Anzeige:
Die Box




30. Juli 2008
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (R: Andrew Adamson)
Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (R: Andrew Adamson)
Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (R: Andrew Adamson)
© Disney Enterprises, Inc.
and Walden Media LLC.
Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (R: Andrew Adamson)
Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (R: Andrew Adamson)
Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (R: Andrew Adamson)

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia (R: Andrew Adamson)

Originaltitel: The Chronicles of Narnia: Prince Caspian, UK / USA 2008, Regie: Andrew Adamson, Buch: Andrew Adamson, Christopher Markus, Stephen McFeely, Lit. Vorlage: C. S. Lewis, Kamera: Karl Walter Lindenlaub, Schnitt: Sim Evan-Jones, Musik: Harry Gregson-Williams, Szenenbild: Roger Ford, Kostüme: Isis Mussenden, Visual Effects Supervisor: Dean Wright, Wendy Rogers, Special-Make-Up: Howard Berger, Gregory Nicotero, Tami Lane, mit Ben Barnes (Prince Caspian), Georgie Henley (Lucy), Skandar Keynes (Edmond), Anna Popplewell (Susan), William Moseley (Peter), Peter Dinklage (Trumpkin), Warwick Davis (Nikabrik), Sergio Castellitto (König Miraz), Vincent Grass (Dr. Cornelius), Alicia Borrachero (Königin Pruniprismia), Pierfrancesco Favino (General Glozelle), Shane Rangi (Asterius, Minotar), Cornell S. John (Talsturm, Zentaur), Damián Alcázar (Lord Sopespian), Tilda Swinton (White Witch), und den (Original-)Stimmen von Ken Stott (Trüffeljäger, Dachs), Eddie Izzard (Flitzeflink, Maus), Liam Neeson (Aslan, Löwe), 144 Min., Kinostart: 31. Juli 2008

Die religiösen Untertöne um den Quasi-Messias Aslan haben mich, der Fantasy lieber etwas humorvoll wie in The Princess Bride oder Stardust bevorzugt statt in Schlachtengemälden à la Lord of the Rings, trotz meiner Hochachtung für Andrew Adamson als Regisseur von Shrek und Shrek II davon abgehalten, mir den ersten Narnia-Film anzuschauen, und von der Fortsetzung dieses religiös angehauchten “LOTR for Kids” hatte ich mir auch nicht viel erwartet, als die frühe Erwähnung von Peter Dinklage und Warwick Davis im Vorspann dann zumindest etwas Kurzweil zu versprechen schienen.

Über die Story wusste ich immerhin soviel, dass einige Kinder durch einen Kleiderschrank im Fabelland Narnia gelandet waren (The Lion, the Witch & the Wardrobe), dort auf die “White Witch” Tilda Swinton trafen, die eines der Kinder in ihren Bann zog, bis dann der Märtyrer-Löwe Aslan (Stimme: Liam Neeson) fürs Happy End gesorgt hatte.

Anhand einer Gesamtausgabe der Narnia-Bücher von C. S. Lewis war ich zwar etwas verwirrt, was die Reihenfolge der Verfilmungen angeht (die Filmtitel findet man dort als Buch 2 und 4 wieder, während das Pressematerial behauptet, Prince Caspian sei der zweite Band der siebenteiligen Serie).

Auf jeden Fall finden die Kinder nach einer kurzen Episode in der hier bekannten Realität des Englands des zweiten Weltkriegs zurück nach Narnia, wo aber inzwischen 1300 Jahre vergangen sind. Also beste Möglichkeiten, ohne zuviel Vorwissen in die Geschichte einzusteigen, bei der offensichtlich zumindest bei den Vertretern der Fabelwelt inzwischen eine neue Generation lebt, über die man nicht diverse kleine Details zu wissen braucht.

Wohl auch unter Berücksichtigung eines internationalen Publikums von Heranwachsenden wird das Realsetting im kriegsgeschüttelten England nur minimal angedeutet (ohne Buchkenntnis kann ich natürlich keine Aussagen darüber machen, wie dort die prozentuelle Verteilung ist, aber ich schätze, dass Lewis sich schon etwas mehr Zeit dafür genommen hat), damit man möglichst schnell nach Narnia durchstarten kann, wo Dinklage und Davis dann auch auftauchen, wenig überraschend als Zwergendarsteller. Das aus sprechenden Tieren, wandelnden Bäumen, Zentauren, Minotauren und Zwergen bestehende Volk von Narnia ist inzwischen empfindlich dezimiert worden, während die eher menschlichen, und somit den unfreundlichen Begleiterscheinungen der Zivilisation unterworfenen Telmarer nun die Oberhand haben. Ein Thronfolger namens Caspian will die Hilfe der Narnianer gewinnen, um gegen seinen bösen Onkel anzutreten, und durch ihn werden auch die ehemals gekrönten Häupter der vier Pevensie-Kinder, die offenbar die lebensgefährlichen Abenteuer in Narnia ihrem harten Schulalltag vorziehen, zurückgerufen (direkt aus der Londoner Subway an ein Inselufer, das mich an The Man with the Golden Gun erinnert), und das Abenteuer kann beginnen.

Hierbei sind die Auftritte von Peter Dinklage neben den wenigen animierten Tieren und Anna Popplewellals Susan, die inzwischen für eine keusche kleine Love Story alt genug ist, Lichtpunkte, die einen die immens lange Filmlänge zwischendurch vergessen lassen. Leider gibt es aber auf der anderen Seite nicht nur ein Second Coming des vermaledeiten Löwen und einen verdammt peinlichen “Wassergott”, sondern unzählige, sich lange hinziehende Schlachten auf Kinderniveau, also fast ohne Blutvergießen, wobei das Verlieren eines Mäuseschwanzes fast wie eine traumatische Verstümmelung dargestellt wird, und mit Zaubertrank auch noch der eine oder andere zurück ins Leben gerufen werden kann. Es ist fast programmatisch für den von Disney vertriebenen Film, dass alles mit einem Feuerwerk über einem Schloss (nur zu Beginn dem von Cinderella) beginnt und endet. Die Erfolgsgeschichte des Films ist nicht aufzuhalten, daran werden auch die teilweise schlechten CGI-Effekte und Logikfehler oder die mitunter lieblose Inszenierung nichts ändern, doch wer zusammen mit Kind, Enkelkind, Neffe oder Nichte ins Kino gehen will, sollte sich vorher überlegen, ob Gewalt ohne Konsequenzen und verdeckte religiöse Indoktrination (selbst, wenn es sich “nur” um das Christentum handelt ...) Inhalte sind, die es sich lohnt, an die nächste Generation zu vermitteln ...