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René Kemp: Dich gibt's nur dreimal für mich




12. August 2019
Thomas Vorwerk
für satt.org


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Mittwoch, der 31. Juli / 7. August 2019 (Woche 31 / 32)


Grundsätzliche Infos zur neuen Rubrik findet Ihr auf unserer Erklärseite!



Diese Woche: 7. August 2019 (Woche 32)



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Freitag, den 9. August, kurz vor 6 Uhr:

Diesmal habe ich das seltsame Kunststück vollbracht, von den im letzten TVOD vollmundig vorangekündigten Heften exakt kein einziges besprochen zu haben. Zwei von sechs waren nicht erschienen (vielleicht beim nächsten Mal), vier (bzw. fünf, wenn ich The Green Lantern #10 mitzähle, das sich für eine Doppelrezi anbot) hatte ich zwar gelesen, aber es boten sich einfach andere Comics an, über die ich lieber berichten wollte. Das mag manche Leser enttäschen, aber letztlich will ich mich hier nicht in die Sackgasse bewegen, wo ich mir Rezensionen zusammenstammeln muss, obwohl ich keine Lust dazu habe. Dann lese ich lieber noch ein paar Hefte und warte, bis mich die Muse küsst. Bei Powers of X #1 habe ich immerhin meinen Berichtsauftrag nur um zwei Wochen nach hinten verlegt, bis zur nächsten Ausgabe vom TVOD sollen von dieser Serie bereits die Hefte 2 und 3 erschienen sein, da erwarte ich dann einen umfassenderen Einblick als bei der nummero uno.


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  Space Bandits #2

Space Bandits
#2

Writer: Mark Millar; Artist & Cover: Matteo Scalera; Colorist: Marcelo Maiolo, Lettering: Clem Robins; Image Comics; $ 3,99

Warnhinweis: Wenn man eine Kritik zu Space Bandits #2 schreiben will und seinen Job halbwegs ernst nimmt, muss man über Handlungselemente von Space Bandits #1 reden. Wer das Einstiegsheft noch lesen will, sich aber hier über den Qualitätslevel der Gesamtserie informieren will, dem muss ich sagen: Ist gut, kann man sich gönnen - Lest die Nummer 1 und kommt dann wieder! Ihr wurdet gewarnt! (Ich würde übrigens auch raten, sich den Beispielpanel aus der 2 nicht anzuschauen, wenn man noch die 1 unvoreingenommen lesen will.

In Space Bandits #1 - und das macht quasi die gesamte Handlung des Heftes aus - lernt man zwei kriminelle, aber sympathische Frauen kennen, die demonstrieren, wie man ihren Job erfolgreich ausführt. Bis sie dann beide von Männern, mit denen sie zusammenarbeiteten, verarscht werden. Auf den letzten beiden Seiten des ersten Heftes treffen die beiden dann aufeinander - hinter schwedischen Gardinen (um mal den ganzen space-opera-Aspekt aus der Zusammenfassung herauszuhalten).

In Space Bandits #2 tauschen sie ihre Erfahrungen aus und arbeiten daran, gemeinsam diesen ungastlichen Ort zu verlassen - um sich danach zu rächen bzw. zusammenzusammeln, was sie im bisherigen Verlauf der Handlung verloren haben. Ich kenne Mark Millar (Kick-Ass, Wanted, Kingsmen) noch aus seiner Zeit, als er mit hohen Ansprüchen komplexe Geschichten erzählte. Inzwischen hat er sich auch einen Namen damit gemacht, straightforward Action-Geschichten zu erzählen, die mit wenigen Schnörkeln schnell zu Sache kommen. Zuletzt beispielsweise in Prodigy, einer Art »James Bond auf Acid«.

Auffällig und durchaus gewöhnungsbedürftig ist in Space Bandits das artwork. Der Strich von Matteo Scalera erinnert ein wenig an Sean Murphy, aber kantiger, hier und da zum Cartoonesken strebend (als wenn das bei Murphy nicht gegeben wäre ...) und vor allem knallbunt (Häh!? Ich denke, es geht um den Strich) - überzeugender Einwurf, aber die Koloration prägt natürlich auch immer den Gesamteindruck.

Space Bandits #2

© 2019 Netflix Entertainment LLC. All Rights reserved.

Thematisch geht das Ganze ein wenig in den feministischen Bereich (bisher sind alle positiv gezeichneten Figuren weiblich, intelligent und sehr eigenständig - nur ein bisschen zu naiv, was die Zusammenarbeit mit Kriminellen angeht (vielleicht, weil sie von ihrer Vorstellung der Kriminalität auf andere schließen). Die Story geht flott voran, Zeichner Scalera benutzt nur öfters mal unkonventionelle Arten und Blickweisen, um die Handlung voranzutreiben.

Kolorist Marcelo Maiolo ist übrigens der selbe, der auch an Dear Justice League gearbeitet hat, und abgesehen von einer Neigung zu ungewöhnlichen Zeichnern (obwohl vermutlich nur die allerwenigsten Koloristen da wirklich wählerisch sein können) könnte die Herangehensweise kaum unterschiedlicher sein. Ich werde ja nicht müde darin, darauf hinzuweisen, dass eine Vertrautheit mit dem Werk der unterschiedlichen Kreativen zu einer intensivierten Wahrnehmung des Outputs der US-amerikanischen Comic-Branche führt. in Diesem TVOD gibt es auch zwei Hefte, bei denen Jared K. Fletcher als Letterer und Designer tätig war - und der trägt wirklich ungemein zum Look seiner Serien bei, obwohl man ja langläufig annehmen könnte, es liegt größtenteils vor allem an den Zeichnern.

Space Bandits operiert auf eine sehr zurückgelehnte Art mit einer Menge Kriminalität, und lässt diesen way of life sehr attraktiv erscheinen, ohne die Konsequenzen unnötig zu verharmlosen. Solange Millar und Scalera das pure Tempo aufrecht erhalten können, erhält diese Serie meine uneingeschränkte Empfehlung. (Und ich stelle nebenbei fest, dass ich meine Vorliebe für SciFi hier ziemlich hemmungslos auslebe. Sei's drum!


