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12. September 2007
Aus New York: Frank Fischer
für umblaetterer.de und satt.org



Achtung:
Diverse Spoiler!

Curb Your Enthusiasm:
6. Staffel, 1. Folge

Sonntagabend. Wir sind im Auftrag von satt.org auf der »Curb«-Party. Reisen macht hungrig, und wir double-dippen uns durch die Buffets. Dique ist dann irgendwann schon wieder so halb weggenickt, doch beim endlich plötzlich einsetzenden »Frolic«-Jingle wacht er natürlich sofort auf, und die erste Folge der sechsten Staffel von »Curb Your Enthusiasm« fängt passenderweise im Bett der Davids an, die durch den fehlfunktionierenden Feueralarm geweckt werden.

Wir sehen, dass auch Baseball-Schläger im Haushalt zu etwas nütze sein können: Larry zerkloppt den Piepser, und wir alle wissen, das könnte die Pointe vorbereiten, mit der die Folge endet (ist dann auch so).

Das neue Material der Serie über »das Leben im Herzen der Kulturindustrie« (Diedrich Diederichsen in der taz) ist wieder dicht geschrieben und voller einzelner Großideen. Etwa: Wenn man keine Ausrede hat, warum man gestern nicht auf der Party von Marty Funkhauser war, der Langeweile in Person, dann geht man eben am Folgetag noch mal kurz vorbei, um so zu tun, als habe man den Tag verwechselt.

Schöne Idee, die eigentlich schon gereicht hätte für die halbe Stunde Laufzeit. Aber dann gibt es noch die Sache mit dem erotischen Gebäck. Und die mit der vierköpfigen Familie, die durch einen Wirbelsturm ihr Heim verloren hat und jetzt bei den Davids unterkommen soll.

Die Folge heißt denn auch »Meet the Blacks«, denn das ist der Nachname der, wie sich herausstellt, afroamerikanischen Evakuierten, die Larry und Cheryl vom Flughafen abholen. Und Larry kann das erst mal wieder nicht fassen:

»So your last name is Black. That’s like if my last name was Jew. Like, Larry Jew. ‘Cause I’m Jewish.«

Und die gemütliche Auntie Ray versteht nicht so recht, was das jetzt soll, diese Wortspielerei. Und sie versucht das zu ignorieren und will den Davids danken für ihre Gastfreundlichkeit. Aber Larry insistiert und wiederholt seine Begeisterung über dieses Wortspiel. Wie in der »Seinfeld«-Folge »The Library«, als Kramer nicht glauben kann, dass der Buchdetektiv wirklich Bookman mit Nachnamen heißt.

Diese Verwunderung über die Zufälle dieser Welt, über Selbstverständlichkeiten, die ihm aber neu vorkommen, feiert Larry David mit Orgien konkreter Poesie. Unvergessen seine Frage an einen Bartender in der Folge »Shaq« (mit Shaquille O’Neal) aus der zweiten Staffel, was denn eigentlich in seinem Latté drin sei? Als er es erfährt, reagiert er vor der Starbucks-Öffentlichkeit mit einer Ernst-Jandl-würdigen Performance:

Milk and coffee!
Who would have thought?
Milk and coffee!
Oh my god, what a drink!
It’s milk and coffee mixed together!

Ein weiterer Spaß, den sich Larry David in seinen Drehbüchern erlaubt, ist die Plausibilisierung von delikaten Wörtern und Sätzen. Auch in der gerade gesehenen Folge kommen sie zuhauf vor. Und wer sich wundert, welchen Kontext es braucht, um diese Sachen zu sagen, der sollte schnellstens die Re-Runs auf HBO schauen oder eben auf die DVD warten:

»He knowingly served us penis, what is wrong with that guy?«
Oder:
Cheryl: »Where have you been?« Larry: »I ate some penis.«

Soviel Spoiling für heute. Nachdem die letzte Staffel mit der Folge »The End« ausgelaufen war, hatte niemand mehr mit einem Comeback gerechnet. Dann wurde doch eine Fortsetzung angekündigt, und jetzt, nach fast zwei Jahren, ist »Curb« wieder da, gut wie immer, die beste Serie der Welt, denn das kann und muss man nach wie vor sagen.