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Die Box




29. Juni 2010
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Für immer Shrek (R: Mike Mitchell)


Für immer Shrek
(R: Mike Mitchell)

Originaltitel: Shrek Forever After, USA 2010, Buch: Josh Klausner, Darren Lemke, basierend auf Figuren von William Steig, Kamera: Yong Duk Jhun, Schnitt: David Teller, Musik: Harry Gregson-Williams, mit den Originalstimmen von Mike Myers (Shrek), Eddie Murphy (Donkey), Cameron Diaz (Fiona), Antonio Banderas (Puss in Boots), Julie Andrews (Queen), Jon Hamm (Brogan), John Cleese (King Harold), Craig Robinson (Cookie), Walt Dohrn (Rumpelstiltskin / Priest / Krekraw Ogre), Jane Lynch (Gretched), Mary Kay Place (Guard Witch), Cody Cameron (Pinocchio / Three Pigs), Larry King (Doris), Conrad Vernon (Gingerbread Man), Aron Warner (Wolf), Chris Miller (Royal Messenger / Magic Mirror / Geppetto), Mike Mitchell (Tour Guide / Camp Ogre / Ogre Naysayer / Baba Witch / Melty Witch / Witch Guard #2 / Butter Pants), J. J. Andrews, Ollie Mitchell, Miles Christopher Bakshi, Nina Zoe Bakshi (Ogre Babies), 93 Min., Kinostart: 30. Juni 2010

Shrek war ein Instant-Klassiker, der die Disney-Märchenwelt satirisch persiflierte, Shrek 2 war eine unterhaltsame Nummern-Revue, die mit Puss in Boots und Prince Charming interessante neue Figuren einführte. Shrek the Third hingegen war ein ziemliches Fiasko mit einer halbgaren Story und vergessenswerten Ergänzungen. Man hatte das Gefühl, dass sich der Film nur an den obligatorischen Scherzen entlanghangelte: Puss in Boots macht seine Augen-Nummer: Check!, Pinocchio lügt: Check!, Pinocchio ist immer noch schamhaft wegen seiner Sexualität usw.

Die Gefahr war groß, dass sich dieses Dilemma im vierten Film wiederholt, denn es drängt sich auch nicht unbedingt etwas auf, was Titelheld Shrek diesmal als “Glaubenskrise” (mangels einer besseren Bezeichnung) durchlaufen soll, und so ist das aktuelle Problem Shreks auch nicht unbedingt überzeugend, denn nach einem sich als Fluch-in-Verkleidung offenbarendem Wunsch Fionas, dass jeder Tag wie der aktuelle sein sollte, durchlebt Shrek gleich zu Beginn des Films eine Art Groundhog Day mit Variationen, wobei er (natürlich!) die Segnungen einer glücklichen Ehe mit fröhlichen Kindern und ihn verehrenden Freunden und Nachbarn nicht zu schätzen weiß und er (wieder mal!) mithilfe eines Zaubers (in Form eines Vertrags mit dem neuen Bösewicht Rumpelstilzchen) seine Lage verschlimmbessert.

Für immer Shrek (R: Mike Mitchell)

Bildmaterial © Paramount Pictures International

Doch an dieser Stelle findet der Film den Ausweg aus der Stagnation der Sequels, und der vierte Shrek-Film wird eine Art Mixtur aus Frank Capras It’s a Wonderful Life (ein reines Wunder, dass gegen Ende kein blütenreines Äquivalent von “Zuzu’s Petals” auftaucht) und einer Star-Trek-Folge aus dem Spiegeluniversum. Womit ich persönlich als Zuschauer durchaus zufrieden bin.

Für immer Shrek (R: Mike Mitchell)

Über den Kniff des Kleingedruckten beim Vertrag und die Feinheiten der Story will ich nicht zuviel verraten, aber der Esel kennt Shrek plötzlich nicht mehr, Puss in Boots hat Gewichtsprobleme und Fiona wird zu einer Art Xena, die das Weichei Shrek nicht besonders einfach von der “wahren Liebe” überzeugen kann, die für das Happy End notwendig ist. Was ein wenig in Richtung klingonischer Romanze geht, denn wer es nicht körperlich mit Fiona aufnehmen kann, fällt als potentieller Lover komplett aus dem Beuteschema, und wie es sich zeigt, ist Shrek ganz und gar nicht der größte und stärkste Oger weit und breit.

Für immer Shrek (R: Mike Mitchell)

Und ähnlich wie bei den Mirror-Episoden von Deep Space Nine fast obligatorisch jedesmal eine Ferengi-Nebenfigur sterben musste, kann man durch die alternative reality auch bei Shrek einige Nebenfiguren für gute Gags “über die Klinge springen lassen”.

Für immer Shrek (R: Mike Mitchell)

Das moralische Fundament der Geschichte wiegt zentnerschwer und gleichzeitig kann man es irgendwie nicht wirklich ernstnehmen. Doch Shrek forever after macht wieder Spaß, was beim dritten Teil nicht der Fall war. Und auch wenn mehrfach betont wird, dass dies “the final chapter” darstellt (das bereits halb fertiggestellte Spin-Off Puss in Boots mal außen vor), habe ich gegen Ende des Films das unbändige Verlangen entwickelt, jenes Kapitel der Shrek-Geschichte, das man kurz als Buch im Regal stehen sieht, möglichst schnell als Film konsumieren zu dürfen. Wahrscheinlich handelt es sich bei A Midsummer Night’s Shrek um das bereits angekündigte zweite Fernseh-Special, doch den Anglisten in mir spricht diese Idee natürlich besonders an. Liebestränke gibt es ja schon länger bei Shrek, und die unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten bei Shakespeare kann man auch bei Shrek wiedererkennen. Dazu eine Menge Feenvolk und jemand, der sich in einen Trottel mit Eselkopf verliebt - die Möglichkeiten sind offensichtlich - ich befürchte nur, man wird sich zu sehr vom Original (Shakespeare, nicht Shrek) entfernen ...

Für immer Shrek (R: Mike Mitchell)