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  House of X #1

Hashtag: Danger #4

Writers: Tom Peyer, Paul Constant; Artists: Chris Giarrusso, Fred Harper; Colorist: Lee Loughridge; Letterer: Rob Steen; Cover: Richard Williams; Ahoy Comics; $ 3,99

Die Serie Hashtag: Danger erblickte das Licht der Welt als Backup-Story in den Ahoy-Heftreihen High Heaven (ebenfalls von Tom Peyer geschrieben) und Captain Ginger. Aus kleinen humoristischen five- bzw. eight-pagers schaffte das wohl unqualifizierte Abenteuerteam aller Zeiten den Sprung in eine eigene Heftserie, und auch, wenn das dauerhaft zerstrittene Dreier-Team aus drei Figuren besteht, die so wirken, als wären sie in angetrunkenem Zustand auf einer Herrentoilette ersonnen, so kann doch die Gruppendynamik der Drei dauerhaft bestehen und mit ihrer ganz eigentümlichen Art von silliness langfristig unterhalten.

Die komplett inkompetente, selbstsüchtige und publicitygeile Anführerin Desiree brilliert nur darin, ihr Team in unnötige Gefahren zu verwickeln. Sie will beispielsweise den Ruhm des Trios dadurch mehren, dass sie in der Craigslist Superschurken motiviert, das Hauptquartier der Gruppe anzugreifen.

Schwergewichtsmeisterin Sugar Rae Huang ist vor allem damit beschäftigt, Streiche auf Kosten ihrer Chefin auszuführen, sorgt aber als strongman (pardon, strong woman) immerhin für den - niemals wirklich ernstzunehmenden - Actiongehalt der Serie. Und als Brain fungiert »Einstein Armstrong«, eine Art schwarzer Sheldon Cooper, der zwar Intelligenz vorführt, aber damit nur selten zu positiven Errungenschaften vorstößt. Meistens negieren sich seine und Desirees Bestrebungen gegenseitig oder führen sogar zu deutlich unvorteilhaften Entwicklungen.

Vom Farbcode der Uniformen des Teams bekommt man Augenschmerzen und zumindest visuell interessant ist das Design der Insel, die als Hauptquartier fungiert - die ist nämlich tatsächlich geformt wie ein Hashtag, was zwar für zwei Flug-Start- bzw. Landeflugbahnen taugt, aber ansonsten komplett idiotisch wirkt.

Erstaunlich finde ich auch, dass das Team mit sehr unterschiedlichen Zeichenstilen hervorragend funktioniert. Chris Giarrusso, der Zeichner der aktuellen Serie, vertrat das Team schon in den ersten Abenteuern in High Heaven, in Captain Ginger (#2-4) wirkte Randy Elliott fast wie ein Arthur-Adams-Ersatz, und Coverkünstler Richard Williams verleiht der Serie fast schon eine pulp credibility, die die Zeichnungen innen zwar nicht bestätigen können, aber gerade die Ambivalenz trägt zum Charme der Serie bei.

Es folgt eine kurze Exkursion zum an dieser Stelle nicht rezensierten Heft Powers of X #1. Schon im Vorfeld wurde in den reichhaltig unters Volk geschmissenen Infomaterialien darüber berichtet, dass man hier das »X« als »ten« lesen soll. Vermutlich war ich nicht der Einzige, der deswegen annahm, dass es wohl um zehn besonders mächtige Mutanten gehen soll. Stattdessen bestand die narrative Herangehensweise in Zehnerpotenzen (!), die Handlung spielte in vier Zeitebenen, jeweils dem Jahr 1 (10 hoch 1), 10, 100 und 1000 (10 hoch 4) des Mutantenzeitalters. Natürlich nahm ich an, dass Jonathan Hickman das alles gut durchdacht hatte, aber vorerst ließen mich die beiden letzten zwei Zeitschienen doch noch etwas »außen vor« - ganz abgesehen davon, dass ich als Freund der Mathematik etwas absurd fand, bei den Potenzen jeweils das X als »römischen Platzhalter« für die Zehn stehenzulassen.

Um Zeitreisen geht es auch in Hashtag: Danger #4 (geniale Überleitung, oder?). Desiree hatte durch einen fünfzigstündigen Zeitsprung nach vorne im letzten Heft (bei Hashtag: Danger geht es erklärterweise fast nie um Ereignisse in früheren Heften - und wenn doch mal, wird es hinreichend erklärt) einen ihr wichtigen Charity Event verpasst und war am Boden zerstört, ehe »Einstein Armstrong« (ich kann diesen Namen einfach nicht ernstnehmen) im Internet sah, dass man offensichtlich doch dem Event beigewohnt hatte - nur kann sich keiner der drei daran erinnern.

Logische Schlussfolgerung: man muss irgendwann in der Zukunft eine Reise dahin unternommen haben, weshalb man auch einen entsprechenden Ausflug machen kann ohne zu befürchten müssen, dass man sich selbst trifft und dadurch einen Zusammenbruch des Raum-Zeit-Kontinuums wegen eines Paradox oder schism zu verursachen.

Hashtag: Danger #4

© 2019 Ahoy Comics LLC. All Rights Reserved.

Wie man mit diesem erstaunlich komplexen Umstand umgeht (Comicseiten beginnen hier mit den Hinweisen »fifty hours sooner«, »five hours sooner«, »fifty-five hours later« und schließlich »forty-nine hours sooner«), ist extrem beispielhaft für den nerdy approach bei dieser Serie, der bevorzugt typische Erzählklischees aus Comicheften kräftig durch den Kakao zieht. Besonders schön (ohne zu viel zu spoilern): die Stelle, wo man drei Ja/Nein-Melder bei einer Abstimmung benutzt, die 1:1 aus der allerersten Geschichte der Legion of Superheroes stibitzt wurden (obwohl mir zuvor nie klar geworden war, wie bekloppt diese Kästchen eigentlich sind).

