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Die Box




26. November 2008
Thomas Vorwerk
für satt.org


  New York für Anfänger (R: Robert B. Weide)
New York für Anfänger (R: Robert B. Weide)
New York für Anfänger (R: Robert B. Weide)
Bilder © 2008 Concorde Filmverleih GmbH
New York für Anfänger (R: Robert B. Weide)
New York für Anfänger (R: Robert B. Weide)
New York für Anfänger (R: Robert B. Weide)

New York für Anfänger
(R: Robert B. Weide)

Originaltitel: How to Lose Friends & Alienate People, UK 2008, Buch: Peter Straughan, Lit. Vorlage: Toby Young, Kamera: Oliver Stapleton, Schnitt: David Freeman, Musik: David Arnold, Storyboard Artist: Oscar Wright, mit Simon Pegg (Sidney Young), Kirsten Dunst (Alison Olsen), Megan Fox (Sophie Maes), Danny Huston (Lawrence Maddox), Jeff Bridges (Clayton Harding), Gillian Anderson (Eleanor Johnson), Bill Paterson (Richard Young), Max Minghella (Vincent LePak), Diana Kent (Rachel Petkoff), Miriam Margoyles (Mrs. Kowalski), Charlotte Devaney (Bobbie), Margo Stilley (Ingrid), Kelan Pannell (Young Sidney), Felicity Montagu (Clipboard Nazi), Ian Bonar, James Corden, Fenella Woolgar, Chris O'Dowd, Hugh Thompson, Emily Thorling (“Post Modern”ists), Jane Perry (Mrs. Harding), Connie Wheeler, Lara Edmunds (Harding Children), Andy Lucas (Wizard / Dentist), Thandie Newton (Herself), Robert B. Weide (4th of July Party Guest), 110 Min, Kinostart: 27. November 2008

Sidney Young (Simon Pegg) ist der unerschrockene Chef eines dahinvegetierenden Londoner Magazins namens “Post Modern”, der sich mit allerlei Tricks an den “Clipboard Nazi Bitches” vorbeischummelt, um sich zwischen den Schönen und Berühmten zu tummeln, von den Freigetränken zu profitieren und das Büffet abzugreifen. Leider wartet er vergebens auf den Durchbruch seiner Art von “investigativem Journalismus” und wird zumeist unsanft von den Security-Leuten entfernt. Nach einem gewagten Titelbild, das sich über einen amerikanischen Presse-Mogul (Jeff Bridges) lustig macht, lädt ausgerechnet dieser Sidney nach L. A. ein, und Sidney taucht zum Vorstellungsgespräch verspätet und mit der T-Shirt-Aufschrift “young, dumb and full of come” auf, woraufhin er subtil auf den Stand der Dinge und die infernöse Hierarchie des Magazins hingewiesen wird: “You’re in the first floor, I’m in the seventh - Don’t forget it!”

Ungefähr in Etage 2? befindet sich Sidneys Kollegin Alison (Kirsten Dunst), die er schon am ersten Abend in Los Angeles ohne Erfolg angebaggert hatte, und zu erwähnen ist auch noch Lawrence Maddox (Danny Huston, Etage 5), der zusammen mit der durchtriebenen Agentin Eleanor (Gillian Anderson) den Laden schaukelt. Und so ist Sidney erstmals tatsächlich mit Einladung auf einer dieser Promi-Partys, führt sich aber auf wie Robert Gast im UIP-eigenen Porzellanladen (inklusive kurzer Hose), findet Eleanors Lieblings-Klienten, den zum nächsten Tarantino aufgemotzten Regisseur Vincent LePak (Max Minghella, fast nur an der Stimme erkennbar) unerträglich, und interessiert sich umso mehr für die aufzubauende neue Schauspielsensation Sophie Maes (Megan Fox spielt sich mehr oder weniger selbst). Und er fasst einen Vorsatz für seine Arbeit: “I want to have sex with Sophie Maes before Maddox does.”

Für diejenigen, die es noch nicht gemerkt haben: How to alienate people & lose friends (übrigens mal wieder von einem autobiographisch angehauchten Sachbuch inspiriert) ist eine Art The Devil wears Prada für Jungs. Statt hehren journalistischen Zielen folgt Sidney nur seinem Schwanz, und tritt dabei mit sehr viel mehr Wucht in die bereitstehenden Fettnäpfchen als Anne Hathaway. Sidney hält Con Air für den besten Film aller Zeiten, zitiert bevorzugt aus Troy / Troja (“My glory walks hand in hand with my doom”), und dem Film ist es auch herzlich schnurz, um die Zuschauer dies als postmoderne Ironie auffassen oder womöglich voll auf Sidneys Welle mitschwimmen. Während Simon Peggs erster Ausflug nach Amerika (Run, Fatboy, Run) eher verunglückt war, ist dieser Film ganz auf seinen Humor zugeschnitten und Regisseur Robert B. Weide (Erfinder von Curb your Enthusiasm) hat offensichtlich auch das Fingerspitzengefühl, der Produktion trotz Mainstream-Appeal das gewisse Etwas zu verleihen. So weist der unvermeidliche Romantic-Comedy-Teil mit Kirsten Dunst tatsächlich Spurenelemente von Frank Capra oder Billy Wilders The Apartment auf, und selbst vorhersehbare Scherze (das Schicksal von Cuba) werden mit Gespür für Timing und Mut zur Innovation zu echten Höhepunkten (aber dennoch geschmackssicherer als bei Edgar Wright oder den Farrelly-Brüdern). Hinzu kommt die phänomenale Besetzung, der geschickte Einbau von Cameo-Auftritten und kurzen Filmschnipseln, um den ganzen Promihintergrund glaubhafter zu gestalten, und natürlich der unnachahmliche Charme von Simon Pegg (“The last woman she caught me with had a penis, so you’re a big step up”). In vergleichbarem Umfeld die beste Komödie des Jahres und ein lang erwartetes Gegengift gegen die unerträglichen auf ein weibliches Zielpublikum zugeschnittenen Komödien der letzten Zeit wie Mamma Mia!, The Women oder 27 Dresses.