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Die Box




8. September 2010
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Rückkehr ans Meer (R: François Ozon)
Rückkehr ans Meer (R: François Ozon)
Fotos: Arsenal Filmverleih
Rückkehr ans Meer (R: François Ozon)
Rückkehr ans Meer (R: François Ozon)
Rückkehr ans Meer (R: François Ozon)


Rückkehr ans Meer
(R: François Ozon)

Originaltitel: Le refuge, Frankreich 2009, Buch: François Ozon, Mathieu Hippeau, Kamera: Mathias Raaflaub, Schnitt: Muriel Breton, Musik: Louis-Ronan Choisy, mit Isabelle Carré (Mousse), Louis-Ronan Choisy (Paul), Pierre Louis-Calixte (Serge), Melvil Poupaud (Louis), Claire Vernet (La mère), Jean-Pierre Andréani (Le père), Marie Rivière (La femme sur la plage), Jérôme Kircher (Le médecin), Nicolas Moreau (Le dragueur), Emile Berling (Le dealer), Dominique Jacquet (Geneviève), Tania Dessources (L'infirmière), Maurice Antoni (Le prêtre), Sylvie Haurie-Aussel (La pharmacienne), Arnaud Goudal (L'agent immobilier), 88 Min., Kinostart: 9. September 2010

Ich interessiere mich nicht dezidiert um die sexuelle Orientierung von Filmschaffenden, aber bei François Ozon nahm man ja allgemein jahrelang an, er sei schwul – inzwischen ist man sich da wohl nicht mehr so sicher ...

Seltsamerweise scheint dies auch einen Einfluss auf seine Filmkarriere gehabt zu haben, denn seit seinem ersten englischsprachigen Ausflug Angel (die Hauptdarstellerin bezeichnet er als seine »Muse«) und dem folgenden Baby-Wunder Ricky kümmert er sich (wenn auch auf innovative und überraschende Weise) scheinbar immer mehr um Themen wie Ehe und Nachwuchs - was seinen Filmen nicht unbedingt zum Vorteil gereicht. Nun gab es ähnliche Anklänge auch in 5x2, doch damals konnte noch jeder Zuschauer nachvollziehen, was uns Ozon mitteilen will - und seine Filme wurden durchweg vom Publikum und der Kritik gefeiert.

Mit Le refuge scheint Ozon jetzt eine Art Rückkehr zu versuchen. Zwar geht es um eine schwangere Frau, doch wird diese gänzlich entgegen den komplett positiven Assoziationen von Mutterschaft eingesetzt. Es geht schon damit los, dass wir sie (und den Vater des Kindes) beim ziemlich desolaten Setzen einer Überdosis kennenlernen (die der Vater nicht überlebt). Danach wacht sie schwanger auf und beginnt ihren Neuanfang damit, sich bei der Beerdigung des toten Lovers aus gutem Hause auch noch unbeliebt zu machen, denn dessen resolute Mutter hält Mousse (Isabelle Carré) für schuldig am Tod ihres Sohnes Louis - und ist auch nicht daran interessiert, durch das Kind einer Drogensüchtigen zur Großmutter zu werden.

Kurz darauf beginnt der eigentliche Hauptteil des Films, denn Mousse zieht sich zurück in eine Ferienwohnung nahe der spanischen Grenze - und fortan fühlt man sich nicht nur stark an Swimming Pool erinnert, es gibt auch einige Strandszenen, die im Werk Ozons etwa so häufig sind wie unschuldig Angeklagte bei Hitchcock.

Louis’ schwuler Bruder Paul (übrigens ein Adoptivkind) besucht Mousse und gemeinsam mit dem »Einkäufer« Serge steht er ihr während der Schwangerschaft bei - wobei man erfährt, dass heroinsüchtige Schwangere auch nicht mehr Probleme haben als andere.

Leider geht das größtenteils verantwortungslose Betragen von Mousse überhaupt nicht Hand in Hand mit des Regisseurs Verlangen, mal eine echte Schwangerschaft (Isabelle Carré trägt kein Kissen unter dem Kleid, sondern war bei den Dreharbeiten tatsächlich schwanger) auf Zelluloid zu bannen. Zum einen will man vorführen, dass die Mutterschaft nicht automatisch die mitunter antisozialen Tendenzen der als Mutter umdefinierten Frau weichkochen, zum anderen ist die Kamera offensichtlich verliebt in ihren Babybauch. Und wie bei Angel und Ricky gibt es viele Momente, die nach wie vor die Meisterschaft Ozons offenbahren - doch man weiß am Ende nicht wirklich, warum a) er diesen Film gedreht hat und b) wir ihn sehen sollten. Nicht nur FrauenrechtlerInnen waren ein wenig erbost darüber, wie hier eine Frau geburtentechnisch als Durchlauferhitzer benutzt wird, und damit nicht das geringste Problem zu haben scheint. Selbst gebärneidische Männer (aller sexuellen Orientierungen) dürften diesen Film vielleicht interessant finden, aber abgöttisch lieben wie viele andere Werke Ozons werden Le refuge die wenigsten.