Hashtag: Danger macht einfach tierisch Laune, selbst wenn einfach nur das Yeti-Baby irgendwo am Rande gegen das Sofa pinkelt, zaubert diese Serie immer wieder ein Lächeln auf mein Antlitz, gerade weil es mal nicht um die Rettung der Welt geht, sondern um Profilneurosen und Firlefanz.

Die back-up story der ehemaligen back-up story dreht sich übrigens um einen leicht depressiven Stand-Up-Comedian, der mich rein graphisch an Steve Parkhouse (The Bojeffries Saga) erinnert. Und erzählerisch an die Kneipengespräche, mit denen Garth Ennis bevorzugt die ersten zehn Jahre seiner Karriere als Comicautor bestückte. Immerhin ein deutliches Kontrastprogramm, obwohl der Humor in beiden Serien eine wichtige Rolle spielt.


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  Berserker Unbound #1

Berserker Unbound #1

Writer: Jeff Lemire; Artist, Cover: Mike Deodato, jr., Colorist: Frank Martin; Alternative Cover: Mike Mignola; Letterer: Steve Wands; Dark Horse Comics; $ 3,99

Die Hauptfigur aus Berserker Unbound (ich bin mir noch nicht sicher, ob man sie Berserker oder »The Mongrel King« nennen soll) funktioniert sehr ähnlich wie Conan oder Slaine: ein riesiger Muskelberg, der sich mit seinem Longsword ohne weiteres auch ungünstigen Wahrscheinlichkeiten entgegen stellt. Jeff Lemire (Black Hammer) als Autor pickt sich einige wohlbekannte Ideen zusammen: Der Mord an der Familie wird zu einem Grund für umfassende Rache (siehe The Punisher); in großen Schlachtengemälden hackt sich der Berserker durch größere Gegnergruppen (siehe 300); schließlich landet er auf einer mythischen Ebene, einer vermeintlichen Lichtung, und kann zwischen Türen in unterschiedliche Welten wählen (siehe The Nightmare before Christmas).

Dies alle geschieht mit wenigen Worten, und der Comic stützt sich ganz auf seinen Zeichner Mike Deodato jr. (den kenne ich noch aus seinen Anfangsjahren vor mehr als zwei Jahrzehnten, als er für seinen Run bei Wonder Woman zum fan favorite wurde). Auch, wenn ich nie ein großer Deodato-Fan war, ist das, was er hier zusammen mit Kolorist Frank Martin und einem Haufen an Effekten, die man einst man »Rasterfolien« umsetzte (bei der vielleicht tollsten Comicseite meines eigenen, eher bescheidenen Werks als Kreativer habe ich damit auch mal rumgespielt), schon beeindruckend.

Selten habe ich mir die minutiösen Details von Comicseiten so genau angeschaut, weil man einfach tolle Effekte umsetzte, denen man mit den Begriffen des herkömmlichen line artworks ungeachtet diverser technologischer Errungenschaften bei der Kolorierung nicht ohne weitere mehr beikommen kann.

Für mich wirkt es so, als hätten Deodato und Martin die Seiten (bzw. die virtuellen Datensätze) mehrfach hin und her geschickt oder sie saßen tatsächlich im selben Studio und wussten genau, was sie im abgestimmten Zusammenspiel erreichen wollten.

Da ich kein dezidierter Fan des sword-and-sorcery-Genres bin, finde ich es fast ein bisschen schade, dass man aus einer solch beispielhaften Zusammenarbeit nicht etwas Bedeutenderes geschafft hat als ein wildes Gekloppe und Gehaue mit abgetrennten Gliedmaßen und einer Menge hübsch applikierter Blutspritzer.

Es ist zwar offensichtlich, dass die eigentliche Story hier erst in den Folgeheften entstehen wird (das reguläre Cover ist ein so deutlicher Spoiler auf die letzten paar Seiten des Heftes, dass ich mich mal ausnahmsweise für ein alternatives Motiv entschieden habe - und natürlich, weil ich Mike Mignola liebe), und ich habe auch ausreichend Respekt vor Lemire, dass er daraus etwas schaffen könnte, was über bestimmte Genrekonventionen hinausreicht, aber ich hätte es schon toll gefunden, wenn man bereits im ersten Heft einen größeren Einblick erhalten hätte, was einen in Folge erwarten könnte. Vielleicht wird daraus eine politische Satire wie bei Cerebus oder eine fish-out-of-water comedy à la Enchanted, dass die Hauptfigur eine Chance bekommt, die Familie wiederzutreffen, würde ich auch nicht ausschließen ... aber dieser 24-Seiten-Teaser funktioniert vor allem für jene Leser, die ganz auf das vorgebliche Genre abfahren. Und das finde ich schon etwas schade.

Wäre Berserker Unbound bei Image statt bei Dark Horse erschienen, hätte man vielleicht auch auf eigene Kosten das erste Heft mit doppelter Seitenzahl erscheinen lassen - und womöglich über verstärkte Mundpropaganda (und den Schnäppchenpreis) mehr Leser gewinnen, aber vielleicht zahlt sich der Dark-Horse-Weg ja auch aus.

Oder die Verantwortlichen wissen bereits, dass die Nachfolgehefte die optimistisch ausgelegten Erwartungen nicht erfüllen werden.


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  Sea of Stars #2

Sea of Stars #2

Writers: Jason Aaron, Dennis Hallum; Artist & Cover: Stephen Green; Colorist: Rico Renzi; Letterer & Designer: Jared K. Fletcher; Image Comics; $ 3,99

Schon wieder ein Heft 2. Sea of Stars #1 kann man besonders simpel auf einen Nenner bringen, und diese Formulierung nutzte mein Comic-Dealer (ich bin mir nicht mehr sicher, ob es Dirk oder Patrick war) auch, als er mir das Heft wohlmeinend aufdrängte: »Findet Nemo im All«. Dreikäsehoch Kadyn fristet seit neuerem sein Leben an Bord des Raumschiffs seines alleinerziehenden Dads, der als »Space Trucker« weite Reisen durchs All unternimmt.

