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Die Box




22. Dezember 2009
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Alvin und die Chipmunks 2 (R: Betty Thomas)
Alvin und die Chipmunks 2 (R: Betty Thomas)
Bildmaterial © 2009 Twentieth Century Fox
Alvin und die Chipmunks 2 (R: Betty Thomas)
Alvin und die Chipmunks 2 (R: Betty Thomas)




Alvin und die
Chipmunks 2
(R: Betty Thomas)

USA 2009, Originaltitel: Alvin and the Chipmunks: The Squeakquel, Buch: Jon Vitti, Jonathan Aibel, Glenn Berger, basierend auf Figuren von Ross Bagdasarian Jr., Kamera: Anthony B. Richmond, Schnitt: Matthew Friedman, mit Jason Lee (Dave Seville), Zachary Levi (Toby Seville), David Cross (Ian Hawke), Cameron Richardson (Claire Wilson), Kathryn Joosten (Aunt Jackie), Brando Eaton (Jeremy Smith), Charice [Pempengco] (Herself), den (veränderten) Stimmen von Justin Long (Alvin), Christina Applegate (Brittany), Matthew Gray Gubler (Simon), Anna Faris (Jeanette), Jesse McCartney (Theodore), Amy Poehler (Eleanor) und den Gesangsstimmen Ross Bagdasarian Jr. (Alvin), Janice Karman (Theodore / The Chipettes), Kinostart: 24. Dezember 2009

“Squeakquel”. Außer einer Figur aus Moby Dick fällt mir kein weiteres Wort mit zwei Q ein. In Zeiten der relativ problemlosen Animation von Kleintieren boomt das Genre des Hamster-Films (mit Ausnahme von Mäusen und Ratten zähle ich alle Kleinsäugetiere, die in den Beutekreis einer Hauskatze fallen, rigoros zur Großfamilie der Hamster, seien es Meerschweinchen, Erdhörnchen, Meerkatzen oder Backenhörnchen), und vom Einspielergebnis des ersten Chipmunks-Film her (217 Millionen US-Dollar allein in den USA, 357 Millionen weltweit) nimmt dieser eine Art Vorreiter-Status ein. Kurzfristig vorgezogen auf das Weihnachtsgeschäft dürfte Alvin zusammen mit Camerons Avatar das ramponierte Fox-Studio fürs erste mal wieder sanieren.

Wer sich für quiekende und quietschende (und singende!) “pre-teen”-Kleinnager nicht interessiert, dem werden die detaillierten Einblicke in die Konstruktion dieses Kassenschlagers auch nicht weiterhelfen, und ich verabschiede mich an dieser Stelle voller Hochachtung von diesen Lesern.

Durch diverse Fernseh-Zeichentrickserien gehören die Chipmunks in den USA zum Standard-Repertoire des TV-Kinderzimmers, und die Idee, per zu schnell abgespielter Tonträger skurrile Gesangsstimmen zu entwerfen, führte auch in Westdeutschland schon in den 1970ern zur absurden Musik-Karriere des ebenfalls mit vermeintlichen Hamstern auftretenden Frank Zander. Alphamännchen Alvin (rote Augen und Kleidung), der bebrillte Simon (blaue Augen und Kleidung) sowie der etwas dickliche Theodor (grüne Augen und Kleidung) verabschieden sich beim “Squeakquel” zunächst vom Ensemble des ersten Films, indem sie Herrchen Dave (Jason Lee) und die gutmütige Tante Jackie zu Krankenhausaufenthalten verdammen (“It was an accident, I swear!”). Unter der minderwertigen Aufsicht von Möchtegern-Gameboy-Weltmeisters Toby (Zachary Levy) können sie sich dann in das neue Abenteuer stürzen, das vor allem darin besteht, dass sie für die neu vermittelte Schule unter Führung eines Hardcore-Chipmunks-Fans (die Rektorin hat sogar ein Tattoo) einen Musikwettbewerb gewinnen sollen. Doch unter der Anleitung des früheren, halbkriminellen Managers der Jungs (David Cross, nicht zu verwechseln mit David “Knallhart” Kross) taucht ein weibliches Konkurrenz-Trio auf, die “Chippettes”. Dieses besteht aus der Lead-Sängerin Brittany (blaue Augen, “Pretty in Pink”), der bebrillten Jeanette (Lila Augen und Jeans) und der etwas kleineren (und dadurch pummelig wirkenden) Eleanor (grün), und welches Weibchen auf welches Männchen steht (und umgekehrt) ist somit bereits geklärt. Doch der durchtriebene Manager initiiert trotz offensichtlicher Sympathien eine Fehde, damit der Film ein wenig spannend wird.

Auffallend ist, dass Alvin fortwährend popkulturelle Referenzen macht, für die er eigentlich zu jung ist (High Anxiety, Taxi Driver, Apocalypse Now, The Silence of the Lambs) und die drei Jungs bevorzugt Songs intonieren, die man als Klassiker bezeichnen könnte (You really got me, Daydream Believer, Staying Alive, You spin me round), während die Mädels aktuelle Girlie-Songs von Katy Perry oder Queensberry anstimmen (der Musikwettbewerb erinnert auch nicht wenig an gängige Casting-Shows). Erst beim unvermeidlichen gemeinsamen Schlusssong vermischen sich die auf unterschiedliche Teile des Publikums gerichteten Vorlieben und es gibt “We are Family” von der klassischen Girl Group Sisters Sledge.

Ansonsten ist noch interessant, dass der kleinste Theodor nicht nur in Alpträumen immer wieder von Adlern verfolgt wird, von Toby keinerlei Unterstützung erhält und im Zerreißkampf zwischen Alvin und Simon ein wenig wie das klassische Scheidungskind (kurz vor der Scheidung) wirkt. Und um mit Action-Knallern wie G-Force mitzuhalten, gibt es eine stark Mission Impossible nachempfundene Passage, bei der aber Motorrad und Helikopter in Chipmunks-Größe bzw. sogar ferngesteuert sind. Außerdem ist es nett anzusehen, wenn sich die Kamera mitunter wie ein Chipmunk unter seinesgleichen bewegt. Überflüssig wie ein Kropf ist der Film natürlich trotzdem.