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Die Box



Mai 2002
Frank Willmann
für satt.org



Kleine Vereine
Eine Artikelreihe
von Frank Willmann


S.C. Cosmos Moabit 78 e.V.
Grüne Tulpe e.V.
S.C. Minerva 1893 e.V.
FC Tiergarten 58 e.V.
BFC Tur Abdin Berlin
Sport-Fischer Verein Nord-West e.V.

Fußball-Piktogram

BFC Tur Abdin Berlin
Ein aramäischer Fußballclub in Berlin

Shlomo heißt Frieden



Das traditionsreiche Berliner Poststadion an der Lehrter Strasse, von der Berliner Schnauze wegen seines maroden Zustandes "Posthumstadion" genannt, bietet vielen kleinen Fußballvereinen Platz für ihren Ballsport.
Poststadion (Berlin)Einer der hier ansässigen Clubs ist BFC Tur Abdin Berlin.
Tur Abdin ist ein junger Verein, gegründet Anfang der 80er Jahre von Mitgliedern der aramäischen Gemeinde Berlins.

Der Club leitet seinen Namen von einem Landesteil in der Türkei ab, der eigentlichen Heimat der Aramäer. Tur Abdin heißt wörtlich übersetzt "Berg der Knechte Gottes".

Die Aramäer sind ein alter semitischer Stamm. Sie bekannten sich, schon frühzeitig zum Christentum, etwa 50 nach Christi Geburt.

Immer wieder schärfsten Verfolgungen in ihrer langen Geschichte ausgesetzt, fanden die Nachstellungen um 1914 in der Türkei ihren finsteren Höhepunkt, als ein großer Teil des Volkes während der Pogrome gegen Armenier und andere Christen ermordet wurde. Die Überlebenden flohen nach Syrien, oder lebten ihre Religion im verborgenen, wurden zwangsislamisiert und konnten sich erst Jahre später wieder öffentlich zu ihrem Glauben bekennen.

Als die BRD in den 70er Jahren Gastarbeiterland wurde, kamen viele Aramäer nach Berlin, um eine Arbeit zu finden. Andere folgten ihnen nach und beantragten seit 1975 in der BRD politisches Asyl, was den Menschen wegen der Geschichte ihrer langen Verfolgung zum größten Teil gewährt wurde. Symbol der Aramäer: Adler

Heute leben ca. 2500 Aramäer in Berlin, 90 % von ihnen besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft, sie sind integriert ins gesellschaftliche Leben, Sport ist ein Teil davon.

Der Fußballclub ist seit 1983 eingetragener Verein, man spielte einige Jahre in der Freizeitliga, ehe der Club 1996 dem Berliner- Fußball-Verband beitrat. Viele der Spieler sind Aramäer, doch Gründungsmitglied Yevsi Gürkan sagt: "Jeder Sportler ist bei uns willkommen."
Dementsprechend ethnisch gemischt ist die erste Männermannschaft, die in der Kreisliga A um Punkte kämpft. Die Spieler haben das Fußball ABC bei größeren Berliner Vereinen gelernt, spielten alle schon in höherklassigen Ligen und versuchen nun, Tur Abdin nach oben zu bringen. Dafür wird zweimal in der Woche trainiert.

Anfang der Saison 2001/2002 gab es Probleme. Anlässlich des Mittepokals testete Tur Abdin einige Spieler. Es kam zu verbalen Attacken, wie sie auf jedem Fußballplatz der Welt vorkommen. Einigen der Gastspieler Tur Abdins begann das Blut zu kochen, sie vergaßen alle Fairness, es kam zu bösen Szenen nach dem Spiel.
Zwar trennte sich Tur Abdin sofort von diesen Spielern, trotzdem kam es zu einer Bestrafung durch den Berliner Fußballverband, man wurde vom Spielbetrieb suspendiert und verlor so wichtige Punkte.
"Das sind Geschichten, aus denen man nur lernen kann", sagt Albert Tuermann, einer der beiden Spielertrainer, mit Bedauern. "Wir sind ein Sportverein, der sich zum Sportsgeist bekennt."

Kontakt:
Albert Tuermann (Tel. 030-34007236 + 030-21963929)

Spielort:
Poststadion Lehrter Strasse

Weitere Infos:
» www.aramaeer.de
» Tur Abdin-Länderbeschreibung