Leider ist das für Kadyn nicht ganz so spannend, wie es für uns klingen mag (seine Lieblingsvokabeln sind »boring« und »stupid«), und besonders stört ihn das beharren seines Vaters auf einzuhaltende Sicherheitsbestimmungen, unspektakuläre Reiserouten etc.

Fast noch stärker als bei Fischen im Wasser zeigt sich dann die Gefährlichkeit, nur auf Technologie gestützt luftleere Räume zu durchqueren und die beiden werden getrennt. Der Papa offenbart sich als eine Art Bruce Willis auf der Suche nach seinem Sohn, der Sohn indes erlebt auch so seine Abenteuer... doch diese spielen sich mit bisher mit einer Unbekümmertheit ab, die ganz zu seiner Natur passt. Spaceman Spiff ist nichts dagegen! (Und wer nicht weiß, wer Spaceman Spiff ist, liest eindeutig zu wenig Comics und sollte dringend seine - oder ihre - Prioritäten überdenken!)

Sea of Stars #2

© 2019 Golgonooza, Inc., Dennis Hallum & Stephen Green. All rights reserved.

Ich muss zugeben, dass mir Heft #1 trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit der Entwicklung eine Spur besser gefallen hat, aber wie hier im Nachhinein die Backstory aufgefüllt wird und man passend zum Heftende einen neuen major player einführt, zeugt auf jeden Fall davon, dass die beiden Autoren wissen, was sie machen.

Wer in meiner Zeit aufwuchs und generelle Trends (The Big Bang Theory, Marvel-Verfilmungen) nicht kompliziert ausblendet, wird auch bei Sea of Stars konstatieren müssen, dass alles knallbunt ist. Seit Star Trek: Voyager hat das All einen deutlichen Trend dazu, purpurn zu leuchten, und mitunter kommt man sich vor wie in der Abteilung für Kinderkonfektion, wo nach pink hellblau, türkis und grellgrün die großen Renner sind. Aber das gehört heutzutage einfach dazu bei Comics (und Filmen), nur wenige Künstler haben das Rückgrat, solche Trends zu umgehen (man siehe allein Paper Girls, Space Bandits und Hashtag: Danger in dieser Ausgabe von TVOD). Meine ganz persönliche These hierzu ist: Seit man nahezu jedes bewegte Bild hinterher noch elektronisch aufpoliert und auch bei Comics beeindruckende Effekte mit wenigen Klicks umgesetzt werden können, glauben entweder die Leser und / oder die Kreativen, dass ein Verzicht auf solche grellen Farbtupfer aus einem »Geschmackserlebnis« quasi eine fahle Light-Version machen. Ich bin mit Schwarzweiß-Filmen und unkolorierten Zeitungsstrips großgeworden und weiß sowohl Farbe als auch den Verzicht darauf zu schätzen. Aber Comics, Filme und TV-Serien werden halt nicht für ein Ü50-Publikum konzipiert, das Wert darauf legt, mindestens einen Stummfilm im Jahr im Kino zu sehen undsoweiter. Wollte ich an dieser Stelle einfach mal erwähnen. Sea of Stars würde ohne Farben ganz sicher etwas verlieren, aber wer mal beim Lesen versucht, die Farben auszublenden, wird feststellen, dass Stephen Greens Zeichnungen auch auf Schwarzweiß funktionieren. Und dass er beim Bewerben seiner Originalseiten im Heft (über einen Agenten) fast ganz auf Farbe verzichtet, outet ihn für mich als old-school-Künstler (verglichen etwa mit Mike Deodato oder Matteo Scalera).


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Abteilung: Pleiten, Pech und Pannen

Ich war lange auf der Suche nach dem achten Comic, über den ich berichten wollte. Extrem lange, weil es sich sogar um ein Exemplar handelte, dass in der »Pausenwoche« erschienen war (der Plan war eigentlich, die Pausenwoche entspannt abzuarbeiten und dann die vier Comics der zweiten Woche möglichst schnell hinterher zu liefern, aber das klappte alles so gar nicht). To cut a long story short: schließlich entschied ich mich für eine Dracula-Adaption mit Disney-Figuren, auch, wenn die eher abschreckend war und ein Gegenentwurf zu Dear Justice League, was man alles bei Franchise-Comics für Kinder verbocken kann. Dann musste ich jedoch feststellen, dass bei den Copyright-Hinweisen abermals nicht die gezielte Gesetzes-Lücke (eigentlich Standard) gegeben war, dass man für Rezensionen Bildbeispiele benutzen kann, ohne lange eine schriftliche Erlaubnis zu erbitten. Und weil das bei Dark Horse Comics generell etwas länger zu dauern scheint (ein voller Werktag reicht nicht aus) und das Wochenende schon begonnen hatte, wurde die (noch ungeschriebene) Kritik wieder rausgekickt und ich las noch ein paar Hefte mehr. Ab sofort werde ich glaube ich als erstes auf diesen Copyright-Mist schauen und in solchen Fällen lieber erst ein anderes Heft lesen. Diesen Stress brauche ich nicht und wer der Meinung ist, eine PR-Abteilung sei dazu da, PR zu verhindern, der muss das dann halt so handhaben.


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Andere gelesene Neuerscheinungen dieser Woche
(die sind nicht automatisch schlechter, ich wollte nur nichts dazu schreiben):
Agents of Atlas #1, Batman #76, Coffin Bound #1, Cosmic Ghost Rider Destroys Marvel History #6 (of 6), The Green Lantern #10, House of X #2 (of 6), Sinestro: Year of the Villain #1 (one-shot), Sensational Spider-Man: Self-Improvement (one-shot)

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Und jetzt die verspätete »Pausenwoche«...


