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Die Box


 
April 2003
Hagen G. Jung
für satt.org


Hagen Gunther Jung:
Schrottkunst I

Weitere Fotoarbeiten von Hagen Jung:
Schrottkunst III
Schrottkunst II
Doch Du mein stiller Hafen
oben und unten

Buchempfehlung
zum Thema:

Martina Lauinger:
Alles Schrott?

Paul Haupt-Verlag, Bern 2002

Martina Lauinger: Alles Schrott?

256 S., geb.
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Hagen G. Jung: Schrottkunst


Allerlei Gegenstände, die nicht mehr gebraucht werden oder die für ihren ursprünglichen Zweck unbrauchbar geworden sind, wandern auf den Müll, die metallenen unter ihnen auf den Schrott. Dieser ist damit eine schier unerschöpfliche Quelle für Rohmaterialien, die wieder aufgearbeitet, umgeformt und neu kombiniert zu Kunstobjekten werden.
Solch einem Tun wohnt sicherlich mehr als der bloße Recyclinggedanke inne, nämlich eine konsumkritische Haltung.
Schrottkunst - Kunstschrott

Schrottkunst - Kunstschrott

Schrottkunst - Kunstschrott
Die auf dem Schrott zu findenden Materialien sind beispielsweise Maschinenteile wie Zahnräder und Ketten, Motoren und andere Antriebsteile, Bauelemente wie Moniereisen und Rohre, aber auch ausgediente Heizungskessel oder ausgestanzte Bleche.
Sollen diese Altteile zu einem Kunstobjekt umgearbeitet werden, muß häufig zuerst eine Entrostung sowie die Grobbearbeitung erfolgen. Das wichtigste Werkzeug dazu ist die Flex, die mit Trenn- und Schruppscheiben oder mit rotierenden Drahtbürsten bestückt ist. Die weitere Bearbeitung der Schrotteile, Biegen, Ausformen, Anpassen wird manuell, mit Hammer und Amboss, erzielt, wobei auch Schmiedetechniken, also die Bearbeitung erhitzter und dadurch erweichter Werkstücke, zur Anwendung kommen.

Nach der Vorbereitung der Schrottkomponenten werden diese zusammengefügt, was fast ausschließlich mittels (Elektro-) Schweißen erreicht wird. Dabei werden die zu verbindenden Teile durch einen extrem heißen Lichtbogen lokal verflüssigt und miteinander verschmolzen. Der Schweißvorgang wird unter sogenanntem Schutzgas ausgeführt, das eine übermäßige Oxidation der glühenden Metallteile verhindert.
Trotzdem ist eine Nachbearbeitung der Objekte (wieder mit der Flex) sinnvoll, um Schweißschlacken und oberflächliche Verfärbungen zu entfernen und die Einzelteile einander weiter anzupassen.
Schrottkunst - Kunstschrott

Schrottkunst - Kunstschrott

Schrottkunst - Kunstschrott

Schrottkunst - Kunstschrott
Abschließend erfolgt eine Oberflächenvergütung. Einem Polierschritt kann eine Konservierung mit Klarlack oder 'Schwarzbrennen' folgen. Oft gibt auch das Belassen der natürlichen Oberfläche (Rost) den Objekten einen sehr eigenen Charakter, der durch Aufbringen von Säure oder Salzlauge noch gesteigert werden kann.
Im wesentlichen wird Stahlschrott verwendet, teilweise auch Neumaterial sowie Edelstahl, der jedoch einer speziellen Bearbeitungstechnik bedarf, sollen seine rostfreien Eigenschaften erhalten bleiben. Andere Metalle wie etwa Aluminium werden so gut wie nie verarbeitet, weil sie nicht konventionell geschweißt werden können. Übrige Materialien wie Holz, Stein, Knochen oder auch Plastik können, was besonders reizvoll ist, mit den eigentlichen Stahlteilen kombiniert werden.



Auf diese Weise entstehen Kunstobjekte, die entweder sinnvoll (Design) oder sinnfrei (Reine Kunst) sind und die ihre Herkunft nicht verleugnen oder die ihren Schrottcharakter zur Gänze abgelegt haben.
Die abgebildeten Objekte können erworben werden und sind in der Werkstatt der Künstlergruppe KATT entstanden. Unter www.katt-hannover.de sind weitere Informationen über Künstler und Stahlobjekte erhältlich.
Interessierte, die lieber ein Buch in den Händen halten, können sich durch das hervorragende Buch "Alles Schrott?" von Martina Lauinger (Paul Haupt-Verlag, Bern) inspirieren lassen.



Schrott-Kunst?
Schrott,Kunst?
Kunstschrott!