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Die Box




14. Juli 2010
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Marmaduke (R: Tom Dey)
Marmaduke (R: Tom Dey)
Bildmaterial © 2010 Twentieth Century Fox
Marmaduke (R: Tom Dey)
Marmaduke (R: Tom Dey)
Marmaduke (R: Tom Dey)


Marmaduke
(R: Tom Dey)

USA 2010, Buch: Tim Rasmussen, Vince Di Meglio, Comic-Vorlage: Brad Andersen, Phil Leeming, Kamera: Greg Gardiner, Schnitt: Don Zimmerman, Musik: Christopher Lennertz, mit Lee Pace (Phil Winslow), William H. Macy (Don Twombly), Judy Greer (Debbie Winslow), Caroline Sunshine (Barbara Winslow), Finley Jacobsen (Brian Winslow), Mandy & Milana Haines (Sarah Winslow) und den Original- / deutschen Stimmen von Owen Wilson / Christian Ulmen (Marmaduke), Emma Stone / Nora Tschirner (Mazie / Lucy), George Lopez / Bülent Ceylan (Carlos), Christopher Mintz-Plasse / ? (Guiseppe), Steve Coogan / ? (Raisin / Einstein), Stacy Ferguson / ? (Jezebel / Beverly), Kiefer Sutherland / ? (Bosco / Rocco), Marlon Wayans / ? (Lightning / Blitz), Damon Wayans Jr. / ? (Thunder / Donner), Sam Elliott / ? (Chupadogra / Bruno), 87 Min., Kinostart: 15. Juli 2010

2010 könnte in Sachen Comicverfilmungen ein Rekordjahr werden (was die Anzahl angeht), doch die entsprechenden Filme (und einige der Vorlagen) sind oft auch rekordverdächtig uninteressant. Vom Comic-Strip bzw. Cartoon Marmaduke um eine tolpatschige dänische Dogge findet man in diesem Film wahrscheinlich nur wenig wieder (der Autor hat zu wenige der Strips konsumiert, um sich ein umfassendes Bild zu machen), und das wäre auch in Ordnung, wenn man stattdessen ein für sich stehendes Filmwerk erschaffen hätte, denn Comicstrips (also die kleinen täglichen »Streifen« oder vereinzelt auch sonntäglichen Seiten in Tageszeitungen - für diejenigen, die immer noch Probleme mit den Definitionen von Strips, Cartoons, Books (=Heften), Graphic Novels usw. haben), insbesondere solche, die sich auf Einzelgags konzentrieren statt Fortsetzungs-Abenteuergeschichten zu erzählen, sind nicht unbedingt der Stoff, aus dem die Filmklassiker gemacht werden (vgl. etwa Garfield, Popeye, Dennis the Menace, Over the Hedge, aber auch Dick Tracy als Non-Gag-Strip).

Im Fall von Marmaduke hatte man eine gar nicht so uninteressante Idee, die der Film zunächst auch überzeugend umsetzt. Man beginnt mit dem Voice-Over eines riesenwüchsigen Teenagers, der seine Probleme an der High-School beschreibt, bevor man von dort umschaltet zur ebenfalls recht großen dänischen Dogge, die unterschiedlich subtil im Verlauf des Films all die Probleme einer typischen High-School-Komödie über sich ergehen lassen muss.