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Letzte Woche:
Mittwoch, der 31. Juli (Woche 31)


Mittwoch, den 31. Juli, kurz vor 22 Uhr:

Das mit der Pausenwoche war eine tolle Idee. Heute war ich nach einer längeren Pressevorführung (Midsommar, 147 Min.) bereits gegen 14 Uhr im Comicshop, wollte aber neben der üblichen Lektüre auch mal schauen, was mich denn so im Oktober an Neuerscheinungen erwartet (Previews-Zeit!). Inzwischen habe ich aber sieben der neuen Hefte größtenteils durch, und bei einigen der mit hohen Erwartungen versehenen Werke war ich doch eher enttäuscht. Was für eine Erleichterung, wenn mir jetzt nicht schon die Deadline am Hosensaum nagt, sondern ich ganz entspannt lesen kann, was mir gerade behagt (zum Beispiel Frozen: The Hero within #2, wovon jetzt nicht unbedingt soo viele Leute die Rezension lesen wollen) und mir dann am Samstag oder Sonntag immer noch überlegen kann, worüber ich berichten möchte...


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  Paper Girls #30

Paper Girls #30
(of 30)

Writer: Brian K. Vaughan; Artist: Cliff Chiang; Colorist: Matt Wilson; Letterer & Design: Jared K. Fletcher; Image Comics; $ 3,99

Paper Girls ist ohne Zweifel eine der zwei, drei besten Comicserien der letzten fünf Jahre. Aus einem nostalgischen 1988er-Setting um vier junge Mädchen, die in der Nacht nach Halloween wegen umtriebiger Störenfriede ihre Route zum Zeitungen austragen teilen, wird eine komplexe Zeitreisen-Abenteuer-Geschichte, bei der aus den vieren eine eingeschworene Gruppe wird, wobei man sich gegenseitig das Leben rettet, große Opfer bringt und ganz langsam die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Zeitsträngen und unterschiedlichsten Gruppierungen erarbeitet.

Zum Erscheinen des letzten Heftes las ich noch mal die komplette Serie (und stellte nebenbei fest, dass mir Heft #27 irgendwie in die Besucherritze gerutscht sein muss). Unter meinem Twitter-Account @FerkulaTheSmall gestaltete ich sogar eine kleine Celebration für Paper Girls, auch wenn das quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschah (aber immerhin zwei Likes vom Zeichner Cliff Chiang).

Fürs TVOD habe ich mir aber vorgenommen, mich ganz auf das extralange Abschlussheft zu konzentrieren, nicht etwa die sehr ambitionierte #28 abzufeiern oder mich an großen Momenten der Geschichte entlangzuhangeln.

Wesentlich leichter fällt das dadurch, dass die #30 sehr auf das closure zum Anfang der Geschichte ausgerichtet ist. Man sollte sich ruhig mal Heft 1 hersuchen, um die #30 umso mehr schätzen lernen zu können. Da gibt es etwa den tollen Moment, wo die zunächst nicht besonders tolerante Mac deutlich dazugelernt hat und jemand nach einer winzigen Pause »Fartmouth« nennt. Da war ihre Wortwahl vor vier Jahren ungleich drastischer ausgefallen.

In Paper Girls #1 wird auch mal in einem Halbsatz eine Person erwähnt, die 29 Hefte warten musste, bis sie eine kleine Rolle spielt. Da sieht man ganz deutlich, dass Autor Vaughn manche Details sehr gut vorbereitet hat.

Ein wiederkehrendes Stilmittel in der Serie sind kleine Träume, die die Handlung auf subliminale Art durchaus vorantreiben. Die waren immer kleine Höhepunkte, für's Abschlussheft schöpft man noch einmal aus dem Vollen und bringt viele Themen, Handlungsstränge und Manierismen (»Gun!«) auf tolle Weise zusammen.

Das letzte Heft birgt natürlich auch die Gefahr trauriger Momente, des Abschieds. Damit spielen Vaughan und Chiang sogar. Und das große Oberthema dieses Heftabschieds ist für mich ein Spiel mit Zeit und Raum. Aus den Extraseiten wird wirklich etwas gemacht, man muss keine Handlung mehr voranpeitschen, stattdessen gönnt man sich einen fast philosophischen Blick auf das Thema Altern - obwohl die mit den Heften angesammelten älteren Nebenfiguren fast ausnahmslos keinen Auftritt haben.

Paper Girls #30

© Brian K. Vaughan & Cliff Chiang. All rights reserved.

Auf ganz spezielle Art schaffen Vaughan und Chiang es, die ursprüngliche 80er-Nostalgie, die man im Verlauf der Serie immer mehr aus den Augen verlor, wiederzubeleben, die vier Hauptfiguren sind wieder so jung, unverdorben und optimistisch wie zu Beginn - haben dabei aber tatsächlich etwas dazugelernt. Ich würde sogar so weit gehen, dass ich mir 20 Hefte, in denen die vier einfach nur alltägliche Teenagerabenteuer erleben (ohne Außerirdische und Steinzeit-Brutalos), gerne gefallen lassen würde.

In Woche 32 gab es mit House of X #2 quasi einen Gegenentwurf zur Art und Weise, wie Vaughan hier seine Geschichte zuende bringt. Wo Hickman enzyklopädisch arbeitet, in einem Heft fast mehr Handlung anreißt als Vaughan in der gesamten Serie (wohlgemerkt: fast!), konzentriert sich Vaughan ganz auf die leisen, winzigen Momente- und verzaubert damit.

Ob in Fernsehserien, Filmen oder Comics: ein gelungenes Ende gehört zu den größten Errungenschaften narrativer Künste. Paper Girls #30 brilliert hier unter den ganz Großen! Hier zu sagen » Das Warten hat sich gelohnt« wäre krasses Understatement.

Ach ja, interessiert mich normalerweise nur sehr am Rande, aber die deutsche Ausgabe des sechsten und letzten Sammelbandes soll schon am 16. Oktober bei Cross Cult erscheinen, Hardcover für 22 Otten, fairer Preis!


