder man vollzieht ohne Vorwarnung eine charakterliche 180°-Wendung, nur um den Abschluß der Trilogie nicht durch einen Cliffhanger zu gefährden. Die Filmemacher können sich hier zwar damit herausreden, daß es solche last-minute-Offenbarungen in unzähligen Superhelden-Comics immer wieder gibt, aber nachdem man erst die Messlatte so hoch gesetzt hat, sich dann mit solch einer Ausrede unterdurch zu stehlen, ist weder eines Superhelden noch einem mittlerweile auch zum Superstatus avancierten Regisseur wie Sam Raimi würdig.