Das beginnt damit, dass Marmaduke (Stimme: Owen Wilson bzw. Christian Ulmen) neu in der Stadt ist. Schnell lernt er neue Freunde kennen, von denen eine kumpelhafte Gleichaltrige (Emma Stone spricht Mazie bzw. Nora Tschirner spricht Lucy) sich für alle Kenner des Genres augenblicklich als potentieller love interest outet. Zusammen mit Marmaduke erfährt der Zuschauer, dass sich auch die lokale Hundebevölkerung wie die Schüler einer Highschool in Gruppen aufteilt. Da gibt es beispielsweise anstelle der »Jocks« die »Pedigrees« bzw. »Alphadogs« (ich muss zugeben, dass ich bei den hier leicht verschwimmenden Grenzen nicht ausreichend aufgepasst habe, und sogar ein Äquivalent der üblichen »Kiffer« kann man in der Hundehierarchie wiedererkennen. Marmadukes neue Freunde sind natürlich eher Nerds, Geeks und Außenseiter wie der kleinwüchsige Guiseppe oder Marmadukes Hausgenosse Carlos, eine Katze, die nach einigen Heldentaten immerhin inoffiziell zur Gruppe gehört. Doch wie in so vielen Highschool-Komödien (weiblich bestezte Beispiele wären Mean Girls oder Heathers) interessiert sich auch Marmaduke zunächst für die Anführer der Hackordnung, und verliebt sich gleich in die reinrassige Colliedame Jezebel (in der deutschen Fassung heißt sie Beverly), die eigentlich mit dem größten und stärksten (und natürlich bösartigsten) Hund der Gegend verbändelt ist, nämlich Bosco (in Deutschland heißt er Rocco, wer ihn hier statt Kiefer Sutherland spricht, habe ich nicht weiter recherchiert). Die Parallelen zu »Jocks« und Cheerleadern dürften offensichtlich sein, die weitere Entwicklung der Geschichte ist es ebenso.

Zu den guten Ideen des Films gehört noch eine schnell entgleisende Party, die Marmaduke in seinem Heim veranstaltet, sobald die menschlichen Bewohner ihm eine »sturmfreie Bude« hinterlassen, und bei der u. a. die Toilette leergesoffen wird (netter harmloser Ersatz für jugendlichen Alkoholmissbrauch) und ein romantisches Date auf einem Schrottplatz, das sozusagen den Bogen spannt von der Highschool-Komödie und der vielleicht bekanntesten klassischen Film-Hunde-Liebesgeschichte, Lady and the Tramp (deutsch: Susi & Strolch).

Das war es dann leider aber auch schon an guten Ideen, die im Nachhinein über einen abendfüllenden (bzw. beim Zielpublikum eher nachmittagfüllenden) Spielfilm eher spärlich gesät sind. Stattdessen gibt es dann noch das menschliche Personal, das mit Lee Pace, Judy Greer und William H. Macy besetzt zunächst vielversprechend klingt, hier aber ähnlich wie bei den Garfield-Filmen (Zufall, dass die wie Alvin & the Chipmunks auch von 20th Century-Fox sind?) nur als Staffage auftreten, und eine Familiengeschichte abspulen (Karriere kontra Familie), die noch den vorhersehbaren Highschool-Plot aufregend erscheinen lässt. Und wie als Beweis, dass den Filmemachern der Streifen komplett entglitten ist, versuchen sie gegen Ende des Films auch noch des Genre des Katastrophenfilms zu integrieren (nur noch peinlich) und entblöden sich abschließend nicht, auch noch das schrecklichste aller Filmenden, nämlich eine Variation von Dead Poets Society (deutsch: Der Club der toten Dichter), hinten dranzupappen.

Dass der Film kein gutes Ende nimmt (qualitativ sprechend), war mir übrigens schon bewusst, als Marmaduke zu Beginn des Films demonstriert, wie einfach es für einen gewitzten Film ist, eine vom Tierarzt angebrachte Halskrause zu entfernen: Man zieht einfach an der Halskrause, die in einer Parkbank feststeckt. Da der Film aber nicht im Geringsten erklärt, wie man zuvor mit der Halskrause in die sehr viel kleinere Öffnung einer Parkbank hereinkommt, war für mich schnell klar, dass dieser Film seine Zuschauer wie Idioten (oder Kleinkinder mit extrem kurzer Aufmerksamkeitsspanne) behandelt, und auf sowas bin ich nie gut zu sprechen.