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  Dear Justice League

Dear Justice League

Writer: Michael Northrop; Artist & Cover: Gustavo Duarte; Colorist: Marcelo Maiolo; Letterer: Wes Abbott; DC Comics; $ 9,99

Von Dear Justice League gab es zum Free Comic Book Day bereits ein kleines Heft mit ca. 25% des späteren Inhalts. Der Gratis-Comic gefiel mir ziemlich gut, aber als Filmfreund kennt man ja das Problem, dass öfters im Trailer schon alle guten Szenen zu sehen sind - und später fast nichts Interessantes dazu kommt.

Die Prämisse ist simpel. Wie einst bei »Kinder fragen, Politiker antworten« (oder war das »Bürger fragen«? - Egal!) werden beispielhafte Fragen aus fiktiver Fanpost an die Justice League verwendet, um kleine humoristische Geschichten zu erzählen.

Den brasilianischen Zeichner Gustavo Duarte kennt man von Serien wie Bizarro und Lockjaw, hier passt das Sujet aber besonders gut zu seinem überzogenen Zeichenstil, der die geliebten Helden aus dem DC-Universum auch gerne mal durch den Kakao zieht (oder wie kleine Kinder behandelt, siehe Batman-Szene unten).

Was ganz clever gemacht ist: die einzelnen Kapitel / Briefe werden mit einer größeren Story verbunden. Was weniger clever gemacht ist: in dieser größeren Story geht es um den Kampf der Justice League gegen insektoide Invasoren, die zwar vor allem goofy aussehen, aber im Grunde behandelt werden wie auszurottende (bzw. zu entfernende) Küchenschaben - Kernzitat: »It only takes one«.

Dear Justice League

© 2019 DC Comics. All rights reserved.

Die Gags an sich in den einzelnen Geschichten sind ganz okay, aber es gibt eindeutig zu viel Füllmaterial im Buch: Doppelseiten mit Sternchenmuster zu Beginn jedes Kapitels, Previews zu gleich zwei zu erwartenden Veröffentlichungen (wobei der Nachfolgeband Dear Super-Villains erst in einem guten Jahr erscheinen wird). Für den kleinen Preis ist es aber alles noch in Ordnung.

Seit der Vorveröffentlichung gab es auch noch kleine Änderungen: Zum FCBD trank Hawkgirl noch gut erkennbar Coca-Cola, jetzt eine nicht genau zuzuordnende Orangenlimonade! Man kann nur annehmen, dass die Verantwortlichen bei DC nicht eine ihre Vorbildfiguren einen Koffeinschock propagieren lassen wollten. Ählich wie einst bei der Babysitterin Laetitia Lerner, die beim Umgang mit dem sehr kleinen Kal-El Praktiken nutzte, die sich nicht unbedingt zum Nachahmen eignen. Da stampft man lieber einen kompletten print run wieder ein.

DC hat so eine Taktik, die ich auch schon im Mad Magazine mehrfach beobachtet hat: Man gibt sich reichlich Mühe, junge Leser anzusprechen, auch hier gibt es einige unreife Pups- oder Wortwitze und eine Art Anfänger-Kurs, was Geheimidentitäten, Superkräfte etc. angeht. (In meinen Dealerkreisen nennt man das Anfüttern...) Gekoppelt mit süßen Haustieren der Superhelden, die ich allesamt noch nirgends irgendwo wahrgenommen habe (oder gehört der Hamster von Hawkgirl längst zum Kanon?).

Ich bin mir sicher, man hätte das Buch besser für Kinder und Erwachsenen als Zielpublikum umsetzen können. Das wäre mein zentraler Kritikpunkt.


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  Star Wars: Age of Resistance Special #1

Star Wars:
Age of Resistance
Special #1
(one-shot)

Writers: Tom Taylor, G. Willow Wilson & Chris Eliopoulos; Artists: Matteo Buffagni, Elsa Charrettier & Javier Pina; Colorists: Chris O'Halloran, Nick Filardi & Guru-eFX; Cover: Phil Noto; Letterer: VC's Travis Lanham; Marvel Comics; $ 4,99

Wie gesagt bin ich Old-School-Trekkie. Aber auch war einst jung und zumindest einen Film lang im Star-Wars-Fieber. Damals, als noch nirgends was von »A New Hope« im entsprechenden Film zu lesen war. Die momentan reichlich ausgeworfenen Star-Wars-Specials bei Marvel haben den großen Vorteil, dass die zumindest um wiedererkennbare Hauptfiguren kreisenden Einzelnummern jeweils eine für sich stehende Geschichte erzählen, wobei aber zumindest Greg Pak in seiner Age of Rebellion clever Anknüpfungspunkte zwischen den Einzelheften verteilte. Age of Resistance (Hauptautor: Tom Taylor) dreht sich jetzt vorrangig um die dritte Filmtrilogie, entsprechend um Figuren wie Poe Dameron, General Hux oder Rose Tico (!). Im Special bietet man das, was man wegen des Disney-Backgrounds »klassische Ten-Pager« nennen muss (so wie damals die Beiträge von Carl Barks in Walt Disney's Comics and Stories). Und man widmet sich den unbekannteren Figuren, stellt diesen aber teilweise Bekanntere zur Seite.

In der ersten Geschichte geht es um den durch seine Brille großäugig wirkenden Alien Maz Kanata, der auf die Dienste von Han Solo und Chewbacca vertraut, um - ganz ähnlich wie Han - hinter seinem wirtschaftlich orientierten, leicht kriminellen Profitdenken seine Heldenhaftigkeit durchblitzen zu lassen. Die eigentliche Konfrontation mit einem großkotzigen Schurken konzentriert sich auf wenige Seiten gegen Ende der Geschichte, zuvor geht es vor allem um das freundliche Gefrotzel zwischen Maz und Han, wobei eine tiefergehende Beziehung zwischen Maz und Chewie angedeutet wird. Obwohl Maz Chewie manipulativ ausnutzt und unvorsichtig agiert, funktioniert die Dynamik der Geschichte sehr gut, insbesondere der erste von zwei Twists, die sich Tom Taylor behutsam zur Seite gelegt hat.

Star Wars: Age of Resistance Special #1

© & TM Lucasfilm Ltd. All rights reserved.

