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Die Box




Dezember 2007
Thomas Vorwerk
für satt.org

Enchanted
Soundtrack von Alan Menken,
Stephen Schwartz u. a.

Den Soundtrack zum diesjährigen Weihnachtsfilm Enchanted gibt es in der US-Version (hier besprochen) und einer mit den deutschen Versionen der im Film gesungenen Songs, wobei Gil Ofarims So nah! (OT: So close) wahrscheinlich noch der nachvollziehbarste Grund sein könnte, die deutsche Version zu kaufen. Da ich aber eher auf Amy Adams stehe und bei eingedeutschten Disney-Songs immer eine (nicht positive konnotierte) Gänsehaut bekomme, war dies für mich nie die Frage.

Soundtrack: Enchanted (Alan Menken, Stephen Schwartz u. a.)

Kleines Rechenexempel: Von der US-Version ausgehend, finden sich auf der deutschen Version nur vier Songs in anderer Version. Wenn man diese knappe Viertelstunde als Bonussektion einfach der Original-Ausgabe beigefügt hätte, hätte die Spieldauer immer noch knapp unter 70 Minuten betragen. Aber entweder hat die Gier mal wieder gewonnen, dis Sache mit den Rechten war kompliziert, oder man wollte Puristen wie mir einen Gefallen tun, denn eigentlich brauche ich auch keine deutschsprachigen Teile auf “meiner” CD.

Zur Einführung: Vom vielfachen Oscar-Gewinner Alan Menken besitze ich mit Ausnahme von The Little Mermaid (dt.: Arielle die Meerjungfrau, hiervon habe ich aber auf Disney-Samplern die wichtigsten Songs) immerhin Little Shop of Horrors, Beauty and the Beast und Aladdin, und in meinen Augen (oder besser: Ohren) ist er der beste “Disney-Musical”-Komponist seit den legendären Sherman Brothers (The Jungle Book, Mary Poppins, Aristocats usw.). Nachdem Menkens Texter Howard Ashman während der Arbeit an Aladdin verstarb (die dann von einem anderen Texter fortgeführt wurde), hatten mich seine Arbeiten zu Filmen wie Pocahontas nicht mehr so wie früher verzückt, aber nach dem Besuch von Enchanted hatte ich die Melodien des Films noch Tage später im Ohr und hörte mir die entsprechenden Filmausschnitte auf youtube erstaunlich oft an. Die etwa zwei Monate zwischen der frühen Pressevorführung und dem Erhalten der CD dürfte aus meiner Sicht die längste Vorfreude auf eine Tonträger seit Becks Guero gewesen sein.

Nun also eine Besprechung Song für Song.

1. True Love’s Kiss (Amy Adams & James Marsden): Etwas schmalzig, mit den kleinen Waldtieren im Chor (Vorbereitung auf Happy Working Song), aber ich mag es so. Wenn Prince Edward dazu kommt, gibt es eine der schönsten Doppelzeilen, die man je in einem Song hörte:

Edward: “You’re the fairest maid I’ve ever met.
You were made ...”
Giselle: “... to finish your duet.”

2. Happy Working Song (Amy Adams): Ganz in der Tradition des Disney-Originals Whistle While You Work aus Snow White and the Seven Dwarfs. Mit einigen innovativen Reimen auf Worte wie "kitchen", "stain", "vermin", "scum" oder "toilet" und musizierenden Küchenschaben.

3. That’s How You Know (Amy Adams): Leider auf der CD ohne die Zwischenkommentare von Patrick Dempsey (“Are you crazy? They're birds - They don’t know where Nancy lives ...”), aber dennoch klar der Song des Films, der auch ganz ohne die Bilder noch verzaubert. Menken baut schon früh die aus The Little Mermaid bekannten jamaikanischen Elemente ein, doch bei dieser Bombast-Nummer stehen die Einflüsse natürlich Schlange, sogar deutsche Volksmusik (oder was - die glücklichen! - US-Amerikaner sich darunter vorstellen) wird mit eingearbeitet. Übrigens für den Golden Globe nominiert.

4. So close (Jon McLaughlin): Wenn ich mich nicht irre, der Song aus der Tanzszene auf dem Ball gegen Schluss. Für meine Begriffe etwas zu schmalzig, was aber natürlich bei der großen Liebesszene des Films nicht fehlen darf.

5. Ever ever after (Carrie Underwood): Die Interpretin gewann 2005 die vierte Staffel von American Idol (US-Version des britischen Pop Idol, bei uns als DSDS verarbeitet), begann danach aber im Gegensatz zu den deutschen Gewinnern der entsprechenden Castingshow eine veritable Karriere mit Grammy-Auszeichnung etc.
Ungeachtet meiner Geringschätzung solcher Formate macht sie ihre Sache ziemlich gut, der Nachspann-Song geht gut ins Ohr, hat einige bemerkenswerte Zeilen (“Start a new fashion / wear your heart on your sleeve”), und insbesondere der dazugehörige Musikvideo (hoffentlich auf der DVD) spielt das Prinzip des Films auf nette Art weiter, sogar mit einer Zeichentrick-Carrie Underwood, die offenbar von den Original-Animatoren kredenzt wurde.

6-14. Diverse Titel (Score von Alan Menken): Auf den Soundtracks zu Beauty and the Beast und Aladdin hat man die Songs mit den reinen Hintergrundmusiken in streng chronologischer Reihenfolge gemischt gehabt, was beinahe einen Hörspielcharakter entwickelte, denn man konnte rein akustisch noch mal der gesamten Geschichte folgen. Hier sind diese beiden Teile voneinander getrennt (wohl auch, um “Reinhörern” im CD-Laden mit den ersten fünf Songs die Kaufentscheidung zu erleichtern), wodurch sie leider ohne mehrfaches Sichten des Films noch keine tiefergehende Verankerung erfahren. Bemerkenswert ist bei Nathaniel and Pip (Track 7) die offensichtliche Übernahme einiger Klänge aus Beauty and the Beast, Girls go Shopping (Track 9) ist eine folky Reprise der Hauptthemen, was man dann auch in der Enchanted Suite (Track 14) in der (etwas längeren) Zuckerguss-Version nochmal erlebt.

15. That’s Amore (James Marsden): Es zeugt immerhin vom immensen Mut des Schauspielers James Marsden (“Cyclops” in den X-Men-Filmen), daß er sich an diesen Schmalz-Klassiker wagt, bei dem jeder die Stimme von Dean Martin im Ohr hat. Marsden macht seine Sache erstaunlich gut, bringt an einigen Stellen auch gut die Arroganz seiner Filmfigur in der Stimme herüber, doch er ist halt nicht Dean Martin, und das Arrangement ist auch less than classical.