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Die Box


 

Juni 2003
Thomas Vorwerk
für satt.org

Verschwende deine Jugend
D 2003

Verschwende deine Jugend (R: Benjamin Quabeck)

Buch:
Kathrin Richter, Ralf Hertwig

Kamera:
David Schultz

Schnitt:
Tobias Haas

Musik:
Lee Buddah

Darsteller:
Tom Schilling (Harry Pritzel), Robert Stadlober (Vince), Jessica Schwarz (Melitta), Marlon Kittel (Freddie), Dieter Landuris (Bob), Nadya Bobyleva (Lena), Christian Ulmen (Wieland Schwartz), Denis Moschitto (Gabi Delgado), Josef Heynert (Robert Görl), Steffen Jürgens (Tommi Drexler), Oliver Bröcker (Geldbote Holger)

Kinostart:
3. Juli 2003

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Verschwende deine Jugend

Verschwende deine Jugend


Verschwende deine Jugend (R: Benjamin Quabeck)

Verschwende deine Jugend (R: Benjamin Quabeck)

Verschwende deine Jugend (R: Benjamin Quabeck)

Verschwende deine Jugend (R: Benjamin Quabeck)

Verschwende deine Jugend (R: Benjamin Quabeck)

Verschwende deine Jugend (R: Benjamin Quabeck)

Ein Film über die Neue Deutsche Welle? Hört sich das nicht alles etwas zu sehr nach der "80er-Show", dem Nena-Revival und unangemessener Nostalgie an?

Eigentlich ja, aber nicht, wenn es sich dabei um den zweiten Film von Benjamin Quabeck ("Nichts bereuen") handelt, der dazu auch noch (mit Ausnahme von Daniel Brühl) die bekanntesten jungen deutschen Darsteller versammelt, allen voran Robert Stadlober und Tom Schilling, das Duo aus "Crazy", hier wieder mit "vertauschten Rollen".

Schilling spielt Harry, einen eher etwas verklemmten Bankauszubildenden, an dessen Krawattenträger-Outfit nur der "DAF"-Button ein wenig stört. In seiner Freizeit ist Harry der "Manager" der Münchner Band "Apollo Schwabing", und nach dem Besuch eines Hamburger "DAF"-Konzerts weiß Harry auch, wie er seine Freunde groß herausbringen wird: mit einem großangelegten Konzert im "Circus Krone", bei dem auch "Menopause" und die "elektronischen Zwerge" auftreten sollen. Und natürlich als Headliner "DAF", doch dummerweise scheint es nicht so einfach zu sein, die 1981 sehr erfolgreichen Vorläufer der Neuen Deutschen Welle ans Telefon zu bekommen. Und so gibt sich Harry halt als Journalist aus ("ganz groß, vielleicht sogar 'ne Cover-Story") und bekommt auch ein Interview.

Wie Gabi Delgado, Robert Görl und deren unfreundlicher Manager im Film dargestellt werden, gehört zwar zu den Höhepunkten, aber das Herz des Films ist die Geschichte um eine Vision, die auch in einem ganz anderen Kontext funktionieren könnte. Nebenbei ist Harry natürlich ein wenig zu sehr angetan von der Sängerin von "Apollo Schwabing" (Jessica Schwarz) und übersieht dabei die politisch angehauchte Öko-Tussie Lena, und all diese emotionalen Verwirrungen machen aus dem Film eine gelungene Komödie, die insbesondere jene, die damals etwa gleich alt waren, verzaubern wird. Die Musik von "Human League", "The Cure", natürlich "DAF", aber auch die extra für den Film ersonnenen Songs wie "Popmaschinen" oder "Asteroidenalarm" sorgen ebenso für eine überzeugende Atmosphäre wie "Trio"-Samples, das Musikmagazin "Sounds", "patentex-oval" oder der Nato-Doppelbeschluß. Inwiefern wirklich alles in die doch recht genau festgemachte Zeit passt, wäre noch zu untersuchen, aber der Film kommt einfach zu sympathisch rüber, als daß selbst ich mich diesmal mit solchen Erbsenzählereien aufhalten will.

Natürlich ist dieser Film für ein Massenpublikum konzipiert (vielleicht gelingt es ihm ja, auf der "Good bye, Lenin!"-Erfolgswelle mitzuschwimmen), aber der Ausgang der Geschichte ist vielleicht doch etwas zu konventionell, an dieser Stelle also definitiv nicht volle Punktzahl erreicht. Da es aber auch ein viel aufdringlicheres Happy End hätte geben können, gebe ich mich zufrieden (die Drehbuchautoren kommen eben auch von einem explizit gefälligen Background mit diversen Donna Leon und Ingrid Noll-Adaptionen) und zähle "Verschwende Deine Jugend" bisher zu den vier besten deutschen Filmen des Jahres, wobei ja "Wolfsburg" und "Lichter" noch gar nicht angelaufen sind.

Besonders erwähnt werden müssen die netten Spielereien mit Split-Screen und Tiefenschärfe (das Sektglas) und diverse Darsteller, allen voran Denis Moschitto und Josef Heynert, die auch schon bei "Nichts bereuen" mit dem Regisseur zusammengearbeitet hatten und hier "DAF" wieder jung machen, Marlon Kittel ("Paule und Julia") als Freddie (eine undankbare Rolle, die er mit Bravour meistert), Christian Ulmen (demnächst "Herr Lehmann") als Wieland Schwartz (mehr oder weniger eine Selbstdarstellung) und Nadya Bobyleva (war mir in "Engel & Joe" nicht weiter aufgefallen) als Lena, der übel mitgespielt wird, und dem Film ein gewisses "Rocky"-Feeling verschafft. (Man sollte öfter in Tierhandlungen gehen …)