Das Artwork von Matteo Bufagni erinnert mich an Cam Stewart, jenen Star-Wars-Künstler vergangener Zeiten, und brilliert vor allem beim Einfangen der Gesichter, insbesondere bei Harrison Ford aka Han Solo (auch, wenn er mir etwas zu jung wirkt).

Das Hauptproblem bei fast allen Star-Wars-Geschichten (bei Star Trek ist es nicht anders) außerhalb des »Kanons« ist natürlich, dass man meist innerhalb der Lücken im narrativen Puzzle agieren muss (ein erklärendes Beispiel für Filmfreunde wäre Rogue One). Gerade bei Age of Rebellion und Age of Resistance legt man aber Wert darauf, die Geschichten nicht irgendwo in einer nicht genau definierten Vergangenheit spielen zu lassen (à la Solo), sondern die Zwischenräume in chronologisch genauer umrissenen Bereichen auszufüllen (und zwar nicht in so schwammigen Epochen wie den Clone Wars).

Das merkt man bei so kurzen Geschichten, wo man neue Figuren nicht besonders umfassend etablieren kann, besonders deutlich. Ich muss zugeben, dass ich mich an die Figur Amilyn Holdo nur erinnern konnte, weil sie von Laura Dern gespielt wurde und ihre violette Haarfarbe (hübsches Cover von Phil Noto übrigens) bisher in diesem Universum noch unverwechselbar scheint. Im Textmaterial, mit dem jedes dieser Hefte aufgestockt wird, erfuhr ich aber, dass dies ursprünglich eine Romanfigur war, die J.J. Abrams und Konsorten mit in die dritte Trilogie übernahmen. Weil ich mich nicht dezidiert um Star-Wars-Minutiae kümmere, war mir nicht einmal bewusst, dass so etwas gemacht wird (vielleicht machen deshalb auch viele Leute so ein Aufhebens um Captain Phasma, deren Tom-Taylor-Comic auch bald erscheinen müsste).

Wie in jeder der drei Geschichten in diesem Heft wird auch hier der dunklen Seite (auch, wenn Baron Somareeva vielleicht nicht zu super trennscharf dazu gehört) deutlicher Schaden zugefügt, wobei der Haupttwist eigentlich darin besteht, eine häufig benutzte Taktik aus space operas »abzuspulen« - und sie dabei wie den genialsten Kniff aller Zeiten darzustellen. Das funktioniert nur so ansatzweise, und Laura Dern kann man auch nirgends in der Geschichte anders als durch ihr lila Haupthaar identifizieren. Trotzdem hat mir die Zusammenarbeit von G. Willow Wilson (Ms. Marvel, Wonder Woman) und Elsa Charretier (The Unstoppable Wasp) am besten von allen drei Geschichten gefallen. Nicht zuletzt, weil das Artwork am dynamischsten ist und mich an Darwyn Cooke erinnert (da geht außer Alex Toth an einem guten Tag eigentlich nichts drüber).

Star Wars: Age of Resistance Special #1

© & TM Lucasfilm Ltd. All rights reserved.

Die dritte Geschichte dreht sich um BB-8, den ich nicht so »süüß« finde wie offenbar viele, und der hier bei seinem heldenhaften Auftreten zum einen auf eine ausgelutschte Paar-Synergie aufbaut ... und für meine Verhältnisse zu deutlich einem jungen Publikum in die Hände spielt, wenn er einige Droids rettet, die rein zufällig allesamt nicht größer als ein Meter zu sein scheinen und ein wenig zu sehr an die »kleinen Strolche« oder gar die Ewoks erinnern. Das passt zwar zu den typischen Sujets des Autors und Droiden-Experten Chris Eliopoulos (der bekanntlich auch oft zeichnet und / oder lettert), aber wirkt auf mich etwas ausgelutscht. Immerhin ist die Koloration die Spannendste im Heft (Guru-eFX).

Star Wars: Age of Resistance Special #1

© & TM Lucasfilm Ltd. All rights reserved.


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  Batman: Secret Files #2

Batman:
Secret Files
#2

Writers: Andy Kubert, Steve Orlando, Mairghread Scott, Tim Seeley, Collin Kelly & Jackson Lanzing; Artists: Carlos D'Anda, Patrick Gleason, Amancay Nahuelpan, Eduardo Risso, Guiseppe Camuncoli (pencils) & Cam Smith (inks); Cover: Andy Kubert; Colorists: Luis Guerrero, John Kalisz, Tomeu Morey, Trish Mulvihil, Dave Stewart & Brad Anderson (Cover); Letterers: Clayton Cowles, Tom Napolitano, Steve Wands, John Workman & Andworld Design; DC Comics; $ 4,99

Wären nicht Age of X-Man und die beiden Hickman-Serien, würde ich dazu neigen, von einem Comic-Sommer der »Non-Events« zu sprechen. War of the Realms und Absolute Carnage drüben bei Marvel lassen mich kalt, noch größer ist aber die Enttäuschung bei den zusammenhängenden DC-Events um das Year of the Villain, Event Leviathan und dem Batman-Mehrteiler »City of Bane«. Als Reklame für das umfassende Year of the Villain-Crossover heißt es in den house ads, dass man nicht alle Hefte lesen müsse, aber man so sichergehen könne, keinerlei Nuancen zu verpassen (meine Paraphrase). Dann gibt es noch völlig überteuerte card-stock alternate covers und man wird animiert alle Cover mit battle-damaged Logos, demnächst kommen dann die acetate covers die jeweils dem Heft einen anderen »Titelhelden« zuordnen, der jedoch fast immer ein Schurke ist (bspw. »Bizarro and the Terribles« statt »The Terrifics«). Mein bisheriger Eindruck bei dieser umfassenden Geldschneiderei: »weniger ist mehr!«

Als Tie-In zur City of Bane-Storyline, die mich ungeachtet des Umstands, dass Tom Kings Batman langfristig vermutlich die beste Mainstream-Superhelden-Serie ist (wobei es wirklich von Vorteil ist, wenn man die zurückliegenden 76 Hefte alle kennt - werden ja fleißig als Paperbacks gesammelt), bisher nicht wirklich anrockt, gibt es nun ein Batman: Secret Files-Special, das übrigens nicht einmal im Ansatz irgendwelche Akten liefert, in denen man sich die Hintergrundinfos holen kann (heutzutage gibt es dafür irgendwelche Wikis), sondern einfach fünf Achtseiter um die zentralen Gegenspieler bietet, mit denen Batman sich aktuell rumschlagen muss.

Batman: Secret Files #2

© 2019 DC Comics. All Rights reserved.

Der Joker-Geschichte (Kubert / Nahuelpan) hat zumindest einen interessanten und auch humorvollen Ansatz, denn der Joker hat Batman hier wie einen Schmetterling gefangen und kämpft quasi gegen die vielen kleinen Gadgets, die Batman in seinem Anzug versteckt hat. Der Psycho Pirate, der mittlerweile für die Geschichte Batmans noch wichtiger scheint als Kite-Man, versammelt in einer Geschichte von Kelly, Lanzing und D'Anda eine Art Kommune um ihn, deren Emotionen er manipuliert.

Leider enden die ersten drei Geschichten jeweils damit, dass Batman dem jeweiligen Schurken unterschiedlich drastisch die Fresse poliert. Das fällt dann schon als nicht besonders abwechslungsreich negativ auf. Die dritte Geschichte, um den Riddler, bietet für den besonders aufmerksamen Leser offenbar eine Art Quiz, das Rätsel des Riddlers kann man unabhängig von der Story (Scott / Camuncoli / Smith) lösen. Eigentlich würde ich so etwas ja spannend finden, aber ich habe einfach nicht den Nerv dafür, mich damit abzugeben. Nicht zuletzt auch, weil die Knobeleien des Riddlers mich traditionell noch nie wirklich begeistern konnten. Dann lieber ein Detektiv-Comic mit Micky-Maus, auch wenn man da spätestens mit 14 und ein wenig Genre-Hintergrund die allermeisten durchschaut.

So fiel mir zwar auf, dass Batman mal ein Spital besucht, dass an der Kreuzung von »Knight Street« und »Rook Avenue« liegt, aber vergleichbare eindeutige Schachhinweise drängten sich mir nicht auf. In der Geschichte gibt es eine Wand voller Überwachungsmonitore, vor der der Riddler lange steht - und er verteilt Post-its auf einigen der Monitore, was für mich andeutete, dass ich herauskriegen muss, was auf diesen fünf Monitoren während der Geschichte gezeigt wurde. Ich blätterte tatsächlich zurück, musste aber feststellen, dass man auf früheren Panels die Standorte der Monitore nicht mal ansatzweise zuordnen kann. Und an dieser Stelle hatte ich dann keine Lust mehr auf dieses Spielchen.

Erst als ich beim Abfassen dieses Textes erwähnen wollte, wie viele Monitore es sind (mir war auch aufgefallen, dass in der untersten Reihe einige abgeschaltet sind), fiel mir auf, wie deppert das vermeintliche Rätsel ist. Ich dachte wirklich, dass es über das Niveau von Fünftklässlern hinaus geht und ich in Zukunft auf den Autoren (oder Autorin? Der Vorname Mairghread ist mir nicht wirklich vertraut...) achten muss, aber diese Variante von »hidden in plain sight« fand ich dann schon fast peinlich (ich habe mich übrigens dagegen entschieden, an dieser Stelle die »Lösung« zu präsentieren. Schaut euch die Seite mit den Monitoren an: Irgendwann klickt es dann auch bei euch).

Weiter im Text. Eduardo Rizzo hat nach einem Skript von Steve Orlando seinen Spaß mit Hugo Strange, der in einer Art Saw-Setting sein Wissen über Batman mehren will, indem er fünf vermeintliche Verdächtige in Batman-Kostümen an gemeingefährliche Folterinstrumente hängt. Hübsche Zeichnungen (und Seitenlayouts), weniger hübsche Geschichte. Die quasi unvermeidbare Bane-Geschichte zum Schluss stammt von Tim Seeley und Patrick Gleason, eigentlich überdurchschnittliche Ablieferer in der Comic-Branche - aber aus unerfindlichen Gründen fand ich die Seiten klar am besten, in denen es mehr um Randfigur Batman als um Bane geht. Wie Butler Alfred seinen Chef per Audioverbindung fragt, ob er ihm aus einer exotischen Lokalität vielleicht eine kulinarische Spezialität mitbringen kann, war für mich der beste Moment im ganzen Heft.

Batman: Secret Files #2

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Tiefgehende Einsichten über die Batschurken, die einem für City of Bane Zusatzinformationen liefern, sollte man hier definitiv nicht erwarten. Das Spannendste an diesen Kurzgeschichten um Figuren, die im DC-Universum eine höhergestellte Rolle spielen, ist für mich, wenn sich neue Autoren und Zeichner beweisen können. Oder Routiniers sich an Fingerspielereien ergötzen. Davon gab es hier zu wenig für meinen Geschmack.


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Andere gelesene Neuerscheinungen dieser Woche
(die sind nicht automatisch alle schlechter, ich wollte nur nichts dazu schreiben):
Dracula (starring Mickey Mouse) (one-shot), Frozen: The Hero within #2 (of 4), The Green Lantern Annual #1, Killers #1, Knights Temporal #1, Marvel Team-Up #4, Planet of the Nerds #4, Powers of X #1 (of 6)

Nächste Woche wird wieder gesammelt und pausiert.

Für die nächste Ausgabe in ca. 12 Tagen anvisiert:

Rezensionen zu Fantastic Four: 4 Yancy Street #1 (one-shot), Ghost-Spider #1, Gogor #4, Powers of X #2 & 3 (of 6), Silver Surfer: The Prodigal Sun #1 (#2 of 3 connecting titles) oder Superman: Year One #2 (of 3) (das ist wie üblich nur die Vorauswahl, dieses Mal bin ich ja auch stark von den Planungen abgewichen).